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Auf Basis der SORA-Hochrechnung (15.10.2017, inkl. Wahlzettel) vergleiche ich wie immer nach der Wahl die Prognosen mit dem Ergebnis. Allerdings werden dabei nicht alle der 48 Wahlumfragen zur Natinoalratswahl analysiert, sondern nur die Umfragen der letzten zwei Wochen. In diesem Zeitraum ist es noch eingermaßen seriös, die Umfragen mit dem Ergebnis zu vergleichen.

Wichtig ist, dass Umfragen einen Trend zum jeweiligen Zeitraum der Veröffentlichung prognostizieren – nicht jedoch das Wahlergebnis. Da es allerdings sehr oft heißt: Wahlumfragen liegen daneben, tritt neuwal den Gegenvergleich an und checkt, wie Wahlumfragen im Vergleich zum Ergebnis abgeschnitten haben. Generell lässt sich vorweg sagen: Es gibt keine Wahlumfragen die präziser sind als jene bei Nationalratswahlen. Das hat sich auch diesmal wieder kräftig bestätigt.

Zur Analyse stehen diesmal acht Umfragen von 6 Instituten:

  • 3 Research Affairs/ÖSTERREICH
  • 1 OGM/Kurier
  • 1 Market/Der Standard
  • 1 Spectra/OÖN
  • 1 Matzka/News
  • 1 Unique Research/Heute

Methode

Die Methode der Analyse ist ganz einfach: Jedes einzelne Umfrageergebnis wird mit dem Ergebnis in der Hochrechnung verglichen. Daraus ergibt sich pro Wert eine Abweichung. Die absoluten Werte dieser Abweichungen werden pro Wahlumfragen summiert und bilden die Gesamtabweichung. Diese Gesamtabweichung dient nun als Vergleichswert zwischen allen Umfragen. Je niedriger dieser Wert ist, desto näher ist die Prognose beim Ergebnis.

Weiters wird bei jeder Abweichung noch farblich hervorgehoben, ob der prognostizierte Wert innerhalb der Schwankungsbreite liegt oder nicht: grün eingefärbt heißt ‚Umfragewert liegt innerhalb der Schwankungsbreite zum Ergebnis‘ und rot eingefärbt bedeutet ‚Umfragewert liegt außerhalb‘.

Analyse
Nach dieser Methode ergibt sich nun ein Bild, das ich in neun Punkten kurz beschreiben möchte:

  1. Der Großteil der analysierten Umfragen war in Ordnung. OGM/Kurier, Unique Research/Heute, Matzka/News waren sehr präzise. Research Affairs/ÖSTERREICH weniger präzise.
  2. Fellnerismus funktioniert mit Wahlumfragen nicht: Umfragen von Research Affairs pushten SPÖ zu sehr nach unten.
  3. ÖVP (31.6) wurde in Umfragen allgemein höher bewwertet (33-34)
  4. SPÖ (26.9) wurden generell zu niedrig bewertet (22-27)
  5. FPÖ (26) wurde präzise bewertet (25-27)
  6. NEOS wurde in meisten Umfragen „drinnen“ gesehen
  7. Knappes Rennen bei Grüne und PILZ wurde prognosziert
  8. 83 Prozent der einzelnen Prognosewerte lagen innerhalb der Schwankungsbreite
  9. Online-Umfragen unpräzise


1. OGM/Kurier, Unique Research/Heute, Matzka/News sehr präzise
Zunächst wurde die Reihenfolge der Parteien in den Prognosen verglichen. Dabei viel auf, dass jeweils drei Institute entweder die SPÖ oder die FPÖ an zweiter Stelle bewerteten. Auffallend dabei ist, dass Research Affairs/ÖSTERREICH den Abstand zwischen FPÖ an zweiter und SPÖ an dritter Stelle bis zu einem Unterschied von fünf Prozentpunkten bewertete – zuletzt am 9. Okt. mit vier. Das zeigt im Vergleich zum Ergebnis eine ziemlich große Differenz.

Institute, die SPÖ vor FPÖ prognistizierten
OGM/Kurier
Matzka/News
Unique Research/Heute

Institute, die FPÖ vor SPÖ prognistizierten
Research Affairs/ÖSTERREICH
Market/Der Standard
Spectra/OÖN

Das zeigt in der Gesamtanalyse auch, dass OGM, Unique Research und Matzka nicht nur in der Reihenfolge der ersten drei Parteien, sondern auch mit ihren Gesamtprognosen sehr präzise lagen. Research Affairs, Spectra und Market liegen in diesem Vergleich etwas abgeschlagen, wenn auch die Abweichungswerte gar nicht so schlecht sind.

Datum Institut Umfrage n Abw.
08.10.2017 OGM Kurier 1.002/Tel. 3.2
29.09.2017 Matzka News 800/Tel. und Online 4
29.09.2017 Unique Research Heute 1.500/Tel. und Online 5.2
01.10.2017 Research Affairs ÖSTERREICH 600/Online 6.8
06.10.2017 Market Der Standard 813/Tel. und Online 10
09.10.2017 Research Affairs ÖSTERREICH 1000/Online 10.2
05.10.2017 Research Affairs ÖSTERREICH 600/Online 10.8
30.09.2017 Spectra OÖN 900/Face-to-Face 12

Übrigens: Die Umfragen von OGM und Matzka schafften es ins All-Time-Ranking von neuwal auf Platz 1 und 2. Unique Research immerhin auf Platz 9.

2. Fellnerismus funktioniert mit Wahlumfragen nicht
Research Affairs publizierte im Auftrag von ÖSTERREICH mit 16 von 48 die meisten Wahlumfragen zur Nationalratswahl. Bei diesen Umfragen ist aufgefallen, dass die SPÖ stets am dritten Platz und oft mit sehr großem Rückstand zur FPÖ prognostiziert wurde – teilweise mit bis zu fünf Prozentpunkten Rückstand. Damit unterschieden sich diese Umfrage sehr eindeutig von den meisten anderen. Lediglich Spectra/OÖN hatte den selben Abstand und Vorsprung bei FPÖ/SPÖ zu verzeichnen.

3. ÖVP wird in Umfragen zu hoch bewertet
Umfragen rechneten die ÖVP auf 32-34 Prozent hoch und lagen somit – auch seit Mai – leicht höher als letztlich im Ergebnis. Allerdings: Nur einmal lag der Prognosewert leicht außerhalb der Schwankungsbreite im Vergleich zum Ergebnis.

4. SPÖ wurde generell zu niedrig bewertet
Die SPÖ wurde wie gesagt von Instituten entweder an zweiter oder an dritter Stelle prognostiziert. Jene Institute, die die SPÖ auf Platz zwei bewerteten lagen mit der Einschätzung ziemlich korrekt (26-27). Jene Institute, die die SPÖ am dritten Platz prognostizierten – und das war letztlich die Mehrheit an Umfragen – sahen die SPÖ zwischen 22 und 24 Prozent. Was noch auffiel: Viermal lag der Prognosewert außerhalb der Schwankungsbreite im Vergleich zum Ergebnis.

5. FPÖ Ergebnis präzise
Mit 25-27 Prozent wurde das Ergebnis der FPÖ (26) sehr präzise hochgerechnet.

6. Kleinparteien: NEOS drinnen
Der Trend in den Umfragen war auch bei NEOS korrekt: Die Partei wurde in allen Trends innerhalb der Mandatsränge gesehen. Auch wenn sie mit vier Prozent bewertet wurden wurde dazu kommentiert, dass sie ziemlich sicher „reinkommen“. Hier stimmte die Prognose und Analyse der Institute.

7. Kleinparteien: GRÜNE/PILZ unsicher
Rest sicher war man sich auch bei der Prognose was GRÜNE und PILZ betrifft. Nämlich, dass die Mandatsränge nicht einfach zu erreichen sind. Dass die Grünen ein Wackelkandidat sind und zu Gunsten Peter Pilz ins Parlament kommen zeichnete sich indirekt in den Zahlen und deren Analyse von Meinungsforschern ab.

8. 83 Prozent der einzelnen Prognosewerte lagen innerhalb der Schwankungsbreite

83 Prozent aller Wahlumfragen liegen innerhalb der Schwankungsbreite. Dieser Wert, den ich mal vor einigen Monaten berechnet hatte, trifft auch bei dieser Wahlumfrage zu.

Datum Institut Umfrage innerhalb außerhalb
08.10.2017 OGM Kurier 6 0
29.09.2017 Matzka News 6 0
29.09.2017 Unique Research Heute 5 1
05.10.2017 Research Affairs ÖSTERREICH 5 1
01.10.2017 Research Affairs ÖSTERREICH 5 1
30.09.2017 Spectra OÖN 5 1
06.10.2017 Market Der Standard 4 2
09.10.2017 Research Affairs ÖSTERREICH 4 2

9. Online-Umfragen unpräzise
Beim Methodenvergleich stellt sich heraus, dass reine Online-Umfragen bei der Nationalratswahl zu unpräzise und Mixed-Mode (Tel./Online) in Kombination bzw. Tel. alleine präzise waren. Das zeigt sich im Ergebnis bei Research Affairs, die reine Online-Umfragen generieren. Matzka und Unique Research setzen auf Mixed-Mode. Spannend ist auch, dass Spectra mit Face-to-Face nicht präzise lag. Vielleicht liegt das daran, dass hier eine ausgewählte Zielgruppe aus Oberösterreich befragt wurde – Spectra kommt aus Oberösterreich, was das Ergebnis der Prognose erklären würde.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.
  • Franzjosef0815

    Wie ist es zu erklären, dass weder Meinungsraum noch Gallup dieses Mal keine einzige Umfrage veröffentlicht haben?
    Ich bin sehr verwundert, da ich selbst so oft an Umfrage dieser Meinungsinstitute teilnahm.
    Es wirft den Gedanken auf ob gewisse Umfrageinstitute bevorzugt wurden.
    Und es ist seltsam, wenn ein Institut,dass bis zur Bundespräsidentenwahl Umfragen veröffentlichte dies auf einmal nicht mehr macht. Wenn es wenigstens eine Begründung gäbe.
    Hat es vielleicht damit zu tun, dass Gallup zum Karmasin Insitut gehört?
    Dennoch wundert mich, dass meinungsraum keine mehr gemacht hat anders als z.b. 2013.