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Donnerstag, 4. Jänner 2018
Quelle: tvthek.orf.at
Transkriptstatus: Donnerstag, 4. Jänner 2018
Bildquelle (Header): tvthek.orf.at


Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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LOU LORENZ-DITTLBACHER
Josef Moser über die Reformvorhaben der Bundesregierung. Guten Abend, Herr Minister.

JOSEF MOSER
Guten Abend. Grüß Gott.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Sie haben in Ihrer Zeit als Rechnungshofpräsident immer wieder moniert, dass die Festsetzungen, Zielsetzungen in Regierungsprogrammen viel zu vage formuliert sind, dass da klare Ziele und klare Terminvorgaben, Zeitpläne fehlen. Jetzt findet sich in diesem Regierungsprogramm 94-mal das Wort ‚Evaluierung‘ und 82-mal das Wort ‚Prüfung‘. Ist das so viel besser?

JOSEF MOSER
Es ist viel besser. Und zwar, es geht darum, dass man tatsächlich Österreich enkelgerecht gestaltet. Und da dient gerade die heutige Klausur dazu, eben bereits die ersten Reformmaßnahmen festzumachen. Nämlich: Österreich eben neu zu gestalten, wettbewerbsfähiger zu machen und gleichzeitig leistungsfähiger zu machen. Und da kann ich Ihnen gerne darlegen, welche Maßnahmen nunmehr bereits festgelegt worden sind um eben bereits in diesem Jahr Österreich – in dem Fall – weiterzubringen, Österreich bürgernäher zu machen und transparenter zu machen.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Ich würde gerne mit einer Zielsetzung beginnen, wo uns noch einige Fragen offengeblieben sind. Das ist die Reduktion der Sozialversicherungsträger. Da steht im Regierungsprogramm: Von derzeit 22 soll auf maximal fünf reduziert werden. Heißt das, dass die Länderkassen abgeschafft werden oder wird über die Länderkassen so eine Art Dach gebaut?

JOSEF MOSER
Also, es ist gerade erwähnt worden. Wenn wir Maßnahmen setzen, die ausreichend diskutiert sind – die Zielsetzung steht klar -, dass die 21 Sozialversicherungskrankenkassen eben reduziert werden auf fünf. Erste Schritte werden bereits in Angriff genommen: Die Bauernkasse eben bereits zusammengeführt wird mit einer weiteren Krankenkasse. Weitere Schritte werden folgen. Es wird darum gehen, dass man mit den Betroffenen, auch mit dem Hauptverband, nun mehr diese weiteren Schritte in Gang setzen. Da ist auch eine Zusammenarbeit erforderlich. Gerade mit der Frau zuständigen Sozialministerin bzw. Gesundheitsministerin. Diese Schritte sind am Weg, die Vorarbeiten sind in die richtige Richtung bereits erledigt.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Sie wollen eine österreichische Krankenkasse gründen, so heißt das. Es steht aber auf Seite 114 im Regierungsprogramm: ‚Eine länderweite Budgetautonomie ist gesetzlich festzulegen. Und die bisherigen Rücklagen verbleiben im jeweiligen Bundesland.‘ Warum brauche ich dann eine österreichische Krankenkasse?

JOSEF MOSER
Entscheiden ist, dass es tatsächlich nicht zur Verlagerung kommt. Sie wissen, dass in einigen Bereichen tatsächlich eben Gebietskrankenkassen eben ein enormes Defizit gehabt haben. Da vergleiche ich beispielsweise die Wiener Gebietskrankenkasse. Andere Gebietskrankenkassen haben wieder in dem Fall einen Überschuss gehabt. Und wenn man den nächsten Schritt eben setzt, muss es in Richtung gehen, dass gleichzeitig die Kassen effizienter sind, dass die Leistungen harmonisiert werden. Und gerade die Zusammenlegung der Leistungen führen dazu, dass eine Harmonisierung für die Versicherten stattfinden wird und, dass sehr viel an bürokratischem Aufwand aber gleichzeitig auch an Strukturen zum Wegfall gebracht wird. Dass es näher beim Versicherten, dass es näher bei den Leistungen [ist]. Es gibt keine Vorteile bzw. Nachteile, sondern eine Gleichbehandlung der Versicherten. Und das ist entscheiden.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Aber werden die Kassen dann aufgelöst oder nicht?

JOSEF MOSER
Es wird in Richtung gehen, dass die Gespräche jetzt in Richtung der Reduktion auf die fünf Krankenkassen eben geführt werden. Die Schritte sind am Weg. Und man soll in dem Fall, bevor die endgültigen Gespräche nicht abgeschlossen sind…, dass ist ein längerfristiges Projekt… bereits im Vorhinein Aussagen treffen, die noch nicht mit den Betroffenen ausreichend diskutiert sind. Aber die Zusammenlegung auf fünf Kassen wird erfolgen und wird auch bereits in Angriff genommen.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Die Länder waren immer gegen eine Auflösung. Das wissen Sie. Das haben Sie auch selbst oft genug erlebt. Und Sie bleiben dabei? Der Landeshauptmann Wallner in Vorarlberg hat etwa gesagt: ‚Die Auflösung ist die rote Linie.‘ Sind Sie bereit, da drüber zu gehen?

JOSEF MOSER
Also, es geht darum nicht um rote Linien zu diskutieren. Sondern, es geht darum, dass man im Sinne der Versicherten effiziente Kassen macht und gleichzeitig die Bürokratie zum Wegfall bringt. Dass man Leistungen harmonisiert, dass diejenigen, die Beiträge zahlen, auch gleichzeitig einen Anspruch haben auf gleiche Leistungen. In diese Richtung geht das. Und die nötigen Schritte werden auch in diese Richtung gesetzt. Und es haben sich auch die Länder bereits bereit erklärt eine Reduktion auf fünf Kassen. Man sieht also, dass ein Zugehen auch der Länder da ist. Und jetzt im Rahmen der weitern Diskussionen werden die Reformen so durchgeführt, dass sie im Sinne der Betroffenen weniger Bürokratie, gleichzeitig mehr Versorgung für die Patientinnen und Patienten bzw. Versicherten nach sich ziehen werden.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Gut, schauen wir dann, wie die Schritte weiter aussehen werden. Eine Sache, die jetzt diese Woche für viel Verwirrung gesorgt hat, das ist die Frage des Arbeitslosengeldes Neu. Die Sozialministerin hat ja gesagt, das Arbeitslosengeld möchte sie unbefristet auszahlen. Jetzt wurde der Bundeskanzler heute gefragt und er sagt: ‚Es gilt, was im Regierungsübereinkommen steht.‘ Können Sie uns aufklären, wie lange soll jetzt dieses Arbeitslosengeld künftig ausbezahlt werden?

JOSEF MOSER
Also, Sie wissen, Sie haben mich angekündigt, dementsprechend, dass ich der Reformminister bin und gleichzeitig auch der Justizminister. Diese Fragen, die Sie mir stellen, wie gesagt, fallen in den Bereich eines anderen Ministeriums. Entscheiden ist, dass die Maßnahmen, so wie sie im Regierungsprogramm festgehalten sind, auch tatsächlich umgesetzt werden. Nämlich, jemand, der länger in Beschäftigung gestanden ist, bekommt ein höheres Arbeitslosengeld. Wenn das nicht der Fall ist – wie gesagt -, bekommt er ein geringeres Arbeitslosengeld. In diese Richtung werden die Reformen von der zuständigen Ministerin auch durchgeführt werden. Und Sie können sicher sein, dass die Reformen zum Ziel haben werden Österreich zukunftsfitter zu machen, wettbewerbsfähiger zu machen. Dass die Reformen – ich hoffe, wir kommen dazu – auch insbesondere in Richtung Deregulierung und insbesondere in Blickrichtung auch einer Kompetenzbereinigung eben nun mehr angegangen werden. Dazu steht diese Bundesregierung, dazu steht auch Bundeskanzler Kurz, dass endlich Österreich eben zukunftsfit gemacht wird. Und dafür stehe auch ich.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Sie stehen natürlich jetzt als Vertreter der gesamten Bundesregierung, aber natürlich auch – Sie sind von der ÖVP nominiert – für den ÖVP-Teil. Deshalb muss ich Sie deshalb, weil nicht klar war in den vergangenen Tagen und auch heute ist weiter unklar geblieben, ob es eine gemeinsame Linie der Bundesregierung in dieser Frage gibt. Die Ministerin hat gesagt: Mit Ihr…

JOSEF MOSER
Sie können sicher sein, dass es eine gemeinsame Linie gibt. Sie haben ja im Vorspann bereits eben dargelegt, dass sich diese Regierung nicht im Streit befindet. Diese Regierung diskutiert und findet zu gemeinsamen Entschlüssen. Und gerade die Diskussion, die heute stattgefunden hat – auch zu anderen Themen – hat gezeigt, dass immer die Sache im Vordergrund steht, der Lösungsansatz im Vordergrund steht. Es geht nicht darum, dass jemand gewinnt, sondern es geht darum, dass wir Maßnahmen setzen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger. Und auch diese Angelegenheit, die Sie angesprochen haben, wird auch in dieser Hinsicht erledigt werden.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Aber es gibt noch keine Entscheidung. Ist das korrekt?

JOSEF MOSER
Es ist wie gesagt ein Weg, den wir beschreiten. Das ist die erste Arbeitsklausur, die wir durchführen. Das Ziel steht fest und gleichzeitig sind die Maßnahmen, die zum Ziel führen zu diskutieren. Aber wir finden uns auf einen guten Weg in Richtung des Ziels.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Gut, wir wollen natürlich auch ein anderes Thema besprechen, dass Sie auch insofern betrifft, als Sie als Rechnungshofpräsident auch da eine Empfehlung abgegeben haben und dass jetzt auch auf der Klausur Thema war. Das ist die Unterbringung von Asylwerbern. Da hat der Vizekanzler gesagt, das soll in Kasernen passieren. Sie als Rechungshofpräsident haben damals empfohlen – 2013 – die individuelle Unterbringung auch in Blick auf die Kostenfrage. Bleiben Sie bei dieser Empfehlung?

JOSEF MOSER
Also, in dem Zusammenhang geht es darum, dass es einmal außer Streit stehen muss, dass also tatsächlich Asylwerber ordnungsgemäß untergebracht werden. Und gleichzeitig, dass Maßnahmen gesetzt werden, die sicherstellen, dass jemand nicht in die Illegalität abtauchen kann bzw. damit eben zum Gefährdungsfall für die Bevölkerung wird. Und da sind eben Maßnahmen in die Richtung zu setzen, die beim Innenministerium auch sehr gut aufgehoben sind. Entscheidend ist, dass also nicht die Sicherheit gefährdet ist. Entscheidend ist, dass jemand sozusagen nicht im Untergrund oder in Illegalität sich begeben kann. Und die dementsprechenden Maßnahmen werden auch vom Innenminister bzw. von der Frau Staatssekretärin in der nächsten Zeit ergriffen werden.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Die Wiener Grundversorgung – so sagen die Vertreter der Stadt -, da kostet eine Unterbringung in individueller Betreuung 280 EUR und im organisierten Quartier 730. Wer hat etwas davon, wenn man die individuelle Unterbringung abschafft? Der Steuerzahler wohl nicht.

JOSEF MOSER
Also, Sie können sicher sein, dass in dem Zusammenhang eben eine Abwägung stattfinden wird. Auf der einen Seite der Kosten und auf der anderen Seite die Sicherheit der Bevölkerung. Und ich bin mir sicher, dass diese Angelegenheit in den Händen des Innenministers bestens aufgehoben ist und gleichzeitig die richtigen Entscheidungen in Zukunft eben auch getroffen werden.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Sie haben immer wieder gesagt – sinngemäß: Man soll weniger reden eher etwas machen, etwas anpacken.

JOSEF MOSER
Richtig.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Nun sind Sie zuständiger Minister. Haben Sie das Gefühl, dass das Anpacken wirklich so leicht geht wie das Reden?

JOSEF MOSER
Ja. Ich kann nur sagen, ich setze bereits vier Maßnahmen um bzw. es gibt morgen einen Ministerratsvortrag in diese Richtung. Das heißt, ich werde noch im ersten Halbjahr dieses Jahres alle Rechtsvorschriften außer Kraft setzen, die also vor dem 1.1.2000 kundgemacht worden sind um gleichzeitig zu schauen, welche Regelungen sollen aufrecht bleiben aber welche Regelungen fallen weg. Das heißt, es findet da eine Rechtsbereinigung statt. Der zweite Bereich ist, dass also bereits nächste Woche ein Schreiben hinausgehen wird an alle Ministerkolleginnen und -kollegen, wo dargestellt wird, dass jene Maßnahmen bzw. Vorschriften, Regelungen eingemeldet werden, wo eine Überfüllung von EU-Regelungen stattgefunden hat. Damit also sogenannte ‚Golden Plating‘, wenn es nicht im Interesse der Bevölkerung ist, das heißt, sprich der Konsumenten aber auch nicht der Unternehmen, dass das zum Wegfall gebracht wird.

Gleichzeitig werden wir Maßnahmen setzen bspw. Gesetze aufzuheben, wenn es darum geht, bspw. die Blockaden, die es derzeit gibt im Zusammenhang mit dem Übertragungsgesetz 1920… Dass in dem Zusammenhang der Bund ein Zustimmungsrecht zu diesen Angelegenheiten der Länder, die Länder wieder Zustimmungsrechte haben in Richtung des Bundes. Dass die Blockademaßnahme aufgehoben wird, sprich das Übergangsgesetz 1920. Und darüber hinaus wird es in die Richtung gehen, dass wir auch die Strukturreformen angehen. Weil wir das auch gesamt betrachten. Sie sehen also: Zum einen eine Rechtsbereinigung, zum anderen eine Überprüfung der Rechtsvorschriften, in wie weit sie zeitgemäß sind, in wie weit sie tatsächlich Übererfüllungen druchfüllen, in wie weit sie verständlich sind. Auch das wird durchgeführt werden. Und da freut es mich, dass ich auch die Bürgerinnen und Bürger dabei einbeziehen kann. Das heißt, jeder Bürger und jede Bürgerin wird die Möglichkeit haben, dazu einen Beitrag zu leisten. Genauso wie der Öffentliche Dienst. Dass sich die Öffentlichen Bediensteten sich bereits erklärt haben, über die Gewerkschaft mitzuwirken, dass auch ihr Arbeitsplatz dementsprechend fitter gemacht wird, dass er für sie erträglicher gemacht wird und endlich die bürokratische Last zum Wegfall gebracht wird, die bis dato auf den Schultern der Beamtinnen und Beamten eben gelegen ist. Das heißt, …

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Herr Minister…

JOSEF MOSER
…wir machen partizipativ mit der Bevölkerung und gleichzeitig auch mit den Öffentlichen Bediensteten eine Reform für Österreich und mit Österreich.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Das war jetzt schon ein Ministerratsvortrag. Ich muss Sie ein bisschen einbremsen, weil wir deutlich über unserer Zeit sind.

JOSEF MOSER
Gerne.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Darf ich Sie nur bitten, was die Rechtsbereinigung betrifft uns ein Zieldatum zu nennen? Weil Sie möchten gerne Zieldaten, Sie haben es immer eingefordert. Frage ich Sie auch: Wann werden Sie da etwas auf den Tisch legen?

JOSEF MOSER
Ich kann Ihnen sagen, dass es in nächsten Wochen bereits wie gesagt Maßnahmen gesetzt werden, dass die Ministerien einmelden, jene Vorschriften, die tatsächlich EU-Regelungen übererfüllen. Der zweite Punkt ist der, dass im ersten Halbjahr das Deregulierungsgesetz erlassen wird bzw. hinausgehen wird im Rahmen der Begutachtung, wo alle rechtlichen Vorschriften aufgehoben werden, die vom 1.1.2000 eben kundgemacht worden sind und gleichzeitig dargelegt wird, welches soll noch in Kraft bleiben. Und darüber werden Schritte gesetzt in Richtung einer Kompetenzbereinigung, einer Strukturbereinigung, Abschaffung des Blockadegebotes. Das sind alles Maßnahmen, die im ersten Halbjahr entweder bereits in Begutachtung gehen bzw. bereits beschlossen werden sollen.

LOU LORENZ-DITTLBACHER
Herr Minister Moser, vielen Dank für das Gespräch. Guten Abend nach Leibnitz.

JOSEF MOSER
Es hat mich sehr gefreut, wiedersehen.

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