BETA

Transkript: Ingrid Felipe bei Lisa Gadenstätter #zib24 (19.05.2017)


Datum Freitag, 19. Mai 2017
Stand Transkriptstatus: Samstag, 20. Mai 2017
Quelle tvthek.orf.at


Lisa Gadenstätter

Lisa Gadenstätter

Moderatorin ZIB24 (ORF)
Ingrid Felipe

Ingrid Felipe

Grüne Bundessprecherin


Transkript Text Theater

Transkript
Dieter Zirnig (Transkript, Fakten, Quellen)  


Lisa Gadenstätter

Und in unserem Landesstudio in Innsbruck begrüße ich jetzt die neue Chefin der Grünen Ingrid Felipe. Schönen Guten Abend, Frau Filipe.

Ingrid Felipe

Einen wunderschönen guten Abend. Vielen herzlichen Dank für die Einladung.

Lisa Gadenstätter

Frau Felipe, Eva Glawischnig war ja eigentlich ursprünglich gegen eine Ämtertrennung. Das war sozusagen das letzte, was sie mitgegeben hat bei ihrer Abschieds-Pressekonferenz. Warum haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?

Ingrid Felipe

Ja, wir haben uns nach dem Rücktritt, von dem Rückzug von Eva Glawischnig mal zusammensetzen müssen und schauen, welche Möglichkeiten wir haben. Aus meiner Perspektive war es nicht möglich die Spitzenkandidatur zu übernehmen, weil ich Verpflichtungen in Tirol eingegangen bin, Verpflichtungen in Tirol habe. Aber ich konnte zur Verfügung stehen als Parteisprecherin zu arbeiten. Und Ulrike Lunacek hat sich bereiterklärt für uns als Gallionsfigur, als Frontfrau in den Wahlkampf zu gehen. Und sie als große Europäerin, als Kämpferin für die Gleichstellung und als anerkannte Frauenpolitikerin wird das Gesicht unserer Bewegung sein. Einer Bewegung die breit getragen von ganz, ganz vielen Menschen in ganz Österreich aktiv sein wird, um zu zeigen, dass es ein weltoffenes, ein tolerantes, ein liberales und auch ein ökologisches Österreich geben kann und auch weiterhin geben soll.

Lisa Gadenstätter

Wenn man sich die Kommentare der morgigen Zeitungen durchliest, dann verstehen die diese Trennung nicht wirklich. Die sehen da meistens eine andere Taktik dahinter. Da heißt es, man hätte sie vielleicht nicht oder Sie hätten sich nicht beschädigen wollen, sollte die Wahl doch nicht so gut laufen. Und Ulrike Lunacek sei nur eine Platzhalterin für Sie. Was sagen Sie dazu?

Ingrid Felipe

Naja, wenn man sich die Abschiedsworte von Eva Glawischnig gestern gut angehört hat - und das habe ich getan -, dann hat sie ausgeführt, wie umfangreich die Herausforderung, wie groß die Belastung für eine Person im derzeitigen politischen Alltag ist. Und wir haben uns dafür entschieden, anzuerkennen, dass die Herausforderung eine große ist und die Aufgaben zu verteilen, die Verantwortung zu verteilen, und sie gemeinsam besser zu tragen. Es ist auch ein ganz offensiver Gegenentwurf zu den politischen One-Man-Shows, die die anderen Parteien machen. Die darstellen, als ob die Spitzenkandidaten Kanzler, Außenminister, Parteichefs alles gleichzeitig wären. Wir machen transparent, dass wir unsere Verantwortung teilen und gemeinsam tragen. Und ich bin davon überzeugt, dass es sehr viele Menschen gibt, die diskutieren und auch Verständnis dafür haben, dass Politik auch eine gemeinsame Aufgabe ist.

Lisa Gadenstätter

Aber lassen Sie mich trotzdem noch einmal Nachfragen nach dieser Platzhalterfrage. Sie haben 2018 Wahlen in Tirol zu schlagen. Da wäre es natürlich schwer - sollte die Wahl nicht gut laufen - wenn Sie beschädigt in diese Landtagswahlen gehen. Das heißt, diese Platzhalterfrage, hat das wirklich überhaupt keine Rolle gespielt?

Ingrid Felipe

Für mich war die Entscheidung deswegen oder ist so gefallen, wie sie gefallen ist, weil ich in Tirol Verantwortung trage. Ich darf gemeinsam mit der ÖVP, gemeinsam mit Landeshauptmann Günther Platter eine erfolgreiche und beispielhafte Koalition in Österreich führen. Wir haben sehr viele Erfolge zu verzeichnen und ich stehe den Tirolerinnen und den Tirolern und auch unserem Koalitionspartner im Wort. Und abgesehen davon - nicht zu vernachlässigen - habe ich familiäre Verpflichtungen. Ich habe einen Sohn, ich habe Familie und auch denen stehe ich im Wort. Und auch das spielt in der Politik keine Rolle. Wir sind Menschen. Wir haben unsere Verantwortung wahrzunehmen und wir haben auch auf unser Leben zu schauen.

Lisa Gadenstätter

Aber wie kann denn das dann funktionieren? Die Grünen sind derzeit in einer nicht gerade guten Verfassung. Sie sind Landesrätin. Sie sind Stellvertreterin vom Landeshauptmann. Jetzt haben Sie dann auch noch diese Aufgabe in Wien zu erledigen. Sie wollen in Innsbruck bleiben, also nicht nach Wien ziehen für diese Monate des Wahlkampfs. Wie soll man das alles unter einen Hut bringen?

Ingrid Felipe

Ja zum einen kann man ja an sehr ausgefeilten Formen in der wir beide miteinander reden erkennen, dass es mit den modernen Medien, mit der Telekommunikation ganz wunderbar geht. Ich habe in den vergangenen Tagen - auch in den vergangenen Stunden - Telefonkonferenzen, Videokonferenzen geführt. Vieles läuft über Mails, über Nachrichten. Also, das lasst sich alles wunderbar organisieren. Und abgesehen davon bin ich schon seit eineinhalb Jahren stellvertretende Bundessprecherin. Hab mich auch da schon sehr stark eingebracht, bin regelmäßig in Wien. Ich würde sagen im Schnitt einmal die Woche. Kann es auch sehr gut mit meinen Aufgaben als Landesrätin verbinden, weil man ja auch immer wieder in Ministerien vorbeischauen darf und muss. Also von dem her sehe ich der Herausforderung sehr gelassen entgegen. Ich habe ein ausgezeichnetes Team und ich weiß auch seit heute, dass die gesamte Grüne Bewegung hinter mir steht. Dass sie uns dabei unterstützen werden, dass Ulrike Lunacek und ich die Herausforderung dieses so wesentlichen Wahlkampfs gut meistern werden.

Lisa Gadenstätter

Die Tiroler FPÖ hat Sie heute schon zum Rücktritt aufgefordert, weil sie der Meinung ist, dass man beides nicht verbinden kann: Landespolitik und Bundespolitik.

Ingrid Felipe

Also, es gibt etliche Beispiele dafür, dass Landespolitiker und PolitikerInnen auch bundespolitische Rollen und Verantwortung übernehmen. Und das lässt sich sehr gut vereinbaren. Es ist ja für mich als Landeshauptmann-Stellvertreterin von Tirol, für die Tirolerin und die Tiroler, für alle wichtig, dass in Österreich eine stabile Regierung arbeitet. Dass die Verhältnisse in Österreich klar und eindeutig sind. Und aus meiner Perspektive natürlich auch, dass es ein tolerantes, ein weltoffenes Österreich gibt - ein ökologisches Österreich gibt. Also ist es für mich auch sehr maßgeblich, dass bundespolitisch eine Alternative zu der Angstmache und eine Alternative zur Ausgrenzung und Abschottung geboten wird.

Lisa Gadenstätter

Ulrike Lunacek war in der ZiB 2 zu Gast und Sie hat gesagt, Sie wird als Spitzenkandidatin die Entscheidungen treffen. Sehen Sie das auch so?

Ingrid Felipe

Ja selbstverständlich. Für mich ist es ganz... Ich war selber mal Spitzenkandidatin. Als Spitzenkandidatin, so wir in unseren Funktionen vom Bundeskongress bestätigt werden - wird am 25. Juni stattfinden. Die Spitzenkandidatin hat die Letztverantwortung für die Wahlbewegung und das ist für mich ganz selbstverständlich, dass sie die Letztentscheidung in all diesen Fragen treffen wird.

Lisa Gadenstätter

Wenn Sie die Entscheidung trifft, was machen Sie dann?

Ingrid Felipe

Ich werde sie vor allem in der innerparteilichen Arbeit unterstützen. Ich werde koordinative und strategische Aufgaben übernehmen. Ich werde versuchen, alle unsere Kräfte zu bündeln, damit wir gemeinsam mit Ulrike Lunacek erfolgreich abschneiden werden.

Lisa Gadenstätter

Streben Sie denn eigentlich auch einmal an die Partei zu übernehmen?

Ingrid Felipe

Ich bin sehr glücklich und freue mich sehr, dass ich heute vom erweiterten Bundesvorstand designiert worden bin als Bundessprecherin der österreichischen Grünen. Ich nehme diese Herausforderung sehr gerne an, freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen meinen Freunden und Freundinnen und alles Weitere wird uns die Zukunft weisen.

Lisa Gadenstätter

Und noch eine Frage an die Zukunft - vielleicht die nähere Zukunft. Was planen Sie jetzt für die Grünen bei der Nationalratswahl?

Ingrid Felipe

Es ist derzeit - glaube ich - alles offen. In den vergangenen Tagen sind ja mehrere politische Erdbeben in Österreich passiert: Rücktritte, Neustarts und neue Organisationen. Ich glaube, die Nationalratswahl 2017 wird spannend wie schon lange nicht mehr. Und daher traue ich mir dazu keine Einschätzungen momentan aus. Aber es geht uns ganz klar darum, eine Regierung, ein Österreich der Weltoffenheit und gegen die Abschottungspolitik zu ermöglichen. Und selbstverständlich sind wir gerne bereit Regierungsverantwortung zu übernehmen. Ich kann Ihnen ja erzählen - aus der Arbeit in Tirol aber auch in Vorarlberg in Salzburg -, wie Grün wirkt. Mir ist es zuletzt gelungen mit einer großen Tarifreform, wirkliche finanzielle Entlastung für die Tiroler Familien und viele Menschen in Tirol zu erwirken und gleichzeitig einen ökologischen Akzent zu setzen, weil einfach ganz viele Menschen jetzt umsteigen werden auf die öffentlichen Verkehrsmittel.

Lisa Gadenstätter

Man merkt, der Wahlkampf ist voll im Gang. Frau Felipe, vielen Dank für das Gespräch und schönen guten Abend nach Innsbruck.

Ingrid Felipe

Vielen herzlichen Dank. Das Gespräch haben wir aufgezeichnet.



Quellen
Quelle tvthek.orf.at
Header tvthek.orf.at
Lisa Gadenstätter (Bild)
Ingrid Felipe (Bild)




Statistik
Person Zeichen Wörter

Lisa Gadenstätter

2.167 356

Ingrid Felipe

6.443 991

Gesamt

8.610 1.347