'FrĂŒhstĂŒck bei mir' mit Heinz-Christian Strache und Claudia Stöckl

Transkript von Dieter Zirnig am 25.06.2017

Transkript: 'FrĂŒhstĂŒck bei mir' mit Heinz-Christian Strache und Claudia Stöckl, 18.06.2017

Sonntag, 25. Juni 2017

Ö3/FrĂŒhstĂŒck bei mir

Transkriptstatus: Montag, 26. Juni 2017

Quelle: oe3.orf.at

Bildquelle: -


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neuwal


Dieter Zirnig

Dieter Zirnig (neuwal.com)

Transkript, Fakten, Quellen


Moderation und TeilnehmerInnen

Claudia Stöckl

Claudia Stöckl

Moderatorin FrĂŒhstĂŒck bei mir, Ö3

 
Heinz-Christian Strache

Heinz-Christian Strache

FPÖ Parteiobmann

 


Bildquellen
Claudia Stöckl: facebook.com/claudia.stockl.33/
Heinz-Christian Strache: (c) Daniel Weber
Bildquelle Header: oe3.orf.at

Audiofile 'FrĂŒhstĂŒck bei mir'

Quelle: http://files2.orf.at/vietnam2/files/oe3/201725/0001216a_530866.mp3



'Frühstück bei mir' Feed

orf.at/podcast

itunes.apple.com



Tracklist: Frühstück bei mir



Person Zeichen Worte

Claudia Stöckl

10.758 1.767

Heinz-Christian Strache

27.189 4.557

Gesamt

37.947 6.324








Claudia Stöckl

Das Ö3-SommergesprĂ€ch "Im FrĂŒhstĂŒck bei mir". Und ich bin zu Hause bei Heinz-Christian Strache, Spitzenkandidat der FPÖ. Einen schönen guten Morgen, Herr Strache.

Heinz-Christian Strache

Einen schönen guten Morgen, ein herzliches GrĂŒĂŸ Gott.

Claudia Stöckl

Vielen Dank fĂŒr die Einladung zu Ihnen nach Hause. Ich habe ja zu dem Zugang Politiker und ihr Privatbereich in den letzten zwei Sendungen zwei verschiedene Ansichten gehört. Christian Kern hat gesagt: Jetzt - in seinem Politiker da sein - ist der allen Österreichern verpflichtet zu sagen, welcher Mensch steckt hinter dem Bundeskanzler. Mit all seinen privaten Ansichten auch. Sebastian Kurz hat gemeint: Er will sein Privatleben nicht inszenieren, wollte nicht ĂŒber Beziehung und Familie sprechen. Sind Sie, was das betrifft, eher bei Kern oder bei Kurz?

Heinz-Christian Strache

Ich glaube das soll man niemandem vorschreiben. Das muss jeder selbst auch fĂŒr sich entscheiden. Also ich verstecke mich da nicht. Ich stehe zu meiner liebevollen Ehefrau, stehe zu meiner Familie, zu meinen Kindern. Und ich habe da nichts zu verstecken und nichts zu verbergen.

Claudia Stöckl

Aber benutzen Sie diese.... Wenn wir das jetzt - wie es jetzt Sebastian Kurz genannt hat - 'Inszenierung des Privatlebens' auch um sich Sympathiepunkte zu verschaffen? Also, zum Geburtstag Ihrer Frau haben Sie also ein Foto von Ihnen beiden gepostet mit einer öffentlichen LiebeserklĂ€rung: 'Mein Schatz ich liebe dich.' Ja, manche sagen: Sind diese GefĂŒhle fĂŒr die Öffentlichkeit bestimmt?

Heinz-Christian Strache

Sie sind ein Teil meines Lebens und dazu stehe ich. Das ist keine Inszenierung, sondern das ist meine Lebenssituation, dass ich zum GlĂŒck eine wundervolle, liebevolle, empathische und starke Frau habe, die zu mir steht und mein stabiler Faktor ist. Und - ich sage - das grĂ¶ĂŸte GlĂŒck der Liebe ist es, wenn man sich selbst sozusagen im anderen findet und im Herzen des anderen auch die Ruhe findet. Das ist das, was mir zum GlĂŒck gelungen ist.

Claudia Stöckl

Aber welche Rolle wird Ihre Frau im Wahlkampf haben?

Heinz-Christian Strache

Ja, meine Frau ist fĂŒr mich also meine Königin. Sie ist meine First Lady.

Claudia Stöckl

Sie zu Ihnen mein kleines Monster.

Heinz-Christian Strache

Ja, weil das Baby-Monster liegt da unten. Das ist unser lieber weiblicher Hund, die Odi...

Claudia Stöckl

Sie werden gerne 'mein kleines Monster genannt'...

Heinz-Christian Strache

...eine italienische Dogge. Und das ist halt so eine liebevolle Bezeichnung: Das Baby-Monster zum Hund und ich bin dann halt das grĂ¶ĂŸere Monster offensichtlich.

Claudia Stöckl

Und Sie ist die Königin.

Heinz-Christian Strache

Ja, oder... FĂŒr mich auf alle FĂ€lle. Wenn man so will: Das ist der rote Faden im Leben. Wir haben uns vor langer, langer Zeit das erste Mal gesehen. Offen, zufĂ€llig... Damals im Parlament interessanterweise. Da hat sie noch als Referentin fĂŒr eine Parlamentspartei gearbeitet. Und sie ist mir nicht aus dem Kopf gegangen. Und wir haben uns Jahre spĂ€ter wiedergesehen, kennen und lieben gelernt. Und da ist der rote Faden im Leben schon irgendwo sichtbar geworden. Und das ist so eine lustige Anekdote. Denn, da hatten wir ein Date - ein Essensdate. Und im Zuge des GesprĂ€chs hat sie dann festgestellt, dass ich ein rotes Band habe. Und hat mich gefragt woher ich das habe. Und ich habe dann gesagt, das habe ich mir selbst gekauft, weil ich eben an die Liebe glaube und mir die richtige Liebe noch nicht vergönnt gewesen ist. Und da ist ein 'Je t'aime' drauf. Und das Lustige war: Sie hat auch... Das gleiche Band. Und hat sich das auch selbst gekauft, weil es ihr eben genau so ergangen ist. Und ist sozusagen der rote Faden. Wir haben uns viel, viel frĂŒher getroffen, da war die Zeit nicht reif. Aber wir sind offensichtlich fĂŒr einander bestimmt und wir haben uns dann gefunden und zugelassen.

Claudia Stöckl

Wir starten in den Ö3-SommergesprĂ€chen immer mit dem ersten Musikwunsch, der uns jetzt vielleicht sagen könnte, wie es Ihnen geht. Welcher Songs wĂŒrde jetzt dazu passen?

Heinz-Christian Strache

Ja, der erste Musikwunsch wÀre von Falco 'Nie mehr Schule'. Das passt jetzt auf die Zeit. Wir stehen knapp vor Schulende. Und deshalb 'Nie mehr Schule' und zwar von Falco von Hans Hölzel, den ich ja selbst erleben durfte beim Donauinselfest 1993.

Claudia Stöckl

Das hat Christian Kern auch erzÀhlt.

Heinz-Christian Strache

Ja, wahrscheinlich haben wir uns dort... sind wir dort gemeinsam gewesen ohne uns zu kennen und zu sehen. Unglaublich großartig das Konzert.

Falco - Nie mehr Schule



youtube.com
Quelle: youtube.com (abgerufen am 25.06.2017)

Claudia Stöckl

Ich wĂŒrde gerne mit Ihnen, nachdem ja dieser Wahlkampf schon begonnen hat und es immer von so einem Dreier-Rennen gesprochen wird - Kurz, Kern, Strache, das Rittern um die Kanzlerschaft - wĂŒrde ich gerne Ihr VerhĂ€ltnis zu Kurz ÖVP und SPÖ und Kern einordnen. Zum Beispiel: Wie viel ÖVP steckt in Ihnen auf einer Skala von 0 bis 100?

Heinz-Christian Strache

(lacht) Naja, dadurch, dass wir die Äquidistanz leben... Gibt da oder dort inhaltliche Schnittstellen und Gemeinsamkeiten. Sagen wir Äquidistanz: Ein Drittel da ein Drittel dort.

Claudia Stöckl

Ihre Mutter war frĂŒher ÖVP-WĂ€hlerin habe ich in der Biografie ĂŒber Sie - Strache, sein Aufstieg, seine HintermĂ€nner, seine Feinde - gelesen.

Heinz-Christian Strache

Schauen Sie, weiß ich gar nicht. (lacht)

Claudia Stöckl

Wissen Sie gar nicht? Das hat Sie damals erzÀhlt?

Heinz-Christian Strache

(lacht) Weiß ich gar nicht.

Claudia Stöckl

Haben Sie nicht versucht, Sie auf den FPÖ-Weg, auf Ihren Weg zu bringen?

Heinz-Christian Strache

Nein, ich sage immer: Jeder Mensch ist eine eigenstÀndige Persönlichkeit. Und das ist mir auch ganz wichtig. Auch bei meinen eigenen Kindern. Dass die sich eigenstÀndig entwickeln und ihre eigenstÀndige Meinung auch finden. Ja, da habe ich also nie irgendwie versucht Einfluss zu nehmen. Im Gegenteil.

Claudia Stöckl

Neben Sebastian Kurz fĂŒhle ich mich...? Wie wĂŒrden Sie diesen Satz vervollstĂ€ndigen?

Heinz-Christian Strache

'Neben Sebastian Kurz fĂŒhle ich mich...' als der glaubwĂŒrdige, ehrliche Faktor und Vertreter der österreichischen Interessen auf den man sich verlassen kann im Unterschied zu ihm. Da er schon sechs Jahre im Regierungsamt ist und auch mitverantwortlich ist fĂŒr die vielen Fehlentwicklungen... Aber ich bin gerne bereit, wenn wir stĂ€rkste und bestimmende Kraft werden, mit ihm zu verhandeln. Und sollten wir uns einig werden ihn an der Hand zu nehmen.

Claudia Stöckl

Aber fĂŒr Sie ist es doch ihr vierter Nationalratswahlkampf. Und viele meinen, ihr Gesicht hĂ€tte sich schon abgenutzt. Und beim Herrn Kurz ist jetzt so vieles neu.

Heinz-Christian Strache

Naja, beides - sowohl Kern als auch Kurz - sind unter AnfĂŒhrungszeichen 'neue Gesichter'. Aber sie haben sich noch keiner Wahl gestellt. Und ich sage immer, wenn so selbsternannte kĂŒnstliche Messias-Darstellungen oder mit einem Messias-Gehabe... Das kann oft relativ rasch zusammenbrechen. Und QualitĂ€t altert nicht. Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. Ich vergleiche es immer auch ein bisschen mit dem Mick Jagger. Na, der ist ein ewig jung gebliebener, der bis heute auf den Tourneen extrem erfolgreich ist. Dies habe ich mit 48 Jahren... Ich komme ĂŒberhaupt erst ins politisch beste Alter.

Claudia Stöckl

Wir gehen weiter zu unserem Wortrap: 'Auf das kann ich mich mit Christian Kern einigen?'

Heinz-Christian Strache

Naja, dass wir beide aus sehr einfachen bodenstÀndigen VerhÀltnissen kommen: Er aus Simmering, ich aus Erdberg. Meine Mama war ja Alleinerzieherin und ich bin da meiner Mama zu ewigen Dank verpflichtet.

Claudia Stöckl

'Da habe ich mich aus dem Rampenlicht gedrĂ€ngt gefĂŒhlt?' Es wird ja immer darĂŒber gesprochen, dass eben Kern und Kurz jetzt so viel Aufmerksamkeit auf sich lenken.

Heinz-Christian Strache

Naja, da streiten...

Claudia Stöckl

Sie sind ein bisschen im Out. Haben Sie das GefĂŒhl?

Heinz-Christian Strache

Hm, sehe ich nicht so. Nein. ich sage: Da streiten sich zwei. Und wenn sich zwei streiten, freut sich oftmals bekanntlich der Dritte. Und ich glaube, die Menschen wollen keine Fortsetzung von Rot-Schwarz.

Claudia Stöckl

Sie haben mir vorhin im Wohnzimmer das BĂŒcherregal gezeigt. Da gibt es sehr viel spirituelle Literatur. Von Eckhart Tolle zum Beispiel 'Jetzt' oder das 'LOLA-Prinzip'. 'LOLA-Prinzip', da geht es sehr stark ums Loslassen. Und Sie haben gemeint, Sie haben das gelesen und das auch ernst genommen. Aber ist das in ihrem politischen Handeln ein Grundsatz? Da lassen Sie doch gar nicht los, sondern, da verbeißen Sie sich doch eher in die Themen und auch in ihren Zielen Kanzler zu werden.

Heinz-Christian Strache

Naja, ein Ziel zu haben und GrundsĂ€tze zu haben ist besonders wichtig im Leben. Aber das LOLA-Prinzip das Prinzip des Loslassens, das lebt man schon immer wieder. Dass man eben sehr wohl auch entbehrlich ist und nicht 24 Stunden immer ĂŒberall sein muss sondern auch da oder dort Dinge zu delegieren. Ja und sich da oder dort auch zurĂŒckzunehmen und auch Geduld zu haben und Ruhe zu bewahren. Dass alles gehört natĂŒrlich dazu. Und so gesehen ist das Loslassen ein wichtiges Prinzip. Wer das nicht gelernt hat, der steht sich selbst im Weg.

Claudia Stöckl

Heute im FrĂŒhstĂŒck zu Hause bei Heinz-Christian Strache. Ganz leger im Leinen-Hemd, Jeans und eben Ihr neuer Look mit Brille. Wie viel Dioptrien haben Sie denn?

Heinz-Christian Strache

Ja, ich...

Claudia Stöckl

Manche sagen es sind 'Fake Glasses'. Nicht 'Fake News' sondern 'Fake Glasses'.

Heinz-Christian Strache

Ja, da sieht man immer wieder, wie absurd oftmals manche Bilder gebaut werden.

Claudia Stöckl

Weil Sie sich einen neuen Look geben wollen...

Heinz-Christian Strache

Na, das ist ja völlig...

Claudia Stöckl

So wird das erklÀrt.

Heinz-Christian Strache

Na, ist völlig absurd. Und ich habe Zeit meines Lebens offenbar nicht unbedingt die beste SehschĂ€rfe gehabt. Wollte es aber irgendwie offenbar nicht ganz wahrhaben. Und habe immer nur Lesebrille gehabt zu Hause und hab dann bei einer Ansprache meine Lesebrille getragen. Und da hat sich ein Optiker dann gemeldet, der gesagt hat: Herr Strache, ich habe Sie da gesehen, aber die Brille passt Ihnen gar nicht. Schauen Sie doch einmal bei mir vorbei, lassen Sie sich einmal beraten. Ich bin dann mit mir Frau dann dorthin gefahren und er hat dann festgestellt, ich habe 2.5 Dioptrien und 3 Dioptrien Astigmatismus - HornhautverkrĂŒmmung. Und er hat gesagt: Das ist eigentlich unglaublich, Sie brauchen eine Brille. Das ist ja wirklich eine unglaubliche SehschwĂ€che, eine Behinderung. Ja. Und das war dann auch so. Ich habe dann diese Brille gekauft... Und, ja man schaut nicht mehr so verkrampft, man erkennt wieder auch Menschen aus der Distanz, die man vorher gar nicht gesehen oder erkannt hat.

Claudia Stöckl

Aber es ist eben nicht so, wie viele sagen, Sie wollen sich jetzt das Image und den Look des Elder-Statesman geben.

Heinz-Christian Strache

Nein, das ist einfach ein weiterer Teil meines Lebens, der halt jetzt zu dieser Brille gefĂŒhrt hat, weil sie notwendig geworden ist. Und es ist eine LebensqualitĂ€tssteigerung.

Claudia Stöckl

Wir frĂŒhstĂŒcken zu Hause bei Heinz-Christian Strache, Spitzenkandidat der FPÖ. Zu Hause in seinem Wochenend-Wohnsitz bei Klosterneuburg. Sie haben gesagt Sie sammeln Kunst. Was ist denn Ihr Lieblingsbild hier?

Heinz-Christian Strache

Naja das Lieblingsbild ist das Bild von einem KĂŒnstler, einem österreichisch-argentinischen KĂŒnstler nĂ€mlich Helmut Ditsch: Die Eiswelten. Ja, da habe ich ein kleines Bild einmal vor Jahren zu meinem Geburtstag geschenkt bekommen. Und das ist fĂŒr mich das emotionalste, schönste Bild, wo ich ja... Wo ich, ich sage, eine unglaubliche Kraft spĂŒre bei dem Bild.

Claudia Stöckl

Also, da sieht man seinen Gletscher.

Heinz-Christian Strache

Gletscher, ja genau. Ein Gletscherbild. Ja, die...

Claudia Stöckl

Es ist interessant in Ihrer Biografie zu lesen. Und natĂŒrlich gibt es da auch in der Jugend Punkte, die Sie wahrscheinlich nicht mehr so gerne anfĂŒhren. Dass Sie mit Gottfried KĂŒssel - Neonazi und Holocaustverleugner - der verurteilt wurde, Kontakt hatten. Die Wehrsport-Übungen und Norbert Burger, der GrĂŒnder auch der rechtsextremen NDP als politischen Ziehvater. Könnte Ihnen das, wenn Sie jetzt so zu sagen wieder antreten Kanzler zu werden irgendwie wieder zum VerhĂ€ngnis werden?

Heinz-Christian Strache

Wenn man das aufarbeitet und ehrlich und objektiv und korrekt auch aufarbeitet wie das ja zum GlĂŒck auch in einem Buch der Fall gewesen ist. NĂ€mlich von Nina Horaczek und Claudia Reiterer. Nicht, weil genau das Gegenteil der Fall ist, auf das es immer wieder fĂ€lschlich reduziert wird. NatĂŒrlich gibt es Dinge im Leben die man als Suchender da oder dort vielleicht auch bereit. Aber wenn man...

Claudia Stöckl

Gehört das dazu? Oder was bereuen Sie davon?

Heinz-Christian Strache

Ja, dass ich dann in diesen Kreisen als Suchender, ja, damals eine liebe Freundin gefunden habe, mit der ich auch sieben Jahre liiert gewesen bin.

Claudia Stöckl

Also, Sie waren mit der Tochter von Norbert Burger zusammen.

Heinz-Christian Strache

Genau, genau. Und deren Vater Dr. Norbert Burger geheißen hat, was ich mir ja nicht aussuchen konnte. Denn, wo die Liebe hinfĂ€llt... Und, dass man natĂŒrlich dann in so einem familiĂ€ren Umfeld immer wieder auch da oder dort Schnittstelle oder Begegnungen hat, wo man sagt: 'Naja, die hĂ€tte ich mir am liebsten erspart.' Und - ja - vielleicht, wenn man dann vom Bereuen spricht: Ja, ich hĂ€tte mich nicht jeden Tag mit ihm treffen mĂŒssen.

Claudia Stöckl

Also, Sie meinen jetzt Gottfried KĂŒssel oder...

Heinz-Christian Strache

Ja, der hat mich gar nicht angesprochen. Ja, im Gegenteil. Wenn man solche Menschen dann vielleicht da oder dort ungewollt auch trifft, dann kommt man drauf, was man nicht will. Und das ist auch gut. Also, so gesehen, waren das auch ganz, ganz hilfreiche Erlebnisse ganz genau zu wissen was man ablehnt.

Claudia Stöckl

Ich habe gelesen, dass Sie in der Burschenschaft Vandalia den Ausdruck 'Alter Herr' eigentlich mit einer Ausnahmeregelung tragen dĂŒrfen, weil sie keine Matura haben. Ist das ein wunder Punkt in ihrer Biografie? Ich hatte schon einige hier die keine Matura haben und schon sagen, das hĂ€tten Sie gerne einmal nachgeholt. Auch trotz des Erfolges, den sie spĂ€ter hatten.

Heinz-Christian Strache

Na ja, nein. Denn bei mir war es ja so: Ich habe ja die StudienberechtigungsprĂŒfung gemacht, um ebene Geschichte und Philosophie spĂ€ter studieren zu können. Und da habe ich dann meine zahntechnische Lehrausbildung gemacht ĂŒber vier Jahre hinweg, die ich dann erfolgreich abgeschlossen habe. Und habe dann sehr, sehr klar fĂŒr mich erkannt, dass das Unternehmertum als Zahntechniker natĂŒrlich die Lebensgrundlage besser möglich macht als ein brotloser Akademiker vielleicht in Folge. Aber so habe ich das fĂŒr mich entschieden. Und da gibt es nichts, wo ich jetzt den Eindruck hĂ€tte etwas nachholen zu mĂŒssen.

Claudia Stöckl

Obwohl: Sebastian Kurz wird immer vorgeworfen, er hat sein Studium nicht beendet. Sogar von FPÖ-Seiten habe ich das gehört.

Heinz-Christian Strache

Das ist falsch. Das ist falsch. Warum? Das Studium kann man abbrechen. Das ist ĂŒberhaupt keine Schande. Aber niemals einen Beruf erlernt zu haben und niemals in der Privatwirtschaft gearbeitet zu haben und gleichzeitig Studienabbrecher zu sein: Das ist so das typische Bild eines typischen Alt-Partei-Apparatschiks, der, ja, von der Schule direkt in die Partei, in der Parteistruktur groß geworden ist. Und da fehlt dann einfach der praktische Zugang.

Claudia Stöckl

Kommen wir zurĂŒck zu Ihrer Kindheit. Es hat ja ein sehr prĂ€gendes Erlebnis gegeben, dass ihr Vater die Familie verlassen hat als sie drei Jahre alt waren. In welche Richtung wĂŒrden Sie sagen, hat Sie das geprĂ€gt?

Heinz-Christian Strache

Naja, man versucht ja dann immer zu ergrĂŒnden: Warum ist das passiert, hat man selbst eine Schuld oder nicht? Und ist dann quasi auch ein Suchender. Und hab dann immer wahrscheinlich auch eine Vaterfigur sicherlich gesucht. Aber spĂ€testens als ich dann selbst Vater geworden bin, war mir klar: da bist du fĂŒr deine Kinder da. Und das ist mir besonders wichtig bei meiner Tochter und bei meinem Sohn. Immer auch, weil wir ja eine Trennung erlebt haben, ja, und unsere Familie zerbrochen ist... Und immer fĂŒr die Kinder da zu sein. Aber wir haben das gut 'gehandled' und ich habe die Kinder regelmĂ€ĂŸig bei mir. Und ich wĂŒnsche mir natĂŒrlich noch einmal Familie und auch Kinder.

Claudia Stöckl

Also, da ist die Sehnsucht ganz groß. Hat mir auch Ihre Frau gesagt, dass, Sie wĂŒrden sofort sagen: Ja, grĂŒnden wir eine Familie...

Heinz-Christian Strache

Absolut. (lacht) Genau.

Claudia Stöckl

Kinder... Da ist sie offensichtlich zurĂŒckhaltender.

Heinz-Christian Strache

Ja, natĂŒrlich. Denn, da muss man ja auch ehrlich sein. FĂŒr uns beide... Und wir stehen ja beide in einer beruflichen Verantwortung, die wir lieben und schĂ€tzen, weil wir das aus Leidenschaft machen. Und wir sind dann natĂŒrlich intensiv zeitlich eingespannt. Und, wenn man sich dann fĂŒr eine Familie entscheidet und fĂŒr gemeinsame Kinder, dann muss man auch das Leben umstellen, dass das Kind nicht zu kurz kommt oder die Kinder.

Claudia Stöckl

Jetzt möchte ich noch mehr zu dieser Vater-Beziehung kommen. Weil ich kann mir vorstellen, dass das wirklich so ein sehr prÀgender Faktor in Ihrem Leben war. Sie haben Ihren Vater dann aber getroffen als sie Anfang 20 waren - habe ich jedenfalls dieser Biografie entnommen. Und dann, bei diesem Treffen festgestellt: Wir haben eigentlich wenig gemeinsam und ihn seitdem nicht mehr gesehen, obwohl er in Wien lebt. WÀre mit den Jahren nicht eine Versöhnung wichtig? Wenn man sagt, man möchte wirklich zu einem inneren Frieden finden?

Heinz-Christian Strache

Nein, nein. Mein Vater hat sich ja scheiden lassen, von meiner Mutter getrennt, da war ich drei Jahre. Ich habe ihn fast nie gesehen. Also alle heiligen Zeiten - einmal im Jahr. Und das war dann so, dass sich halt dann immer die NÀhe gesucht habe und auch den Kontakt. Und wir haben uns dann spÀter, da war ich dann 18, 19, 20 getroffen bis zu meinem 29. Lebensjahr. Also nicht 20. Lebensjahr. Und da hat er mir halt irgendwann einmal erklÀrt, dass halt seine einzige Aufgabe jene war, mich zu zeugen. (lacht) Ja, das nimmt man dann so hin. Und da findet man dann auch seinen Frieden irgendwann, und...

Claudia Stöckl

Das ist bitter, oder?

Heinz-Christian Strache

Naja, ja. Aber man findet seinen Frieden dann auch und sagt: Bin ihm einfach dankbar, dass es mich gibt. Aber ich habe meinen Frieden mit meinem Vater gefunden. Er wollte nur damals 1999, als ich das eben aufgearbeitet habe und mit ihm besprochen habe, das nicht mehr machen. Und hat mir dann mitgeteilt, dass er da halt den Kontakt nicht mehr wĂŒnscht und mir daher alles Gute fĂŒr mein weiteres Leben wĂŒnscht. Und das muss man dann respektieren. Und das habe ich respektiert. Kennt ja auch seine Enkelkinder nicht - bis heute. Aber ich habe da meinen Frieden gefunden. Weil, er wird seine eigenen persönlichen GrĂŒnde haben. Und da gibt es keinen Vorwurf. Wozu? Ja.

Claudia Stöckl

Aber Ihr Vater hat eben gesagt, er bricht jetzt den Kontakt ab. Das war damals in einem Brief der Punkt. Ja. Und wie haben Sie das aufgearbeitet? Waren Sie in einer Therapie?

Heinz-Christian Strache

Nein, aber mit Freunden, mit Familienmitgliedern. Dass man darĂŒber gesprochen hat und das aufgearbeitet hat. Keine Frage. Aber das gehört natĂŒrlich zum Leben. Eine Familienaufstellung haben wir dann irgendwann einmal gemacht. Aber das war nach der Trennung meiner Ex-Frau.

Claudia Stöckl

Und da haben Sie das System wieder zurechtrĂŒcken können?

Heinz-Christian Strache

Ja da geht es vor allen Dingen darum - und das war die Verantwortung meinen Kindern gegenĂŒber, wie wir das am besten auch fĂŒr die Entwicklung meiner Kinder sicherstellen. Und man hat auch, wenn man sich nicht mehr auf Beziehungsebene versteht und sich trennt, das niemals auf dem RĂŒcken der Kinder auszutragen.

Claudia Stöckl

Otto von Bismarck, der preußische Staatsmann, hat gesagt: 'Es reicht oft eine Behauptung mit Sicherheit auszusprechen um sie als Wahrheit wirken zu lassen.' WĂŒrden Sie sagen, dass Sie diesem Ansatz folgen?

Heinz-Christian Strache

Das ist leider in manchen Bereichen richtig. Es ist aber kein Satz fĂŒr mich. Im Gegenteil. Aber ich erlebe es immer wieder, dass auch in der politischen Auseinandersetzung es Mitbewerber gibt, die Unwahrheit so vehement und so entschlossen aussprechen, dass man den Eindruck hat, die glauben das wirklich.

Claudia Stöckl

Es gibt ja diese Seite FPÖ-Watch. Die 142 Unwahrheiten der FPÖ in den letzten Monaten aufgelistet hat. Statistiken aber auch ganz kleine Details. Sie hĂ€tten behauptet in Grönland wĂŒrde Wein wachsen oder Osterfeste werden in KindergĂ€rten in Österreich verboten. Sind Sie nicht oft Meister der Behauptung?

Heinz-Christian Strache

Nein. Es gibt immer wieder Wahrheiten, offensichtlich, die sich manche selbst zurechtlegen und basteln. Also, ist es ein Faktum zum Beispiel, dass in Grönland zwischen 800 und 1400 nach Christus es eine WĂ€rmeperiode gegeben hat, wo ganz große Teile Grönlands grĂŒn gewesen sind. Und daher kommt auch der Name. Da kann man jetzt versucht, zu drehen wie man will... Nein das sind Dinge die dort nachzulesen sind, die halt manchen nicht ins Konzept passen.

Claudia Stöckl

Aber bei einer Rede am Nationalfeiertag haben Sie zum Beispiel gewarnt, dass ein BĂŒrgerkrieg in Österreich nicht unwahrscheinlich ist. Eben durch die Armutsmigration. Wenn wir jetzt auf diesen internationalen Friedensindex schauen ist Österreich das dritt friedlichste Land. Ist das eben nicht auch eine maßlose Übertreibung? Eine Behauptung mit der Sie einfach Angst schĂŒren?

Heinz-Christian Strache

Nein, im Gegenteil. Das ist die Verantwortung eines Politikers. Zu warnen, vor Fehlentwicklungen, die zu solchen dramatischen Situationen fĂŒhren könnten, wenn man nicht umdenkt. Und bĂŒrgerkriegsĂ€hnliche ZustĂ€nde können in Europa möglich werden. Und wir haben sie zum Teil: Wir haben es in den Pariser Vororten in den Banlieues und wir haben es in Malmö. Das sind Gegebenheiten und da mĂŒssen wir doch begreifen, dass hier wahnsinnig viel schiefgelaufen ist.

Claudia Stöckl

WofĂŒr haben Sie denn selber Angst? Weil, es wird Ihnen immer wieder vorgeworfen eben Sie schĂŒren Ängste.

Heinz-Christian Strache

Das tue ich ausdrĂŒcklich nicht. Ich schĂŒren keine Ängste, sondern...

Claudia Stöckl

Aber es sind auch dunkelgraue Szenarien, die Sie zeichnen. Haben Sie Angst vor der Zukunft? Sie persönlich?

Heinz-Christian Strache

Naja, ich meine, tun wir es nicht auf mich persönlich reduzieren. Ich höre mir Experten und Fachleute an. Von Karin Kneissl bis hin zum Wiener PolizeiprÀsidenten, die zu recht vor Fehlentwicklungen warnen.

Claudia Stöckl

Aber, wenn wir jetzt auf der persönlichen Ebene bleiben: Wovor...

Heinz-Christian Strache

Ich Angst? Pfff.

Claudia Stöckl

Wovor haben Sie Angst?

Heinz-Christian Strache

GrundsĂ€tzlich kann ich jetzt nicht definieren. Da wĂŒrde ich mich als eher angstlosen Menschen bezeichnen. Wobei grundsĂ€tzlich die Angst etwas Positives ist. Denn die Angst schĂŒtzt einen auch, Fehler zu begehen. Beispielsweise - ich bin also immer wieder auch am Berg gewesen, Bergsteigen gewesen. Ja, da ist es schon vernĂŒnftig auch eine gewisse Grundangst zu haben. Da auch eine Dreiecks-Sicherungen ohne Seil richtig zu machen oder da oder dort das Seil auch zu fixieren, damit einem nichts passiert. Das ist ja auch durchaus positiv und hilfreich.

Claudia Stöckl

Weil wir vorhin von der Behauptung ausgegangen sind. Der Behauptung, die manchmal UnschĂ€rfen hat. Wann wĂŒrden Sie denn sagen, haben Sie zuletzt die Unwahrheit gesagt?

Heinz-Christian Strache

Naja, ich sage unbewusst wird das schon öfters vorgekommen sein, dass man irgendwo geglaubt hat, eine richtige Zahl im Kopf gehabt zu haben oder irgendein Geschehen richtig analysiert zu haben. Aber sich dann geirrt zu haben. Das kommt doch immer wieder vor. Aber es gibt ja oftmals mehrere Wahrheiten in der Interpretation. Da ist dann die Frage: Wer definiert den Faktencheck und wer macht welche Statistik? Sage ich auch immer. Manchmal hat man den Eindruck, na, bei den Meinungsforschern in unserem Land das sind die grĂ¶ĂŸten Numerologen und Glaskugelbetrachter. (lacht)

Claudia Stöckl

Wir haben hier Melonen in den Schalen und blicken auf den Garten. Wer kĂŒmmert sich denn um den Garten. Haben Sie da jemanden der Ihnen hilft?

Heinz-Christian Strache

Ich habe ein zweites Haustier. Das ist ein elektrischer RasenmĂ€her. (lacht). Aber der gehört dem Besitzer des Hauses und er kĂŒmmert sich um den Garten.

Claudia Stöckl

Ihre Frau hat gemeint: Sie macht sich Sorgen um Ihren Gesundheitszustand, dass sie ein bisschen angeschlagen sind. Sie haben versucht zu Rauchen aufzuhören, waren vier Monate lang erfolgreich. Sind wieder rĂŒckfĂ€llig geworden. Wie geht's Ihnen denn?

Heinz-Christian Strache

Also, ich glaube nicht, dass sie sagt, ich sei angeschlagen. Denn ich bin nicht angeschlagen. Ich bin voll fit.

Claudia Stöckl

Also, dass Sie immer wieder husten. Und, dass es da manchmal eine SchwÀche gibt.

Heinz-Christian Strache

Nein, ich war... Ich hatte eine LungenentzĂŒndung ĂŒbergangenen. Das war durchaus dramatisch. Denn das war im PrĂ€sidentschafts-Wahlkampf, wo ich mir eine LungenentzĂŒndung offenbar geholt habe und sie nicht erkannt habe. Und leider keine Bettruhe gehalten habe. Und, wo ich dann - glaube ich - insgesamt drei Antibiotikum-Kuren machen musste. Und das relativ lange - ĂŒber Monate hinweg - gedauert hat wieder fit zu werden und wieder richtig gesund zu werden. Aber ich bin ein sehr fitter und gesunder Mensch und ich gehe... Also drei bis fĂŒnf Mal die Woche betreibe ich Sport regelmĂ€ĂŸig, wo ich laufen gehe und Kraft-Zirkeltraining mache. Aber ja, ich habe ein Laster. Ja, ich rauche wieder. Ich habe es geschafft vier Monate einmal aufzuhören. Und das hat mir einerseits gutgetan. Auf der anderen Seite habe ich auch gemerkt: Halt, bei der Gewichtszunahme gefĂ€llt mir das gar nicht.

Claudia Stöckl

Wie viel haben Sie denn zugenommen?

Heinz-Christian Strache

Naja, ich habe... Damals war ich bei 83.5 kg, als ich aufgehört habe. Und habe auf sage und schreibe auf 93 Kilo zugenommen gehabt. Und hab dann gebraucht, Monate, um wieder auf 85 bis 87 Kilo herunterzukommen. Ja. Und habe dann auch in der Stressphase - muss ich zugeben - wieder zu Rauchen begonnen. Das war im PrĂ€sidentschaftswahlkampf. Und muss aber auch sagen: Es schmeckt mir leider. Ja, es schmeckt mir auch leider. Und, ja, da gibt es natĂŒrlich dann da oder dort dieses RaucherhĂŒsteln. Und da weiß ich natĂŒrlich, das ist nicht unbedingt optimal. (lacht)

Claudia Stöckl

Wie haben sich denn die Clubbing-Besuche oder die Anzahl der Clubbing-Besuche oder Party-Besuche verĂ€ndert mit den Jahren? Sie sind ja dafĂŒr bekannt, dass Sie auf Ibiza Urlaub machen, dass das auch eine Zeitlang fĂŒr Sie sozusagen der Kontakt zu jungen WĂ€hlern war. Hat sich da etwas verĂ€ndert mit den Jahren?

Heinz-Christian Strache

Aber das sind ja auch so die einseitig reduzierten Bilder, die oft gebaut werden. Na, der Bruno Kreisky war auf Mallorca, ich Urlaube auf Ibiza. Ibiza wird von manchen fĂ€lschlicherweise als Partyinsel reduziert - was sie nicht ist. Ibiza hat eine unglaubliche Vielfalt mit einsamen, ruhigen Buchten. Also, Ibiza ist fĂŒr mich ein Kraftort, ein Ruhepol, wo ich mich mit meinen Kindern, mit meiner Mutter aber auch mit meiner Frau zurĂŒckziehen kann. Und nicht das, was da vielleicht andere hineininterpretieren: Der Partyurlaub. Nein, im Gegenteil. Und, ja, dass ich natĂŒrlich im Wahlkampf auch zu jungen Menschen schaue... Ob das jetzt Diskotheken oder Clubs sind... Ja, das ist ja gut. Und, dass ich auch da oder dort privat einmal auch vielleicht auch heute noch mit meiner Frau vielleicht irgendwo hingehe. Und in der Vergangenheit, wie ich Single war, vielleicht den einen oder anderen Club besucht habe: Ja, das gehört zum Leben. Aber, ich glaube, es gibt auch immer eine Grenze. Und, wenn dann immer wieder versucht wird, es so darzustellen, als wĂŒrde da jemand nur Party machen? Naja, man hört heute auch nicht, dass der Kurz fast jedes Wochenende heute im Volksgarten zu gehen ist und dort Party macht.

Claudia Stöckl

Ist das so?

Heinz-Christian Strache

Also, das wird interessanterweise dann nicht thematisiert. (lacht).

Claudia Stöckl

Also, da wehren Sie sich dagegen. Ist Ihnen das zu eindimensional?

Heinz-Christian Strache

Wenn es so dargestellt wird... Wenn es so dargestellt wird, dass man es immer, laufend macht, dann ist das einfach unredlich. Und das sind so diese Muster, die ich immer wieder erlebt habe, auch in den letzten Jahren, wie da mit Darstellungen gearbeitet worden ist. Und ich weiß ja, woher das kommt. Das kommt natĂŒrlich vom politischen Mitbewerber.

Heinz-Christian Strache

Es ist nach dem Prinzip 'Liebe ist...'. Das ist einfach perfekt. Es ist einfach so völlig normal, als hĂ€tte es immer so sein mĂŒssen, dass wir zusammen gehören und zusammen sind. Und endlich ist es so. Ja.

Claudia Stöckl

Macht sich der Altersunterschied irgendwie bemerkbar? Sie sind ja 19 Jahre auseinander.

Heinz-Christian Strache

Ich glaube einmal grundsĂ€tzlich, das Alter nicht ein Problem ist. Na, vielleicht bin ich der umgedrehte Macron. Ja. (lacht). Der Macron hat - ich glaube - eine 24 Jahre Ă€ltere Ehefrau. Meine Ehefrau ist 18 Jahre jĂŒnger. Also, es ist weder dort noch da eine Frage des Alters. Also, ich wĂŒrde wahrnehmen, dass sich da vielleicht zwei alte Seelen da gefunden haben. So wĂŒrde ich es definieren.

Claudia Stöckl

Es gibt ja auch einen Love-Song, den Sie sich wĂŒnschen, mit dem Sie besonders schöne Erinnerungen verbinden. Von Philipp Poisel.

Heinz-Christian Strache

Genau, Philipp Poisel.

Claudia Stöckl

Welche Erinnerung taucht da auf?

Heinz-Christian Strache

Ja, weil Du die Liebe meines Lebens bist, heißt dieser Song. Und, das ist wunderschön das Lied. Das haben wir im Rahmen unserer Hochzeit auch als eines der Lieder gespielt. Und das war der Moment, wo ich beim Altar gestanden bin... Unser lieber Hund, die Odi bei mir... Und meine Frau ist mit meinem Sohn Richtung Altar gegangen. Und das war auch der Moment, wo dieses Lied gespielt worden ist und wo ich dann, ja, TrĂ€nen in den Augen hatte. Also, das verbinde ich und verbinden wir mit diesem Lied.

Claudia Stöckl

Das hören wir jetzt: Philipp Poisel 'Weil Du die Liebe meines Lebens bist'.

Philipp Poisel - Liebe meines Lebens



youtube.com
Quelle: youtube.com (abgerufen am 25.06.2017)

Heinz-Christian Strache

FĂŒr Philippa. Ja. Die Liebe meines Lebens.

Claudia Stöckl

Ich möchte jetzt noch ĂŒber Ihre Facebook-Seite sprechen. Sie haben am allermeisten Likes von allen Politikern in Österreich: 614.000.

Heinz-Christian Strache

Ich weiß es gar nicht so: 617.000 glaube ich sind es. Ja, das ist ein gutes Medium. (lacht)

Claudia Stöckl

Wie viele Menschen arbeiten daran? Wie groß ist Ihr Social-Media-Team?

Heinz-Christian Strache

Naja, ich bin das Social-Media-Team, das die Seite aufgebaut hat. Und das habe ich mir insofern bewahrt, dass ich bis heute einen hohen Prozentsatz der Postings selbst mache. Und habe aber dazu jetzt meine Frau, die mir hilft und einen Mitarbeiter. Und dann habe ich noch ein paar Freiwillige, die die Kommentare durchforsten. Und das kann man nicht einmal mit der Struktur unter Kontrolle bekommen. Das sind Millionen, die man da in der Woche erreicht und hunderttausende Interaktionen.

Claudia Stöckl

Es gibt jetzt ein neues Buch von Ingrid Brodnig - eine Internet-Expertin. Das heißt: 'Hass im Netz'. Und Sie hat Ihre Facebook-Seite analysiert. Dass Sie aber sehr bewusst Geschichten posten, die sehr viel Wut erzeugen auch. Also, weil Menschen voll Wut mehr Liken. Ist das das KalkĂŒl dahinter?

Heinz-Christian Strache

Ich glaube eher, dass solche Leute, die so etwas bewerten und meisten politisch von einer anderen Seite kommen und Gegner von mir sind selbst so einen Hass auf mich haben, dass sie dann permanent solche Begrifflichkeiten wie 'schĂŒrt Hass und Angst' wiederholen mĂŒssen, weil sie sich selbst widerspiegeln. Das sehe ich auf meiner Seite in Wahrheit nicht.

Claudia Stöckl

Aber, es wird immer wieder der HC-Strache-Seite vorgeworfen, dass Hass-Kommentare sehr langsam gelöscht werden.

Heinz-Christian Strache

Ist unrichtig.

Claudia Stöckl

Weil man ja dann oft sagt, dass die Wut sich dann aufschaukelt und, dass Sie dann mehr Interaktionen haben, wenn man das von dieser Perspektive der Internet-Experten und Social-Media-Experten sieht.

Heinz-Christian Strache

Nein, es gibt bei mir genauso wie auf jeder Online-Seite von irgendeiner Zeitung oder eines anderen Politikers immer wieder einzelne FÀlle von dummen Kommentaren und abzulehnenden Kommentaren, die wir dann, sobald wir das entdecken, löschen. Interessanterweise seit Monaten kaum etwas. Immer nur vor Wahlen. Immer vor Wahlen entdecken wir dann, dass plötzlich Fake-Profile, die man dann recherchiert, die es gar nicht gibt, teilweise sogar im Ausland gemeldet sind, solche Dinge auf meiner Seite zum Besten geben. Und da gewinnt man dann schon den Eindruck, dass es da War-Rooms geben könnte von politischen Mitbewerbern, die fast schon solche Sachen bewusst erzeugen. Und dass macht einen schon nachdenklich.

Claudia Stöckl

Aber es hat zum Beispiel auch ein Posting gegeben, das Sie geteilt haben, eine Geschichte in der Kronen Zeitung, dass sich ein Afghane vor die Straßenbahn geworfen hat. Und Sie haben nur geschrieben: 'Ich bin fassungslos.' Und die Hasskommentare darunter, die wirklich unterste Schublade waren: 'Man hĂ€tte nicht bremsen sollen' und 'Kopf ab'...

Heinz-Christian Strache

Das ist ungeheuerlich, ja.

Claudia Stöckl

...sind einfach ĂŒber Stunden dann auf Ihrer Seite geblieben. Und Klaus Schwertner zum Beispiel von der Caritas, der sich dagegen auch auf Ihrer Seite dann aufgelehnt hat und um mehr Menschlichkeit gebeten hat, der wurde dann blockiert. Wie kommt es dazu?

Heinz-Christian Strache

Naja, weil ja immer wieder VorwĂŒrfe stattfinden, auch von dieser Person, dass man zigtausende Kommentare zumutet innerhalb von wenigen Minuten kontrollieren können und löschen zu können. Glauben Sie mir, auch meine Mitarbeiter sind völlig ĂŒberfordert, was das betrifft. Aber, da kann man auch nicht zaubern. Und da braucht man auch einen gewissen Zeitraum dafĂŒr.

Claudia Stöckl

Es gibt ja auch die Facebook-Seite 'ich wurde blockiert von HC Strache' mit 4.000 Mitgliedern. Also, es scheinen sehr viele blockiert zu sein.

Heinz-Christian Strache

Naja, bei 617.000 sind 4.000 nicht viel. Denn, das wird auch einen Grund haben. Da wird der eine oder andere vielleicht dann nur permanent provoziert haben oder nur mich beschimpft haben. Dann frage ich mich: Was machen die eigentlich auf meiner Seite, wenn die mich nur beschimpfen? Also, das ist ja auch... ich wĂŒrde doch, wenn ich so ein leidenschaftlicher GrĂŒn-AnhĂ€nger bin oder was auch immer, na dann beschĂ€ftige ich mich doch mit meinen Ideen und nicht damit, immer nur den HC Strache und die Freiheitliche Partei zu beschimpfen und schlecht zu machen. Da muss ich auch einmal hinterfragen: Ja, was sind denn das fĂŒr Mechanismen, die sich nur mehr sozusagen in ihrem gesamten Tun und Handeln dahingehend zu definieren, gegen den Strache zu sein und gegen den Strache zu schimpfen. Und, was machen die einmal, wenn ich spĂ€ter - irgendwann einmal wirklich - dann in Pension gehe. Na, so gesehen begrĂŒĂŸe ich sie ja immer auch bei meinen Veranstaltungen, wenn sie dann als Gegendemonstranten auftreten.

Claudia Stöckl

Ich nehme mir ein StĂŒck von der Wassermelone. Sind Sie auch noch immer am Abnehmen, weil Sie gesagt haben, Sie haben eben durch die Rauchentwöhnung 10 Kilo zugenommen? Oder ist das...

Heinz-Christian Strache

Na, das Ausgangsgewicht waren 83 Kilo. Aber das war eh ein bisserl zu wenig.

Claudia Stöckl

(lacht)

Heinz-Christian Strache

Nein, also, ich bin jetzt so eingependelt bei - je nach Situation - zwischen 85 und 87 Kilo. Das ist schon in Ordnung, das ist schon grundsĂ€tzlich das Gewicht. Aber, ich muss ein bisserl aufpassen wegen dem Krafttraining. Weil natĂŒrlich man breiter wird, muskulöser wird, ja. Ich habe ein bisserl zu viel Krafttraining gemacht die letzte Zeit. Dadurch auch bei der Schulter und ĂŒberall sozusagen in die Breite natĂŒrlich.

Claudia Stöckl

Das Problem hÀtten gerne manche.

Heinz-Christian Strache

Muskelstruktur zugenommen, ja. Du brauchst dann natĂŒrlich bei den AnzĂŒgen einen anderen Schnitt, ja. Weil, wenn du breitere Schultern hast, der Latissimus wĂ€chst, ja, dann ist das alles natĂŒrlich in der Form etwas Neues. Und so gesehen ist es wichtig, halt vielleicht ein bisserl sozusagen wieder mehr auf Cardio zu gehen, mehr zu laufen, mehr Rad zu fahren. Das habe ich ein bisschen zu sehr vernachlĂ€ssigt.

Claudia Stöckl

Waren Sie schon bei der Wahrsagerin, was den Ausgang dieser Wahl betrifft? Es war ja vor drei Jahren einmal in der Zeitung, dass Sie da die Hellseherin Tina haben, die Sie immer wieder konsultieren.

Heinz-Christian Strache

Nein, es ist absurd. Nein, ich war bei keiner Wahrsagerin, bin auch bei keiner Wahrsagerin. Die kann man sich sparen bei den Umfrageinstituten, die wir haben. Da sind die heutigen Meinungsforscher und Umfrageinstitute die besten Wahrsager und Numerologen, die es gibt in der Gesellschaft. Denn die liegen - ich glaube - seit Jahren immer daneben. Aber, das erspare ich mir. Nein, ich kenne die Dame, wir sind auch bekannt, wir haben auch da oder dort privat einmal uns getroffen. Aber, das ist es auch.

Claudia Stöckl

Aber gibt es fĂŒr Sie einen 'Plan B' wenn Sie nicht Kanzler werden oder wenn die FPÖ nicht die Nummer 1 wird?

Heinz-Christian Strache

Ja, das wĂ€re entsetzlich fĂŒr die österreichische Bevölkerung. Aber ja, es ist möglich. Es kann sein, dass Rot und Schwarz sich nach der Wahl - so sie können - wieder einhĂ€ngen um jede Reform zu blockieren. Das kann passieren. Das haben wir die letzten Jahrzehnte schon oft erlebt. Dann muss man auch das wieder in der Verantwortung zur Kenntnis nehmen, eine gute verantwortliche Oppositionspolitik sicher zu stellen. Aber das Ziel ist, wir wollen so stark wie möglich werden um endlich rot-schwarz auch zu ĂŒberwinden. Und da braucht es Geduld. Das ist wie im Spitzensport. Und ich bin ja mit 48 Jahren - jetzt komme ich erst ins beste Alter. Also, ich habe diese Geduld. Ich habe viele Obleute erlebt, die schon zurĂŒckgetreten sind und ich werde noch viele erleben, die zurĂŒcktreten, weil sie nicht erfolgreich sind.

Claudia Stöckl

Also, Sie möchten Ihr aktives Leben lang in der Politik bleiben?

Heinz-Christian Strache

Es ist das beste und die beste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann. Also fĂŒr mich ist das meine Bestimmung. Das ist meine Leidenschaft. Ich bin mit 48 Jahren jetzt im besten politischen Alter. Also, ich glaube, die nĂ€chsten zehn Jahre sind da noch klare Verantwortlichkeiten in der Zielsetzung vorgegeben.

Einspielung

Wenn ich an den Wahlkampf denke, empfinde ich?

Heinz-Christian Strache

Große Freude und BĂŒrde.

Einspielung

Mit Christian Kern habe ich gemeinsam...

Heinz-Christian Strache

Dass wir offenbar regelmĂ€ĂŸig Urlaub auf Ibiza machen und wir beide die schönen Seiten dieser Insel schĂ€tzen und lieben gelernt haben.

Einspielung

Der letzte 'Vollholler', den ich verbreitet habe?

Heinz-Christian Strache

(lacht) Ja, das war, dass ich den Begriff 'Vollholler', den Kern gegenĂŒber Kurz geprĂ€gt hat, aufgegriffen habe und sozusagen den Vollholler in der Analyse bewertet habe.

Einspielung

Ich fĂŒhle mich zu alt fĂŒr...

Heinz-Christian Strache

Gar nichts. (lacht)

Einspielung

Ich bin sĂŒchtig nach...

Heinz-Christian Strache

Leider GummibĂ€rlis manchmal. Und natĂŒrlich nach der einen oder anderen Zigarette.

Claudia Stöckl

War das ein Triumpf fĂŒr Sie, als Sie - also mit Florian Klenk - diesen Drogentest gemacht haben, der dann negativ ausgegangen ist?

Heinz-Christian Strache

Das ist ĂŒberhaupt kein Triumpf, wenn man, ich weiß nicht, seit zwölf Jahren erlebt, dass politisch Andersdenkende und auch Mitbewerber einen immer wieder in einer ungeheuerlichen Art und Weise Unterstellungen zum Besten geben. Und ich mache ja seit dem Jahr 2004 in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden immer wieder so einen Haartest um eben genau solchen Diffamierungen entgegen zu treten. Also, es ist eigentlich eine Schande, dass manche sowas notwendig haben.

Einspielung

Meine beste Entscheidung war?

Heinz-Christian Strache

Dass ich 'Ja-Sagen' durfte und meine Frau mir 'Ja' gesagt habe, als ich sie auf Knien gefragt habe. Das war fĂŒr mich die wichtigste Entscheidung in meinem Leben.

Claudia Stöckl

Also jetzt Ihre zweite Frau Philippa.

Heinz-Christian Strache

Ja.

Einspielung

Das teuerste Geschenk, das ich einer Frau gemacht habe?

Heinz-Christian Strache

Das war der Verlobungsring meiner lieben Ehefrau Philippa.

Claudia Stöckl

10.000 Euro habe ich gelesen.

Heinz-Christian Strache

Man soll nicht immer alles glauben, was man liest. Aber ich werde jetzt nicht ĂŒber den Preis reden, denn meine Ehefrau hört zu.

Einspielung

Ein guter Zahntechniker ist jemand, der...

Heinz-Christian Strache

Den Zahnersatz, und das ist ja wirklich eine kunstvolle Arbeit... Die Farbe und auch die Form so zu schichten und zu schattieren und zu brennen, dass am Ende dann auch wirklich, wenn der Patient den Zahnersatz eingesetzt bekommt, keiner merkt, dass es sich um Zahnersatz handelt.

Einspielung

Ich fĂŒhle mich schön, weil...

Heinz-Christian Strache

Ich glaube jeder Mensch ist schön. Und gerade auch in der Politik. Es kommt nicht auf jung oder alt, auf Modecontests in Slim-Fit-AnzĂŒgen an. Nein, es gibt andere QualitĂ€ten, die wichtig sind.

Einspielung

Mein Lebensmotto lautet...

Heinz-Christian Strache

Niemals aufgeben. Hinfallen kann man. Man muss wieder aufstehen.