podwal Nr.2 Wahlumfragen-Podcast (19.05.2017)

Transkript von Dieter Zirnig am 17.05.2017

Transkript: podwal 2 - Wahlumfragen-Podcast vom 19.05.2017

Freitag, 19. Mai 2017

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Dieter Zirnig

Dieter Zirnig (neuwal.com)

Transkript, Fakten, Quellen


Moderation und TeilnehmerInnen

Dieter Zirnig

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Peter Hajek

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Meinungsforscher

 


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Dieter Zirnig

Schönen guten Tag und Hallo beim neuwal podwal.

Mein Name ist Dieter Zirnig und das ist der Wahlumfragen-Podcast für Österreich. Das Thema vom heutigen - sehr kurzfristigen - podwal Nr. 2 (19.05.2017) ist brandheiß und aktuell. Es gibt nämlich eine erste Wahlumfrage nach dem Obmannwechsel bei der ÖVP vom letzten Sonntag. Und dazu rede ich direkt mit Peter Hajek von Unique Research um noch mehr Informationen und Insights zu dieser Umfrage zu erhalten.

Diese aktuelle Wahlumfrage von Unique Research wurde in Heute am 19. Mai 2017 publiziert. Die Ă–VP kommt dabei auf einen Wert von 33 %, gefolgt von SPĂ– und FPĂ– mit jeweils 26 %. Die GrĂĽnen kommen auf 8, NEOS auf 5 und das Team Stronach auf 1 Prozent. Befragt wurden 800 Personen und davon haben sich 601 Personen deklariert. Daraus ergibt sich eine max. Schwankungsbreite von 4 Prozent.

Ich habe jetzt Peter Hajek am Telefon und möchte mit ihm gleich über diese Wahlumfrage sprechen. Die ÖVP ist bei 33 Prozent. Wie sicher ist das und welche weiteren Informationen gibt es jetzt zu dieser Umfrage?

Unique Research Umfrage in Heute vom 19.05.2017




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Quelle: neuwal.com (abgerufen am 19.05.2017)

Peter Hajek

Da muss man weit ausholen. Ich beginne bei den Klassikern: Methodisch sind wir folgendermaßen vorgegangen, dass wir einen Teil telefonisch interviewt haben und einen kleineren Teil - nämlich 300 von 800 - haben wir Online durchgeführt. Wir sind seit der Bundespräsidentenwahl schon dazu übergegangen einen Methoden-Mix zu machen. Was auch noch nicht unter den Kollegen und Kolleginnen ganz ausdiskutiert worden ist...

Aber wir suchen halt nach den besten möglichen Varianten. Wir haben 800 Österreicherinnen und Österreicher befragt, die natürlich wahlberechtigt sind. Und wir haben einen Befragungszeitraum von vier Tagen gehabt: Also von Montag, später Vormittag bis Donnerstag Nachmittag. Was doch ein größerer Zeitraum ist, wo man auch gut streuen kann, damit man auch die Quoten gut erfüllt. Also, wir haben versucht so gut und qualitätsvoll wie möglich hier vorzugehen.

Dieter Zirnig

In der österreichischen politischen Landschaft ist ja sehr viel in Bewegung gekommen in den letzten Wochen. Und in dieser Wahlumfrage kommt jetzt die ÖVP auf 33 Prozent und liegt einmal voran. Was bedeuten diese 33 Prozent für die ÖPV und für Sebastian Kurz?

Bewegung in der politischen Landschaft: 1-Jahres-Entwicklung (Mai 2016-Mai 2017)




neuwal.com
Quelle: neuwal.com (abgerufen am 19.05.2017)

Peter Hajek

Ich würde das als Absichtserklärung der Wählerinnen und Wähler sagen. Das ist nicht alles in Stein gemeißelt. Aber es ist sehr, sehr viel in Bewegung gekommen. Und wir wussten ja schon längere Zeit, dass Sebastian Kurz sehr, sehr gute Persönlichkeitswerte hat. Wir haben auch im Februar schon eine Umfrage für ATV gemacht, wo wir erstmalig auch die ÖVP mit Sebastian Kurz abgetestet haben. Damals lag er bei 32 Prozent. Also, das hat sich bestätigt, was wir im Februar gemessen haben.

Trotz alle dem ist es natürlich nicht fix. Denn - ich würde sagen - jetzt ist noch sehr viel Staub in der Luft um ein Bild zu bringen. Wir haben Eva Glawischnig, die auch noch zurückgetreten ist, die wir hier in dieser Umfrage noch gar nicht erfasst haben. Also, da ist noch sehr viel möglich und es ist nicht so, dass wir sagen: Das wird ein Start-Ziel-Sieg für Sebastian Kurz. Da kann noch wahnsinnig viel passieren.

ATV Ă–sterreich-Trend (Feb. 2017)


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atv.at
Quelle: atv.at (abgerufen am 19.05.2017)

Dieter Zirnig

Die Zeiten momentan sind ja sehr spannend. Wir können von zu Hause oder vom Büro aus in Echtzeit die Statements und Pressekonferenzen der Parteiobleute verfolgen und bekommen so fast jeden strategischen Schritt mit. Es gibt jeden Tag eine andere Pressekonferenz, jeden Tag ein anderes Statement. Wo liegen jetzt die Herausforderungen für Meinungsforschungsinstitute und wie gelingt es, das richtige Zeitfenster für Wahlumfragen zu finden?

Peter Hajek

Du sprichst das richtige an. Und deswegen muss man ja eigentlich sagen: Das Beste, wie man damit umgeht sind laufende, rollierende Umfragen. Nur leider Gottes haben die Medien nicht das Geld dafür. Es haben aber mittlerweile auch die Parteien oder andere Organisationen kaum noch das Geld dafür. Es ist halt so: Nichts ist so alt wie die publizierte Umfrage vom heutigen Tage. Weil wir natürlich zurückblicken - wie Du richtig sagst. Wir haben von Montag bis Donnerstag - da ist viel passiert. Es wird in den nächsten Tagen viel passieren.

Das heißt, das Beste wäre eigentlich, man macht jede Woche auch vielleicht nur eine 500er Befragung. Das finde ich gar nicht tragisch, wenn sie gut gemacht ist. Aber wenn man laufend Befragungen hat, dann kann man diese Trends natürlich viel, viel besser einfangen. Und dann nimmt er dir auch die Spitzen weg. Ich weiß ja zum Beispiel nicht, ob wir hier nicht eine Spitze bei der ÖVP haben, die sich über einen längeren Zeitraum gar nicht bewahrheitet. Das weiß ich aber nur dann, wenn ich mehrere Umfragen hintereinander mache. Und das ist unser 'Problem', weil das muss bezahlt werden. Weil aus Jux und Tollerei macht man das ja nicht. Im Übrigen sind wir in Kontakt mit unseren Kollegen in Frankreich. Dort hat man angeblich - also, dort waren die Online-Umfragen sehr, sehr genau, was uns ein bisschen verwundert, weil Online in Österreich so noch nicht verbreitet ist. Aber die haben sehr viele roulierende Befragungen gemacht und haben gesagt, sie konnten so den Trend viel, viel besser einfangen.

Dieter Zirnig

Es gibt ja auch die fiktive Kanzlerfrage. Und in dieser Kanzlerfrage legt Sebastian Kurz einen Senkrechtstart hin. Er liegt momentan bei 31 Prozent vor Christian Kern mit 29 Prozent. Also, sie liegen knapp beieinander. Was heiĂźt das nun fĂĽr diese fiktive Kanzlerfrage und was kann man aus diesen Zahlen herauslesen? Und was bedeutet das fĂĽr Strache oder Strolz?

Fiktive Kanzlerfrage (Mai 2015)





neuwal.com
Quelle: neuwal.com (abgerufen am 19.05.2017)

Fiktive Kanzlerfrage: Verlauf und Entwicklung (Mai 2015)




heute.at
Quelle: heute.at (abgerufen am 19.05.2017)

Peter Hajek

Was kann man daraus lesen. Also: Es gibt jetzt zwei Kandidaten, weil Christian Kern hat 29 Prozent. Das heißt, der Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Aber wir haben zwei Kandidaten, denen der Bundeskanzler mal zugetraut wird. Das heißt auf der einen Seite: Christian Kern hat etwas an Reputation verloren aber nicht so viel, wie man möglicherweise hätte annehmen können. Aber er hat mit Sebastian Kurz einen absoluten Konkurrenten bekommen. Das heißt, kampagnentechnisch gelesen hätte die SPÖ noch vor ein paar Wochen plakatieren können: 'Auf den Kanzler kommt es an.' Das kann sie jetzt nicht mehr, weil es gibt einen zweiten Kanzlerkandidaten und es könnte gefährlich werden. Erster Punkt.

Zweiter Punkt: Heinz-Christian Strache spielt in der Kanzlerfrage keine Rolle. Das war schon anders. Es gab Werte - speziell in der Faymann-Zeit - wo er auf Platz 1 gelegen ist, nämlich Heinz-Christian Strache. Also, es heißt: Eine Kanzler-Option sehen die Menschen nicht. Das heißt, die Freiheitliche Partei muss sich hier in den Fall auf dieses Asset, dass sie zwischenzeitlich hatten eben verzichten. Ja und Eva Glawischnig, die wir hier noch dabeihaben und Matthias Strolz ja keine Rolle spielen, das ist klar. Aber das ist auch der Oppositionspartei geschuldet.

Dieter Zirnig

Wenn ich jetzt diese fiktive Kanzlerfrage mit der letzten vom Jänner vergleiche, dann fällt mir auf, dass sich in Summe mehr Personen zu einer Person deklariert haben. Wieso das?

Fiktive Kanzlerfrage. Frage: Deklasieren sich durch Kurz mehr Personen?




heute.at
Quelle: heute.at (abgerufen am 19.05.2017)

Peter Hajek

Ja, absolut. Erstens, das ist Sebastian Kurz geschuldet. Kurz ist Projektionsfläche. Und Sebastian Kurz stellt für viele Menschen eine Zukunftshoffnung dar. Und zwar insofern, dass sie sagen: Er versteht uns, er bringt in Österreich etwas weiter, er spricht die richtigen Themen an und er steht für Wechsel, Neubeginn und Neustart. Das ist übrigens nicht etwas, was ich jetzt hineininterpretiere, sondern, das haben wir alles abgefragt schon vor drei, vier Wochen für das profil. Und da hat er unglaubliche Zuschreibungen. Und dieser Zuwachs - eben von 60 auf 80, wenn wir es salopp sagen - ist Sebastian Kurz geschuldet. Er bringt hier eine neue Komponente in das Spiel ein, wenn man es als solches bezeichnen möchte.

Dieter Zirnig

Eine der großen Herausforderungen bei der Bundespräsidentenwahl bei Wahlumfragen im letzten Jahr waren ja Vergleichswerte um hier zu einem guten Ergebnis bei Wahlumfragen zu kommen. Wie geht man jetzt mit der 'Liste Kurz' im Vergleich zur ÖVP um. Gibt es da Vergleichswerte oder wie wird das in der Meinungsforschung gehandhabt?

Peter Hajek

Nein, das wird mit ziemlicher Sicherheit keine Rolle spielen, weil es ist etwas ganz anderes. Ich finde es sehr gut, dass Du die Bundespräsidentenwahl noch einmal ansprichst. Unser Problem ganz speziell beim ersten Wahlgang, wo wir Norbert Hofer schwer unterschätzt haben, war dem geschuldet, dass wir keine Rückerinnerungsfrage hatten. Also, wir konnten nicht fragen: 'Wen haben sie bei der letzten Bundespräsidenten-Wahl gewählt?' Hätten wir schon machen können, nur Heinz Fischer hat einfach keine Rolle gespielt. Und wir hatten keine Vergleichswerte zu Hofer, zu Griss, zu keinem der Kandidaten. Am ehesten noch zu Van der Bellen. Das haben wir in dem Fall ja nicht. Denn es bleiben ja die Parteien gleich. Und die Wähler wissen ja, dass die neue Volkspartei 'Liste Sebastian Kurz' ja trotzdem die ÖVP ist. Da findet ja kein Wechsel statt.

Und was wir ja schon seit ca. ich glaube 15 bis 20 Jahren - ich glaube 15 Jahren - machen, ist: Wir nennen ja seit jeher in der Sonntagsfrage mittlerweile die Parteien mit dem Spitzenkandidaten. Wir fragen ja: 'Angenommen am nächsten Sonntag wäre Nationalratswahl: Wen würden Sie wählen?' Und da lesen wir vor und sagen immer: 'Die SPÖ mit Christian Kern. Die ÖVP mit Reinhold Mitterlehner.' So und jetzt sagen wir nicht mehr 'die ÖVP mit Reinhold Mitterlehner', sondern wir sagen: 'Liste Sebastian Kurz - die neue Volkspartei'. Das ist aber kein so großer Sprung für die Wähler und Wählerinnen. Also, das wird auch für uns - abgesehen davon, dass die Wähler grundsätzlich sehr beweglich geworden sind -, aber das stellt für uns nicht die große Herausforderung dar.

Dieter Zirnig

Vielen Dank fürs dabei sein. Es folgt dieses Wochenende noch ein podwal Nr. 3 gemeinsam mit Christina Matzka, wo wir auf die letzten Wahlumfragen zurückblicken und noch näher ins Detail gehen. Danke und bis zum nächsten Mal.