Transkript: Antrittsrede von Elisabeth Köstinger als Nationalratspräsidentin

Transkript von Dieter Zirnig am 06.11.2017

Transkript: Antrittsrede von Elisabeth Köstinger als Nationalratspräsidentin.

Donnerstag, 9. November 2017

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Transkriptstatus: Donnerstag, 9. November 2017

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neuwal


Dieter Zirnig

Dieter Zirnig (neuwal.com)

Transkript


Moderation und TeilnehmerInnen

Elisabeth Köstinger

Elisabeth Köstinger

√ĖVP Abgeordnete und Nationalratspr√§sidentin

 


Bildquellen
Elisabeth Köstinger: wikipedia.org
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Person Zeichen Worte

Elisabeth Köstinger

6.793 1.127

Gesamt

6.793 1.127








Elisabeth Köstinger

Hohes Haus,
meine sehr geehrten Damen und Herren.

Es ist mir eine sehr gro√üe Ehre und Freude heute hier vor Ihnen und vor euch als Parlamentspr√§sidentin des Nationalrates zu stehen. Mit gro√üer Demut und vor allem Dankbarkeit nehme ich die Wahl an und werde mein Bestes daf√ľr tun eine Pr√§sidentin f√ľr alle hier in diesem Haus zu sein. Ich habe die vergangenen acht Jahre mit gro√üer Leidenschaft die Anliegen der √ĖsterreicherInnen und √Ėsterreicher im Europ√§ischen Parlament vertreten. Ich bin gl√ľhende √Ėsterreicherin und gleichzeitig eine gl√ľhende Europ√§erin. Ich habe mich immer verstanden als Verbinderin der Interessen zwischen den Fraktionen aber auch innerhalb von Europa. Und diese Erfahrung als Europaabgeordnete und vor allem als Verbinderin zwischen unterschiedlichen Meinungen m√∂chte ich besonders in die Arbeit meiner neuen Funktion auch einbringen. Ich habe mich immer schon f√ľr eine politische Kultur eingesetzt, die das Gemeinsame vor das Trennende stellt und eine Kultur, in der wir ein gemeinsames aber vor allem positives Miteinander pr√§gen.

Es ist mir eine große Ehre, dass ich in meinem neuen Amt - nach Barbara Prammer und Doris Bures - zwei starken Frauen folgen darf, die diese Funktion die letzten Jahre hinweg geprägt haben.

Herzlichen Dank.

APPLAUS
Elisabeth Köstinger

Wir versammeln uns heute hier in der Hofburg, weil wir vor kurzem damit begonnen haben unser eigentliches Parlamentsgeb√§ude zu erneuern. Und ich m√∂chte Sie alle hier herinnen dazu einladen, dass wir die n√§chsten Jahre die Chance n√ľtzen nicht nur dem Parlament eine neue H√ľlle zu geben, sondern es auch von innen her zu erneuern. Es ist unsere gemeinsame Chance, die Dinge anders zu machen und eine neue politische Kultur auch zu leben. So wie in dem alten Parlamentsgeb√§ude W√§nde, B√∂den und Einrichtung erneuert werden m√ľssen auch wir erneuern, wie wir miteinander umgehen, wie wir unsere politische Arbeit machen und vor allem wie wir √ľber unsere politische Arbeit sprechen. Wenn wir etwas Neues machen wollen dann k√∂nnen wir dabei auf ein wertvolles Fundament aufbauen.

In dieser Legislaturperiode feiern wir den hundertsten Geburtstag unserer Republik. Den hundertsten Geburtstag der √∂sterreichischen Demokratie. Wir d√ľrfen nie vergessen: Die Generationen vor uns haben viele Opfer gebracht damit wir heute hier sitzen k√∂nnen. Wir d√ľrfen auch nie vergessen, dass unz√§hlige Menschen ihr Leben lassen mussten oder im Gef√§ngnis waren, weil sie den Traum von Freiheit und Demokratie tr√§umten. Und gerade heute am Jahrestag der Reichspogromnacht sind wir all jenen verpflichtet, die ihr Leben eingesetzt haben f√ľr unsere Demokratie und f√ľr unsere Freiheit. Wir mussten uns immer wieder bewusstmachen, dass es keine Selbstverst√§ndlichkeit ist, hier als frei gew√§hlte Vertreter des Volkes die Richtungsentscheidungen f√ľr unser Land treffen zu d√ľrfen.

APPLAUS
Elisabeth Köstinger

Und es ist unsere Pflicht einen fairen und vor allem lebendigen Parlamentarismus zu leben, wo alle Stimmen Gehör finden und vor allem auch alle Meinungen zählen.

Und wenn ich hier so ins Plenum schaue dann wei√ü ich, dass wir in den n√§chsten Jahren vieles an Meinungen h√∂ren werden und dass wir vor allem viele lebendige Debatten f√ľhren werden. Ich sehe viele leidenschaftliche Politiker, Abgeordnete, die aus ehrlicher √úberzeugung - egal von welcher Partei sie kommen - diese auch vertreten. Ich sehe vor allem auch sehr viele junge Gesichter, die durch diese Wahl zu uns gesto√üen sind und was mir pers√∂nlich ein besonderes Anliegen ist: Mehr Frauen im Hohen Haus als jemals zuvor.

APPLAUS
Elisabeth Köstinger

Es sind aber nicht nur die Abgeordneten, sondern viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die hier tagein tagaus großartiges schaffen. Ich habe tiefsten Respekt vor der Arbeit, die hier jeden Tag geleistet wird. Ein herzliches Dankeschön.

APPLAUS
Elisabeth Köstinger

Als Abgeordneter ist es nicht nur unsere Aufgabe die gro√üen Richtungsentscheidungen in diesem Land zu treffen, sondern vor allem auch eng mit unseren B√ľrgerinnen und B√ľrgern in Kontakt zu sein. Viele von ihnen hier herinnen sind tief in den Regionen verwurzelt und haben eine sehr intensive Beziehung zu den Menschen, f√ľr die sich hier im Nationalrat sitzen. Und das ist ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit hier. Unseren W√§hlerinnen und W√§hler gut zuzuh√∂ren, ihre Anliegen hier zu vertreten und ihnen auch gleichzeitig Rede und Antwort zu stehen f√ľr unsere Arbeit in diesem Parlament. Und so wie sie alle hier, habe auch ich in den letzten Monaten - in ganz √Ėsterreich - sehr vielen Menschen zugeh√∂rt. Zugeh√∂rt, was ihnen wichtig ist. Und immer wieder habe ich geh√∂rt - und ich glaube, da wird es einen einigen √§hnlich gegangen sein: H√∂rt endlich auf zu streiten und arbeitet lieber f√ľr uns. Und das ist auch der Auftrag, den wir hier in diesem Hohen Haus zu erf√ľllen haben.

APPLAUS
Elisabeth Köstinger

Wir haben in den kommenden Jahren die Chance in unserem Parlament nicht nur von au√üen zu ver√§ndern, sondern auch von innen zu erneuern. Ich m√∂chte daher einen Appell an sie alle richten. Einen Appell f√ľr eine gute Zusammenarbeit, einen Appell f√ľr einen respektvollen Umgang miteinander und einen Appell f√ľr eine leidenschaftliche Auseinandersetzung, bei der es aber immer um die Sache geht. Es liegt an uns, eine neue politische Kultur zu leben. Wir haben es in der Hand, ob wir uns weiterhin gegenseitig mit negativen Kommentaren und manchmal sogar beleidigenden Bemerkungen eindecken oder ob wir uns vielleicht manchmal auch dazu durchringen k√∂nnen √ľber den anderen etwas Positives zu sagen. Jeder Einzelne hat es in der Hand, an jedem Tag, in jedem Gespr√§ch und in jeder einzelnen Wortmeldung hier im Hohen Haus.

Und neben dem respektvoll Miteinander ist mir die Transparenz der politischen Arbeit ein gro√ües Anliegen. Meine Aufgabe als Nationalratspr√§sidentin wird es sein, sicherzustellen, dass diese Transparenz f√ľr jeden auch m√∂glich ist. Ich kann Ihnen versichern mein Bestes daf√ľr zu geben, dass jede und jeder Einzelne diese Arbeit als Abgeordneter bestm√∂glich erf√ľllen kann. Das wird unser gemeinsamer Auftrag sein, die B√ľrgerinnen und B√ľrger bestm√∂glich einzubinden und eine politische Kultur zu leben, die die Menschen wieder an die Politik glauben l√§sst.

APPLAUS
Elisabeth Köstinger

Aber jeder, der schon einmal ein Haus gebaut hat, der wei√ü, ein Haus baut man nicht an einem Tag. Und ein Haus baut man vor allem nicht allein. Und so, wie es mit unserem Parlamentsgeb√§ude nicht √ľber Nacht gehen wird, wird auch unser Parlamentarismus sich nicht von heute auf morgen erneuern. Ich kann Ihnen von meiner Seite versprechen, dass ich genau daf√ľr √ľber die Parteigrenzen hinweg arbeiten werde und alle dazu einlade mitzuwirken, damit am Ende dieser Legislaturperiode wir nicht nur in einem sanierten Parlamentsgeb√§ude sitzen, sondern auch eine neue politische Kultur leben.

Bauen wir gemeinsam auf dieses √Ėsterreich.

APPLAUS