Transkript: Rede zum Nationalfeiertag von Christian Kern

Transkript von Dieter Zirnig am 26. Oktober 2016

Transkript der Rede zum Nationalfeiertag von Christian Kern (Bundeskanzler) vom 26.10.2016.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

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Transkriptstatus: Mittwoch, 26. Oktober 2016

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Redaktion


Dieter Zirnig

Dieter Zirnig

Transkript mit Benefits


Moderation und TeilnehmerInnen

Christian Kern

Christian Kern

Bundeskanzler, SPĂ–

 

Buchstabenanteil


Person Zeichen

Christian Kern

5.915

Gesamt

5.915

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Rede

Christian Kern

Liebe Rekrutinnen, liebe Rekruten,
geschätzte Angehörige,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
sehr geehrte Präsidentin des Nationalrats,
geschätzte Kollegen der österreichischen Bundesregierung und der öffentlichen Körperschaften,
sehr geehrter Herr Bundespräsident außer Dienst Heinz Fischer.

Der heutige Tag und dieser Platz ist ein besonderer Tag. Und es ist ein besonderer Tag in der Geschichte unseres Landes. Wie kein anderer - würde ich mal sagen - ist damit unsere Geschichte verbunden. Er ist heute - der Heldenplatz - ein Platz der Demokratie, der Freiheit, der Menschenwürde und er ist Platz friedlicher und demokratischer Versammlungen. Wir wissen, dass das nicht immer so war. Auf diesem Platz ist einst bewusst und dezidiert zu Krieg und zu Vernichtung aufgerufen worden. Aber heute gedenken wir hier der Befreiung Österreichs mit einem Fest der Freude. Der Nationalfeiertag erinnert uns an die Wiedererlangung der vollen staatlichen Souveränität nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist der Tag, an dem die große Erfolgsgeschichte des neuen Österreichs so richtig begann.

Heldenplatz


[...] Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler vom Balkon der Neuen Burg aus den versammelten Massen auf dem Heldenplatz den 'Anschluss' Österreichs an das Deutsche Reich. [...]


wikipedia.org
Quelle: wikipedia.org (abgerufen am 26.10.2016)

Adolf Hitler - Rede auf dem Wiener Heldenplatz zum Wiederanschluss Ă–sterreichs (1938)




Transkript: Der 15. März 1938, Wiener Heldenplatz (doew.at, abgerufen am 26.10.2016)


youtube.com
Quelle: youtube.com (15.03.1938, abgerufen am 26.10.2016)

Christian Kern

Und der Nationalfeiertag ist auch immer ein Tag, der uns daran erinnert, was uns ausmacht, was uns stark macht, wer wir sind. Wir, Österreich, ist kein Land, in dem der stärkere Ellenbogen zählt. Österreichs Erfolgsgeschichte wurde und wird in der Gemeinschaft geschrieben. Nicht von einem oder von ein paar wenig auserwählten. Sie ist das Ergebnis der Leistung von vielen.

Zwei Millionen Menschen sind in Österreich als Freiwillige in Vereinen und Organisationen tätig. Fragt man nach dem Grund, den die Freiwilligen für ihr unentgeltliches Engagement angeben, dann hört man oft: Ich möchte anderen helfen.

Gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und all jenen, die sich in den über 2.000 Gemeinden in unserem Land engagieren - für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen - tragen sie unsere Gemeinschaft. Dieses Engagement ist der schönste Beweis für ein Österreich-Bewusstsein, das uns weiterbringt.

Der frühere deutsche Bundespräsident Johannes Rau hat einmal über den Unterschied zwischen Patrioten und Nationalisten gesagt: 'Die Nationalisten verachten andere Länder. Patrioten lieben ihr Land.' @@Patriotismus ist nicht Chauvinismus. Er definiert sich nicht durch das Gegeneinander, sondern er lebt vom Miteinander.@@ @@Die Liebe zu unserem Land zeigen wir in Österreich durch Engagement.@@ Wir wissen, weiterbringen werden wir Österreich nur, wenn wir zusammenhalten, wenn wir miteinander anpacken. @@In Österreich sind Patrioten die, die ihr Land gemeinsam vorwärtsbringen.@@

Johannes Rau: Rede nach der Wahl zum Bundespräsidenten am 23.05.1999


[...]
Ich will nie ein Nationalist sein, aber ein Patriot wohl. Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt, ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet. Wir aber wollen ein Volk der guten Nachbarn sein, in Europa und in der Welt.
[...]


bundespraesident.de
Quelle: bundespraesident.de (23.05.1999, abgerufen am 26.10.2016)

Christian Kern

Die Polarisierung wirft uns zurück und die Spaltung gefährdet den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Und deshalb müssen wir sie gemeinsam überwinden. Wenn wir das nicht schaffen - aus der Mitte unserer Gesellschaft - dann haben Demagogen ein leichtes Spiel. Die Verrohung der Sprache ist ein Zeichen, dass wir mit Sorge sehen müssen. @@Denn der Weg von einer Gewalt der Worte zu einer Gewalt der Taten ist denkbar kurz.@@

Der Nationalfeiertag gibt uns die Gelegenheit kurz inne zu halten und zu erkennen, worum es wirklich geht. Wir müssen alle gemeinsam an einem rot-weiß-roten Strang ziehen, durch ein kluges Miteinander mehr erreichen. Das ist der Grundgedanke, an dem Österreich auch im Rahmen der europäischen Integration sich engagiert.

Für uns ist es eine entscheidende Herausforderung seitens der Politik unseren Kindern die Chance zu geben, dass sie ihre Talente und Fähigkeiten voll entfalten können. Mit der Sicherheit eines starken sozialen Netzes, das da ist, wenn sie es brauchen um mit der Gewissheit, dass sich harte Arbeit auszahlt und dass sich Leistung auch tatsächlich lohnt. Dass muss auch die Botschaft des österreichischen Weges sein und dass ist auch ein guter Grundsatz für unsere Zukunft in Europa.

Liebe Rekrutinnen, liebe Rekruten.

Das Bundesheer dieser Zweiten Republik, unseres erfolgreichen, demokratischen Staates, wurde auf der Grundlage des vor 61 Jahren beschlossenen Neutralitätsgesetzes eingerichtet. Sie verteidigen und sie schützen unser Land. Das Bundesheer ist vor allem ein Modell für Solidarität innerhalb und außerhalb Österreichs. Es ist ein Kristallisationspunkt unserer Gemeinschaft. Wer mit dem Abzeichen des österreichischen Bundesheers auf der Uniform seinen Dienst tut, der bringt sein Land weiter. Beim Katastrophenschutz, bei der Sicherung unserer Grenzen, beim Einsatz im Ausland oder im Rahmen eines Mandates der Vereinten Nationen. Diese Leistung verdient jeden Respekt und sie ist ein Grund für Stolz: Ihren eigenen Stolz und den Stolz ihrer Angehörigen. Sie können sagen: Ja, ich wirke als Teil einer Friedensorganisation mit, die nicht nur Österreich sicher macht, sondern die auch ihren Beitrag zur Sicherheit in der ganzen Welt leistet. Für die Bundesregierung und die Republik Österreich bekenne ich mich zu einem starken Bundesheer, dass Sicherheit gibt, in einer Welt, die unruhiger geworden ist. Deshalb statten wir unser Heer auch mit den Mitteln aus, die es braucht, um seine Aufgaben zu erfüllen.

Aus dem Parlament - Nationalratsdebatte über das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs, 1. Teil


Der österreichische Nationalfeiertag wurde im Jahr 1965 im österreichischen Parlament beschlossen und auf den 26. Oktober gelegt, den Tag, an dem Österreich im Jahr 1955 seine immerwährende Neutralität erklärt hatte. Seit 1956 wurde der Tag bereits als 'Tag der Fahne' gefeiert, als arbeits- und schulfreien Feiertag gibt es den Nationalfeiertag seit 1967.
Mediathek: 80. Sitzung des Nationalrates (26.10.1955)

Stenografisches Protokoll (parlament.gv.at)


oesterreich-am-wort.at
Quelle: oesterreich-am-wort.at (23.05.1999, abgerufen am 26.10.2016)

Christian Kern

Sie, liebe Rekrutinnen und Rekruten, sind ein wichtiger Teil dieses österreichischen Heeres. Österreich sagt Ihnen Danke für Ihren Einsatz. Ihrer Generation gehört die Zukunft. Nehmen Sie aus Ihrem Wehrdienst den Grundgedanken der Gemeinschaft mit. Denn nach diesem Gedanken hat sich unser Land nach langen und schmerhaften Irrwegen zum Modellfall einer erfolgreichen demokratischen Nation entwickelt. Dieses Prinzip müssen wir gemeinsam hochhalten.

Danke.