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Das ORF-Wirtschaftsmagazin ECO sendete am Donnerstag, 08.06.2017 in ORF2 einen Beitrag zum Thema „Gefragte Umfragen: wie Meinungsforscher mit Parteien und Firmen verdienen“. neuwal.com ist mit einigen Beoachtungen und Analysen mit an Board. Denn die regelmäßige Analyse und das Aggregieren von Umfragedaten zählt seit vielen Jahren zu einem Hauptservice von neuwal.com. Das Ziel ist dabei klar: ‚Mehr Qualität und Transparenz bei Wahlumfragen‘ zu erreichen. Und damit ist neuwal auf einem wirklich guten Weg, denn viele Meinungsinstitute folgen dem Ruf nach guter Qualität bei Umfragen.

» Hier zum Nachsehen in der tvthek.orf.at

Im Beitrag geht es um Wahlumfragen im Allgemeinen: Wer sind die Meinungsforschungsinstitute, wer publiziert wo, wie treffsicher sind Umfragen, etc. Dazu hat mich ECO-Redakteur Hans Wu mit seinem Kamerateam in meinem Office im IMPACT HUB Vienna in der Lindengasse in Wien besucht. Danke für euer Interesse!

Gefragte Umfragen: wie Meinungsforscher mit Parteien und Firmen verdienen
In vier Monaten werden die Abgeordneten zum Nationalrat gewählt. Eine harte Zeit für die politischen Parteien, eine gute und lukrative Zeit für die Meinungsforscher. Ob Wählerstimmen, Kanzler-Frage oder Koalitionspräferenz. Die Parteien beauftragen die Institute um alles abzufragen, was die Stimmungen, die Trends und die möglichen Entwicklungen rechtzeitig erkennen lässt. ECO wirft einen Blick auf die Institute, die jetzt das Millionengeschäft machen. ECO zeigt aber auch, wovon die Meinungs-und Marktforschungsinstitute außerhalb von Wahlzeiten leben: von den Aufträgen der Unternehmen. Wobei ein Zusammenhang gegeben ist. Bei der Akquise von Kunden aus der Wirtschaft hilft den Instituten deren Bekanntheit aus den Wahlkampfzeiten. Bericht: Werner Jambor und Hans Wu.

Eine Sache, die ich aus dem Interview hervorheben möchte sind Qualitätskriterien bei Wahlumfragen. Und zwar: wie erkennen WählerInnen, ob es sich bei einer Wahlumfrage um eine qualitativ gute oder weniger gute Umfrage handelt. neuwal.com beurteilt Wahlumfragen an Hand der 13 VdMI-Qualitätskriterien. Hier gibt es nun einen Überblick in 5 Punkten, auf die man bei einer Wahlumfrage einen Blick werfen soll. Denn: nicht nur die Befragungsgröße entscheidet über die Qualität:

1. Methodik
Schaut auf die Methodik. Das heißt: Wie wurden die Personen befragt?

  • Die beste Option sind „Face-to-Face“-Interviews. Dabei steht das Institut in direktem Kontakt mit dem Befragten und kann im persönlichen Gespräch nachfragen und Stimmungen einholen.
  • Auch Telefon-Interviews bieten die Möglichkeit zum direkten Gespräch und Nachfragen und liefern gute Ergebnisse, auch wenn hier nicht die gesamte Zielgruppe erreicht wird.
  • Die Zielgruppe versucht man daher mit Hilfe von Online-Umfragen zu ergänzen.
  • Der Mix Telefon-Online ist gut – reine Online-Umfragen werden in Österreich qualitativ nicht akzeptiert.

2. Wortlaut der Frage
Wichtig ist die Fragestellung. Das heißt: Wie wurden die Personen befragt? Wie ist der Wortlaut der Fragestellung, wird eine Person in der Fragestellung explizit erwähnt?

Beispiel mit zwei unterschiedlichen Fragestellungen:

3. Schwankungsbreite/Befragungsgröße
Als Qualitätskriterium wird in Österreich vom VdMI die Mindestgröße von 800 Befragten definiert.
Allerdings ist die Befragungsgröße nur eine von vielen weiteren Kriterien. Denn: Auch eine reine Telefonumfrage mit 500 Befragten kann sehr gute Ergebnisse liefern, wenn Fragestellung und Methodik seriös durchgeführt wurden. Umfragen mit einer Umfragegröße von n=400 oder weniger sollten allerdings mit großer Vorsicht – oder eben gar nicht genossen – werden. Wesentlich dabei ist: Je höher die Befragungsgröße, desto niedriger die Schwankungsbreite.

4. Auftraggeber
Wer ist Auftraggeber einer Wahlumfrage?

  • In den meisten Fällen werden Meinungsforschungsinstitute von einem Medium im beauftragt: Institute liefern und Ergebnisse werden von Redakteuren interpretiert und analysiert.
  • Oft gibt es auch Umfragen im „Eigenauftrag“. Das sind Umfragen, die selbst vom Institut durchgeführt wurden und – auch kostenlos – an Medien weitergegeben werden.
  • Manchmal kommen auch Umfragen in Medien, die von Parteien in Auftrag gegeben worden sind. Hier gilt es kurz zu reflektieren, wieso genau diese Umfrage den Weg in ein Medium geschafft hat. Meistens werden Parteiumfragen nämlich geheim in den Parteizentralen analysiert und finden den Weg nicht in die Öffentlichkeit.

5. Details
Letztlich entscheidet das Gesamtbild einer Wahlumfrage, wie deren Qualität zu beurteilen ist. Entscheidend ist, wie viele Details zur Wahlumfrage transparent vorliegen. Denn, die Qualität entscheides sich aus einem Mix von vielen verschiedenen Kriterien:

  • Welches Institut hat die Umfrage hochgerechnet – wer hat die Befragung durchgeführt?
  • In welchem Zeitraum wurde die Umfrage durchgeführt? Liegt sie schon Monate zurück oder ist sie „brandheiß“?
  • Wie viele Personen wurden befragt – wie viele Personen haben tatsächlich geantwortet und sich „deklariert„?
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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.