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Transkript: #ibizagate Video mit Kommentar von Martin Knobbe (SPIEGEL)


Datum Freitag, 17. Mai 2019, 18 Uhr
Stand Samstag, 25. Mai 2019
Quelle Auf spiegel.de zum Nachsehen


Martin Knobbe

Martin Knobbe

Der Spiegel
Frederik Obermaier

Frederik Obermaier

Süddeutsche Zeitung
Heinz-Christian Strache

Heinz-Christian Strache

ehem. Vizekanzler, ehem. FPÖ Parteiobmann
Johann Gudenus

Johann Gudenus

Oligarchin

Oligarchin

Stimme aus dem Off

Stimme aus dem Off



Transkript Text Theater

Transkript
Dieter Zirnig (Team Neuwal) (Transkript)  


Einleitung

Martin Knobbe

Der Süddeutschen Zeitung und dem Spiegel wurden Video-Aufnahmen zugespielt, die eine Falle zeigen. Die Situation spielt 2017, kurz vor den Nationalratswahlen in Österreich. Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus von der FPÖ wurden in diese Villa auf Ibiza gelockt. Unter dem Vorwand, dass dort eine angebliche Nichte eines russischen Oligarchen darüber reden will, wie man Geld in Österreich investieren kann. Russisches Geld. Relevant ist, dass in diesem Video Aussagen getroffen werden, die nicht nur moralisch und politisch fragwürdig sind, sondern möglicherweise auch strafrechtliche Relevanz haben.

Die Videofalle #ibizagate (von spiegel.de)



spiegel.de
Quelle: spiegel.de (abgerufen am 25.05.2019)

Videosequenz: Spenden und Spender für den Wahlkampf I

Johann Gudenus

Wenn es sowas überhaupt gibt oder Du sagen willst. Gibt es Spender für die Wahl jetzt für den Wahlkampf?

Heinz-Christian Strache

Ja, ja, ja.

Johann Gudenus

Erzähl.

Heinz-Christian Strache

(lacht) Ja, dann musst du übersetzen.

Es gibt ein paar sehr Vermögende. Die zahlen zwischen 500.000 und eineinhalb bis zwei Millionen. Das ist...

Johann Gudenus

Jetzt für die Wahl?

Heinz-Christian Strache

Ja.

Johann Gudenus

(Gudenus übersetzt von Deutsch ins Russische)

Heinz-Christian Strache

Die zahlen aber nicht an die Partei, sondern an einen gemeinnützigen Verein.

Oligarchin

Mhm.

Johann Gudenus

OK. Beispiel.

Heinz-Christian Strache

Das musst du erklären. Verein.

Johann Gudenus

(zeigt mit Zeigefinger zu einem anderen Platz) Habe ich vorher schon erklärt.

Heinz-Christian Strache

Du musst erklären, dass das nicht an den Rechnungshof geht.

Johann Gudenus

Ich hab's erklärt. (übersetzt ins Russische)

Kommentar

Frederik Obermaier

Auffällig ist, dass Strache und Gudenus mit der vermeintlichen Russin darüber reden, wie man denn Spenden an die FPÖ im Endeffekt schleusen könnte. Vorbei am Rechnungshof und damit auch vorbei an der Öffentlichkeit. Sie reden nämlich davon, dass sie denn, wenn sie wolle, Spenden könnte. Aber nicht an die Partei, sondern an einen gemeinnützigen Verein. Es ist im Endeffekt nichts anderes als eine Umgehung des österreichischen Parteiengesetzes und der österreichischen Vorschriften, was es Parteispenden angeht.

Videosequenz: Spenden und Spender für den Wahlkampf II

Heinz-Christian Strache

Die Spender, die wir haben, sind in der Regel Idealisten. Die wollen Steuersenkung

Johann Gudenus

(Gudenus übersetzt)

Oligarchin

(antwortet auf Russisch) [...] ya ne ponimayu (dt.: Ich verstehe nicht.)

Johann Gudenus

(fragt Strache etwas)

Heinz-Christian Strache

Gaston Glock zum Beispiel.

Oligarchin

(antwortet auf Russisch)

Johann Gudenus

Glock. Glock. (simuliert mit den Händen eine Schussbewegung) Glock. Glock.

Heinz-Christian Strache

Genau. Heidi Horten.

Johann Gudenus

Heidi Horten.

Heinz-Christian Strache

Ja.

Oligarchin

(antwortet auf Russisch)

Johann Gudenus

Pistols. Glock. (simuliert mit den Händen eine Schussbewegung)

Heinz-Christian Strache

Heidi Horten ist ein Beispiel.

Johann Gudenus

(übersetzt)

Heinz-Christian Strache

René Benko, der die ÖVP und uns zahlt...

Johann Gudenus

(übersetzt)

Heinz-Christian Strache

...einer der größten Immobilienmakler Österreichs.

Johann Gudenus

Novomatic.

Heinz-Christian Strache

Novomatic zahlt alle.

Johann Gudenus

Novomatic. Glücksspiel.

Heinz-Christian Strache

In Wahrheit der größte Steuerzahler Österreichs. Glücksspielkonzern.

Kommentar

Frederik Obermaier

Wenn das stimmt, dass diese Personen, wie Strache sagt, den sechs- bis siebenstelligen Betrag über diesen vermutlich illegalen Weg schon an die Partei spenden, ist es sicherlich was, wo ich sogar vermuten würde, dass sich die Staatsanwaltschaft sehr, sehr genau dafür interessieren wird.

Martin Knobbe

In dem Gespräch geht es über Stunden darum, wie diese angebliche Russin sich möglicherweise in die Kronen Zeitung einkaufen könnte. Also Anteile erwerben könnte. Heinz-Christian Strache spricht hier sehr deutlich davon, was man für einen Vorteil haben könnte. Wie gesagt, wir befinden uns hier kurz vor den Nationalratswahlen in Österreich. Es geht hier ganz klar um ein Interesse daran, die Kontrolle über ein unabhängiges Medium zu gewinnen.

Videosequenz: Kronen Zeitung

Heinz-Christian Strache

Schau, wenn Sie wirklich die Zeitung vorher übernimmt. Wenn das wirklich vorher, um diese Wahl herum - zwei, drei Wochen vorher -, die Chance gibt, über diese Zeitung uns zu pushen.

Stimme aus dem Off

[...] Ja eben, das meine ich.

Heinz-Christian Strache

Da brauchen wir gar nicht reden.

Johann Gudenus

(zu Strache) He, he.

Heinz-Christian Strache

Dann passiert ein Effekt, den die anderen ja nicht kriegen.

Stimme aus dem Off

Richtig, ja. [unverständlich]

Johann Gudenus

(zu Strache) Nur, warte. Und es geht auch noch...

Stimme aus dem Off

[unverständliches Durcheinander] Es geht ja nur um 10 Prozent plus.

Johann Gudenus

Es geht ja nur...

Heinz-Christian Strache

(nickt) Schau, wenn.... Wenn das Medium...

Johann Gudenus

(nickt) Eben.

Heinz-Christian Strache

...zwei, drei Wochen vor der Wahl...

Johann Gudenus

(nickt) Plötzlich...

Heinz-Christian Strache

plötzlich dieses Medium auf einmal uns pusht.

Johann Gudenus

Ja. Eben.

Stimme aus dem Off

[unverständliches Durcheinander] Ja.

Heinz-Christian Strache

Dann hast du recht.

Johann Gudenus

Eh.

Heinz-Christian Strache

Dann machen wir nicht 27. Dann machen wir 34.

Stimme aus dem Off

Eben.

Heinz-Christian Strache

Und das ist genau der Punkt.

Johann Gudenus

Genau.

Heinz-Christian Strache

Schau, schau. Wenn sie... Sobald sie die Kronen Zeitung übernimmt. Sobald das der Fall ist.

Stimme aus dem Off

Mhm.

Heinz-Christian Strache

Müssen wir ganz offen reden. Da müssen wir uns zusammenhocken, müssen sagen: So, da gibt es bei uns in der Krone zack, zack, zack. Drei, vier Leute...

Stimme aus dem Off

[unverständliche] Ja....

Heinz-Christian Strache

...die müssen gepusht werden, drei, vier Leute, die müssen abserviert werden.

Stimme aus dem Off

[unverständliches Durcheinander] Ab. Ja. Roter, Grüner...

Heinz-Christian Strache

Genau. Der ist gut... [unverständlich] Und wir holen gleich noch einmal fünf neue rein die wir aufbauen. Ja. Und das ist der Deal.

Stimme aus dem Off

[unverständlich]

Kommentar

Frederik Obermaier

Was wir hier sehen ist auch deswegen interessant, weil die FPÖ unter Strache sich immer als die 'Saubermann-Partei' dargestellt hat. Die... Korruption, das sind die anderen oder das war die eigene Partei vor langer Zeit unter Haider. Aber das sind nicht wir. Wir sind diejenigen, die sich ans Recht und Gesetz halten. Wenn wir jetzt aber sehen, wie hier geschachert wird. Wie Dinge in Aussicht gestellt werden. Wie zum Beispiel der Entzug von Staatsaufträgen von einem sehr, sehr einflussreichen österreichischen Unternehmer. Da muss man sich dann schon fragen, ob dieses Saubermann-Image in Wahrheit nur so eine Fassade ist, hinter der es ganz anders aussieht.

Strabag, Autobahn und Hans-Peter Haselsteiner

Heinz-Christian Strache

Schau. Und da sind wir genau beim Thema Strabag. Autobahnen. Du, das erste, in einer Regierungsbeteiligung, was ich zusagen kann, ist...

Johann Gudenus

(macht eine Weg-Kopfbewegung) Weg.

Heinz-Christian Strache

Der Haselsteiner kriegt keine Aufträge mehr.

Johann Gudenus

Genau. (schenkt sich ein Glas Wein ein)

Stimme aus dem Off

[unverständlich]

Heinz-Christian Strache

So. Und dann haben wir ein Riesenvolumen an infrastrukturellen Veränderungen. Wenn da eine Qualität da ist und ein qualitativer Anbieter da ist bin ich der Erste, der sagt...

Stimme aus dem Off

[unverständlich]

Heinz-Christian Strache

Tschuldigung, Tschuldigung. Dann sage ich ihr, dann soll sie nämlich eine Firma wie die Strabag gründen. Weil alle staatlichen Aufträge, die jetzt die Strabag kriegt, kriegt sie dann.



Quellen
Quelle Auf spiegel.de zum Nachsehen
Header Auf spiegel.de zum Nachsehen
Martin Knobbe (Bild) twitter.com/MartinKnobbe
Frederik Obermaier (Bild) twitter.com/f_obermaier
Heinz-Christian Strache (Bild) (c) Daniel Weber
Johann Gudenus (Bild) www.fpoe.at
Oligarchin (Bild)
Stimme aus dem Off (Bild)




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