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Freitag, 19.05.2017
Quelle: facebook.com/puls4news
Transkriptstatus: Samstag, 20.05.2017
Bildquelle: facebook.com/puls4news


Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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EINLEITUNG

Meine sehr geehrten Damen und Herren, herzlich willkommen. Wie Sie wissen, sind die Grünen heute bei einer Sitzung des erweiterten Bundesvorstands in Salzburg zusammengetreten. Das war erforderlich durch den Rücktritt von Eva Glawischnig. Wir haben heute in einer sehr, sehr konstruktiven Art und Weise eine Diskussion geführt, wie die Personalentscheidungen der Grünen in Zukunft aussehen werden. Und wir haben bei der Gelegenheit natürlich auch darüber diskutiert und gesprochen über die Leistungen von Eva Glawischnig, der wir noch einmal ganz, ganz herzlich danken wollen. Die Diskussion in der Folge hat ergeben, dass es einstimmige Beschlüsse gegeben hat, wie es mit dem Grünen-Personal weitergehen wird.

INGRID FELIPE

Ja, sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen und vielen herzlichen Dank auch für die Geduld, dass sie darauf gewartet haben. Wie lange es bei grünen Diskussionen dauern kann, wissen Sie vielleicht aus der Vergangenheit. Heute ist es für uns alle erfreulich flott und vor allem auch erfolgreich abgelaufen. Der Abschied von Eva Glawischnig gestern hat vermutlich Sie so ähnlich wie mich sehr tief betroffen gemacht und berührt. Und ich habe auch sehr gut nachgehört und nachgelesen, warum sie sich zu diesem Schritt entschieden hat. Und es hat sehr viel mit der großen Verantwortung, mit der großen Herausforderung und mit der großen Belastung zu tun, der man als Politikerin – als Politiker natürlich auch – dieser Tage ausgesetzt ist.

Und in den vergangenen Stunden wurde sehr viel darüber spekuliert, wer von den Grünen kann diese Herausforderung denn übernehmen? Wir haben, von der Ulrike Lunacek viel Positives gelesen auch über mich wurde viel Positives berichtet, auch über andere. Und die Frage war: Entweder – oder. Und ich freue mich, dass ich Ihnen sagen darf: Es gibt ein ‚Sowohl als auch‘. Und das ist meiner Meinung nach nicht nur eine gute Grüne Entscheidung, sondern es ist etwas was wir in unserer Gesellschaft wieder gelten lassen sollten. Das ’sowohl als auch‘ wird folgendermaßen ausschauen: Ich werde beim kommenden Bundeskongress mich persönlich als Bundessprecherin für die österreichischen Grünen zur Wahl stellen. Als Bundessprecherin werde ich die Verantwortung übernehmen, inhaltlich und strategisch in diesem Wahlkampf mitzuarbeiten, ihn federführend zu betreuen. Die Vernetzung innerhalb der Grünen zu stärken und zu schauen, dass wir die Vielfalt unserer breiten Bewegung darstellen können, präsentieren können. Die Breite und Vielfalt, die Buntheit unserer Bewegung zu zeigen ist notwendig in einer Zeit, wo sich alles in einen rechts driftenden Einheitsbrei vermischt.

Österreich hat es verdient, dass es eine starke Kraft, eine geschlossene Bewegung und eine Gemeinschaft gibt, die sagt: Wir stehen für Menschlichkeit, wir stehen für Solidarität, wir kämpfen um die Rechtsstaatlichkeit und um die Demokratie in diesem Land. Und das tun wir gemeinsam. Ich habe in den vergangenen Stunden auch sehr viel darüber nachgedacht, was meine Verantwortung in Tirol betrifft. Sie wissen, persönlich als Alleinerziehende eines 13jährigen, eines pubertierenden Burschen, der nicht zwingend die Mutter dauerhaft und schon gar nicht nach Wien entschuldigen möchte und auch in meiner Verantwortung als Landeshauptmann-Stellvertreterin von einem wunderbaren Land der Verpflichtung, die ich den Tirolerin und Tirolern gegenüber habe, in einer Regierung, die beispielhaft funktioniert. Deswegen habe ich gesagt: Ich kann als Parteisprecherin zur Verfügung stehen nicht jedoch als Spitzenkandidatin. Und da komme ich jetzt zu der Frau an meiner Seite, die gemeinsam mit mir in den kommenden Wochen und Monaten für die Grüne Bewegung stehen wird und sprechen wird.

Ulrike Lunacek ist eine Symbolfigur für Europa, für Gleichstellung, für Frauen, für starke Frauen in der Politik. Sie hat die Netzwerke in den europäischen Hauptstädten. Und wir brauchen die europäischen Hauptstädte um Europa aufrechtzuerhalten, um die europäische Idee weiter zu gestalten. Und deswegen freue ich mich sehr, dass der erweiterte Bundesvorstand soeben beschlossen hat, nicht nur meine Kandidatur als Parteisprecherin, sondern vor allem auch die Kandidatur von Ulrike Lunacek als Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl 2017 für die österreichischen Grünen zu empfehlen und vorzuschlagen.

ULRIKE LUNACEK

Danke liebe Ingrid für diese Worte der Einleitung. Ja, meine Damen und Herren, vor 48 Stunden war alles noch ganz anders. Und wir haben dann gestern am Vormittag die Abschiedsrede von Eva Glawischnig gehört. Für uns alle kam dieser Schritt in dieser Geschwindigkeit und auch in dieser Form völlig überraschend. Ich möchte hier an dieser Stelle – bevor ich zu dem anderen Thema komme – auch noch einmal Eva Glawischnig ganz, ganz herzlich danken: Für all das Engagement, den Mut, den Einsatz und auch die Freude am Arbeiten und die Erfolge, die Sie mit uns für uns Grüne in diesen letzten Jahren erreicht hat. Dafür gilt ihr wirklich ein ganz tolles großes Dankeschön.

Die Situation war dann so – und Sie haben das ja mitgekriegt, teilweise selber geschrieben -, dass ich eine jener war, die, von der es hieß, ich solle doch die Spitzenkandidatin machen. Für mich ist das – es kommt auch überraschend… Es ist kein einfacher Entschluss, es ist kein leichter. Aber das war es für uns alle in diesen letzten Stunden nicht. Die Diskussion die wir jetzt hier hatten, die war wirklich hervorragend. Und es gab unterschiedliche Stimmen, es gab unterschiedliche Optionen, die wir auch überlegt haben. Und wir kamen heraus mit einem wirklich einstimmigen Beschluss, mit großer Zustimmung – sie, die draußen gestanden sind, haben es vielleicht gehört, den Applaus und die Unterstützung, die mir auch am Schluss zukam. Und diese Entscheidung dieses ‚Sowohl als auch‘ zu tun. Nämlich mit Ingrid Felipe als Bundessprecherin und mir als Spitzenkandidatin. Zu der stehe ich hundert- oder hundertfünfzigprozentig. Ich freue mich auf einen spannenden Wahlkampf. Auf einen Wahlkampf, wo es um vieles geht: Für Österreich und für diese Europäische Union.

Was wir derzeit erleben – nicht nur in Österreich, sondern überall – ist, dass nicht nur die Parteien rechts und weit rechts der Mitte, die sind eh schon am rechten Rand… Aber auch Parteien, die bis vor einiger Zeit Mitte waren und sich als solche definiert haben… Dass die nach rechts abdriften – und das tun auch vor allem die Österreichische Volkspartei in der Form wie Sebastian Kurz, auch in der Vergangenheit Außen- und Europa- und auch Integrationspolitik gemacht hat, jetzt auch als Parteisprecher. Aber auch in der SPÖ gibt es hier Tendenzen und es ist überhaupt nicht klar, ob die SPÖ und einige und eventuell auch Bundeskanzler Kern doch liebäugelt, auch mit einer Variante mit der FPÖ in eine Regierung zu gehen. Und auch die Neos schließen das nicht aus. Wir Grüne – und mein Herz schlägt Grün, egal auf welcher Ebene. Wir Grüne sind die einzigen, die garantieren und mit dieser Anzeige gehe ich auch in diesen Wahlkampf, gehen wir gemeinsam in diesem Wahlkampf -, die garantieren, dass es mit uns keine FPÖ in der Regierung gibt. Denn das wäre nicht nur für Österreich fatal, sondern auch für die Europäische Union. Ich will kein Österreich, das Richtung Orbán abdriftet. Ich will ein Österreich, das für dieses gemeinsame Europa steht, für ein soziales Europa, für ein ökologisches. Für eines, wo Menschenrechte und Demokratie und Rechtsstaatlichkeit verankert sind ganz fest. Und wo die Bürgerinnen und Bürger auch wieder dran glauben, dass dieses gemeinsame Europa wirklich Sinn hat. Das ist etwas, wofür ich brenne und wofür ich auch diesen Wahlkampf führen will.

Ich freue mich auf diesen Wahlkampf. Ich mach – sage ich ganz offen – auch gerne Wahlkämpfe. Das werden jetzt spannende nächste fünf Monate. Und es wird auch eine spannende Auseinandersetzung sein mit den anderen drei, vier – drei vor allem, die hier von den anderen Parteien schon nominiert sind. Ich freue mich darauf, mit ihnen – also mit den Dreien – aber auch mit Ihnen spannende – also mit den anderen mache ich die Debatten, mit ihnen mache ich Pressekonferenzen oder Interviews.

Ich freue mich darauf und noch einmal: Diese tolle Unterstützung, die ich hier von den Grünen von den österreichischen Grünen bekomme, die stärkt mich. Die macht das – sage ich auch für die Grünen für die österreichischen Grünen – in einem Wahlkampf, wo wir viele Chancen haben. Wir sind die einzigen, die hier links, links der Mitte stehen und die hier klare soziale solidarische Politik machen. Auch was Menschenrechte betrifft, was Flüchtlinge, was Integration betrifft. Alle anderen driften ab. Wir stehen für Klarheit in Menschenrechtsfragen. Und ich selber stehe dafür, mit meiner eigenen Geschichte, mit meiner Arbeit, die ich seit mittlerweile 22 Jahren bei den Grünen mache und auch vorher in der Zivilgesellschaft. Ich stehe für Offenheit, für Weltoffenheit, für pro-europäisch. Durchaus auch mit Änderungen in der Europäischen Union, die stehen jetzt eh an mit Herrn Macron und wer immer in Deutschland gewählt wird. Da wird es Änderungen geben. Dafür stehe ich dafür möchte ich kämpfen. Dafür werde ich kämpfen. Gemeinsam mit den Grünen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.