Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen bei Corinna Milborn #PULS4 #bpw16

BundesprÀsidentschaftswahl 2016

Transkript von Dieter Zirnig am 20. November 2016

Transkript: Duell Norbert Hofer, Alexander Van der Bellen mit Corinna Milborn (PULS4) vom 20.11.2016.

Sonntag, 20. November 2016

puls4.com

Transkriptstatus: Dienstag, 29. November 2016

Quelle: puls4.com

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neuwal + friends


Dieter Zirnig

Dieter Zirnig (neuwal.com)

Transkript, Fakten, Quellen


Leo Lettmayr

Leo Lettmayr

Fakten, Quellen


Flooh Perlot

Flooh Perlot

Datenanalyse auf drawingdata.net/konf2016/


Moderation und TeilnehmerInnen

Corinna Milborn

Corinna Milborn

Moderatorin (PULS 4)

 
Thomas Mohr

Thomas Mohr

Co-Moderator (PULS 4)

 
Norbert Hofer

Norbert Hofer

BundesprĂ€sidenten-Kandidat (FPÖ)

 
Alexander Van der Bellen

Alexander Van der Bellen

BundesprÀsidenten-Kandidat (unabh.)

 
Ursula Stenzel

Ursula Stenzel

Kommentatorin (Pro Hofer)

 
Werner Schneyder

Werner Schneyder

Kommentator (Pro Van der Bellen)

 


Bildquellen
Corinna Milborn: © Wikipedia / Agtt-gs / Cc-by-sa-3.0-at
Thomas Mohr: © Wikipedia
Norbert Hofer: Wikipedia/Franz Johann Morgenbesser , CC BY-SA 2.0
Alexander Van der Bellen: Manfred Werner/Tsui – CC by-sa 3.0 (wikipedia.org)
Ursula Stenzel: © Wikipedia
Werner Schneyder: © Wikipedia
Bildquelle Header: puls4.com

Person Zeichen Worte

Corinna Milborn

20.944 3.399

Thomas Mohr

1.057 180

Norbert Hofer

30.367 5.048

Alexander Van der Bellen

29.966 4.841

Ursula Stenzel

1.792 301

Werner Schneyder

1.111 178

Gesamt

85.237 13.947








neuwal Elefantenrunde

Politische Bildung ist uns wichtig. Daher haben wir dieses Spiel entwickelt: Die neuwal Elefantenrunde ist ein politisches Kartenspiel mit verdeckten Rollen. In der neuwal Elefantenrunde Nationalratswahl 2017 nehmen Mitspieler die Rolle der Spitzenkandidaten und WĂ€hlerInnen ein und spielen um Positionen, Themen und Parteien. Jetzt downloaden!

Einleitung

Corinna Milborn

So. Willkommen zurĂŒck. Und jetzt geht's los. Beim Duell zwischen den Kandidaten zur BundesprĂ€sidentschafts-Wahl 2016. BegrĂŒĂŸen sie mit mir den Kandidaten der FPÖ: Norbert Hofer. Schönen Guten Abend.

Applaus

Corinna Milborn

Und sein Gegenspieler Alexander Van der Bellen.

Applaus

Kurzer RĂŒckblick

Corinna Milborn

Na, da heizt sich schon der auf, ich sehe schon. Wir haben ĂŒber 100 Leute hier im Publikum. Jeweils zehn UnterstĂŒtzer der beiden Kandidaten. Und viele, die noch unentschlossen sind, wie vielleicht auch Sie. Weil, obwohl dieser Wahlkampf schon sehr lange dauert, gibt es viele, die noch nicht wissen, wem sie heute ihre Stimme geben werden. Wichtig ist, dass Sie wĂ€hlen geben. Und wir wollen Ihnen heute Entscheidungshilfe geben. Und ich möchte diesen ersten Teil unter das Thema 'GlaubwĂŒrdigkeit' stellen. Es war ein sehr langer Wahlkampf. [Mhm] Herr Hofer, gibt es irgendetwas, dass Sie bereuen in diesem Wahlkampf... dass sie gemacht haben?

Kommunikation: Mhm

Mir ist aufgefallen, das Norbert Hofer schon sehr oft in der Fragestellung kommunikationstechnisch eingreift. Und zwar mit bestÀtigenden oder ablehnenden 'Mhm', das sehr oft parallel zur Fragestellung hörbar ist. In den folgenden Passagen sind die [Mhm] rot hinterlegt gekennzeichnet.

Norbert Hofer

Ein Wahlkampf ist nie fehlerfrei. Also jeder, der schon mal vielleicht auf Gemeinderatsebene kandidiert hat: Es dauert vier, fĂŒnf, sechs Wochen. Da passieren Fehler in diesem kurzen Zeitraum. Wir beide sind jetzt seit zehn Monaten, elf Monaten im Einsatz. Wir haben viel gut gemacht. Und natĂŒrlich gibt es auch Fehler. SelbstverstĂ€ndlich.

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen, bereuen Sie etwas?

Alexander Van der Bellen

Naja, ich habe zu lange gebraucht, um mitzubekommen, dass Herr Hofer sehr gut geschult ist in verschiedenen rhetorischen Kniffs. Um nicht zu sagen Tricks. Na, ich bewundere das, wie Sie das machen. Wirklich. Aber, es war eine Zeitlang ziemlich irritierend, muss ich sagen. Jetzt glaube ich, kann ich Sie ĂŒber diese elf Monate hindurch ein bisschen besser einschĂ€tzen.

Rethorische Kniffe: Hinter der Maske


'Anwendung von verbalen Attacken, Untergriffen, Scheinargumenten', 'Die Kunst des ZwietrachtsĂ€ens', 'Provokation und Polemik' – all das lehrt die FPÖ in Rhetorikseminaren. Niemand beherrscht das GeschĂ€ft besser als Norbert Hofer. Einblick in die Schauspielschule von Benedikt Narodoslawsky im Falter 46/16.


falter.at
Quelle: falter.at

Norbert Hofer

Jetzt haben Sie den Dreh herausen sozusagen.

Alexander Van der Bellen

(lacht)

Rhetorik und Langsamkeit

Corinna Milborn

Vielleicht bleiben wir gleich bei diesen Rhetorik-Tricks. Die sind ja viel diskutiert, Herr Hofer. Gerade in letzter Zeit. Mir ist aufgefallen: Sie sind ja Profi in Rhetorik. Sie haben ja eine Ausbildung. Es steht aber nicht mehr in Ihrem Lebenslauf. In Ihrem alten Lebenslauf, der frĂŒher auf Ihrer Homepage war, da steht, dass sie 1995 bis 1999 Verhaltenstechnische Seminare absolviert haben, Rhetoriktrainings und auch selbst sich zum Kommunikationstrainer ausbilden haben lassen. Warum haben Sie das aus Ihrem Lebenslauf entfernt? Offenbar vor diesem Wahlkampf?

Lebenslauf: Norbert Hofer


TatsÀchlich erwÀhnt sein Lebenslauf mit keinem Wort seine Arbeit als Kommunikationstrainer und die absolvierten Schulungen.

Auf der Parlamentsseite wird 'Trainerausbildung Kommunikations- und Verhaltenstechnik 1999' angegeben.


norberthofer.at
Quelle: norberthofer.at (abgerufen am 20.11.2016)

Norbert Hofer

Ich habe es gar nicht raus. Es gibt ja auf der Homepage des Parlaments - glaube ich -, da sollte das noch oben sein. Es stimmt, ich habe ĂŒber hundert Seminare auch gehalten. Vor allem auch fĂŒr FunktionĂ€re auch Gemeinderatsebene. Weil auch im Gemeinderat es wichtig ist, dass man diese Technik beherrscht. Und ein Politiker muss das können. Weil er muss ja auch mit Kollegen aus anderen Parteien oder auf dieser Ebene mit StaatsmĂ€nnern kommunizieren. Und, ein Politiker, der die Rhetorik nicht beherrscht, hat etwas ganz Wichtiges nicht gelernt.

Lebenslauf auf parlament.gv.at: Norbert Hofer


Auf der Parlamentsseite wird 'Trainerausbildung Kommunikations- und Verhaltenstechnik 1999' angegeben.


parlament.gv.at
Quelle: parlament.gv.at (abgerufen am 21.11.2016)

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen, bei Ihnen ist vor allem in den Parodien Ihre Langsamkeit zu tragen gekommen.

Alexander Van der Bellen

Hm. Ist es das? Ist schon eine Zeitlang her. Ich meine ich rede so schnell oder so langsam, wie es mir gefÀllt. Also, da gibt es keine allgemeine Regel. Sie haben insofern recht, als vor vielen Jahren meine Kollegen einmal gespöttelt haben: In Deinen Redepausen könnte man Werbeeinschaltungen machen. Aber die Zeit ist - glaube ich - schon vorbei.

Heimat

Corinna Milborn

Man hat das GefĂŒhl, das Sie sich beide ein bisschen verbogen haben in diesem langen Wahlkampf. Bei Ihnen, Herr Van der Bellen, haben wir gesehen, dass Sie diesen Sommer erstaunlich viel Tracht getragen haben. Ich muss wirklich sagen, auch als politische Beobachterin der letzten Jahrzehnte, habe ich Sie selten in Lederhosen gesehen. Diesen Sommer sind Sie von Kirtag zu Kirtag gehĂŒpft. Man sieht Sie hier in Altausee gerade - eingeblendet. Sie haben ja groß 'Heimat' plakatiert. Man nimmt es Ihnen nicht so ganz ab.

Heimat und Assoziation mit den BP-Kandidaten

Laut einer von Profil in Auftrag gegebenen Umfrage von Anfang November finden 45% der Österreicher, dass der Begriff 'Heimat' gut zu Norbert Hofer passt. Laut derselben Umfrage assoziieren 49% den Begriff mit Alexander van der Bellen.


profil.at
Quelle: profil.at (12.11.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Alexander Van der Bellen

Wer ist 'man'?

Corinna Milborn

Die Politikbeobachter sage ich einmal.

Alexander Van der Bellen

Ahja, OK.

Corinna Milborn

Aber ich kann auch von mir selbst sprechen. Also, ich habe Sie lange erlebt jetzt im politischen GeschÀft... Sie beide... So viel Tracht haben Sie noch nie getragen. Ist Ihnen das schwergefallen?

Alexander Van der Bellen

Überhaupt nicht. Was vielleicht die Leute zu wenig mitbekommen haben... Und es ist ja auch kein Wunder, ich trage ja meinen Lebenslauf vor mir her. Aber ich komme ja vom Dorf. Ich bin am Dorf aufgewachsen. NĂ€mlich, im Kaunertal. Und das ist in gewisser Weise schon eine prĂ€gende Erfahrung, wie das Dorfleben funktioniert, wie es manchmal nicht funktioniert. Wie sich die Leute aber doch zusammenraufen. Und schlussendlich gemeinsam etwas erreichen und das Tal weiterentwickeln.

Corinna Milborn

Wir haben Sie sogar mit einer Waffe gesehen in diesem Wahlkampf. Sie waren da in Eisenstadt bei den königlichen SchĂŒtzen.

Alexander Van der Bellen in Altaussee



krone.at
Quelle: krone.at (25.08.2016, abgerufen am 17.10.2016)

Alexander Van der Bellen

Ja, genau. Der Herr hat mir das einfach in die Hand gedrĂŒckt. Was sollen Sie sagen: Nein, danke? Na. Am Gesicht von mir kann man eh sehen, wie das auf mich gewirkt hat.

Norbert Hofer

[nicht verstÀndlich]

Alexander Van der Bellen

Ziemlich schwerer PrĂŒgel ĂŒbrigens, dieses Gewehr.

Corinna Milborn

Also, Sie sind weniger geĂŒbt als der Herr Hofer. Sie haben einen Waffenschein.

Norbert Hofer

Ja, aber ich habe kein Gewehr.

Corinna Milborn

Nehmen Sie es ihm ab? Die 'Heimat' sind ja sehr stark kritisiert... Die Heimat-Kampagne. Und der Van der Bellen sagt jetzt sehr glaubhaft, er kommt ja vom Dorf. Er kommt ja aus dem Kaunertal und hat uns sein kaunertalerisch vorgefĂŒhrt.

Alexander Van der Bellen

Ich bin begeisterter GroßstĂ€dter. Aber ich komme vom Dorf.

Norbert Hofer

Jeder muss fĂŒr sich selbst entscheiden, wie er den Begriff 'Heimat' lebt. Nur, man muss halt vergleichen: Was habe ich in diesem Wahlkampf gemacht und was habe ich in den Jahren davor gemacht? Aber, wenn Van der Bellen fĂŒr sich entschieden hat, eine Tracht zu kaufen, dann gratuliere ich ihm. Weil, eine Tracht ist deswegen gut, weil Sie nicht der Mode unterliegt. Und weil man die Tracht auch in fĂŒnf oder in zehn Jahren noch tragen kann. Das ist das Schöne daran.

Angelobung der Regierung

Corinna Milborn

WĂ€hrend Herr Van der Bellen in Richtung Kirtag sich bewegt hat [Mhm], heißt es bei Ihnen, dass Sie Kreide gefressen haben in diesem Wahlkampf. Also, Sie sind wesentlich sanfter geworden. Ich habe etwas vorbereitet vom Anfang des Wahlkampfs. [Mhm] Das war der Wahlkampfauftakt am 3. April. Da haben Sie ĂŒber Ihren Kontrahenten noch das hier gesagt. Sie erinnern sich sicher:

Einspielung

Norbert Hofer: 'Und er hat gesagt: Wenn die FPÖ die absolute Mehrheit erringt - also mehr als 50 Prozent der Stimmen -, dann wird er sofort das Parlament auflösen und neu wĂ€hlen lassen. Ungeheuerlich. Ungeheuerlich. Und wir brauchen keinen grĂŒnen Austrofaschismus, keinen grĂŒnen Diktator. Deswegen mĂŒssen wir Van der Bellen verhindern.'

Corinna Milborn

So, da kommen Sie jetzt sanfter rĂŒber, Herr Hofer.

Norbert Hofer

Na vor allem fÀllt mir auf, ich habe da noch keine grauen Haare gehabt. Das ist sehr schnell gegangen.

Corinna Milborn

Ja, so lange war der Wahlkampf.

Norbert Hofer

Ja, schauen Sie. NatĂŒrlich hat mich das sehr bewegt. Weil, die Frage, wie geht man mit einem Wahlergebnis um, keine ganz einfache ist. Ich habe fĂŒr mich entschieden, dass ich ein Wahlergebnis so akzeptiere, wie es ist. Obmann oder Obfrau der stĂ€rksten Partei bekommt den Auftritt zu Regierungsverhandlungen. Was aber nicht heißt, dass diese Partei auch in der Regierung vertreten ist. Wir hatten das schon einmal, als Viktor Klima den Auftrag erhalten hat, eine Regierung zu bilden. Und das war dann doch nicht das, was am Ende rausgekommen ist. Also, fĂŒr mich ist es wichtig, dass es eine Mehrheit gibt im Parlament. Dass sich zwei oder drei Parteien darauf einigen. Und diese Parteien werden dann regieren.

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen. Viel diskutiertes Thema in diesem Wahlkampf. Bleiben Sie dabei? Ich frage jetzt gleich direkt drauf, weil es gerade Thema ist: Bleiben Sie dabei, dass Sie den Regierungsauftrag nicht an Heinz Christian Strache geben wĂŒrden, auch wenn er die grĂ¶ĂŸte Partei hat? KlĂ€ren wir das jetzt nochmal ein fĂŒr alle Mal?

Alexander Van der Bellen

Jeden hypothetischen Zufall hĂ€tte ich jetzt fast gesagt... Jeden hypothetischen Fall werden wir jetzt nicht durchdiskutieren. Aber es ist möglich, dass die FPÖ nach den nĂ€chsten Nationalratswahlen stĂ€rkste Fraktion wird im Nationalrat. Keine Ahnung, 25, 30 Prozent reichen vielleicht. Und meine Absicht ist, unter den gegenwĂ€rtigen UmstĂ€nden nicht Herrn Strache mit der Regierungsbildung zu beauftragen. Aus dem schlichten Grund: Ich will eine pro-europĂ€ische Regierung haben. Ich glaube, dass eine pro-europĂ€ische Regierung in Österreich wichtiger ist, denn je. Wir brauchen den europĂ€ischen Zusammenhalt. Wir dĂŒrfen uns nicht auseinanderbröseln lassen. Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass die alten Grenzen wieder hochgezogen werden, aus wirtschaftspolitischen GrĂŒnden in Sorge um unsere ArbeitsplĂ€tze aber auch - und das wird vielleicht vergessen von der, naja, von einigen Leuten -, dass dieses vereinte Europa, in Gestalt der EuropĂ€ischen Union, immer ein Projekt des Friedens war. Des Friedens und der Freiheit und der Herrschaft des Rechts. Um es etwas pathetisch auszudrĂŒcken. Und das ist mir sehr wichtig. Und die Politik der FPÖ in den letzten zwanzig Jahren lĂ€sst mich leider schließen, dass sie das mit diesem Prinzip ja nicht nur nicht ernst nimmt, sondern, dass sie das Gegenteil auch in der letzten Zeit vorgehabt hat.

Norbert Hofer

Ich darf nur sagen, dass die FPÖ ja schon in der Regierung vertreten war. Auch nach 2000. Und, dass daran die EuropĂ€ische Union nicht zerfallen ist. Aber, wie haben große Probleme in der EuropĂ€ischen Union. Und das kann man einfach nicht wegschieben. Wir mĂŒssen diese EuropĂ€ische Union weiterentwickeln. Und - ich glaube - Kern hat gestern oder heute gesagt: Es gibt nur zwei Wege. Entweder eine Union, die zentralistischer ist oder eine Union, die in die andere Richtung geht. Ich bin... Da teilen sich auch unsere Meinungen. Van der Bellen sagt - und auch Othmar Karas - eine Union, die zentralistischer ist, wĂ€re die Lösung. Und ich sage: Nein, es muss eine Union der MitgliedslĂ€nder sein. Und eine Union, die subsidiĂ€r aufgebaut ist. Wo man die großen, wichtigen Themen gemeinsam abhandelt und die vielen Kleinigkeiten, wie, wie soll ein Grillhandschuh ausgestaltet sein, wie sollen GlĂŒhlampen aussehen... Das sind Themen, die nicht unbedingt auf europĂ€ischer Ebene abgehandelt werden sollen. Und das sind unterschiedliche ZugĂ€nge, die wir haben. Und, ja, aber, einen Weg wird man gehen mĂŒssen. Denn wir können die Union nicht so belassen, wie sie jetzt ist. Denn der BREXIT ist ja nicht von heute auf morgen gekommen. Da gab es ja einen langen Weg davor. Und sowas soll nicht noch einmal passieren.

EU, Volksbefragung und ÖXIT

Corinna Milborn

Ich meine, das 'nicht so lassen, wie sie ist', da sind sich glaube ich ohnehin Sie beide einig. Das sagen Sie beide [Mhm]. Bei Ihnen hat man auch da den Eindruck, dass Sie wesentlich weniger schĂ€rfer geworden sind. Und auch weniger schĂ€rfer als Ihre Kollegen im EU-Parlament. Zum Beispiel sitzt die FPÖ mit Parteien zusammen, die ganz klar fĂŒr den Austritt sind. Zum Beispiel, ich sage nur... Zum Beispiel in Frankreich Marine Le Pen [Mhm], die hat vor kurzem - jetzt am 1. Mai - folgendes gesagt. Horchen wir das kurz an, weil sie sagt das ganz klar:

Einspielung

Marine Le Pen (ĂŒbersetzt ins Deutsche): 'Ich bin die Kandidatin des 'Nein' zur EuropĂ€ischen Union und des 'Ja' zu Frankreich.'

Corinna Milborn

Das war am 1. Mai [Mhm] und kurz darauf haben Sie sie zum 'Patriotischen FrĂŒhling' eingeladen. Das war noch nach der letzten Stichwahl. Da gibt es das berĂŒhmte Foto mit dem Handkuss [Mhm] von Ihnen und Marine Le Pen. Wie soll man Ihnen das abnehmen, dass Sie so gar nicht fĂŒr den Austritt sind, wenn Ihre EU-Kollegen dafĂŒr sind?

Norbert Hofer

Also, ich schĂ€tze einmal, dass ich gestern - ich war in KĂ€rnten unterwegs - hundertmal einen Handkuss gegeben habe. NatĂŒrlich, Sie mĂŒssen wissen, wie das auf EuropĂ€ischer Ebene funktioniert. Da gibt es die Fraktionen, die zusammenarbeiten. Und diese Fraktionen haben nicht die identen Parteiprogramme. Es ist auch die ÖVP mit - innerhalb der EVP - auf europĂ€ischer Ebene mit Viktor Orban in einer Fraktion. Auch die haben nicht in allen Bereichen die gleiche Meinung. Ich bin nicht der Meinung, dass das Projekt EuropĂ€ische Union schon verloren ist. Bei aller Krisenhaftigkeit, die wir erleben. Und, dass wir eine Verantwortung haben, jetzt diese Union weiterzuentwickeln, damit es eine Union der Menschen auch wird. Wenn wir das nicht machen, dann werden diese Probleme noch grĂ¶ĂŸer werden. Friedensunion ist zurecht gesagt worden. Vor einiger Zeit sind noch in Griechenland Fahnen verbrannt worden. Fahnen Deutschlands. Und das ist genau das, was wir nicht sehen wollen in der EuropĂ€ischen Union. Und die GrĂŒndervĂ€ter hatten ja die Idee, ein Gebilde zu schaffen, wo man wirtschaftlich sehr eng zusammenarbeitet. Und LĂ€nder, die wirtschaftlich eng zusammenarbeiten, fĂŒhren keine Kriege. Das ist auch der Grund, warum ich nicht begeistert bin von den Sanktionen gegen Russland. Weil dieser Boykott uns noch weiter auseinanderbringt. Wir mĂŒssen in Wirklichkeit versuchen, zusammen zu arbeiten...

Corinna Milborn

Da kommen wir noch dazu, Herr Hofer. Wichtiges Thema. Wichtiges internationales Thema. Das besprechen wir auf jeden Fall noch. Ich hÀtte gerne von Ihnen noch eine Antwort zur EU.

Alexander Van der Bellen

TatsĂ€chl... Tatsache ist doch, dass die FPÖ noch im JĂ€nner dieses Jahres 2016 im Parlament, im Nationalrat einen Antrag eingebracht hat auf Vorbereitung einer Volksabstimmung ĂŒber den Austritt aus der Union. Tatsache ist doch, dass nach der - in meinen Augen - tragischen BREXIT-Entscheidung in Großbritannien, im Vereinigten Königreich, zunĂ€chst einmal in allen rechtspopulistischen, rechtsdemagogischen Lagern in der EU großer Jubel darĂŒber ausgebrochen ist. Auch in der FPÖ. Aber, so nach 14 Tagen ungefĂ€hr, als die FPÖ gemerkt hat, naja, aber in Österreich findet das ja gar kein positives Echo diese BREXIT-Entscheidung. Sondern, ganz im Gegenteil gibt es weit und breit keine Mehrheit fĂŒr einen ÖXIT. Und seither - entschuldigen Sie meinen Ausdruck - nimmt Herr Hofer zum FrĂŒhstĂŒck Kreide zu sich, zum Mittagessen Kreide zu sich und am Abend Kreide zu sich.

Es tut mir ja leid fĂŒr Sie. Und seither ist der ÖXIT irgendwie, sozusagen weg von der Tagesordnung. Das glaube ich aber nicht. Und das glauben viele Leute in Österreich nicht. Und ich glaube, das glaubt eine Mehrheit nicht, dass Sie diesen Gedanken aufgegeben haben. Das ist alles nur Gerede, dass sich die EU verĂ€ndern muss. Das glaube ich eh auch, dass es so nicht weitergeht. Ja. Aber den Schritt, auszutreten und dadurch hunderttausende von ArbeitsplĂ€tzen in Österreich zu riskieren. WofĂŒr? FĂŒr eine ideologische SchimĂ€re? FĂŒr irgendwas, was ich nicht nachvollziehen kann? Das ist eine GefĂ€hrdung der ArbeitsplĂ€tze der Industriearbeiter, der Angestellten dort, der gesamten exportorientierten Wirtschaft. Und in Österreich - ist ein kleines Land - hĂ€ngt jeder zweite Arbeitsplatz - mindestens - von den Außenbeziehungen ab. Also vom Export von dem Handel ĂŒber die Grenze. Also, ich verstehe nicht, wie man angesichts alleine dieser Tatsache... Da muss man gar nicht an die Werte der EuropĂ€ischen Union glauben. Wir verstehen nicht, wie man alleine schon aus wirtschaftspolitischen GrĂŒnden das auch nur andenken kann, aus der EuropĂ€ischen Union auszutreten. Das wĂ€re Gift fĂŒr unsere Wirtschaft.

Corinna Milborn

Herr Hofer?

Alexander Van der Bellen

Und das sage ich insbesondere auch den jungen Leuten. Weil sie werden die Zeche zu bezahlen haben. Ich am allerwenigste. Ich bin sozusagen aus dem regulĂ€ren Arbeitsmarkt schon draußen in meinem Alter. Aber sie mĂŒssen darĂŒber nachdenken, ob das in ihrem Interesse sein kann.

Corinna Milborn

Herr Hofer?

Applaus

Corinna Milborn

Wenn Sie klatschen, dann kurz, dass der Gegenpart antworten kann noch. OK?

Norbert Hofer

Ach, ich habe Zeit. Das ist kein Problem.

Corinna Milborn

Bitte, Herr Hofer.

Norbert Hofer

Also, aus dem regulÀren Arbeitsmarkt heraus... Und Sie wollen ja BundesprÀsident werden. Das ist sehr...

Alexander Van der Bellen

Ja, es ist ja nicht der regulÀre Arbeitsmarkt.

Norbert Hofer

Ja, da ist viel mehr zu tun. Das werden Sie wissen.

Alexander Van der Bellen

Das schon.

Norbert Hofer

Nun, Van der Bellen hat in der letzten Diskussion, die wir... Ist die erste Diskussion, die wir gemacht haben nach dieser letzten Wahlkampfphase gesagt: Es ist schĂ€dlich, dauernd ĂŒber den ÖXIT zu sprechen. Ich gebe Ihnen recht. Und frage mich, warum Sie das dauernd tun. Bei jeder Diskussion kommt dieses Thema, weil es grĂŒne Wahlkampfstrategie ist. Das wird auch plakatiert oder inseriert von Herrn Haselsteiner. Es gibt diese Videos, wo man glaubt, man ist in einer Wochenschau von 1943. Also... Und dann dieser, dieser, dieser Alpen-Mordor...

Alexander Van der Bellen

1943?

Norbert Hofer

Ja natĂŒrlich. Haben Sie das Video nicht gesehen?

Alexander Van der Bellen

43?

Norbert Hofer

Da sind Bomben...

Alexander Van der Bellen

1943...

Norbert Hofer

...wie ein Krieg. Also fĂŒrchterlich. Also, ich glaube, man muss hier auch sachlich bleiben. Das ist ganz wichtig. Ich sage noch einmal: Wir mĂŒssen diese EuropĂ€ische Union weiterentwickeln. Es ist auch in unserem Parteiprogramm, fĂŒr das ich verantwortlich bin, ja festgeschrieben, dass wir uns zur EuropĂ€ischen Integration bekennen. Ja, das gilt, das Parteiprogramm. Und, das wir glauben, dass wir hier einen Weg der Vernunft gehen mĂŒssen.

Corinna Milborn

Ja, vielleicht antworten Sie auf die Frage nach dem Antrag zum Austritt vom letzten JĂ€nner.

Norbert Hofer

Ja, da ging es glaube ich um eine Volksbefragung. Es gab vorher das Volksbegehren, das stattgefunden hat. Und dieses Volksbegehren wurde im Parlament so... bissel so stiefmĂŒtterlich behandelt. Ich bin insgesamt ein großer Freund der Direkten Demokratie. Und ich glaube, das ist so mein großes Ziel, dass man auch Österreich weiterentwickeln sollte. Nach einem Modell der direkten Demokratie wie in der Schweiz.

Corinna Milborn

Das heißt konkret: Also, mit Ihnen wĂŒrde es eine Volksabstimmung geben ĂŒber den Verbleib in der EU?

Norbert Hofer

Es gibt... es gibt...

Corinna Milborn

Sie haben nĂ€mlich angekĂŒndigt, wenn die EU sich nicht weiterentwickelt, dann wollen Sie das innerhalb eines Jahre - das war im Mai... Das heißt, das wĂ€re jetzt in einem halben Jahr... Ich weiß nicht, ob Sie den Eindruck haben, dass es sich weiterentwickelt hat, aber eher nicht...

Norbert Hofer

Ich habe gesagt in diesem Interview: Ich erwarte, dass sich die EuropĂ€ische Union innerhalb eines Jahres - in etwa - neue VertrĂ€ge geben wird. Und wenn diese VertrĂ€ge so aussehen sollten, dass die Union zentralistisch wird und damit die Mitgliedsparlamente weniger Möglichkeiten haben... Ich bin ja dritter PrĂ€sident des Nationalrates. Mir liegt ja das Parlament am Herzen. Dann mĂŒsste man die Menschen fragen, ob das noch die Union ist, der sie beigetreten sind. Das ist der eine Punkt. Und der zweite ist: Wenn die TĂŒrkei der EuropĂ€ischen Union beitreten wĂŒrde. Auch dann wĂ€re es eine völlig andere EuropĂ€ische Union. Und ich bin jetzt kein...

Corinna Milborn

Also gut, das liegt wirklich in weiter Ferne....

Norbert Hofer

Nein, ĂŒberhaupt nicht. Schauen Sie...

Corinna Milborn

Fragen wir noch einmal... wie Sie es weiterentwickeln...

Norbert Hofer

...die BeitrittsgesprĂ€che werden ja nicht abgebrochen. Die gibt es ja nach wie vor. Und so lange es BeitrittsgesprĂ€che gibt, ist der Beitritt ein Ziel der EuropĂ€ischen Union. Und ich glaube, das wĂŒrde uns nicht gut tun. Ich bin kein Feind der TĂŒrkei. Es wird auch eine Zeit kommen nach Erdogan. Aber das ist so ein großes Land, wo nur wenige Quadratkilometer sich auf europĂ€ischen Boden befinden. Ich möchte eine Partnerschaft aber keinen Beitritt.

Applaus

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen, warum sind Sie gegen eine Volksabstimmung? Ich möchte mal... Ich habe nicht ganz genau herausgehört, ob Sie jetzt eine Volksabstimmung machen wollen oder nicht. Aber, Sie haben gesagt: Nur, wenn neue VertrĂ€ge kommen oder die TĂŒrkei beitritt. [Mhm]

Norbert Hofer

Unter zwei Voraussetzungen, ja.

Corinna Milborn

Beides ist bis nÀchsten... im nÀchsten Jahr unwahrscheinlich meiner Beobachtung nach.

Norbert Hofer

Wobei es sowieso vorgesehen ist - auch in unserer Verfassung -, dass, wenn es VertrĂ€ge gibt, die unsere Verfassung im Kern berĂŒhren... Dann ist sogar zwingend eine Volksabstimmung durchzufĂŒhren.

Corinna Milborn

Insofern...

Norbert Hofer

Das sieht unsere Bundesverfassung auch so vor.

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen, wĂŒrden Sie unter denselben Bedingungen auch eine Volksabstimmung machen? Wenn sich die VertrĂ€ge grundlegend Ă€ndern oder die TĂŒrkei beitritt? Das ist jetzt offenbar der Stand.

Alexander Van der Bellen

Lassen wir das eine bitte einmal weg. Eine Frage des Beitritts der TĂŒrkei stellt sich in der nĂ€chsten Legislaturperiode des BundesprĂ€sidenten mit Sicherheit nicht.

Norbert Hofer

Es ist keine Legislaturperiode.

Alexander Van der Bellen

Mit Sicherheit nicht.

Norbert Hofer

Der PrÀsident ist ja kein...

Alexander Van der Bellen

Geschenkt...

Norbert Hofer

Ja.

Alexander Van der Bellen

6 Jahre dauert die Periode und in diesen 6 Jahren findet ein Beitritt - ob jetzt verhandelt wird oder nicht - mit Sicherheit nicht statt. Also, ich weiß nicht, warum wir uns dauern die Zeit verschwenden mit dieser Frage. Die erste Frage war eine Volksabstimmung ĂŒber den Verbleib in der EU. Ja, von mir aus. Das Parlament mĂŒsste das aber beschließen. Das ordnet ja nicht der BundesprĂ€sident an. Das ist ein kompliziertes Prozedere. Das Parlament muss zuerst eine Art Gesetz beschließen, dass nur bedingt in Kraft tritt, einer Abstimmung durch das Volk unterliegt. Ja, wie lautet dann genau das Gesetz? Ich persönlich habe keine Lust, mich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Weil der politische Hintergrund und die Interpretation ĂŒberall auf der Welt - und auch hier in Österreich wird sein: Aha, die Österreicher vertreten durch ihre Regierung, vertreten durch das Parlament, bereiten den Austritt aus der Union vor. Und dann sind wir genau dann in dieser - fast hĂ€tte ich einen passenden Ausdruck gebracht...

Corinna Milborn

Bitte.

Alexander Van der Bellen

...in dieser Situation, die ich vorhin beschreiben habe. Die schĂ€dlich ist fĂŒr die österreichischen Wirtschaftsinteressen. FĂŒr den Arbeitsmarkt.

Corinna Milborn

Bremsen Sie sich nicht, Herr Van der Bellen.

Norbert Hofer

Jetzt hat natĂŒrlich Van der Bellen etwas sehr Richtiges gesagt. Und sich natĂŒrlich auch damit selbst ein bisserl verraten. Er hat gesagt, dass ordnet ja nicht der BundesprĂ€sident an. Ja, der BundesprĂ€sident kann nicht sagen: Wir treten jetzt aus der EuropĂ€ischen Union an.

Alexander Van der Bellen

Es ordnet auch keine Volksabstimmungen an.

Norbert Hofer

Und deshalb ist es auch unsinnig zu inserieren: Kommt Hofer, kommt ÖXIT, und... Wir kennen das ja alles.

Alexander Van der Bellen

Hm.

Norbert Hofer

Das entlarvt ein bisschen auch, was damit gemeint ist. Es ist eine Wahlkampftaktik, damit eben Stimmung zu machen. Und ich möchte einfach nicht mitmachen.

Alexander Van der Bellen

Es tut Ihnen weh, diese Kampagne.

Norbert Hofer

Ach, Herr Doktor Van der Bellen, ich bin so was von...

Alexander Van der Bellen

Das ist ja offenkundig.

Norbert Hofer

...unempfindlich. sie können sich das gar nicht vorstellen.

Alexander Van der Bellen

Aso?

Corinna Milborn

Also halten wir einmal fest: Sie wollen eine Volksabstimmung machen in zwei derzeit unwahrscheinlichen FĂ€llen. Die VertrĂ€ge werden grundlegend geĂ€ndert oder die TĂŒrkei tritt bei. Und Sie wĂŒrden keine Volksabstimmung machen. Oder auch in diesen FĂ€llen?

Alexander Van der Bellen

Ich trete fĂŒr eine Weiterentwicklung fĂŒr Union ein. Es ist eindeutig...

Corinna Milborn

Und dann mit Volksabstimmung oder ohne?

Alexander Van der Bellen

...dass es an der BeschlussfĂ€higkeit fehlt und an der HandlungsfĂ€higkeit ganz generell. Und wenn es darĂŒber neue VertrĂ€ge geben sollte - wir wissen alle, wie lange das dauert... Ja dann stellt sich die Frage anders. Dann wird entweder - wenn es nur ganz winzige Änderungen sind -, dann wird eine Mehrheit im Parlament das entscheiden. Und wenn es um gravierende Änderungen geht, dann wird es wieder eine Volksabstimmung geben.

Corinna Milborn

Es mĂŒssen beide...

Alexander Van der Bellen

Wenn es um eine GesamtÀnderung der Verfassung geht. Das ist ja klar.

Corinna Milborn

Das ist... Sie haben jetzt eigentlich genau das gleiche gesagt im Thema, wo sie am allergrĂ¶ĂŸten... die allergrĂ¶ĂŸten Konkurrenten sind. Sind Sie sich offenbar einig.

Alexander Van der Bellen

Na, Moment. Zum ÖXIT sind wir diametral unterschiedlich. Dem Austritt aus der Union.

Corinna Milborn

Ja, das dachte ich auch. Aber Sie sagen gerade beide dasselbe.

Applaus

Alexander Van der Bellen

Was die Volksabstimmung betrifft... Aber doch nicht die Frage eines Austritts aus der Union, Frau Milborn. Das ist ein wirklich grobes MissverstÀndnis.

Corinna Milborn

Also, Sie wĂŒrden eine Volksabstimmung ĂŒber die Weiterentwicklung machen. Und sonst?

Alexander Van der Bellen

Nicht ĂŒber die Weiterentwicklung. DarĂŒber gibt es gar keine Volksabstimmung. Sondern, wenn es eines Tages dann neue VertrĂ€ge gibt, die eine GesamtĂ€nderung der österreichischen Bundesverfassung bedeuten wĂŒrden, dann muss es eine Volksabstimmung geben. Da brauchen wir gar nicht debattieren, ob das notwendig ist oder nicht.

Norbert Hofer

Was soll ich dazu sagen?

Alexander Van der Bellen

Das muss es sein.

Corinna Milborn

Was ist bei Ihnen anders, Herr Hofer?

Norbert Hofer

Ja, das frage ich mich auch.

Applaus

TĂŒrkei, Erdogan

Corinna Milborn

Das heißt, Sie sind sich einig in der EU-Frage. Das ist halt unerwartet jetzt. Weniger einig vielleicht in der TĂŒrkei-Frage. Auch da sind Sie beide relativ Ă€hnlich. Ich wĂŒrde gerne auf das Thema 'TĂŒrken in Österreich' kommen. [Mhm] Wenn Sie PrĂ€sident werden wĂŒrden [Mhm], Herr Hofer. Es gibt viele österreichische StaatsbĂŒrger, die AnhĂ€nger von Erdogan sind [Mhm]. Wir haben die Demonstrationen alle noch im Kopf. WĂ€ren Sie dann auch deren PrĂ€sident? Was wĂŒrden Sie denen sagen?

Norbert Hofer

Wichtig wird sein, dass wir endlich ĂŒberprĂŒfen, wer in Österreich eine DoppelstaatsbĂŒrgerschaft hat. Denn der Grund, warum Erdogan in Wien Wahlwerbung macht, ist ja der, dass viele Menschen, die in Wien leben, auch tĂŒrkische StaatsbĂŒrger sind. Und das sind auch viele dabei, die eine DoppelstaatsbĂŒrgerschaft haben. Das ist eigentlich in Österreich nur dann erlaubt, wenn es einen ganz, ganz speziellen Fall gibt. Da muss man einen Antrag machen... und die Bundesregierung entscheidet... und so weiter und so fort. Deutschland hat diese Daten, wer DoppelstaatsbĂŒrger ist. Und wir haben sie aus Ankara nicht bekommen. Und ich beharre darauf, dass wir diese Daten auch bekommen. Weil man muss sich entscheiden: Will man jetzt StaatsbĂŒrger sein in Österreich oder in der TĂŒrkei.

DoppelstaatsbĂŒrgerschaften


PrĂ€ziser: Das österreichische Recht sieht zahlreiche Ausnahmen vor, in welchen DoppelstaatsbĂŒrgerschaften akzeptiert werden.


bmeia.gv.at
Quelle: bmeia.gv.at (abgerufen am 20.11.2016)

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen, wie wĂŒrden Sie umgehen mit den Leuten? Einer Ihrer ehemaligen Parteikollegen hat mal gesagt: One-Way-Ticket in die TĂŒrkei. Da ging es wahrscheinlich nicht um österreichische StaatsbĂŒrger. Wie wĂŒrden Sie mit den österreichischen StaatsbĂŒrgern umgehen, die Erdogan-Fans sind?

Alexander Van der Bellen

Das sind österreichische StaatsbĂŒrger zunĂ€chst einmal, ne? Also, Sie sind wahlberechtigt, sie dĂŒrfen sich Ă€ußern, sie mĂŒssen natĂŒrlich - so wie jeder andere StaatsbĂŒrger auch - die ĂŒblichen Regeln beachten. Die ursprĂŒnglichen Demonstration Pro-Erdogan fand ich vollkommen natĂŒrlich, weil da ging es darum, gegen einen versuchten MilitĂ€rputsch zu demonstrieren. Und das wird ja wohl noch zulĂ€ssig sein. Was nachher gewesen ist, teilweise sozusagen die Grenzen des politischen Geschmacks ĂŒberschritten. Aber ich will mich dazu nicht weiter Ă€ußern. Es gibt viele Menschen hier in Österreich, die StaatsbĂŒrger sind, die frĂŒher die tĂŒrkische hatten. Sie sind ja nicht nur TĂŒrken, sondern auch sehr viele Kurden. Und die ganz unterschiedliche Berufe haben. Der eine hat ein Standl, der andere ist ein berĂŒhmter TeppichhĂ€ndler, der dritte ist - was weiß ich - in der Gastro... also, ich zĂ€hle jetzt Gastronomiebetriebe auf... Das ist das erste, was mir in den Kopf kommt, weil es sehr erfolgreiche Unternehmer gibt, die ursprĂŒnglich aus der TĂŒrkei gebĂŒrtig waren. Also, das ist fĂŒr mich eine ganz normale Community unter den österreichischen StaatsbĂŒrgern und StaatsbĂŒrgerinnen.

Norbert Hofer

Das sehe ich anders. Mir haben diese Demonstrationen nicht gefallen. Weil ich glaube, man soll nicht auf unserem Boden - Stephansplatz - Demonstrationen machen, die Politik in einem anderen Land in diesem Ausmaß betreffen. Das waren ja Straßenschlachten, die wir gesehen haben. Und wo man nachher auf Kurden losgegangen ist, wo es Gewalt gegeben hat... Das können wir in Österreich nicht zulassen. Und ich habe mit Unternehmen gesprochen - am Stephansplatz -, die gesagt haben: Sie hatten wirklich Angst an diesem Tag. Also, das lehne ich konsequent ab.

Alexander Van der Bellen

Ja, eh.

Applaus

Corinna Milborn

Lehnen Sie auch ab?

Alexander Van der Bellen

Ist Sache der zustĂ€ndigen Behörden. Insbesondere der Polizei vor Ort, dafĂŒr zu sorgen, dass eine Demonstration - wenn sie denn stattfindet - ordnungsgemĂ€ĂŸ ablĂ€uft. Ist gar keine Frage.

Martini-Rede

Corinna Milborn

Bleiben wir kurz bei dem Thema Integration, wo das auch dazugehört. Sie haben vor einer Woche, Herr Hofer, in einer Martini-Rede in Tirol [Mhm] fĂŒr Aufsehen gesorgt, in dem Sie gesagt haben, dass Sie keine muslimischen PflegekrĂ€fte kennen. Konkret haben Sie gesagt: Kennen Sie einen Muslim, der unsere Senioren betreut? [Mhm] Jetzt hat inzwischen jede einzelne Hilfsorganisation eine Liste [Mhm] ausgeschickt, von wieviel muslimischen PflegekrĂ€ften Sie [Mhm] haben. Was Sie als Pflegesprecher ja wissen mussten, oder?

Martini-Rede (Tirol, 2016): Norbert Hofer


'Kennt ihr einen Moslem, der im Pflegebereich arbeitet, der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windel zu wechseln? Ich kenne das nicht'


oe24.at
Quelle: oe24.at (16.11.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Norbert Hofer

Nein, ich sage Ihnen noch einmal. Ich habe ein Jahr meines Lebens in Kliniken verbracht und habe dort keine Pflegerin kennengelernt.

Corinna Milborn

Ja, aber Sie sind ja auch Pflegesprecher.

Norbert Hofer

Wobei ich Ihnen sagen muss... Ja, ich bin Pflegesprecher. Die Muslime, die es gibt - ich habe mir das nachher angesehen - sind auf jeden Fall liberale Muslime. Also, ich habe niemanden gesehen, der verschleiert gewesen wĂ€re und der mich gepflegt hĂ€tte. Das muss ich sagen. Aber ich bin jeder Person dankbar, die das macht. Wir haben - ich glaube - etwa 70.000 Personen, die in der Pflege arbeiten. Und wenn es ein paar hundert gibt, die aus dem muslimischen Bereich kommen, bin ich sehr dankbar dafĂŒr.

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen?

Alexander Van der Bellen

Ich kann mich an eine Rede von Minister Hundstorfer seinerzeit im Parlament erinnern. Da ging es auch um sogenannte AuslĂ€nder in Österreich. Und erwĂ€hnte damals, dass in österreichischen SpitĂ€lern Menschen aus mindestens 60 Nationen arbeiten. Das wĂ€ren ja inzwischen nicht weniger geworden sein. Also, da sieht man schon, dass wir in diesem Bereich, nĂ€mlich im österreichischen Gesundheitswesen, in den SpitĂ€lern, das unverzichtbar ist, dass wir auf die Qualifikation schauen - einerseits... Eines Arztes, einer Krankenschwester, eines Pflegers. Aber die Staatsangehörigkeit, geschweige denn die Religion von einer ganz untergeordneten Bedeutung ist.

Applaus

Norbert Hofer

Also, ich bin ein sehr, sehr großer Freund von einer faktenbasieren Diskussion. Es gibt eine Diplomarbeit aus dem Jahr 2009, Uni Wien. Probleme im Krankenhaus und Pflegealltag mit islamischen Patienten. Und die Dinge, die hier festgeschrieben sind, zeichnen den Alltag. Ein Beispiel ist der körperliche Kontakt bei der BegrĂŒĂŸung durch einen HĂ€ndedruck von einer gegengeschlechtlichen Person. Dieser kann bei manchen FĂ€llen ein Unbehagen verursachen. Bei strengglĂ€ubigen Muslimen darf auch kein KĂŒchengerĂ€t mit Fleisch in Kontakt kommen. Das sind die Probleme, die man im strengglĂ€ubigen Bereich hat. Also, ein strengglĂ€ubiger Muslim, der das umsetzt und sagt: Es darf keinen HĂ€ndedruck geben, kann natĂŒrlich diese Aufgaben nicht durchfĂŒhren. Und diese Diplomarbeit ist sehr interessant und kann ich jedem ans Herz legen.

'Meine Diplomarbeit wird missbraucht'




"UnvollstĂ€ndig und völlig aus dem Zusammenhang gerissen", bezeichnet Daniela Arnhof das Zitat. Sie hat die Diplomarbeit vor sieben Jahren verfasst – vermutlich nicht mit der Erwartung, jemals von einem PrĂ€sidentschaftskandidaten der FPÖ zitiert zu werden. Ihre Arbeit greife Probleme mit muslimischen Patienten auf. Es geht also keineswegs um muslimisches Pflegepersonal, wie Hofer suggeriert. Vielmehr schlĂ€gt die Arbeit vor, Patienten besser zu integrieren, etwa durch Dolmetscher oder multireligiöse GebetsrĂ€ume. Hofers Zitat ergebe einen "total verkehrten Sinn", schreibt sie der "Wiener Zeitung" in einem E-Mail: "Ich wehre mich dagegen, dass auf diese Art und Weise meine Diplomarbeit missbraucht wird".

Neun Tage vor besagtem TV-Duell behauptete Hofer, dass Muslime in Österreich grundsĂ€tzlich nicht im Pflegebereich arbeiten wĂŒrden. "Da heißt es immer, wir brauchen diese Menschen im Pflegebereich. Kennt ihr einen Moslem, der im Pflegebereich arbeitet, der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windel zu wechseln? Ich kenne das nicht", sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung in Tirol. Seither wurde er von der Caritas, dem Rotem Kreuz und anderen Organisationen auf die Falschaussage hingewiesen: Sie wĂŒrden durchaus Muslime beschĂ€ftigen. Nun versucht Hofer, seine Aussage mit einer wissenschaftlichen Arbeit zu legitimieren. Dass er sie dabei in einen falschen Zusammenhang stellt, ist zum Zeitpunkt der Übertragung nebensĂ€chlich. Ein betrĂ€chtlicher Anteil der halben Million Zuseher glaubt dem PrĂ€sidentschaftskandidaten - schließlich zitiert er aus einer Diplomarbeit.

Matthias Beck, der Betreuer der Diplomarbeit, sieht schlichtweg keinen Zusammenhang zwischen dem Inhalt der Arbeit und der aktuellen politischen Debatte. Man könne muslimische Patienten und Pfleger nicht in einen Topf werfen. "Pfleger mĂŒssen sich in einen großen Tagesablauf einordnen. Da bleibt normalerweise kein Platz fĂŒr große religiöse GesprĂ€che. Deswegen will diese Arbeit ein grĂ¶ĂŸeres VerstĂ€ndnis fĂŒr den jeweils anderen erreichen", erklĂ€rt der Medizinethiker. Es sei schon immer so gewesen, dass in KrankenhĂ€usern viele Kulturen zusammenkommen. "Ich verstehe nicht, warum das so hochgespielt wird. Vielleicht wegen der aktuellen Migrationsbewegungen", sagt er.

Konrad Belakowitsch [Anmerkung: Presseabteilung Norbert Hofer] gibt auf Anfrage der "Wiener Zeitung" an, das 107-seitige Dokument gelesen zu haben. Dass die Diplomarbeit aus dem Zusammenhang gerissen wurde, denkt er nicht. Vielmehr stehe sie exemplarisch fĂŒr all die Literatur, die es zu dem Thema gebe. "Sie beschreibt die Situation ganz gut. Die Autorin bezieht sich auf weiterfĂŒhrende Literatur, kommt aber auch zu eigenen SchlĂŒssen", sagt er.


wienerzeitung.at
Quelle: wienerzeitung.at (29.11.2016, abgerufen am 29.11.2016)

Diplomarbeit: Breitenseher, Daniela: Probleme im Krankenhaus- und Pflegealltag mit islamischen Patienten: mit besonderer BerĂŒcksichtigung von Tabus


Diese Literaturarbeit mit Multimediabeilage (Fotos) beschreibt Probleme im Krankenhaus- und Pflegealltag mit islamischen Patienten. Besonders werden hier Tabus wie Krankheit, Nacktheit und Schmerz berĂŒcksichtigt. Es wird ein Überblick der beiden Religionen Christentum und Islam gegeben. Hier werden die Pflege und das KrankheitsverstĂ€ndnis, sowie charakteristische Merkmale dieser Religionen nĂ€her betrachtet. Anschließend werden beide Religionen kurz gegenĂŒbergestellt. Glaubenskonflikte gehören zu jedem Pflege- und Krankenhausalltag. Oftmals wĂ€ren einige Konflikte allerdings zu vermeiden, da MissverstĂ€ndnisse und Unwissenheit meist die Ursache fĂŒr diese Probleme sind. Zu Beginn der Arbeit werden die Probleme aus der Sicht der Patienten und aus der Sicht des Krankenhauspersonals beleuchtet, um spĂ€ter auch LösungsansĂ€tze fĂŒr beide aufzeigen zu können. Es werden auch Tabus im Islam nĂ€her betrachtet. Nach einem allgemeinen Teil Tabus betreffend, wird anschließend im speziellen auf Nacktheit, IntimitĂ€t und das damit verbundene Schamempfinden eingegangen. Aber auch das Krankheits- und Schmerzempfinden stellt im Islam einen Tabubereich dar. Worauf in der Pflege eingegangen werden sollte.

Im zweiten Teil dieser Arbeit wird ein 'Multikulturelles Seniorenzentrum' vorgestellt, das sich in Duisburg befindet. Dieses Haus stellt ein mögliches Modell einer guten Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen dar. In dieser Einrichtung wird den Patienten ein sehr abwechslungsreiches, multikulturelles Angebot geboten. Es wird nach dem Modell der fördernden Prozesspflege nach Monika Krohwinkel gearbeitet, welches sich sehr bewÀhrt hat, da dieses Haus bereits sein 10jÀhriges Bestehen feiern durfte.


obvsg.at
Quelle: obvsg.at (16.11.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Corinna Milborn

Van der Bellen?

Alexander Van der Bellen

Es freut mich, wenn Sie Diplomarbeiten lesen. Sicherlich eine sehr gute...

Applaus

Alexander Van der Bellen

Ich leugne auch gar nicht, dass es im Alltag Probleme gibt. Auch in der Schule zum Beispiel. Es Ă€ndert nur nichts daran, dass der Islam seit ĂŒber 100 Jahren eine anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich ist. Damals in der Monarchie auf Grund der Annektion von Bosnien-Herzegowina - vielleicht nicht zuletzt - als Religionsgemeinschaft anerkannt worden. Und insofern möchte ich dieses VerhĂ€ltnis zwischen AnhĂ€ngern des jĂŒdischen Glaubens und der verschiedenen christlichen Glaubensgemeinschaften und der muslimischen, die ja ihrerseits wieder nicht einheitlich sind... Zwischen Sunniten, Schiiten, Alewiten und was weiß ich... Dass es so komplikationslos wie nur möglich ablĂ€uft. Und in der Politik - es sei denn um ganz handgreifliche Probleme, um dieses Beispiel aufzugreifen -, also Probleme aus der Alltagspraxis, wo wir dann diskutieren, wie wir damit umgehen... Aber ansonsten wĂŒrde ich Religion draußen halten. Das ist Privatsache.

Norbert Hofer

Das wĂ€re schön. Aber wenn die Religion trotzdem in den Alltag hineinspielt. Wenn auch bei uns Menschen schreiben: Gott ist groß und dann Menschen töten... mit einem Fahrzeug. Dann betrifft uns das alle. Wir haben auch im letzten Jahr, als viele Menschen Österreich durchquert haben - ohne Kontrolle - auch die AttentĂ€ter von Paris in Österreich gehabt. Und wir können hier nicht den Kopf in den Sand stecken und so tun, als gebe es dieses Problem des radikalen und gewalttĂ€tigen Islam nicht. Auch bei uns wird Koran verteilt...

Alexander Van der Bellen

Das ist eine glatte Unterstellung. Das habe ich mit keinem Wort getan.

Norbert Hofer

Auch Koran verteilt in Innsbruck durch Salafisten. Erst vor kurzem - es gibt Fotos dazu. Ich will keinen radikalen Zuwanderungsislamismus.

Corinna Milborn

Eine Antwort noch, Herr Van der Bellen.

Applaus

Alexander Van der Bellen

Ich glaube, es gibt in ganz Österreich unter den acht Millionen Einwohnern, außer, wenn man einmal von en Babys absehen, keinen einzigen Menschen, der fĂŒr radikalen - wie war das - islamistischen Einwanderungstourismus, die dann womöglich fĂŒr den Dsch...

Norbert Hofer

Das ist nicht wahr.

Alexander Van der Bellen

Ach, geh bitte...

Norbert Hofer

Das ist nicht wahr. Herr Doktor. Herr Doktor.

Corinna Milborn

Gut, ich glaube, die Positionen sind ausgetauscht. Ich wĂŒrde noch...

Norbert Hofer

Ich muss nur die Zahlen dazu sagen. Wir haben in Österreich etwa 200 Personen, die fĂŒr den Islamischen Staat in den Kampf gezogen...

Alexander Van der Bellen

Ich weiß.

Norbert Hofer

Sie sagen keiner. Das ist unwahr.

Alexander Van der Bellen

Ich weiß.

Norbert Hofer

Die fĂŒr den Islamischen Staat in den Kampf gezogen sind und wieder nach Österreich zurĂŒckgekommen sind.

Alexander Van der Bellen

Ja. Aber Sie unterstellen...

Norbert Hofer

Das ist eine große...

Alexander Van der Bellen

..., dass jeder Angehörige des Islams ein potentieller Dschihadist ist.

Norbert Hofer

Nein, Herr Doktor. Jetzt bleiben wir bei den Fakten.

Alexander Van der Bellen

Das ist absurd.

Norbert Hofer

Sie haben gesagt, es gibt keinen. Das ist unwahr. Ja? Es gibt etwa 200 Personen, die zurĂŒckgekehrt sind.

Corinna Milborn

gut, ich hĂ€tte gerne noch gerne eine Antwort von Herrn Van der Bellen - weil ich möchte dann wieder den Kreis zur EuropĂ€ischen Union schließen - eine Antwort noch darauf.

Alexander Van der Bellen

Worauf?

Corinna Milborn

Auf den... (lacht) Wollen Sie nicht mehr antworten?

Alexander Van der Bellen

Worauf?

Corinna Milborn

Auf das, was der Herr Hofer gesagt hat zum Islamismus. Dass es viel Islamismus gibt in Österreich.

Alexander Van der Bellen

Ja, ja, den gibt es. Keine Frage. Es gibt in allen Religionsgemeinschaften Fanatiker.

Norbert Hofer

Sie haben gesagt, es gibt keinen.

Alexander Van der Bellen

Auch dort. Ich habe mich nur dort gewehrt gegen den irgendwie... Also, ich habe den Eindruck bekommen - ich sage es jetzt ganz vorsichtig -, dass jeder islamglĂ€ubige, der nach Österreich kommt, ein potentieller Dschihadist ist. Und diese Vorstellung halte ich fĂŒr absurd. Wir mĂŒssen schon achtsam sein. Das stimmt. Aber uns nicht von Angst leiten lassen. Von grundloser Angst. Achtsam ja - Angst nein.

Applaus

Neue alte Handelspartner: Visegrad und Westeuropa

Corinna Milborn

Ich möchte jetzt nochmal den Kreis schließen zur EuropĂ€ischen Union, bei der wir ja begonnen haben [Mhm] und ĂŒber die TĂŒrkei jetzt zum Islam gekommen sind. Sie vertreten durchaus unterschiedliche Positionen ĂŒber wo Österreich sich verorten soll innerhalb der [Mhm] EuropĂ€ischen Union. Sie, Herr Hofer haben sich sehr stark nach Osten orientiert in letzter Zeit. Haben eine Tour gemacht und gestern auch Vaclav Klaus - auch einen deklarierten EU-Gegner ĂŒbrigens...

Norbert Hofer

Vorgestern war das...

Corinna Milborn

Vorgestern zu Gast gehabt. Sie sagen, man soll sich eher in Richtung der Visegrad-Staaten - also Polen, Ungarn, Tschechien - orientieren.

Was sind die VisegrĂĄd-Staaten?


Die Visegråd-Gruppe, gelegentlich auch Visegråd-Staaten genannt und unter der Bezeichnung V4 bekannt, ist eine lose Kooperation der Regierungen der mitteleuropÀischen Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.


VisegrĂĄd-Staaten (aktuell)

Visegrád-Staaten (lt. Hofer mit Österreich)


wikipedia.org
Quelle: wikipedia.org (abgerufen am 17.10.2016)

Strache/Hofer: Beitritt zu Visegrad-Staaten


Martin ThĂŒr: Heinz-Christian Strache hat im Nationalrat gesagt: Er wĂŒrde gerne der VisegrĂĄd-Gruppe beitreten. Also, das sind Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Ehm, wĂŒrden Sie auch einen Beitritt Österreichs zur VisegrĂĄd-Gruppe befĂŒrworten?

Norbert Hofer: Dieses Modell ist eines, das recht gut funktioniert. Ich bin dafĂŒr, Partner zu finden. Im GesprĂ€ch mit PrĂ€sident Zeman war das ein Thema, der gesagt hat: Das wĂ€re etwas, was ihm gefallen wĂŒrde. Aber, wenn wir eine Kooperation suchen, dann muss es grĂ¶ĂŸer sein. Da muss Slowenien dabei sein, da muss Kroatien dabei sein. Da mĂŒsste, wenn Serbien beitritt, da mĂŒssten auch die Serben dabei sein. Also, auch ĂŒber RumĂ€nien mĂŒssten wir sprechen. Also, das sollte ein Bereich sein, der weit ĂŒber das hinausgeht.


neuwal.com
Quelle: neuwal.com (Transkript von ATV/Klartext) (17.10.2016, abgerufen am 17.10.2016)

Norbert Hofer

Nicht nur, aber auch stĂ€rker als bisher. Sie wissen, wir waren einmal unter einem gemeinsamen Dach. Wenn man diese Staaten besucht und mit Politikern spricht - mit StaatsprĂ€sidenten, mit ParlamentsprĂ€sidenten aber auch mit Politikern auf Kommunalebene - dann erkennt man sehr rasch, dass man gut zu einem gemeinsamen Ergebnis kommt. Und was ich gerne hĂ€tte, ist so etwas wie eine Visegrad-Plus-Konferenz. Wo Vertreter der bisherigen Visegrad-Staaten plus RumĂ€nien, Kroatien, Slowenien, auch die Serben, Österreich sich treffen. Mit wissenschaftlicher Begleitung und gemeinsam ĂŒberlegen, wie kann man diese EuropĂ€ische Union positiv weiterentwickeln?

Corinna Milborn

Sie Herr Van der Bellen hingegen haben gesagt: Deutschland ist unser wichtigster Handelspartner. Deutschland, Italien - eher in Richtung Westen orientieren. Ist das richtig?

Alexander Van der Bellen

Ja, das ist richtig. Alleine nach Deutschland gehen alleine 50 Milliarden Euro jĂ€hrlich an Exporten. Da hĂ€ngen hunderttausende von ArbeitsplĂ€tzen dran. Bei allem Respekt, das gilt fĂŒr den Osten oder fĂŒr den SĂŒdosten in der Union noch nicht. NatĂŒrlich mĂŒssen wir versuchen, möglichst gute Beziehungen mit allen zu haben, das ist schon klar. Aber zentral - in unserem Interesse - ist doch Deutschland und Italien als wichtigste Handelspartner.

Corinna Milborn

Bei...

Alexander Van der Bellen

Im Übrigen: Die Visegrad-Staaten sind nicht unproblematisch in einem Punkt. Und das ist die - in meinen Augen - bedauerliche innenpolitische Entwicklung in Polen und in Ungarn. Also diese Modelle möchte ich - muss ich ganz deutlich sagen - auf Österreich nicht ĂŒbertragen wissen.

TIME Magazine, Merkel, Hofer

Corinna Milborn

Also, da Kritik an Polen und Ungarn [Mhm]. Aus Ihrer Partei kam starke Kritik an Deutschland und Italien. Insbesondere an Bundeskanzlerin Merkel, die wieder antreten wird, wie wir heute erfahren haben. Da hat es geheißen von Heinz Christian Strache, Merkel sei die gefĂ€hrlichste Frau Europa. Und den italienischen Premier hat er einen Schlepper genannt.

Corinna Milborn

Von wem aus?

Norbert Hofer

TIME-Magazine hat das geschrieben. Also, ist richtig. Deutschland ist ein wichtiger Partner. Aber diese Staaten, die ich besucht habe, haben starke Wachstumsraten und wĂ€ren auch fĂŒr unsere wirtschaftlichen Kontakte immer wichtiger.

Fakten: Wer hat eigentlich Hofer als 'gefÀhrlichsten Politiker/Mann Europas' bezeichnet?


Wenn das Thema 'Angela Merkel - gefĂ€hrlichste Frau Europas' angesprochen wird, konnte ich beobachten, dass Norbert Hofer bereits zweimal mit der Antwort, dass er 'auch der gefĂ€hrlichste Mann bzw. Politiker Europas wĂ€re' konterte. ZunĂ€chst im oe24.tv-Duell am 17.11.2016, wo Hofer sagte: 'Schauen Sie, das TIME-Magazine schreibt ĂŒber mich, ich wĂ€re der gefĂ€hrlichste Politiker Europas.'

Wie im PULS4-Duell verweist Hofer auf das TIME-Magazine, das am 22. September 2016 den Artikel 'European Politics Are Swinging to the Right' sowie in den Wochen/Monaten zuvor weitere Artikel ĂŒber einen Rechtsruck in Europa publiziert hat. In keinem dieser Artikel kommt der Wortlaut 'gefĂ€hrlichster Mann' oder 'gefĂ€hrlichster Politiker' vor:

'It’s not surprising that the near-election this week of Norbert Hofer as president of Austria would generate a fresh round of worries over the rise of the right in Europe. Hofer would have been the first European far-right head of state since the end of World War II, and while the left-leaning Alexander Van der Bellen managed to eke out a win, Hofer’s clear popularity is a clear concern. But let’s take a deep breath and a step back to avoid exaggerating the danger this phenomenon represents for the future of Europe.'

Gerne wird bei dieser Aussage auch von unterschiedlichen Online-Plattformen auf folgenden kurier.at-Artikel verwiesen: 'Laut dem 'TIME'-Magazin ist Österreich exemplarisch fĂŒr den Rechtsdrift in Europa.' Die Beschreibung 'gefĂ€hrlichster Politiker/Mann Europas' kommt nicht vor. (kurier.at, 23.09.2016)

Auch news.at schreibt: 'Neue Gesichter der Rechten': Hofer und Strache auf 'TIME'-Cover. Das US-Magazin sieht Hofers Siegeschancen als Symbol eines europaweiten Rechtsrucks (news.at, 23.09.2016)

spiegel.de hat 2012 ein Ranking der 'gefÀhrlichsten Politiker' publiziert. Dabei wird Heinz Christian Strache auf Platz 8 von 10 gereiht. (oe24.at, 07.08.2012)

Fazit: Der Check auf times.com sowie auf Fremdartikel mit Referenzierung auf times.com mit diesen Begriffen und Wortlauten war bis jetzt negativ.

Weitere Artikel
Why You Don’t Need to Worry—Much—About Europe’s Far Right (time.com, 24.05.2016)
These 5 Facts Explain the Worrying Rise of Europe’s Far-Right (time.com, 15.10.2015)
These 5 Facts Explain the Biggest Political Risks Facing Europe (time.com, 15.09.2016)
These Are the 5 Big Foreign Policy Stories for the Fall (time.com, 01.09.2016)
Obama’s Calls for an Open Germany Falter in a Tide of Refugees (time.com, 26.04.2016)


time.com
Quelle: time.com (22.09.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Corinna Milborn

Entschuldigung, darf ich Sie noch einmal nachfragen. Weil Sie sind jetzt ĂŒber das TIME-Magazine [Ja] abgebogen. [Ja] Es ging um die Beziehung zu Deutschland und Italien [Ja] und diese Aussagen [Ja] von Heinz Christian Strache gegenĂŒber Merkel und Renzi. Unterstreichen Sie die? Sagen Sie, ja das stimmt, ist mein Parteiobmann, da stehe ich dahinter.

Norbert Hofer

Meine Position ist etwas anders. Also, ich sehe Merkel in einigen Bereichen positiv. Aber im Bereich der FlĂŒchtlingspolitik hat sie mit ihrem 'Wir schaffen das' einen wirklich schweren Fehler gemacht. Weil sich auf Grund dieses Satzes viele auf den Weg gemacht haben. Und wenn es uns nicht gelungen wĂ€re, die Balkanroute zu schließen, dann hĂ€tten wir weitaus grĂ¶ĂŸere Probleme als jetzt. Auch deswegen die Kontakte zu diesen Staaten besonders wichtig. Und jetzt weichen die Routen eben ĂŒber Italien aus. Und ich glaube, da darf man Italien jetzt auch nicht alleine lassen. Es ist fĂŒr Italien ungemein schwierig, die Schengen-Außengrenze wirklich zu kontrollieren. Und da muss auch die EuropĂ€ische Union zusammenhalten und mit Personal, mit GerĂ€tschaften mithelfen, damit diese Schengen-Außengrenze auch gesichert wird - kontrolliert werden kann.

Alexander Van der Bellen

FĂŒr mich ist Frau Merkel eine der - wenn nicht die bedeutendste - Politikerin in der EuropĂ€ischen Union, die wir derzeit haben. Also, bei allem Respekt gegenĂŒber den anderen. Ich habe auch eine abweichende Meinung zu diesen berĂŒhmten - fĂŒr manche berĂŒchtigten - Spruch 'Wir schaffen das'. Erstens hat sie das gesagt, zu einem Zeitpunkt, wo die FlĂŒchtlinge schon da waren. Sonst hĂ€tten sie... Also die Masse der damaligen FlĂŒchtlinge schon da waren. Sonst hĂ€tte sie ja auch gar keinen Grund gehabt, das zu sagen. Und zweitens ist es fĂŒr mich die Kurzfassung, Zuversicht auszustrahlen, Mut zu geben: Ja, wir Deutschen, schaffen das. Und wir haben... Der Hintergrund ist ja... war in ihrer Rede ganz deutlich, die ich damals nachgelesen habe... Der Hintergrund war ja die vielen großen Herausforderungen, die Deutschland tatsĂ€chlich geschafft hat, ja? Ich will jetzt gar nicht im Einzelnen aufzĂ€hlen. Also, insofern fand ich das einen ganz vernĂŒnftigen, Mut gebenden, Zuversicht ausstrahlenden Satz, der sozusagen an die... auch an die FĂ€higkeit der Deutschen appelliert hat: Ja, wir haben schon viele Krisen ĂŒberwunden, wir werden auch dieses Problem in den Griff kriegen, diese Herausforderung annehmen und gut lösen. Das war fĂŒr mich der Sinn dieser drei Worte.

277.000 EUR

Norbert Hofer

Das sehe ich eben anders. Ich sage: Wir schaffen das nicht. Und wenn Merkel sagt 'Wir schaffen das', dann mĂŒsste ja Merkel sagen: Deutschland nimmt jetzt diese FlĂŒchtlinge alleine auf. Denn wir schaffen das, hat sie gemeint. Aber auch andere Staaten sind in die Ziehung gekommen. Bedenken Sie, dass wir eine Studie jetzt haben fĂŒr die Nationalbank, die klar sagt: Jeder FlĂŒchtling kostet auch etwas. NĂ€mlich 277.000 EUR. Das heißt, die Personen, die im letzten Jahr gekommen sind - das sind etwa 20 Milliarden EUR. Wer sind 'wir'? Das sind die Menschen, die in Österreich noch Steuern bezahlen. Und die mĂŒssen das bezahlen. Und die schaffen das nicht. Und ich kann nicht da die gesamte EuropĂ€ische Union in Haft nehmen und sagen: Naja, ich sag das und die Menschen machen sich auf den Weg. Ja, es waren schon viele, die schon in Deutschland waren. Aber es sind ja noch mehr gekommen. Wie viele Menschen sind denn im Mittelmeer ertrunken? Und diese... dieser Zuzug dauert ja immer noch an. Ich sage: Wir schaffen das nicht. Und, dass es nicht der richtige Weg war. Ich sage noch einmal: Merkel hat in vielen Bereichen auch gute Politik gemacht. Aber das war ein kapitaler Fehler, der der gesamten EuropĂ€ischen Union und auch Österreich und den Steuerzahlern in Österreich massiven Schaden zugefĂŒgt hat.

Check: 277.000 EUR Kosten pro FlĂŒchtling.


twitter.com/hannestschuertz
Quelle: twitter.com/hannestschuertz (20.11.2016)

Check: 277.000 EUR Kosten pro FlĂŒchtling.


twitter.com/arminwolf
Quelle: twitter.com/arminwolf (20.11.2016)

Applaus

Corinna Milborn

Wollen Sie noch was antworten drauf? Ich halte...

Alexander Van der Bellen

Ich sehe das aus verschiedenen GrĂŒnden ganz anders. So lange wir den Krieg in Syrien... Wir, die Union, die USA, Russland, wer immer, den Krieg in Syrien nicht beenden können... Wenn Ihre Familie in Aleppo wohnt. Das Haus wird zerbombt, in dem sie wohnen. Die Schule wird zerbombt, in den die Kinder gehen. Sie können die Kinder nicht mehr ins Krankenhaus bringen, weil das Krankenhaus auch zerbombt ist. Na, was werden Sie tun? Sie werden flĂŒchten. Und wo sie dann landen, ist dann schon eine pragmatische Frage. Haben sie noch irgendeinen Verwandten im Libanon, dann gehen sie in den Libanon. Sind sie nahe der jordanischen Grenze, gehen sie nach Jordanien. Ist es leichter in die TĂŒrkei, gehen sie in die TĂŒrkei. Aber wenn es dort Ă€hnlich ist, sie in den Lagern erst wieder zu wenig zum Essen kriegen, die Kinder krank werden und zu wenig Ă€rztliche Betreuung haben, keine Schulen vor Ort sind und so weiter... Dann werden sie sich wieder auf den Weg machen. Dass muss man ja verstehen, das sind Menschen. Das sind Menschen. Und wir in Europa haben - finde ich - eine gewisse Verpflichtung, wenn wir uns schon christliches Abendland nennen, eine Verpflichtung, Menschen in grĂ¶ĂŸter Not zu helfen. Aber - das ist meine feste Überzeugung... Aber, ich fĂŒge auch hinzu: Es kann auf die Dauer nicht sein, dass drei LĂ€nder alleine das machen im Wesentlichen. Inzwischen muss man Griechenland, Italien dazu nehmen. Das sind dann 5 von 28. Es gibt also irgendwo einmal Grenzen. Und natĂŒrlich mĂŒssen sich die, die zunĂ€chst einmal das Gastrecht in Anspruch nehmen - wenn man so will -, die von uns aufgenommen werden, auch an die hiesigen Regeln und GebrĂ€uche halten. Das ist ja gar keine Frage.

Die christlichen Positionen der Kandidaten


Hier die 'christlichen Positionen' der Kandidaten zum nachlesen.


katholisch.at
Quelle: katholisch.at (20.04.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Norbert Hofer

Also, darf ich...

Corinna Milborn

Ich glaube, da sind die Positionen ausgetauscht.

Norbert Hofer

Ja, aber zwei Punkte sind mir wichtig.

Corinna Milborn

Wollen Sie noch antworten? KĂŒrzer bitte, Herr Hofer.

Norbert Hofer

Erstens: Christliches Abendland. Wenn Sie das betonen, dass nehme ich Ihnen nicht ganz ab. Weil Sie jemand sind, der nicht an einen Gott glaubt. Das ist auch in Ordnung. Ja.

Alexander Van der Bellen

Ich glaube an Menschenrechte [Ja] und Menschenpflichten.

Norbert Hofer

Und Sie haben die Kinder angesprochen. Das ist sicherlich ein Punkt, der uns alle berĂŒhrt. Aber 3/4 sind junge MĂ€nner, die zu uns kommen.

Check: 67,52 % AntrÀge von MÀnnern


GĂŒltige AsylantrĂ€ge nach Geschlecht: Im Jahr 2016 wurden laut BMI (bis inkl. Oktober 2016) bisher 67,52% der AntrĂ€ge von MĂ€nnern gestellt, 32,48% von Frauen.
Letzter Stand: (inkl.) Oktober 2016


bmi.gv.at
Quelle: bmi.gv.at (abgerufen am 20.11.2016)

Alexander Van der Bellen

Nein.

Norbert Hofer

Doch.

Alexander Van der Bellen

Nein.

Norbert Hofer

Dann mĂŒssen Sie die Zahlen nachlesen.

Alexander Van der Bellen

Ja, gerne.

Norbert Hofer

Und ich lade Sie auch gerne ein in die Ortschaften, wo junge MĂ€nner sind. Es sind 3/4 junge MĂ€nner. Wenn Sie im Innenministerium nachfragen, bekommen Sie diese Zahlen. Und drittens: Ein großer Teil davon sind WirtschaftsflĂŒchtlinge. Und diese Menschen suchen nicht Schutz im ersten sicheren Land. Sondern, sie durchqueren viele sichere LĂ€nder, bis sie nach Österreich kommen und nach Deutschland und nach Schweden. Weil dort die finanzielle UnterstĂŒtzung am grĂ¶ĂŸten ist. Also auch das muss man sehen, wenn man objektiv darĂŒber diskutiert.

Corinna Milborn

So, jetzt brauchen wir noch eine Antwort darauf und dann wechseln wir das Thema. Herr Van der Bellen, bitte.

Alexander Van der Bellen

Ganz kurz. Wer tatsĂ€chlich aus wirtschaftlichen GrĂŒnden sein Land verlĂ€sst, so wie Herr Hofer das gerade geschildert hat, dann bekommt er kein Asyl. Dann wird er nicht als anerkannter FlĂŒchtling gelten.

Norbert Hofer

Aber sie sind trotzdem da.

Alexander Van der Bellen

Ganz einfach.

Norbert Hofer

Sie... Moment... Moment...

Applaus

Norbert Hofer

Das ist bitteschön eine etwas schrĂ€ge Aussage. Weil diese Leute bleiben natĂŒrlich... Sie können gerne mitdiskutieren, wenn Sie wollen, gnĂ€dige Frau... Diese Menschen bleiben natĂŒrlich in Österreich und werden auch hier finanziell unterstĂŒtzt. Auch wenn sie kein Asyl bekommen.

Corinna Milborn

So, jetzt aber wirklich: Eine Antwort noch drauf, dann wechseln wir das Thema.

Alexander Van der Bellen

Herr Hofer hat hier eine fixe Idee von den SchĂ€den, die FlĂŒchtlinge anrichten. Jetzt rede ich von wirklichen KriegsflĂŒchtlingen. Ja, es kostet den Steuerzahler etwas. Ja, das ist eine Investition. Was ist eine Investition? Das ist etwas, was im Moment etwas kostet, aber auf Dauer - wenn es uns gelingt, die entsprechenden Berufsausbildungen, die Deutschkenntnisse bereit zu stellen... auf Dauer sich fĂŒr Österreich, fĂŒr die einheimische Bevölkerung lohnen wird. Das haben wir in der Vergangenheit schon hundertmal erlebt.

Corinna Milborn

Gut.

Norbert Hofer

277.000 EUR pro Person.

Corinna Milborn

Gut, ich glaube, da sind die Positionen ausgetauscht.

Norbert Hofer

Ganz. Da sind sie ganz anders.

Donald Trump und internationale Politik

Corinna Milborn

Da sind sie ganz, ganz klar. Bei der EuropĂ€ischen Union haben wir festgehalten: Sie haben unterschiedliche Ausrichtungen auf jeden Fall, auch unterschiedliche Meinungen zur Volksabstimmung. Hier Austritt, hier nur bei Weiterentwicklung. Beide sind derzeit nicht fĂŒr einen Beitritt der TĂŒrkei. So kann man’s mal festhalten. Wenn man bei der internationalen Rolle bleibt. Dann ist da, wo es aus Ihrer Partei SĂ€tze gegen Angela Merkel gegeben hat, den grĂ¶ĂŸten Handelspartner. Könnten Sie ein Problem mit dem neuen US-PrĂ€sidenten bekommen, wenn Sie im gegenĂŒberstehen? Da haben Sie nicht sehr freundliche Sachen gesagt. Zum Beispiel bei uns in den PULS4-News. Hören wir es uns kurz an und sprechen dann darĂŒber.

Einspielung

Alexander Van der Bellen: 'Ich mag mich gar nicht damit beschÀftigen. Ich hoffe sehr, dass Hillary Clinton oder von mir auch Bernie Sanders gewinnt. Aber nicht Trump.'

Thomas Mohr: 'Also, Sie hÀtten keine Basis mit...'

Alexander Van der Bellen: 'Wir reden von den USA. Wir reden nicht von irgendeinem Kleinstaat auf der Welt, sondern von den USA. Und ich halte ihn fĂŒr einen verantwortungslosen... wĂŒrde nicht einmal sagen Politiker, sondern MilliardĂ€r, der sich einen Spaß daraus macht, die Leute an der Nase herumzufĂŒhren.'

Corinna Milborn

So, jetzt muss man sagen, das ist lange her...

Alexander Van der Bellen

Muss eine Zeitlang her sein, weil Bernie Sanders noch im GesprÀch war.

Corinna Milborn

...das war am 20. April. Genau. Das war noch wĂ€hrend der Vorwahlen. Trump war da noch nicht fix der Kandidat. Trotzdem, also jetzt ist er oder wird er US-PrĂ€sident. Wie werden Sie ihm gegenĂŒbertreten. Werden Sie ihn einladen? Werden Sie ihn besuchen? Was wollen Sie machen, wĂŒrden Sie PrĂ€sident werden?

Alexander Van der Bellen

Mit ihm... (Pause) ...verkehren sagt man glaube ich? Also einladen, eingeladen werden. Vielleicht bei der UNO-Tagung in New York sich auszutauschen wĂ€re eine Möglichkeit? Ihm selbstverstĂ€ndlich mit dem Respekt zu begegnen, dem er als amerikanischer PrĂ€sident verdient. Das ist gar keine Frage. Aber. In den Staub zu werfen vor ihm, dazu sehe ich schon ĂŒberhaupt keinen Anlass. Ich bin ein selbstbewusster EuropĂ€er. Und die EuropĂ€er werden gut daran tun - ich meine, die EuropĂ€er in der EuropĂ€ischen Union nicht zuletzt... Gut daran tun, jetzt genau zu beobachten, was die Politik der kommenden Trump-Regierung bzw. des Kongresses in den USA sein wird. Denn im Wahlkampf sind Töne gefallen, die ja die EuropĂ€er aufs höchste alarmieren mĂŒssen.

Corinna Milborn

Herr Hofer [Ja], Ihre Partei war dort bei Wahlkampf von Trump. Normalerweise hört man von Ihnen immer, wenn Sie in die USA fahren bzw. Parteikollegen von Ihnen und den Wahlkampf beobachten. Diesmal hat man erst nach dem Sieg von Trump dann die Selfies gesehen vom Wahlkampf. Haben Sie da sich da zurĂŒckgehalten, weil Sie wussten, wie unbeliebt Trump in Österreich ist? Nur 6 Prozent Zustimmung.

Norbert Hofer

Nein, es geht um etwas völlig Anderes. NĂ€mlich, dass die USA ein wichtiger Partner sind. Und ich habe jetzt schon seit einigen Jahren eine staatspolitische Funktion. Und in dieser Funktion muss ich gute Kontakte zu anderen StaatsmĂ€nnern haben. Habe oft Botschafter bei mir zu Besuch, ParlamentsprĂ€sidenten. Und wir dĂŒrfen nicht vergessen: Die Entscheidung, wer in den USA PrĂ€sident wird, das fĂ€llen nicht wir, sondern die US-Amerikaner. Amerika ist eine Demokratie, schon seit vielen, vielen Jahren. Da haben andere noch davon getrĂ€umt. Und ein Staatsmann in Österreich muss mit einem gewĂ€hlten PrĂ€sidenten eines anderen Landes - auch wenn dieser aus einer anderen Ideologie kommt oder andere Ideen vertritt - gute Kontakte pflegen. Weil, es sind sehr, sehr viele ArbeitsplĂ€tze in Österreich...

Corinna Milborn

Na, das sagen Sie jetzt beide sozusagen, oder?

Norbert Hofer

...von diesen Kontakten abhÀngig. Und da geht es nicht darum, dass man sich in den Staub wirft, sondern eine GesprÀchsbasis offenhÀlt. Das gleiche betrifft Russland. Das gleiche betrifft Serbien und die Tschechische Republik und so weiter und so fort. Und das diplomatische Parkett ist glatt. Und da muss man lernen, sich darauf zu bewegen.

Corinna Milborn

Da sind wir bei dieser Funktion als TĂŒröffner des BundesprĂ€sidenten fĂŒr die österreichische Wirtschaft. Eine der wichtigsten Funktionen. Wer von Ihnen beiden wĂ€re jetzt der bessere fĂŒr die österreichische Wirtschaft? Herr Van der Bellen, Sie haben damit stark geworben. Der Herr Hofer sagt jetzt, er hat die besseren Beziehungen. Sie haben jetzt gesagt zu Serbien, USA...

Norbert Hofer

Russland, USA, China... Der Chairman der Bank of China kommt jetzt nĂ€chste Woche zu mir. Da gibt es auch schon eine Einladung. Das wird fĂŒr uns sehr wichtig sein. Aber natĂŒrlich auch, klar... Serbien, Ungarn, Tschechische Republik, Slowenien... Das sind alles wichtige Kontakte fĂŒr uns. Aber die wichtigsten sind eben jetzt auch in Zukunft USA, Russland. Da wird sich viel bewegen. Und ich sage noch einmal: Die Sanktionen mĂŒssten wir erst wirklich bei Seite schieben.

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen?

Alexander Van der Bellen

Zum Wahlkampf nochmal von Donald Trump. Wir erinnern uns schon, dass es da die ĂŒbelsten sexistischen Untergriffe gegeben hat [NatĂŒrlich] von Donald Trump [NatĂŒrlich]. Und wir erinnern uns schon, dass da pauschale Diffamierungen von Mexikanern gefallen sind, einer Minderheit in den USA. Und wenn dann Herr Strache sagt, er schaut sich jetzt an, was man vom Wahlkampf von Donald Trump ĂŒbernehmen kann... Naja, dann spricht das fĂŒr sich, aber nicht fĂŒr Herrn Strache. Das wird eine... Das wĂ€re am ehesten das Ansehen Österreichs und daher seine, die wirtschaftlichen Interessen Österreichs am besten vertreten kann... Das ist genau eine der Fragen, die sich jeder WĂ€hler, jede WĂ€hlerin stellen muss... Jetzt am 4., bis zum 4. Dezember. Und ist auch eine Frage, die ich speziell an die Unentschlossenen richte, die... denen es entweder ziemlich egal war bis jetzt, wer BundesprĂ€sident wird oder die vielleicht weder Herrn Hofer noch mich mögen. Die sagen: Ich mag keinen von beiden und deswegen gehe ich nicht hin. Aber es bleibt dann schon etwas: Wem traue ich eher zu, wenn er schon eine optimale Figur ist? Aber wem traue ich eher zu von uns beiden, das Ansehen Österreichs zu vertreten. Österreich ein Gesicht quasi nach außen zu geben, die Republik Österreich gut zu reprĂ€sentieren. Also, ich glaube, dass ich das gut kann. Sonst wĂ€re ich auch gar nicht erst angetreten, hĂ€tte ich mich gar nicht erst entschlossen letztes Jahr. Ich glaube, dass nicht zuletzt Heinz Fischer gezeigt hat, dass dieses Amt doch Möglichkeiten bietet, die man nutzen kann. Dass es kein rein reprĂ€sentatives Amt ist. Auch fĂŒr wirtschaftliche Kontakte in LĂ€ndern, wo sich das anbietet. Das wird dann alles mit dem Außenministerium und dem Kanzler und Vizekanzler abzusprechen sein.

Corinna Milborn

Herr Van der Bellen, ich muss das weitergeben, Sie haben jetzt recht lange gesprochen. Herr Hofer, noch eine Antwort drauf? Sie haben zuerst gesagt, wo Ihre Schwerpunkte liegen.

Norbert Hofer

Ich glaube nicht, dass Heinz Fischer in Bezug auf Trump so formuliert hÀtte wie Van der Bellen.

Alexander Van der Bellen

Wahrscheinlich nicht.

Norbert Hofer

Das wĂ€re von Heinz Fischer nie gekommen. Sie sprechen den Wahlkampf an. Der Wahlkampf in den USA war ĂŒberaus schmutzig. Von beiden Seiten. Das hat offenbar dort eine völlig andere Tradition, auch wie die Medien mit Kandidaten umgehen. Da sind ja wir beide fast verwöhnt, weil man nicht so ins private hineingeht.

Corinna Milborn

Weil wir so lieb zu Ihnen sind?

Norbert Hofer

Ja, ich bin völlig begeistert. Nein, es ist wirklich anderes. Na, denken Sie einmal nach: Was hat Bill Clinton alles angestellt? Das war auch Teil des Wahlkampfes. Trotzdem kann man so nicht formulieren. Es hilft ja nichts. Nicht wir entscheiden, wer PrĂ€sident wird, sondern die US-Amerikaner in einer demokratischen Wahl. Und, ich glaube, wir mĂŒssten viel mehr in die TĂŒrkei schauen. Wir sprechen ĂŒber Trump und schauen zu, was in der TĂŒrkei passiert. Wo Redaktionen gestĂŒrmt werden. Wo am Weltfrauentag mit Gummigeschoßen auf Frauen geschossen wird. Wo Lehrer entlassen werden. Wo Wissenschaftler entlassen werden. Das ist ein Land in der NĂ€he von uns. Und das macht mir wirklich große Sorgen, was dort passiert.

Vergleich: Van der Bellen mit Hitler

Corinna Milborn

Ich möchte wieder einen Sprung zurĂŒck machen.

Alexander Van der Bellen

Aber, darf ich was sagen....

Norbert Hofer

Herr Doktor will ein Bild zeigen.

Alexander Van der Bellen

Bevor wir uns heil...

Norbert Hofer

Bitte.

Alexander Van der Bellen

Genau. Bevor wir uns gegenseitig heilig sprechen - hier im Wahlkampf. Ich bin absolut nicht Ihrer Meinung, dass es in Österreich nichts gibt, was dem amerikanischen nicht irgendwie vergleichbar wĂ€re. Ich zeige Ihnen da was. Und ich frage mich, ob das Ihrer Geschmacksrichtung entsprechen könnte.

Norbert Hofer

Na hoffentlich hÀlts.

Alexander Van der Bellen

Nana, das ist ein bisserl schwierig da hinten...

Norbert Hofer

Sehr schön.

Alexander Van der Bellen

...mit dem Papier. Schauen Sie: Oben ist ein Plakat von mir. [Mhm] Ich stelle es einmal hin. [Ja] Und unten sind zwei Hitler-Bilder [Mhm]. Oben steht: An Österreich glauben. Da stehe ich im Kaunertal. Mit meinem Hund. Und unten steht zweimal Hitler mit seinem SchĂ€ferhund. Das wird u.a. geshared, wie es heißt, also gepostet [Mhm] von Reinhard Richter, der ist immerhin FPÖ VizebĂŒrgermeister [Mhm] in Kapfenberg. Finden Sie das in Ordnung?

FPÖ bringt Van der Bellen mit Nazis in Verbindung


Auch wenn Norbert Hofer nichts davon wusste und es 'nicht in Ordnung' fand. Sein Sprecher, Martin Glier, sagte kurz vor dem Duell am 20.11.2016 dem Kurier: 'Die GrĂŒnen spielen ja absichtlich mit dieser Bildsprache. Es kann kein Zufall sein, dass sie dasselbe Sujet nehmen, wie es im Dritten Reich ĂŒblich war.'


kurier.at
Quelle: kurier.at (20.11.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Norbert Hofer

Finde ich ĂŒberhaupt nicht in Ordnung?

Alexander Van der Bellen

Ist das irgendwie der Gipfel der Geschmacklosigkeit?

Norbert Hofer

Finde ich gar nicht in Ordnung. Nein, finde ich nicht in Ordnung. Jetzt zeige ich Ihnen was. Da könnten wir uns ewig wechselseitig... Schauen Sie, da schreibt zum Beispiel...

Alexander Van der Bellen

Haben Sie das gesehen?

Norbert Hofer

Ja, ich finde es fĂŒrchterlich. Wirklich.

Alexander Van der Bellen

Nein, haben Sie das vorher schon gesehen?

Norbert Hofer

Nein ich habe es nicht gesehen. Und ich finde es fĂŒrchterlich.

Alexander Van der Bellen

Und was werden Sie tun dagegen?

Norbert Hofer

Ja, ich werde natĂŒrlich sofort Kontakt aufnehmen. Ich muss schauen, ob das wirklich stimmt.

Alexander Van der Bellen

Aha.

Norbert Hofer

Ob das von dieser Gruppe geshared, geteilt worden ist. Und ich finde es nicht schön.

Alexander Van der Bellen

Nicht schön.

Corinna Milborn

Also, wir haben es ĂŒberprĂŒft. Wir haben uns auch damit beschĂ€ftigt. Sie können es jetzt gleich...

Alexander Van der Bellen

Unmittelbarer Vergleich mit Hitler das finden Sie nicht schön...

Norbert Hofer

Ich habe gesagt, ich finde es fĂŒrchterlich. Schauen Sie, jetzt darf ich Ihnen etwas vorlesen.

Alexander Van der Bellen

Gerne.

Norbert Hofer

Vor der ATV-Diskussion schreibt Martin ThĂŒr: 'Möchte gerne fragen, also was kann man Norbert Hofer fragen?' Daraufhin schreibt diezwetschge auf Twitter: 'Warum bringst Du Dich nicht endlich um, Du Hurensohn - in meine Richtung.' Dann schauen Sie, wer ist mit diezwetschge... Dann schreibt diezwetschge noch: 'Wir sollten alle viel mehr strafbare Handlungen gutheißen.' Und wer ist bei diezwetschge mit dabei? Die Radikale Linke, antifaprinzessin, Junge GrĂŒne, Offensive gegen Rechts, Gras Wien und der GrĂŒne Nationalratsabgeordnete Harald Walser, der Schuldirektor ist. Und ich kann... Wir können es natĂŒrlich uns wechselseitige Dinge zeigen. Ich habe eine ganze Mappe mit. Das bringt ja nichts.

Alexander Van der Bellen

Mhm.

Norbert Hofer

Ich habe oft gesagt: Ich verurteile so etwas. Das ist schrecklich. Und wir beide können nur Vorbild sein, in dem wir beide fair miteinander umgehen. Und ganz klar sagen, dass so etwas nicht geht.

Applaus

Corinna Milborn

Herr Hofer, darf ich nachfragen, was meinen Sie mit 'da ist mit dabei'?

Norbert Hofer

Folgen auf Twitter dieser Person...

Alexander Van der Bellen

Darf...

Norbert Hofer

...die permanent solche Dinge absondert.

Corinna Milborn

Also es ist einer, der dieser Person folgt.

Norbert Hofer

Also, ich habe die ganze Mappe voll mit solchen Beispielen.

Corinna Milborn

Ich sehe, Sie haben ganz Twitter ausgedruckt.

Norbert Hofer

Ja, ja. Nicht nur Twitter. Facebook.

Applaus

Ursula Stenzel

Alexander Van der Bellen

Haben Sie das, was Sie eben gesagt haben der Frau Stenzel auch schon gesagt?

Ursula Stenzel

(lacht)

Norbert Hofer

Was ist mit der Frau Stenzel?

Alexander Van der Bellen

Die Frau Stenzel hat öffentlich in einer Fernsehsituation gesagt, unterstellt, insinuiert, dass mein Vater [Mhm] ein Nazi gewesen sei [Mhm]. Dazu muss man sagen: Mein Vater ist seit 50 Jahren tot [Mhm]. Er kann sich also definitionsgemĂ€ĂŸ gegen diesen Vorwurf nicht wĂ€hren [Mhm]. Wie kommt Frau Stenzel darauf, meinen Vater, der vor 50 Jahren gestorben ist, als Nazi zu bezeichnen? [Mhm] Ich darf Sie schon erinnern, dass in Österreich - wir sind ja in einem Rechtsstaat - [Hm] nicht der AngeschwĂ€rzte, der in diesem Fall tot ist und sich nicht wehren kann. Aber ich könnte mich, stellvertretend fĂŒr ihn wehren. Nicht der AngeschwĂ€rzte zu beweisen hat, dass er unschuldig ist. Sondern der AnschwĂ€rzer. [Hm] In diesem Fall die AnschwĂ€rzerin [Hm].

Ursula Stenzel: Vermutungen, dass seine Eltern zumindest geliebÀugelt haben mit den Nazis


Ursula Stenzel sagte gegenĂŒber einem Boulevard-TV-Sender, es gebe 'Vermutungen, dass seine Eltern zumindest geliebĂ€ugelt haben mit den Nazis'. Die Eltern – der Vater Russe, die Mutter Estin – flohen 1940 vor den Kommunisten nach Wien und spĂ€ter ins Tiroler Kaunertal. Die Behauptung, der Vater sei Nationalsozialist gewesen, hat Van der Bellen 2007, als er noch GrĂŒnen-Chef war, aufs SchĂ€rfste zurĂŒckgewiesen.

Transkript aus der oe24.tv-Diskussion (17.11.2016)

Ursula Stenzel: Ich sehe die GlaubwĂŒrdigkeit eines Herrn Hofer nicht angekrazt. Das hĂ€tten Sie gerne.

andere GĂ€ste:: Ich schon.

Ursula Stenzel: Der Herr Van der Bellen hat hier viel mehr Probleme. Angefangen von seiner [wirkel?] Familiengeschichte, die wie ein weißer Fleck ist. Man weiß nicht genau, seine Eltern ausgewandert sind.

andere GĂ€ste: Warum seine Eltern?
andere GĂ€ste: Was ist das jetzt? Was kommt jetzt fĂŒr eine Verschwörungstheorie?

Ursula Stenzel: Es gibt absolut auch zumindest Vermutungen.

andere GĂ€ste: Was?

Ursula Stenzel: Er hat es nie sehr offengelegt.

andere GĂ€ste: ...Manipulationsmedien...

Ursula Stenzel: Seine Eltern waren Balten und hÀtten also zumindest geliebÀugelt mit den Nazis. Und er stellt das so dar, als ob sie geflohen wÀren vom Leninismus und vom Stalinismus. Das kann man schoh hinterfragen.

andere GÀste: Das ist völlig unglaublich, was da jetzt kommt.

Ursula Stenzel: Und es wÀre gut... Auch Van der Bellen wÀre gut beraten, das hier einmal klarzustellen.

Transkript von Video auf oe24.at


kurier.at
Quelle: kurier.at (20.11.2016, abgerufen am 20.11.2016)

Corinna Milborn

Herr Hofer?

Norbert Hofer

Herr Doktor Van der Bellen, dann...

Alexander Van der Bellen

Ich kann das so stehen lassen, wir ĂŒberlegen uns rechtliche Schritte.

Norbert Hofer

...machen Sie das. Aber ich kann Ihnen auch sagen…

Alexander Van der Bellen

Dass Ursula Stenzel [Ja]... Ich kann mich gut erinnern an das Fernsehbild, wie Sie Kandidat wurden [Mhm], war Sie an Ihrer Seite [Ja]. Und hat Sie vorgeschlagen [Ja], offiziell vorgestellt [Ja]. Das ist eine andere QualitĂ€t, als der FPÖ VizebĂŒrgermeister von Klagen... Kapfenberg.

Norbert Hofer

Sie sitzt ja auch... Sie sitzt ja auch hier, Sie können das mit Ihr absprechen.

Corinna Milborn

Ursula Stenzel ist ja auch hier, als UnterstĂŒtzerin von Ihnen, Herr Hofer....

Norbert Hofer

Aber, Herr Doktor Van der Bellen. Ganz viele Ihrer UnterstĂŒtzer bezeichnen mich...

Corinna Milborn

Herr Hofer, jetzt lassen wir doch gleich die Frau Stenzel reagieren, weil sie gerade da ist.

Norbert Hofer

Ja, darf ich nur einen Satz sagen?

Corinna Milborn

Bitte.

Norbert Hofer

Ganz viele Ihrer UnterstĂŒtzer bezeichnen mich jetzt als Nazi. Jetzt. Ja. Und da habe ich auch ganz viele Beispiele.

Alexander Van der Bellen

Sie leben und können sich wehren.

Norbert Hofer

Ja, ich wehre mich eh. Weil das etwas ist, was ich - ich bin Jahrgang 1971... Was ich mir nicht gefallen lasse. Aber Sie können mit Frau Stenzel sprechen, dass mit ihr ausmachen. Ich bin gespannt, wie Sie zu diesen... zu dieser Aussage gekommen ist.

Corinna Milborn

Na, fragen wir Sie. Sie sitzt drĂŒben im Analyse-Studio. Tom, ich geb mal zu Dir. Was sagt Frau Stenzel auf diesen Vorwurf und auf die AnkĂŒndigung von Konsequenzen?

Thomas Mohr

Da sind wir natĂŒrlich jetzt auch gespannt und haben Frau Stenzel ja hier. Bitte schön.

Ursula Stenzel

Ja, also erstens muss ich sagen, ist hier etwas klargeworden. Dem grĂŒn-linken Kandidaten, denn, dass er ĂŒberparteilich ist, nimmt man ihm wirklich schwer ab...

Thomas Mohr

Es ging um die... Wir mĂŒssen ganz kurz nur einsteigen, weil es genau um den Beleg ging fĂŒr die...

Ursula Stenzel

Es ging, es gingt... Ich habe, ich habe....

Werner Schneyder

Sagen Sie, wer ist 'man'?

Ursula Stenzel

Darf ich ausreden?

Werner Schneyder

Nein, nein.

Ursula Stenzel

Nein, nein.

Werner Schneyder

Ich bin auch unterbrochen. Nein, nein. Ich habe gemerkt, bei der... unserer ersten Diskussionsrunde...

Thomas Mohr

Wir mĂŒssen...

Ursula Stenzel

Also, erstens....

Thomas Mohr

Erstens aufklÀren Herrn Schneyder bitte schön.

Ursula Stenzel

Ich habe diesen Vorwurf so nicht erhoben...

Thomas Mohr

Es geht um den Vorwurf nochmals zusammengefasst, dass Sie gesagt haben:

Ursula Stenzel

Das weiß auch Herr Van der Bellen

Thomas Mohr

Es ist eine Vermutung... eine Vermutung...

Ursula Stenzel

Es ist eine Vermutung...

Thomas Mohr

..., dass der Vater von Van der Bellen mit den Nazis geliebÀugelt haben könnte.

Ursula Stenzel

Könnte. Ich habe das nicht gesagt... Also, ich habe ihn nie in die NÀhe so gebracht. Ebenso wie Herr Van der... Van Staa nicht.

Thomas Mohr

Herwig Van Staa, frĂŒherer...

Ursula Stenzel

Landeshauptmann von Tirol.

Thomas Mohr

...Landeshauptmann von Tirol.

Ursula Stenzel

Und ich muss sagen: Viel wichtiger ist mir nur... Wie... Und wenn ich Herrn Van der Bellen damit getroffen habe, das war wirklich nicht meine Absicht. Was mich aber viel mehr interessiert ist nicht die Vergangenheit der Eltern. DafĂŒr kann man nichts. Ob Sie jetzt beim Widerstand waren oder nicht. Ob Sie Nationalsozialisten oder Kommunisten waren oder nicht. Was mich interessiert, ist, warum hat ein damals 21-jĂ€hriger Mann das erste Mal KPÖ gewĂ€hlt. Warum ist er den Weg gegangen von der KPÖ ĂŒber die Freimaurer zu den Sozialdemokraten? Warum war er zehn Jahre GrĂŒnensprecher der GrĂŒnen im Parlament? Und distanziert er sich jetzt davon.

Thomas Mohr

Gut.