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Transkript vom Gespräch zwischen Norbert Hofer (BP-Kandidat, FPÖ) und Martin Thür in Klartext (ATV) vom 17. Oktober 2016.


Datum Montag, 17. Oktober 2016
Stand NEU Transkriptstatus: Mittwoch, 19. Oktober 2016, 21:50 (Updates)
Quelle ATV


Martin Thür

Martin Thür

Moderator Klartext (ATV)
Norbert Hofer

Norbert Hofer

Bundespräsidenten-Kandidat (FPÖ)


Transkript Text Theater

Transkript
Dieter Zirnig (Transkript mit Benefits)  


Einleitung

Martin Thür

Heute, bei Klartext.

Norbert Hofer

Es kann eine Entwicklung eintreten, wo wir sagen müssen: Jetzt geht es nicht mehr. Auch das muss man als Realist einfach sehen.

Martin Thür

Er galt als Favorit und wurde dann doch knapp nur Zweiter. Norbert Hofer hat die erste Stichwahl knapp verloren. Die Anfechtung dieser Bundespräsidentschaftswahl der FPÖ hat Geschichte geschrieben und Norbert Hofer eine zweite Chance auf das höchste Amt im Staat eröffnet. Doch Hofer ist in der Rolle des Herausforderers. Er muss mehr Wähler als beim letzten Mal überzeugen, wenn er seinen Endlos-Konkurrenten Alexander Van der Bellen vom Thron stoßen will.

Ergebnis: BP-Stichwahl vom 23. Mai 2016


YouTube
Quelle: Offizielles Ergebnis der Präsidentenwahl in Österreich: Van der Bellen gewinnt knapp 23.05.2016 (23.05.2016)

Kundmachung: Wahlergebnis zur BP-Stichwahl


bmi.gv.at
Quelle: Kundmachung: Wahlergebnis zur BP-Stichwahl (23.05.2016)

Wahlanfechtung vor VfGH: 1. Juli 2016


YouTube
Quelle: Wahlanfechtung 2016 - VfGH Entscheidung - Stichwahl wird wiederholt (01.07.2016)

Déjà-vu

Martin Thür

Herr Hofer, sind Sie froh, dass Sie jetzt wieder hier sitzen?

Norbert Hofer

Es ist ein Déjà-vu, ja. Ich habe das so oft im Wahlkampf, da denke ich mir: Das habe ich doch alles schon einmal erlebt. Und, auch hier, dieses Treffen mit uns.

Martin Thür

Sie galten ja nicht als wahnsinnig großer Freund der Wahlanfechtung Ihres Parteichefs. Sind Sie froh [Mhm], dass Sie Heinz-Christian Strache überredet hat, uns Sie jetzt nochmal die Chance haben, Bundespräsident zu werden?

Kommunikation: Mhm

Mir ist aufgefallen, das Norbert Hofer schon sehr oft in der Fragestellung kommunikationstechnisch eingreift. Und zwar mit bestätigenden oder ablehnenden 'Mhm', das sehr oft parallel zur Fragestellung hörbar ist. In den folgenden Passagen sind die [Mhm] rot hinterlegt gekennzeichnet.

Norbert Hofer

Naja, es musste angefochten werden. Weil es so viele Probleme bei der Wahlaustragung gegeben hat. Und bin jetzt natürlich froh, dass jetzt die Chance vorhanden ist, dass eine Wahl so abgehalten wird, dass alles rechtens ist. Und ich hoffe, dass am 4. Dezember [2016] nichts mehr passiert und es nicht noch eine Verschiebung gibt. Weil das wäre eine Katastrophe.

Wahlanfechtung

Martin Thür

Sie haben am Wahlabend der Wahl, also am Sonntag, noch vor Auszählung [Mhm] der Briefwahlstimmen das hier gesagt:

Einspielung

Einspielung

Die Wahlkarten... ist immer so ein... Es wird immer ein bisserl eigenartig ausgezählt.

Transkript: Auftritt von Norbert Hofer bei der Wahlfeier vom 22.05.2016


Transkript ab Minute 15:20

[...] Es kann durchaus passieren. Ich will offen zu euch sein und ehrlich sein, dass morgen, nach Auszählung der Wahlkarten... Bei den Wahlkarten ist immer so ein... Es wird immer ein bisserl eigenartig ausgezählt... dass wir vielleicht nicht ganz vorne sind. Aber, ich sage euch eines: Wir haben auf jeden Fall gewonnen. Auf jeden Fall gewonnen.

[Applaus]

Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten. Möglichkeit 1: ich bin morgen Staatsoberhaupt der Republik Österreich.

[Applaus]

Möglichkeit 2 ist: In zwei Jahren ist Heinz-Christian Strache Bundeskanzler der Republik Österreich. Und vier Jahre später, bin ich auch noch dazu Staatsoberhaupt der Republik Österreich. [...]


youtube.com
Quelle: youtube.com (22.05.2016 (abgerufen am 19.10.2016))

Martin Thür

Sie sind Dritter Nationalratspräsident. [Mhm] Protokollarisch schon jetzt einer der höchsten [Mhm] Posten. Sie wollen Bundespräsident [Mhm] werden. Haben Sie offizielle Stellen informiert, dass Sie annehmen, dass bei den Wahlkarten vielleicht komisch gezählt wird?

Die drei Nationalratspräsidenten von Österreich


Doris Bures, Präsidentin des Nationalrates [1] Karlheinz Kopf, Zweiter Präsident des Nationalrates [2] Norbert Hofer, Dritter Präsident des Nationalrates [3]

Quellen: [1] GuentherZ/Wikipedia, [2] Steindy/Wikipedia, [3] GüntherBilles/Wikipedia

wikipedia.org
Quelle: wikipedia.org (abgerufen am 17.10.2016)

Norbert Hofer

Was mir aufgefallen ist, dass bei uns in Österreich - anders als in anderen Ländern der Welt - Briefwahlergebnisse sehr stark abweichen von den Ergebnissen, die sonst vorhanden sind.

Faktencheck: Anteile von Urnenstimmen gegenüber den Briefwahlstimmen in Deutschland


Transkript vom ATV-Faktencheck (19.10.2016, ATV)
Was hier nicht stimmt, ist Hofers Behauptung, sagt der Statistiker Erich Neuwirth. Er hat sich die Ergebnisse der letzten Deutschen Bundestagswahlen ganz genau angesehen und die Anteile von Urnenstimmen gegenüber den Briefwahlstimmen grafisch dargestellt.

'Da stellt sich heraus, dass es mindestens so große Unterschiede zwischen Briefwählern und Urnenwählern gibt, wie auch in Österreich. Beispielsweise schneidet die FDP um ca. ein Drittel besser bei den Briefwählern ab, als bei den Urnenwählern', so Neuwirth.

In Österreich ist unter Briefwählern der Anteil von besser Gebildeten und Städtern etwa überdurchschnittlich hoch. Weil diese Gruppen seltener FPÖ wählen, schneidet Norbert Hofer bei Ihnen auch schlechter ab.


twitter.com
Quelle: twitter.com (19.10.2016)

Faktencheck: Wahlkarten und Urnenwahl - Anteilsdifferenzen




Der Verfassungsgerichtshof sieht grobe Verletzungen der Regelungen zur Zählung der Wahlkarten in 11 Bezirken. Es handelt sich um die Bezirke Innsbruck-Land, Südoststeiermark, Villach (Stadt), Villach-Land, Schwaz Wien-Umgebung, Hermagor, Wolfsberg, Freistadt, Graz-Umgebung und Leibnitz.

Diese Bezirke erscheinen in unseren Grafiken als rote Punkte. Die roten Punkte passen ins Muster der übrigen Punkte. Wären die Wahlkartenergebnisse in diesen Bezirken zugunsten Van der Bellens manipuliert worden, dann lägen die roten Punkte sichtbar über der Wolke der grünen Punkte.

Die Grafiken zeigen auch ganz deutlich, dass Hofer dann vorne liegen könnte, wenn er in den beanstandeten Bezirken beim Urnenergebnis und beim Wahlkartenergebnis etwa gleich gut abgeschnitten hätte. Dann wären die Ergebnisse in diesen Bezirken systematisch anders als in allen anderen Bezirken.

Aus statistischer Sicht gibt es also keine Hinweise darauf, dass die Unterschiede zwischen Urnenwahlergebnis und Wahlkartenergebnis in den angefochtenen Bezirken ein anderes Muster aufweisen als die entsprechenden Unterschiede in den restlichen Bezirken.


Vergleich Anteile an gültigen Stimmen Urnenwahl - Briefwahl

Norbert Hofer


Alexander Van der Bellen


wahlanalyse.com
Quelle: wahlanalyse.com (13.07.2016 (abgerufen am 19.10.2016))

Bundestagswahl Deutschland 2013 Briefwahl und Urnenwahl



Herr Ing. Norbert Hofer hat in der Sendung Klartext vom 17. Oktober 2016 behauptet, dass die Unterschiede bei den Wahlergebnissen bei Urnenwahl und Briefwahl in Österreich deswegen auffällig sei, weil das in anderen Ländern nicht der Fall sei.

Für Deutschland stimmt das auf jeden Fall nicht. Dort gibt es, wie die folgenden Grafiken zeigen, zum Beispiel bei der Bundestagswahl 2013 bei manchen Parteien ganz wesentliche Unterschiede zwischen Urnenwahl und Briefwahl.

Die Ausgangslage: Insgesamt gab es bei der Bundestagswahl 2013 10,758,677 Briefwahlstimmen und 33,551,248 Urnenstimmmen. Es wurden also 24.3% aller Stimmen als Briefwahlstimmen abgegeben. In den einzelnen Wahlkreisen schwankte dieser Anteil zwischen 11.9% und 43.2%.

wahlanalyse.com
Quelle: wahlanalyse.com (abgerufen am 19.10.2016)

Martin Thür

Das war nicht meine Frage. Meine Frage war: Haben Sie offizielle Stellen informiert, dass Sie am Wahlabend, noch vor Auszählung der Briefwahlstimmen davon ausgehen, dass da falsch gezählt werden könnte?

Norbert Hofer

Ja aber das wollte ich Ihnen gerade sagen.

Martin Thür

OK.

Norbert Hofer

Dass mir eben auffällt, dass es hier eine Differenz gibt. Und deswegen gehe ich davon aus, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Ich hatte noch keine konkreten Hinweise. Ja, was hier genau passiert ist. Natürlich haben wir gehört auch oft: Naja, da und dort gibt es vielleicht kleine Probleme. Aber, dass es in diesem Ausmaß ein Problem gibt, das so groß ist, dass die Wahl aufgehoben werden muss, das war mir zu diesem Zeitpunkt auch nicht bekannt.

Martin Thür

Aber das heißt, Sie haben...

Norbert Hofer

Und wir haben dann natürlich, als das bekannt war, sofort die offiziellen Stellen informiert.

Martin Thür

Mhm. Aber das heißt, Sie haben öffentlich Zweifel geäußert, aber sich nicht an die offiziellen Stellen gewandt.

Norbert Hofer

Ja, das war ja am Wahltag.

Martin Thür

Mhm.

Norbert Hofer

Ja, am Wahltag.

Martin Thür

Aber es war Ihnen konkret genug, dass Sie öffentlich auf einer Veranstaltung Zweifel sehen, aber nicht konkret genug, dass Sie offizielle Stellen informieren?

Norbert Hofer

Ja, das weiß ja jeder. Es ist ja jedem bekannt, dass bei uns Briefwahlergebnisse völlig anders aussehen, als die Ergebnisse...

Martin Thür

Das sagen Sie ja nicht. Sie sagen: 'Es wird komisch gezählt.'

Norbert Hofer

Deswegen.... Aber deswegen habe ich das gesagt, ja. Weil die Briefwahlergebnisse anders aussehen als die Ergebnisse an der Wahlurne. Sie müssen bedenken: Wenn Sie in eine Wahlurne gehen, wird alles ganz, ganz genau angesehen. Sind Sie alleine in der Wahlurne? Wie ist das Wahlkuvert? Wie wird das denn nachher eingeworfen. Wenn Sie bei einer Briefwahl wählen, dann ist leider nicht festge... sichergestellt, wer hat jetzt wirklich die Stimme abgegeben. Hat jemand zugesehen dabei, wenn Sie Ihr Kreuz machen? Und das sind die Probleme, die wir haben. Natürlich ist es wichtig, dass auch Menschen, die nicht die Möglichkeit haben, am Wahltag zur Wahlurne zu gehen, ihre Stimme abgeben. Das muss sichergestellt sein. Aber gleichzeitig muss auch klar sein, dass der Wählerwille abgebildet werden muss. Und da müssen wir uns noch viele Gedanken machen, wie wir das Briefwahlsystem verbessern.

Martin Thür

Sie haben auch nach der Wahlaufhebung immer wieder Zweifel gesät. Haben gesagt, Sie hätten tatsächlich Hinweise auf Manipulationen, die der VfGH [Mhm] nicht kannte und auch die Öffentlichkeit nicht kennt. Sie haben dann Anzeigen angekündigt, die haben Sie nicht eingebracht. Sondern, Sie haben einen sehr ungewöhnlichen Weg gewählt. Sie haben über die Whistleblower-Homepage [Mhm] der Korruptionsstaatsanwaltschaft Dinge eingebracht. Ehm, warum sagen Sie denn der Öffentlichkeit nicht, was für Manipulationshinweise Sie haben? Was sind das denn für Hinweise, die Sie da eingebracht haben. Ganz konkret.

Links zum Thema Wahlmanipulation


Falter: 'Eine Mathematik-Lektion für den VfGH'

Theoretisch wäre dieses seltsame Szenario ja möglich, ebenso wie die Wiederformung des Tintentropfens im Wasserglas. Bloß wie wahrscheinlich ist es? Naturgemäß können wir die notwendigen Berechnungen hier nicht ausführen. Wir haben sie im Netz publiziert. Dort erhalten wir unter Verwendung anerkannter Modelle und Methoden der Statistik eine Wahrscheinlichkeit von 0,000000000132. Das ist etwa ein Tausendstel der Wahrscheinlichkeit des Lotto-Sechsers. Um eine anschauliche Vorstellung von der Kleinheit dieser Wahrscheinlichkeit zu bekommen, greifen wir wieder zur Metapher der Autobahnfahrt von Wien nach Salzburg.

Allerdings müssen wir jetzt die Pistole durch einen Laserpuls ersetzen und den 3,7 cm dicken Stab durch einen Draht mit einem Durchmesser 0,044 Millimetern. Das ist weniger als der Durchmesser eines Menschenhaars. Dem Eintreten des im großen Diagramm abgebildeten Szenarios entspricht dann die Wahrscheinlichkeit, bei einmaligem Aussenden eines solchen Laserpulses genau diesen Draht zu erwischen. Eine buchstäblich haarsträubende Idee. Haarsträubender ist vielleicht nur noch, dass aufgrund der Unterstellung eines Ereignisses mit dieser Wahrscheinlichkeit ganz Österreich noch einmal wählen muss.


Erich Neuwirth und Walter Schachermayer im Falter 36/16
Quelle: falter.at (06.09.2016)

Norbert Hofer

@@Aber, Sie sind ja ein seriöser Journalist.@@

Martin Thür

Ja.

Norbert Hofer

Und Sie haben auch die Pressekonferenz von Dieter Böhmdorfer mitverfolgt. Wo er erklärt hat, warum er diesen Weg gegangen ist. Nämlich, um die Betroffenen zu schützen.

Martin Thür

Aber.

Norbert Hofer

Das ist ja das.

Martin Thür

Sie müssen jetzt keine Namen nennen. Uns würde nur interessieren: Was sind das für Hinweise? Ich habe monatelang versucht, Hinweise in Altersheimen zu bekommen, das dort bei Briefwahlstimmen manipuliert wurde. Ich habe es nicht geschafft. Deswegen würde es mich einfach sehr, sehr interessieren, wenn Sie hier Hinweise zumindest auf den Tisch legen, die Sie eingebracht haben.

Norbert Hofer

Herr Thür, wir haben diesen Weg gewählt, weil wir hier die Betroffenen schützen wollen. Das sind Menschen, die geben Informationen weiter, dass es in gewissen Bereichen...

Martin Thür

Unbestritten...

Norbert Hofer

Bitte lassen Sie mich kurz ausreden. ...dass es in gewissen Bereichen Probleme gibt. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und Sie werden sehen, wenn die Ergebnisse auf dem Tisch liegen, in welchen Fällen es tatsächlich zu Rechtsbrüchen gekommen ist.

Martin Thür

Mhm.

Norbert Hofer

Aber ich bin nicht die Staatsanwaltschaft. Ich bin kein Richter. Und ich werde hier mich in dieses Verfahren hier nicht einmischen.

Martin Thür

Und Sie sagen uns auch nicht, auch wenn Sie die Personen weglassen, von mir aus auch gerne die Orte, was für Manipulationen das sein könnten.

Norbert Hofer

Nein, weil dann klar sein wird oder klar sein könnte - aus welchen Bereichen das kommt. Sie werden das rechtzeitig erfahren. Die Staatsanwaltschaft wird ermitteln. Ich habe großes Vertrauen. Dann werden Sie auch sehen, dass es in einigen Bereichen zu ganz erheblichen Rechtsbrüchen gekommen ist.

Erster - Zweiter

Martin Thür

Jetzt gibt es diese Wahlwiederholung. Sie probieren nochmal Erster zu werden. Ehm, jetzt müssen Sie neue Wähler motivieren. Sie waren ja beim letzten Mal Zweiter, jetzt wollen Sie erster werden. Wie wollen Sie das denn schaffen?

Norbert Hofer

@@Ich war beim letzten Mal nicht Zweiter. Weil es beim letzten Mal kein Ergebnis gegeben hat.@@ Die Wahl wurde aufgehoben. Es gab keinen ersten und keinen zweiten. Und ich habe eines gesagt: Ich gehe jetzt nicht her und verstelle mich. Ja, so wie das mein Mitbewerber macht, der plötzlich mit Trachtengewand alle möglichen Kirtage besucht, eine Waffe in der Hand hält, obwohl die Grünen immer sagen, sie wollen ein schärferes Waffengesetz. Sondern, ich gehe meinen Weg einfach weiter, wie er eben ist. Ich werde nicht irgendwie versuchen, mich zu verstellen und ein anderer zu werden. Ich glaube, dass es diese Glaubwürdigkeit ist, die zu noch mehr Stimmen führen wird. Dass ich meinen Weg nicht verlasse. Das ist für mich das allerwichtigste.

Drittel-Bundespräsidentenersatz

Martin Thür

Sie sind nun quasi zu einem Drittel Bundespräsidentenersatz im Nationalratspräsidium, dass die Aufgaben übernommen hat. Glauben Sie nützt Ihnen das im Wahlkampf?

Norbert Hofer

Ich nutze das nicht im Wahlkampf. Sie werden von mir noch nie bei einer Veranstaltung gehört haben: Ich bin jetzt Drittel-Präsident. Wir haben auch vereinbart, dass wir... - die Arbeit, die wir jetzt leisten, Doris Bures, Karl-Heinz Kopf und ich... und wir verstehen uns sehr gut wir drei... wir machen auch im Parlament eine wirklich sachlich und hervorragende Arbeit... -, dass wir diese Arbeit nicht nach außen tragen. Es gibt sehr, sehr viele Akten, die zu unterzeichnen sind. Sehr viel Büroarbeit. Und wir machen das so gut, wie es nur irgendwie geht und hoffen, dass es bald einen neuen Bundespräsidenten geben wird.

Martin Thür

Das heißt, es ist ein reiner Formalakt, nichts Politisches.

Norbert Hofer

Es ist... Wir beschränken uns auf das Formale. Aber das ist sehr viel Arbeit.

CETA

Martin Thür

Ich frage, weil das, dieses Nationalratspräsidium muss wahrscheinlich in der kommenden Woche - vielleicht auch die Woche drauf - die Minister eine sogenannte Autorisierung zur Unterzeichnung für das Freihandelsabkommen CETA [Mhm] ausstellen. [Mhm] Das ist ein Formalakt, den an sich der Bundespräsident unterzeichnet [Mhm], damit der Minister das Freihandelsabkommen unterschreiben kann. [Ja.] Da es ein Formalakt ist, gehe ich davon aus, dass Sie das auch unterzeichnen werden.

Norbert Hofer

@@Nein, ich werde das nicht unterzeichnen.@@ Denn ich sage noch einmal: Ich verlasse meine Linie nicht. Ich habe immer gesagt, dass CETA und TTIP die Menschen unmittelbar betreffen. Dass die Schiedsgerichte das große Problem sind. Weil über diese Schiedsgerichte die eigentlich geschaffen wurde für Beziehungen zwischen Unternehmen und Staaten, die rechtlich unterentwickelt sind. Weil über diese Schiedsgerichte jetzt Staaten geklagt werden können. Und da wird für mich die Demokratie ausgehebelt. Und ich verlasse meinen Weg nicht. Ich will, dass die CETA-Befürworter und die TTIP-Befürworter und die CETA-Gegner und TTIP-Gegner ihre Argumente auf den Tisch legen, sobald die Vertragstexte wirklich fertig sind. Es wird jetzt noch nachverhandelt - auch bei CETA. Und dann sollen die Bürger direktdemokratisch entscheiden. Und da muss sich niemand fürchten. Vor einer Entscheidung der Bürger darf sich ein demokratisch gewählter Politiker nicht fürchten. Und wenn das nicht passiert, unterzeichne ich nicht.

Kann Norbert Hofer die Unterschrift unter die Entscheidung verweigern?

Der dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ) will zwar danach die Unterschrift unter die Entscheidung verweigern, da aber das dreiköpfige Nationalratspräsidium in Vertretung des vakanten Bundespräsidenten mit einfacher Mehrheit entscheidet, reichen die Unterschriften von Doris Bures (SPÖ) und Karlheinz Kopf (ÖVP), um die Entscheidung zuzulassen und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) mit dem Mandat auszustatten, damit der am Dienstag die Unterzeichnung des Abkommens zulassen kann.


salzburg.com
Quelle: salzburg.com (17.10.2016)

CETA: Final Draft

FINAL DRAFT
Joint Interpretative Declaration on the Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) between Canada and the European Union and its Member States


diepresse.com
Quelle: diepresse.com (10.10.2016)

Hofer bekräftigt Wunsch nach Bürgerbeteiligung bei CETA

Der wahlkämpfende FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer hat einmal mehr eine Bürgerbeteiligung bei der Entscheidung über Freihandelsabkommen gefordert. Er selbst würde das geplante EU-Kanada-Abkommen CETA auch nur nach Einbindung der Bürger unterzeichnen, so Hofer am Samstag [24.09.2016]. Auch sein Konkurrent Alexander Van der Bellen zeigte sich zuletzt wegen Sonderklagsrechten für Konzerne besorgt.


salzburg.com
Quelle: salzburg.com (24.09.2016)

Martin Thür

Sie haben gesagt, Sie wollen diese Vertretungsfunktion nicht für den Wahlkampf nutzen. Tun Sie das jetzt nicht trotzdem irgendwie?

Norbert Hofer

Ja, Sie haben mich ja gefragt. Ich muss Ihnen eine Antwort geben. Also, wenn Sie mir die Frage stellen und ich hätte jetzt gesagt: Ich gebe Ihnen keine Antwort, hätte Ihnen das auch nicht gefallen.

Martin Thür

Sie selbst werfen Alexander Van der Bellen vor, dass er Heinz-Christian Strache nicht angeloben würde und damit eine Regierungsmehrheit quasi overrulen würde. Würden Sie dann nicht dasselbe de facto auch bei CETA machen? Macht das nicht Ihr Argument gegen Alexander Van der Bellen schwächer?

Norbert Hofer

Ja aber die Verfassung sieht es so vor. Ja, und es ist... Wir haben einen Rechtsstaat und die Verfassung wurde von einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament festgelegt - also von gewählten Mandataren.

Martin Thür

Nur ganz kurz: Die Verfassung legt auch fest, dass man Heinz-Christian Strache nicht als Kanzler angeloben muss. Also, das selbe Argument gilt hier dann auch.

Norbert Hofer

Das ist richtig, das legt die Verfassung nicht fest. Aber man muss es demokratisch zur Kenntnis nehmen, wenn... Und ich habe immer auch gesagt... Wenn die Grünen zur stärksten Partei werden, dann werde ich das tun, was auch meine Vorgänger immer gemacht haben. Nämlich, den Auftrag zur Bildung einer... zu Verhandlungen zur Bildung einer Bundesregierung, dem Obmann oder der Obfrau der stärksten Partei zu übergeben.

Martin Thür

Aber alle Bundespräsidenten haben auch alle Freihandelsabkommen bisher unterzeichnet.

Norbert Hofer

Welche?

Martin Thür

Es gibt ganz, ganz viele Freihandelsabkommen Österreichs...

Norbert Hofer

Aber nicht eines mit TTIP und CETA, wo es Schiedsgerichte gibt und wo das so in der Kritik steht?

Martin Thür

Es gibt viele Freihandelsabkommen auch mit Schiedsgerichten, die vom Bundespräsidenten unterzeichnet wurden.

Norbert Hofer

Und ich, ich. Und ich unterzeichnen... Ich habe das hundertmal gesagt...

Martin Thür

Also, Sie sehen hier keinen Unterschied? Das wäre der Kern meiner Frage. Zwischen der Argumentation von Alexander Van der Bellen, der sagt [Mhm] 'ich halte mich an die Buchstaben des Gesetzes und ich muss Heinz-Christian Strache nicht angeloben' und der Position, die Sie einnehmen. Sie sagen, 'ich kann Freihandelsabkommen blockieren'.

Norbert Hofer

Aber ich muss es... Lassen Sie mich die zwei Gedanken zu Ende führen...

Martin Thür

OK.

Norbert Hofer

...die ich begonnen habe. Nämlich, wem gibt man den Auftritt zu Regierungsverhandlungen. Da sage ich: Bei einer Nationalratswahl haben die Bürger eine Partei gewählt. Und da gibt es eine stärkste Partei, eine zweitstärkste und so weiter Und ich werde - egal welche Partei das ist - den Obmann oder der Obfrau diese Partei, den Auftrag geben, Verhandlungen zu führen. Das heißt bitte nicht, dass diese Partei auch den Kanzler oder die Kanzlerin stellt. Sondern, es können sich auch andere Mehrheiten im Parlament bilden. Das ist die Vorgangsweise, die ich wähle. Und ich werde auch angeloben eine Bundesregierung, wo die stärkste Partei nicht vertreten ist. Das ist mir wichtig, Ihnen das zu sagen.

Martin Thür

Mhm.

Norbert Hofer

Und bei TTIP und CETA sind für mich die Schiedsgerichte das große Problem. Und zweitens, die Konkurrenzfähigkeit Österreichs. Wenn wir vergleichen: Unser Wirtschaftssystem mit dem in den USA. Dann haben wir viel härtere Umweltauflagen, viel höhere Sozialkosten, viel höhere Steuern, viel mehr Bürokratie. Das heißt, unsere Betriebe sind viel weniger konkurrenzfähig. Und es gibt die Schiedsgerichte. Das heißt, wir müssen unsere Wirtschaft fit machen. Unseren Landwirten geht es irrsinnig schlecht, das muss man auch wissen. Die stehen dann auch in Konkurrenz. Ein Viertel der Betriebe - in Österreich - der landwirtschaftlichen, machen Verluste. Viele Betriebe müssen zusperren, weil es sich einfach nicht mehr ausgeht. Und die stehen dann in dieser Konkurrenz. Und da mache ich mir große Sorgen. Und da habe ich, wenn ich mit einer Mehrheit der Menschen in Österreich gewählt werde, einfach auch Verantwortung. Und ich sage ja nicht, dass ich hier einfach willkürlich entscheide. Ich sage: Ich werde so entscheiden, wie es die Bürger wollen. Ich will eine direktdemokratische Entscheidung. Und beide Seiten haben die Möglichkeit, ihre Argumente auf den Tisch zu legen.

EU-Austritt

Martin Thür

Bleiben wir gleich bei europäischen Themen. Warum wollen Sie denn keine Volksabstimmung zum EU-Austritt?

Norbert Hofer: Volksabstimmung zum EU-Austritt

'Wenn die Union sich falsch entwickelt.' Der FPÖ-Vizechef fordert Reformen innerhalb eines Jahres ein, sonst müsse man über einen Öxit nachdenken.

Norbert Hofer kann sich EU-Referendum für Österreich vorstellen (diepresse.com, 26.06.2016)


Österreich solle nicht aus der EU austreten, meint der freiheitliche Präsidentschaftskandidat. Die FPÖ unterscheide sich hier deutlich vom Front National.

Norbert Hofer: EU-Austritt wäre 'Schaden für Österreich' (diepresse.com, 08.07.2016)
Der Präsidentschafts-Kandidat will keine Anti-EU-Kampagne führen. Möglicherweise hängt das auch damit zusammen, dass die Österreicher – erst recht seit dem Brexit-Votum – nicht aus der EU rauswollen.

Norbert Hofer sagt den Öxit ab (08.07.2016)

Norbert Hofer

Ich glaube, dass das jetzt überhaupt nicht notwendig ist in Österreich. Weil jetzt einmal unsere Verantwortung sein muss, die Fehlentwicklungen in der Europäischen Union zu korrigieren. Das heißt für mich: Wir brauchen eine wirklich subsidiäre Union, in der wir die großen gemeinsamen Themen abhandeln aber nicht die vielen Kleinigkeiten, wie 'Wie sollen Grillhandschuhe gestaltet sein?', 'Wie soll eine Glühlampe aussehen?'. Das muss funktionieren. Und ich will auch, dass Österreich nicht mehr alleine dasteht. Ich will nicht, dass wir einerseits die großen Player haben. Das ist Deutschland, das ist Frankreich, das waren früher die Briten. Dann haben wir die Benelux-Staaten, die als einzelne Staaten klein sind, aber gemeinsam sehr viel Einfluss haben. Und Österreich steht alleine da. Wir müssen uns Partner suchen, um uns vor Sitzungen des Rates abzusprechen. Und dort gemeinsam aufzutreten. Und dann können wir auch die Interessen Österreichs besser vertreten.

Streitfrage Europa: Subsidiäres Europa

[...] Sowohl Alexander Van der Bellen als auch Norbert Hofer sind für ein 'subsidiäres Europa', also eine Aufgabenteilung zwischen Nationalstaat und EU von unten organisiert. Der Teufel liegt aber schon hier im Detail.

[...] Der deutlichste Unterschied der beiden [Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer] tritt bei der Frage nach dem Einstimmigkeitsprinzip von EU-Beschlüssen zutage. Norbert Hofer will dies beibehalten, vor allem in 'Wirtschaftsfragen', wie er bei der jüngsten ORF-Konfrontation sagte. Dadurch könnten kleine Länder auf Augenhöhe mit den 'Großen' mitentscheiden. Van der Bellen hält dagegen: 'Es ist die hohe Kunst der Politik, Allianzen zu bilden.'

Alexander Van der Bellen kann diesem Prinzip nur noch wenig abgewinnen. 'Den Regierungschefs ist im Ernstfall das Hemd näher als der Rock. Die Einstimmigkeit macht die EU nahezu beschlussunfähig, das zeigt sich seit der Finanzkrise 2008 und auch beim Flüchtlingsthema.'

Sein Beispiel: Wäre Österreich ähnlich organisiert wie die EU, müssten neun Landeshauptleute und die von ihnen nominierten neun Kommissions-, sprich: Regierungsmitglieder, alle Gesetze einstimmig ausarbeiten und dann auch einstimmig beschließen. Das würde die Gesetzeswerdung wohl zum Stillstand bringen. In der Finanzkrise ging die EU daher den Weg, die diversen Rettungspakete bilateral zu beschließen, also zwischen den Mitgliedsstaaten. Dadurch verlor allerdings das Europaparlament jegliche Kontrollrechte an den doch sehr weitreichenden Beschlüssen. Dafür sollte sich Europa auf weniger und große Fragen konzentrieren, das ist die sogenannte Subsidiarität.

Hier stimmen Van der Bellen und Hofer grundsätzlich überein. Allerdings blieb im laufenden Wahlkampf offen, welche Aufgaben der jeweilige darunter versteht. Van der Bellen nennt aber die Notwendigkeit einer gemeinsamen Außenpolitik - als Zukunftsprojekt.


Göweil/wienerzeitung.at
Quelle: wienerzeitung.at (20.05.2016)

Martin Thür

2015 gab es in Österreich ein EU-Austrittsvolksbegehren [Mhm], dass auch Heinz-Christian Strache zur Unterschrift empfohlen hat [Mhm]. In Pinkafeld - habe nachgeschaut - gab es 211 Menschen, die das unterzeichnet haben.

EU Volksbegehren 2015

[...] Es war das insgesamt 38. Volksbegehren in der Geschichte der Zweiten Republik. Das Volksbegehren eines überparteilichen Personenkomittees für einen Austritt Österreichs aus der Europäischen Union wurde von rund einer Viertelmillion Stimmberechtigter, genau genommen 261.159 Menschen, unterstützt. [...]


diepresse.com
Quelle: diepresse.com (02.07.2016)

Norbert Hofer

Ja.

Martin Thür

Waren Sie einer davon?

Norbert Hofer

Ich habe es damals nicht unterzeichnet. Wobei ich aber das Anliegen sehr verstehe. Weil eben die Enttäuschung so groß ist, dass sich die Europäische Union nicht so entwickelt, wie wir das wollen. Weil es große Befürchtungen gibt. Und weil wir auch sehen, dass viele Dinge, die uns versprochen worden sind beim Beitritt - ich weiß noch sehr gut die Schlagzeile: 'Der Schilling bleibt erhalten' - einfach nicht eingehalten wurden. Also, ich habe für diese Initiatoren größtes Verständnis. Und meine Aufgabe wird es sein, als Bundespräsident einen Beitrag zu leisten, gemeinsam mit Österreich, damit diese Union besser wird. Damit es eine Union wird, wo alle diese Befürchtungen, alle diese Probleme auch ausgemerzt werden können. Ich weiß nicht, ob es gelingt. Aber ich werde mich sehr darum bemühen.

Zitat: 'Der Schilling bleibt erhalten'

[wird derzeit recherchiert]

Martin Thür

Das heißt, Sie verstehen die, das Ansinnen des EU-Austrittsvolksbegehrens.

Norbert Hofer

Ja.

Martin Thür

Sind aber prinzipiell gegen einen Austritt.

Norbert Hofer

Ich glaube, es wäre jetzt falsch. Ich glaube, es wäre richtig, jetzt zu versuchen, diese Union positiv weiter zu entwickeln. Aber, es kann eine Entwicklung eintreten, wo wir sagen müssen: Jetzt geht es nicht mehr. Auch das muss man als Realist einfach sehen.

Martin Thür

Wäre das ein Drama, wenn Österreich aus der EU ausscheiden würde?

Norbert Hofer

Die Welt würde nicht untergehen. Aber es wäre keine einfache Situation für Österreich. Ich hätte es lieber, wenn wir Partner finden - gemeinsam mit anderen Mitgliedsstaaten. Und die Union so umgestalten, dass sie auch wirklich zukunftsfähig ist.

Martin Thür

Heinz-Christian Strache hat im Nationalrat gesagt: Er würde gerne der Visegrád-Gruppe beitreten. Also, das sind Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Ehm, würden Sie auch einen Beitritt Österreichs zur Visegrád-Gruppe befürworten?

Norbert Hofer

Dieses Modell ist eines, das recht gut funktioniert. Ich bin dafür, Partner zu finden. Im Gespräch mit Präsident Zeman war das ein Thema, der gesagt hat: Das wäre etwas, was ihm gefallen würde. @@Aber, wenn wir eine Kooperation suchen, dann muss es größer sein. Da muss Slowenien dabei sein, da muss Kroatien dabei sein.@@ Da müsste, wenn Serbien beitritt, da müssten auch die Serben dabei sein. Also, auch über Rumänien müssten wir sprechen. Also, das sollte ein Bereich sein, der weit über das hinausgeht.

Was sind die Visegrád-Staaten?


Die Visegrád-Gruppe, gelegentlich auch Visegrád-Staaten genannt und unter der Bezeichnung V4 bekannt, ist eine lose Kooperation der Regierungen der mitteleuropäischen Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.


Visegrád-Staaten (aktuell)

Visegrád-Staaten (lt. Hofer mit Österreich)

wikipedia.org
Quelle: wikipedia.org (abgerufen am 17.10.2016)

Martin Thür

Eines der Visegrád-Länder, nämlich Polen, hat sehr viel Aufmerksamkeit erregt in den letzten Tagen mit einer geplanten Verschärfung des Abtreibungsrechts [Mhm]. Nämlich mit einem kompletten Verbot [Mhm] der Abtreibungen in Polen. Ehm, ist das etwas, dass Sie sich auch für Österreich vorstellen könnten? Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Links: Abtreibungsgesetz in Polen


Norbert Hofer

Also, wir haben in Österreich die Fristenlösung. Ehm, wir haben aber ein großes Problem und da müssen wir einfach besser werden. Das ist die Frage, wie geht man mit behindertem Leben um. Wir haben bei uns immer noch die sogenannte eugenische Indikation. Das heißt, wenn ein Kind behindert sein könnte - so steht es im Gesetz, nämlich, dass der Fall nur ein möglicher Fall ist -, dann kann man bis zum Zeitpunkt unmittelbar vor der Geburt abtreiben. Und ich glaube einfach, das ist etwas, was fürchterlich ist. Das zeigt, ist auch ein Zeichen für jeden behinderten Menschen, naja, du bist ja gar nicht so viel Wert, man hätte dich abtreiben können bis unmittelbar vor der Geburt. Und das tut mir irrsinnig weh. Und da müssen wir eine andere Lösung finden.

Wissen: Eugenische Indikation


Als Schwangerschaftsabbruch mit embryopathischer Indikation bezeichnet man den Abbruch einer Schwangerschaft, weil in der Pränataldiagnose eine schwere Erkrankung bzw. Entwicklungsstörung (Embryopathie) des Ungeborenen oder die Anlageträgerschaft des Kindes für eine Erkrankung festgestellt wurde.

[...] In Österreich erlaubt § 97 Abs. 1 Ziffer 2 des StGB den Abbruch, wenn "eine ernste Gefahr besteht, daß das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde".


wikipedia.org
Quelle: wikipedia.org (abgerufen am 20.10.2016)

Feedback von Martin Ladstätter (bizeps.or.at)



Bei der Staatenprüfung Österreichs auf Einhaltung der UN-Behindertenrechtskonvention durch den zuständigen UN-Fachausschuss im Jahr 2013 war auch diese Diskriminierung ein Thema.

Österreich wurde daher empfohlen jegliche Unterscheidung des Zeitrahmens, in dem ein Schwangerschaftsabbruch nach dem Gesetz ausschließlich aufgrund von Behinderung möglich ist, abzuschaffen.


Martin Ladstätter/bizeps.or.at
Quelle: Martin Ladstätter/bizeps.or.at (21.10.2016)

Buch: Für ein freies Österreich

Martin Thür

Es gibt dieses sehr umstrittene Buch eines FPÖ-Mitarbeiters, das Sie herausgegeben haben. Und da steht zum Thema Schwangerschaft: 'Mit jeder potentiellen Mutter und mit jedem potentiellen Vater von morgen, wer heute nicht geboren wird, beschleunigt sich der Prozess der Selbstauslöschung.' [Mhm] Ehm, und 'das beglückende Wunder der Mutterschaft wurde erfolgreich persifliert, so dass manche junge Dame ihre zunächst gewollte Schwängerung bald für einen sexistischen Übergriff hält.' Wird zu schnell abgetrieben in Österreich?

Howanietz, Michael: Für ein freies Österreich



Quelle: fpoe.at (abgerufen am 17.10.2016)

Norbert Hofer

Also zuerst zum Buch, ja. Mich hat das sehr amüsiert, dass jetzt ein einige Jahre altes Buch ausgegraben wurde. Ehm, dass in den letzten Jahren, ja, einfach kein Thema war. Ich habe das Buch nicht geschrieben, ja.

Martin Thür

Sie haben es herausgegeben.

Norbert Hofer

Sondern es hat der Herr Howanietz geschrieben. Der hunderte Pressedienste im Umweltbereich gemacht hat, die völlig unbestritten waren. Wenn Sie das ganze Buch lesen, dann werden Sie sehen, wie Howanietz jetzt formuliert, ja. Dann werden Sie auch diese Sätze besser verstehen. Aber, ich habe es eben nicht herausgegeben. Und leider wird das Buch heraus... - aber nicht geschrieben...

Martin Thür

Ja.

Norbert Hofer

Leider wird das Buch, das ich selbst geschrieben habe, überhaupt nicht erwähnt. Ich würde ganz gerne auch einmal mein Buch vorstellen, dass ich geschrieben habe, bevor ich Präsidentschaftskandidat geworden bin.

Hofer, Norbert: Ein Leben nach der Querschnittlähmung (Titel und Inhalt)


Quelle: fpoe.at (abgerufen am 09.06.2016)

Martin Thür

Mhm.

Norbert Hofer

Da war überhaupt noch keine Rede davon.

Martin Thür

Ich habe es auch gelesen, ja.

Norbert Hofer

Weil in diesem Buch glaube ich sieht man ganz gut, was für ein Mensch ich bin, weil ich es eben selbst geschrieben habe.

Martin Thür

Experten des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes stufen Teile des Buches als rechtsextrem ein. Sollte ein künftiger Bundespräsident der Republik Österreich Herausgeber eines rechtsextremen Buches sein?

FPÖ-Sammelband: 'Brutpflegetrieb' statt 'Geburtsschein­mut­ter'


[...] Im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands wird es als rechtsextrem qualifiziert. Bernhard Weidinger sagt zum KURIER: 'Das Buch erfüllt nahezu alle Definitionsmerkmale rechtsextremer Ideologie.'


Karin Leitner/kurier.at
Quelle: kurier.at (11.10.2016)

Norbert Hofer

Ich sehe es nicht so. Dieses Archiv ist keine offizielle Stelle. Ich kann nur jeden empfehlen, das Buch zu lesen. Bei uns im Büro. Nicht in meinem Büro, sondern bei der FPÖ laufen Telefone heiß, weil so viele Menschen das Buch haben wollen. Ehm, nein. Ich kann nur noch einmal sagen, dass diese Faschismuskeule, jetzt zu versuchen, mich als einen rechtsextremen Menschen darzustellen, einfach völlig aus der Luft gegriffen ist. Erstens halte ich Nationalsozialisten für eine grausame Mörderbande, die für den Tod von Millionen von Menschen verantwortlich sind - und es waren auch viele Kinder dabei. Zweitens bin ich Jahrgang 1971. Drittens waren sogar meine Eltern zu jung, um in dieser Zeit auch nur irgendetwas anstellen zu können. Und auch meine Großeltern: Der eine Großvater war Christdemokrat in der NS-Zeit, der andere war amerikanischer Staatsbürger und ist nach Österreich eingewandert. Ich hasse den Nationalsozialismus. Ich will damit nichts zu tun haben. Und ich lasse mich auch nicht in dieses Eck stecken.

Martin Thür

Heinz-Christian Strache hat es als Fehler bezeichnet [Mhm]. Sie tun das nicht. Warum?

Norbert Hofer

@@Ich sage es Ihnen jetzt noch einmal. Das Buch insgesamt ist kein Fehler.@@ Einige Passagen in diesem Buch sind ein Fehler. Und ich habe es nicht geschrieben. Und wenn Sie hier genau so viel Raum geben würden dem Buch, das ich selbst geschrieben habe, wäre ich überglücklich.

Martin Thür

Ich habe noch ein anderes Beispiel aus dem Buch, wo ich nur ganz gerne kurz Ihre Meinung hätte dazu. Nämlich, dasteht: Jede Organisation verliert an Ansehen, je höher der Frauenanteil ist und je bedeutender die von Frauen bekleidenden Funktionen sind.

Norbert Hofer

Ist überhaupt nicht meine Meinung.

Martin Thür

Nicht Ihre Meinung. Sehr gut.

Norbert Hofer

Nein, überhaupt nicht.

Frauenquote

Martin Thür

Die FPÖ hat im Nationalrat einen Frauenanteil von gerade mal 18 Prozent. In Landesregierungen gibt es sechs FPÖ-Landesräte, darunter keine einzige Frau. Und in den FPÖ-Landtagsklubs gibt es einen durchschnittlichen Männeranteil von 83 Prozent. Und in gleich drei Landtagen - nämlich in Kärnten, Niederösterreich und Tirol - gibt es keine einzige weibliche FPÖ-Abgeordnete. Wenn man in der Funktion vom Buch bleibt, müssten Sie ja eigentlich - wenn ein geringer Frauenanteil ein hohes Ansehen bedeutet -, müssten Sie ja eigentlich Bundespräsident geworden sein.

Der Frauenanteil der ParlamentarierInnen


Von den 183 Abgeordneten des Nationalrats sind derzeit 56 Frauen (30,6 %).

Klub Anzahl Mandate davon Frauen %
GRÜNE 24 12 50.00
STRONACH 6 3 50.00
SPÖ 52 18 34.62
ÖVP 50 14 28.00
OK 4 1 25.00
FPÖ 38 7 18.42
NEOS 9 1 11.11

parlament.gv.at
Quelle: parlament.gv.at (abgerufen am 20.10.2016)

Norbert Hofer

Schauen Sie. Meine Büroleiterin war eine Frau. Bis jetzt vor Kurzem. Nach Oberösterreich gewechselt, auch als Büroleiterin. Ich habe in meinem Büro sehr, sehr viele Frauen. Ich habe vier Kinder: zwei Mädchen und zwei Buben. Aber warum reden wir nicht auch einmal zum Beispiel den Anteil von wie viele... Welche Klubs im Parlament haben tatsächlich einen behinderten Abgeordneten, der Behindertensprecher ist? Das ist doch auch etwas, was eine Frage sein könnte. Oder, warum haben die Grünen keine weibliche Präsidentschaftskandidatin?

Martin Thür

Jetzt sitzt kein grüner Kandidat hier?

Norbert Hofer

Warum war die erste Vizekanzlerin Österreichs, die gestellt worden ist, eine Frau von der FPÖ? Ja, also, man kann Dinge immer so und so darstellen. Oder: Wie viele echte Arbeiter gibt es noch im Parlament, die wirklich einen Beruf erlernt haben? Das sind ganz viele Dinge, die es zu besprechen gilt. Ich bin jemand, der weiß, dass Frauen ihren Weg machen. Und ich verlasse mich sehr auf meine weiblichen Mitarbeiterinnen, die wirklich einen tollen Job machen und die größtes Ansehen genießen. Und ich möchte auch, dass meine zwei Töchter, die tolle Persönlichkeiten sind, ihren Weg machen. Aber dazu brauchen sie keine Quoten. Weil sie so qualifiziert sein werden, dass sie den Männern zeigen werden, dass sie besser sind.

Martin Thür

Aber, wenn man sich diese Statistiken ansieht, dann ist ja ganz offensichtlich, dass vor allem Männer in Funktionen bei der FPÖ kommen. Warum sind denn die Freiheitlichen so eine Männerpartei?

Norbert Hofer

Aber das hat ja...

Martin Thür

Woran liegt das dann?

Norbert Hofer

Nein, die Freiheitlichen sind keine Männerpartei. Weil, wenn ich mir anschaue, welche Parteien dafür Verantwortung haben, dass es jetzt Frauen in Österreich so schlecht geht. Dass Frauen in Wien nicht mehr auf die Straße gehen können, wie der Wiener Polizeipräsident sagt, weil sie nicht mehr sicher sind, dann war das nicht die FPÖ. Sondern, das waren jene Parteien, die für eine grenzenlose Zuwanderungspolitik eingetreten sind. Das haben wird, die vielen Vergewaltigungen, die vielen Zugriffe und die vielen Unannehmlichkeiten, die uns wirklich weh tun.

Wiens Polizei zu Übergriffen: Natürlich Täter verantwortlich


Aussagen von Polizeipräsident Pürstl, wonach Frauen nachts generell in Begleitung unterwegs sein sollten, wurden laut Polizei verkürzt dargestellt.

Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl hat in der Debatte um sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht mit 'Präventionstipps' für Aufregung gesorgt. Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, wurde er in der 'Kronen Zeitung' vom Donnerstag zitiert. Am Freitag relativierte Polizeisprecher Christoph Pölzl die Aussagen nun. Es handle sich um 'verkürzte Zitierungen', die aus dem Zusammenhang gerissen wurden. 'Natürlich sind die Täter für sexuelle Übergriffe verantwortlich', sagte Pölzl. Pürstl selbst werde zu dieser Causa keine Interviews mehr geben.


diepresse.com
Quelle: diepresse.com (08.01.2016, abgerufen am 20.10.2016)

Auszug aus dem Interview der Kronen Zeitung mit Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl


[...]
Krone: Sind Frauen angesichts der aktuellen Gegebenheiten besonders gefährdet?
Pürstl: Wir müssen immer wachsam sein. In unserer Stadt gibt es allerdings keine nennenswerten Vorfälle oder Tendenzen, die mit dem Flüchtlingsstrom in Zusammenhang stehen. Daher besteht kein Grund, Unruhe oder gar Panik zu verbreiten.
Krone: Also alles unter Kontrolle?
Pürstl: Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein, Angst-Räume meiden und in Lokalen keine Getränke von Fremden annehmen. Das war früher so und wird auch in Zukunft weiter so sein.
[...]


krone.at
Quelle: krone.at (06.01.2016, abgerufen am 20.10.2016)

Wahlkampf

Martin Thür

Jetzt war der Wahlkampf - zumindest im Frühjahr, jetzt ist er ja noch nicht so richtig in Schwung - in Österreich alles andere als freundlich. Viele Kommentatoren haben da sehr über Sie... über Sie und Alexander Van der Bellen geschimpft. Wenn Sie sich jetzt den Wahlkampf in den USA ansehen: Empfinden Sie eine gewisse Genugtuung, dass es dort fast noch ein bisschen schlimmer abläuft?

Norbert Hofer

Genugtuung nicht. Aber, ich möchte auch... da möchte ich auch Van der Bellen in Schutz nehmen und mich natürlich selbst auch. Ich sage Ihnen, da treten ein Freiheitlicher und ein Grüner Kandidat für das höchste Amt im Staate an. Beide mit Ihrer Vergangenheit. Van der Bellen hatte auch einmal... war auch einmal Kommunist... natürlich sind das völlig andere Welten. Und trotzdem haben wir einen Umgang gefunden, der glaube ich in Ordnung ist. Ich sage Ihnen: Wenn ein roter und ein schwarzer Kandidat angetreten wären, dann wäre vielleicht der Wahlkampf... also vielleicht noch härter gewesen. Ich glaube, dass wir... und wenn wir persönlich miteinander reden, da ist auch eine gewisse persönliche Sympathie vorhanden. Von meiner Seite auf jeden Fall jedenfalls. Seine politischen Ansichten finde ich extrem unsympathisch und habe eine völlig andere Meinung. Aber als Menschen können wir schon miteinander umgehen. Und ich glaube, da müssen wir uns nicht genieren dafür.

Danach

Martin Thür

Mhm. Freuen Sie sich schon, wenn der Wahlkampf vorbei ist?

Norbert Hofer

@@Ich freue mich auf Weihnachten.@@ Ein Wahlkampf ist natürlich anstrengend. Aber es ist auch etwas, wo man Dinge erlebt, wo man später einmal sagen wird: Pah, das war ein Jahr. Und, welche Menschen ich da kennengelernt habe. @@Aber trotzdem: Auf Weihnachten freue ich mich.@@ Und meine Tochter hat mich schon gefragt: Können wir vielleicht in den Weihnachtsferien nach London fliegen? Sie ist so ein riesiger London-Fan. Und ich glaube, den Wunsch, den werde ich ihr erfüllen.

Outro

Martin Thür

Soweit Norbert Hofer. Nächste Woche begrüße ich seinen Konkurrenten. Jenen Mann, der sich zumindest für ein paar Tage als Bundespräsident fühlen konnte. Alexander Van der Bellen. Langjähriger grüner Parteichef und jetzt offiziell unabhängiger Präsidentschaftskandidat. Er kommt nächsten Montag dran. Bis nächste Woche. Bei Klartext.



Quellen
Quelle ATV
Header ATV
Martin Thür (Bild) Manfred Werner - Tsui cc-...
Norbert Hofer (Bild) Wikipedia/Franz Johann Mo...




Statistik
Person Zeichen Wörter

Martin Thür

8.994 1.390

Norbert Hofer

18.316 3.065

Gesamt

27.310 4.455