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Montag, 6. November 2017
Quelle: oe1.orf.at
Transkriptstatus: Montag, 6. November 2017
Bildquelle (Header): oe1.orf.at


Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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ANDREA MAIWALD
Er ist – zwei Tage nach seinem Rückzug – bei uns im Studio. Guten Morgen.

PETER PILZ
Guten Morgen.

ANDREA MAIWALD
Herr Pilz, war es ein Fehler – mit diesen Vorwürfen im Gepäck – einen politischen Neustart zu versuchen?

PETER PILZ
Nein, überhaupt nicht. Die Vorwürfe aus dem Grünen Klub habe ich gekannt. Da handelt es sich um Falschbehauptungen, um Konstruktionen und um glatte Lügen. Ich habe damals detailliert darüber Tagebuch geführt. Über jeden Tag, über jede Stunde, über jede Minute. Das werde ich jetzt veröffentlichen. Weil es mir wirklich reicht. Und darin wird die Rolle von Eva Glawischnig, von Dieter Brosz und von einem Referenten im Detail beschrieben. Und dann werden Sie sehen: Mit dieser Sache bin ich schnell fertig.

ANDREA MAIWALD
Das haben Sie schon am Samstag gesagt. Aber hätten Sie nicht damit rechnen müssen, dass Sie früher oder später… dass da noch was rauskommt?

PETER PILZ
Nein, mit Sicherheit nicht. Weil ich in meinem ganzen Leben Frauen nie sexuell belästigt habe. Das immer verabscheut habe. Ich bin mir auch sicher, dass das in diesem Fall in Tirol nicht passiert ist. Aber ich brauche einige Zeit um das Ganze in Tirol zu rekonstruieren. Und ich weiß heute schon einiges mehr, als ich am Samstag gewusst hatte. Am Samstag hatte ich eine Stunde um zu reagieren. In dieser Stunde habe ich mir gedacht: So, mir reicht es überhaupt. Mir reicht es, wie hier versucht wird, eine neue Liste kaputt zu machen. Mir reicht es, auf eine Stufe mit dem Vergewaltiger Weinstein gestellt zu werden. Ich bin mir nicht der geringsten Schuld bewusst. Nicht der geringsten. Und wenn Sie gesagt haben Rückzug, dann sage ich Ihnen eines in aller Deutlichkeit: Denjenigen – und die Spuren führen zumindest in zwei Parteien, das habe ich übers Wochenende recherchiert… Denjenigen, die mich und meine Liste kaputt machen wollen, weil Sie keine Opposition gegen schwarz-blau und keine Konkurrenz haben wollen… denen schreibe ich ins Stammbuch: ‚Ich ziehe mich nicht aus der Politik zurück. Mit Sicherheit nicht.‘

ANDREA MAIWALD
Das ist also jetzt der Rückzug vom Rückzug?

PETER PILZ
Nein. Ich werde mich bis Mittwoch entscheiden, wie ich mit meinem Mandat umgehe. Aber ich weiß heute viel mehr, als ich am Samstag gewusst habe. Ich weiß heute viel mehr, was hier politisch passiert ist. Ich weiß heute viel mehr, wie und wer hier Vorwürfe konstruiert hat. Ich werde das alles in den nächsten Tagen veröffentlichen. Aber eines – glauben Sie mir das. Diesen Anschlag, diesen politisch motivierten Anschlag auf meine eigene Liste, auf eine neue Liste im Parlament und diesen Versuch, mich politisch zu zerstören… den werde ich nicht akzeptieren. Und ab heute… Ab heute beginne ich mich nicht nur dagegen zur Wehr zu setzen, sondern alles mit meinem Mitteln der Recherche aufzuklären.

ANDREA MAIWALD
Herr Pilz, Sie sagen, Sie lassen also offen, ob Sie jetzt auf Ihr Mandat verzichten. Und Sie sagen, Sie haben niemals eine Frau sexuell belästigt. Da gibt es allerdings noch diesen zweiten Fall aus Alpbach. Vor Zeugen, die sagen, dass Sie Ihre Hände überall gehabt hätten. Sie selbst haben das als schwerwiegenden Vorwurf bezeichnet. Was ist jetzt wahr?

PETER PILZ
Ich versuche das auch wirklich zu klären. Und ich habe öffentlich gesagt, dass ich mich an diesen Fall nicht erinnern kann. Inzwischen ist es mir gelungen, fast den gesamten Abend zu rekonstruieren. Und ich weiß viel mehr. Ich werde da möglicherweise auch noch ein paar Tage brauchen um zu erfahren, warum ein Kandidat auf der Nationalratswahlliste der SPÖ hier eine zentrale Rolle gespielt hat. Ich werde auch andere politische Hintergründe versuchen herauszubringe. Und, Frau Maiwald, ich werde erst am Mittwoch endgültig darüber entscheiden, in welcher Form ich in der Liste Pilz weiter politisch arbeiten werde.

ANDREA MAIWALD
Also, Sie sagen, die Zeugen lügen?

PETER PILZ
Nein, das sage ich noch nicht. Weil das ist viel zu früh. Sondern, ich versuche jetzt zu klären, was da wirklich passiert ist. Und in dem Moment, wo zu einem bestimmten Zeitpunkt Leute, die selbst beim Nationalrat kandidiert haben öffentlich auftreten – nicht vier Jahre zuvor -, sondern jetzt auftreten und versuchen, meinen Rücktritt zu erzwingen, da stelle ich einfach ein paar Fragen. Wissen Sie, mein Problem bei dem Ganzen ist – und das sage ich Ihnen auch ganz offen. Ich nehme Vorwürfe dieser Art sehr ernst. Und ich respektiere auch das Recht von Frauen gegen jede Art von sexueller Belästigung vorzugehen. Ich habe das immer unterstützt. Ich habe auch einiges dazu in meiner Pressekonferenz gesagt…

ANDREA MAIWALD
Aber der Rücktritt… Der Rücktritt ist vorschnell gewesen? Das sagen Sie jetzt auch.

PETER PILZ
Na…

ANDREA MAIWALD
Herr Pilz, Sie haben gesagt, Sie sind dagegen, das gesamte Leben von politischer Korrektheit dominiert wird. Gilt das auch für Ihren Umgang mit Frauen?

PETER PILZ
Es gibt eine Grenze. Und diese Grenze haben wir gerade als Grüne eindeutig beschrieben. Dort, wo es wirklich um sexuelle Belästigung geht, da ist eine Grenze überschritten. Na selbstverständlich. Das muss man in jedem einzelnen Fall sehr genau prüfen. Ich war selbst immer dafür, diese Grenzen zu ziehen. So. Und ich kann Ihnen jetzt…

ANDREA MAIWALD
Aber schließen Sie aus, dass Sie diese Grenzen überschritten haben?

PETER PILZ
Ich bin mir sicher, dass ich solche Grenzen in meinem ganzen persönlichen Leben noch nie überschritten habe. Mein Problem ist nur, dass ich derzeit das Gegenteil in diesem einen Fall nicht beweisen kann.

ANDREA MAIWALD
Also eine neue Argumentation von PETER PILZ. Oder zumindest eine erweiterte. Auch im zweiten Fall jetzt Zweifel, die Sie anmelden.

PETER PILZ
Nein, entschuldigen Sie, das ist keine neue Argumentation. Sondern, das ist ein Wahrnehmen meines Rechts draufzukommen, was hier wirklich passiert ist. Und seit ich – und das weiß ich erst seit einem Tag – nicht nur Hinweise, sondern auch Beweise habe, dass hier ein politisches Spiel gespielt wird, habe ich das Recht, meine Liste davor zu schützen. Da geht es nicht um mich. Da geht es um einen Neustart einer politischen Fraktion, die – und das sage ich aus heutiger Sicht – wahrscheinlich ohne mich im Nationalrat starten wird. Wahrscheinlich ohne mich im Nationalrat starten wird. Aber ich habe die Aufgabe, diesen Neustart zu ermöglichen. Und ich werde meine Liste schützen gegen jeden politisch motivierten Angriff von Seiten einer anderen Partei, weil hunderttausende Wählerinnen und Wähler uns vertrauen, dass es eine neue Opposition im Nationalrat gibt. Und um dieses Vertrauen werde ich rechtfertigen.

ANDREA MAIWALD
Und, wenn ich Sie richtig verstanden habe, wird dann am Mittwoch endgültig entschieden, ob dieser politische Neustart wirklich ohne Sie passiert. Noch ist das nicht…

PETER PILZ
Ich gehe davon aus, dass das ohne mich stattfinden.

ANDREA MAIWALD
Ja.

PETER PILZ
Aber ich möchte jetzt noch einiges klären. Und erst am Mittwoch eine endgültige Entscheidung treffen. Die Liste wird auch ohne mich gut starten. Ich habe daran nicht die geringsten Zweifel. Aber ich nehme mir das Recht, alles aufzuklären, auch wenn das einigen Parteien nicht recht ist.

ANDREA MAIWALD
Peter Pilz, Danke fürs Kommen. Wir sind gespannt auf Mittwoch.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.