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Donnerstag, 18.05.2017
Quelle: tvthek.orf.at
Transkriptstatus: Donnerstag, 18.05.2017
Bildquelle: tvthek.orf.at


Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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Einen schönen guten Vormittag.
Geschätzte Vertreter der Medien,
liebe Zuseherinnen und Zuseher im Live-Stream.

Danke für Ihr Interesse.

Ich habe Sie eingeladen zu einer persönlichen Erklärung. Ich glaube, das ist die dritte in zehn Tagen. Ich möchte die Öffentlichkeit und insbesondere die grünen Wählerinnen und Wähler aber auch meine vielen Parteifreundinnen und -freunde über eine persönliche Entscheidung informieren.

Ich bin seit 2008 Parteichefin der Grünen. Ich habe mein berufliches Leben als engagierte Umweltjuristin begonnen. Ich habe Atomkraftwerksbetreiber geklagt, ich bin als Aktivistin auf Baustellen gesessen und ich habe mich als junge Frau auch immer für Gleichstellung, Selbständigkeit von Frauen, für ihre Unabhängigkeit, für die Vereinbarkeit von Partnerschaft, Job, Kindern, ihre Sichtbarkeit in Politik und Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt. Ich habe dann als Quereinstiegerin in den Grünen meine politische Heimat gefunden und sehr rasch dann als Stellvertreterin von Alexander Van der Bellen…

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, diese Führung abzugeben.

Seit 1999 bin ich leidenschaftliche Parlamentarierin und Abgeordnete. Ich habe in all diesen Jahren zunächst als Nummer 2 hinter Alexander Van der Bellen drei Nationalratswahlkämpfe geführt und danach auch die Partei übernommen. Und als Kärntner Wirtshaustochter, die in ihrer Familie als erste ein Doktorat abschließen durfte, habe ich dann als Nationalratspräsidentin auch das Parlament als Ganzes vertreten dürfen. Das war für mich eine besondere Auszeichnung.

Und ein historischer Erfolg für mich, das war der Einzug der Kärntner Grünen in den Landtag. Das waren die letzten Landeswahlen, wo wir noch nicht im Landtag vertreten waren. Es gab dort eine Zehn-Prozent-Hürde. Ich habe damals meinen Wohnsitz von Wien nach Kärnten verlegt und Seite-an-Seite mit Rolf Holub in allen Wirtshäusern von Klagenfurt und Umgebung wahlgekämpft. Wir hatten sogar einmal fast eine Schlägerei. Aber dadurch wurde der Grundstein für die Ablöse der FPÖ gelegt und die HYPO-aufklärung konnte letztendlich beginnen. Das war übrigens das einzige Mal, wo mir Johannes Voggenhuber gratuliert hat. Also, nach diesem Einzug.

Als ich die Partei übernommen habe, gab es viele kritische Stimmen. Manche haben gesagt: Die Grünen werden ein Drittel der Wählerinnen und Wähler verlieren. Ja, manche haben gesagt: Ja, warum die. Es kam aber ganz anders. Wir haben als Team die erfolgreichste Phase der Grünen in Österreich und auch Europa beachtlich geschafft. Die 12.5. Prozent bei der Nationalratswahl, in Niederösterreich hatten wir ein Plus, in Kärnten plus sieben Prozent, in Tirol ein Plus, in Salzburg plus 12 Prozent. Die Nationalratswahlen, dann die Europa-Wahlen plus fünf Prozent, Vorarlberg plus sieben Prozent. Burgenland ein Plus, Steiermark ein Plus, Oberösterreich ein Plus. Die Regierungsbeteiligungen. Dann das Projekt ‚Van der Bellen in die Hofburg‘. Der erste grüne Präsident Europas. Das habe ich maßgeblich betrieben und unterstützt. Und wir haben gesehen, was alles geht und was alles möglich ist.

Es war immer mein Anspruch auch mutig zu sein. Die Grünen als Gestaltungskraft zu etablieren, zu sehen, an unsere Kinder zu denken. Für die Absicherung unserer Lebensgrundlagen, für Umweltschutz, für Klimaschutz, für Menschlichkeit, für eine Seriosität, für Respekt und vor allem für Respekt mit den Schwächsten.

Ich habe eine Entscheidung getroffen. Und es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung: Ich werde nicht mehr als Spitzenkandidatin für die Grünen zur Verfügung stehen. Ich werde alle meine Funktionen zurücklegen. Die Bundessprecherin, die Klubobfrau und auch mein Nationalratsmandat. Es gibt keinen bestimmten Anlass für diese Entscheidung. Sie ist gereift über eine längere Zeit. Natürlich ist es zugespitzt durch die Neuwahl-Situation Aber in aller Offenheit: Ich habe eine Familie, ich habe zwei wunderbare Kinder, zwei Söhne. Und es hat körperliche Warnsignale gegeben, die ich ernst nehmen muss. Ich habe gegenüber meiner Familie eine Verantwortung und meinen Kindern, dass ich gesund bleibe, dass ich in voller Gesundheit für sie da bin.

Als Mutter Gesundheit aufs Spiel zu setzen, den allergischen Schock, das Wissen, dass eine Spitzenfunktion in der Politik 24-Stunden-Verfügbarkeit Sieben-Tage-die-Woche bedeutet hat mich zu der Entscheidung bewogen, in der Zeit, wo sie mich eben noch ganz besonders brauchen, mich gegen dieses berufliche Engagement zu entscheiden.

Bei aller Freude – bis zum gestrigen Tag -, die mit der Politik gemacht hat und die Arbeit an der Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschen in Österreich.

Den Job eines Parteichefs, einer Parteichefin kann man nicht ewig machen. In Zeiten dieser medialen Zuspitzung reibt das jeden Menschen einfach auf. Und ich habe vier ÖVP-Chefs erlebt, überlebt. Ich habe drei SPÖ-Chefs erlebt. Nur Strache teilt mein Dienstalter. Und ich sage jetzt ganz ein bisschen spöttisch: Ich glaube, ich sehe noch nicht so alt aus, wie mein Dienstalter eigentlich sein sollte. Aber, eine kritische Anmerkung: Die politische und mediale Aggressivität hat wahnsinnig zugenommen. Und ich appelliere an uns in der politischen Branche aber auch an die Medienbranche, sich rückzubesinnen auf das, was wirklich relevant ist. Und nicht, was man dramaturgisch brutal überspitzen kann. Wo man Klicks, Quote und Aufmerksamkeit und WählerInnen-Ängste sozusagen mobilisieren kann. Und da hat auch die Politik in den letzten Jahren sicher selbst auch übers Ziel hinausgeschossen.

Ich appelliere an Social Media aktiven Menschen insbesondere Anstrengungen zu unternehmen gegen Hass und Aggression im Netz, die Debatten-Kultur zu verändern, zu verbreitern. Dass nicht der Hass das dominante Element im Netz bleibt.

Und ich werde daher alle meine Aktivitäten gegen Hass im Netz auch als Privatperson alle Musterklagen mit aller Kraft fortsetzen gegen Facebook und Co. Insbesondere dann, wenn es um verbal sexualisierte Gewalt gegen Frauen im Netz geht. Das werde ich persönlich mit aller Kraft weiterbetreiben.

Als überzeugte Parlamentarierin möchte ich noch eine Lanze für die parlamentarische Demokratie brechen und warnen vor dem Konzept und dem Wunsch vor dem sogenannten ’starken Mann‘. Ich möchte erinnern an Politikerinnen wie Barbara Prammer und Sabine Oberhauser, die für Lösungen und Sachlichkeit standen. Lösungen und Sachlichkeit im Vordergrund. Und nicht das Duell der Eitelkeiten und der persönliche Ehrgeiz.

Ich war sehr oft die einzige Frau in diesen politischen runden. Ich war auch die einzige frau unter den Parteichefs, unter den Klubobleuten in politischen Diskussionen. Und ich behaupte: Wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe, dann hätten wir auch eine andere politische Kultur.

Ich möchte mich bei Ihnen bedanken für Ihre korrekte und respektvolle und seriöse Berichterstattung. Ich sage aber auch, dass es in der Medienbranche einzelne Persönlichkeiten gibt, die die Republik regelrecht vergiften und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt damit gefährden. Die keinen Respekt vor der anderen Meinung haben, die journalistische Sorgfalten und Recherche vermissen lassen oder einfach zu tiefst sexistische Machos sind.

Ich möchte mich bei meinen politischen Mitbewerbern bedanken, für die Kooperation aber auch für die Auseinandersetzung. sie hat mich weitergebracht, sie hat mich gefordert.

Ich möchte mich bedanken bei Alexander Van der Bellen und seiner Doris. Ich möchte mich bedanken bei meinem engsten Team, bei meinen Geschäftsführern und Stellvertreterinnen. Bei Dieter Brosz, bei Robert Luschnig, bei Werner Kogler, bei Ingrid Filipe, bei Albert Steinhauser. Ich möchte mich bei meinem Büro bedanken, bei Barbara Wurzer. Ich möchte mich bei meinem Presseteam bedanken – stellvertretend bei Karin Strobl, Sebastian Wedl. Ich möchte mich bei allen Abgeordneten bedanken, beim Parteivorstand, bei den LandesrätInnen. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bundesbüro und im Club. Ganz herzlichen Dank für die viele, viele inhaltliche Arbeit. Den vielen AktivistInnen in den Gemeinden. Und ein ganz besonderes Dankeschön an Hansi Eitler von den ‚Grünen Andersrum‘. An Christian Noel, an Lothar Lockl, an Stefan Wallner und Martin Radjaby. Danke an meine Wählerinnen und Wähler, Danke an meine Söhne Benjamin und Sebastian und Danke an Volker.

So, wie geht es nun weiter?

Der Bundesvorstand wird morgen in Salzburg tagen. Es werden Entscheidungen getroffen werden in aller Verantwortung. Und wie geht es mit mir weiter? Mein Ziel ist es, die Ziele der Nachhaltigkeit aber auch die Sichtbarkeit von Frauen in der Gesellschaft was weiterzubringen. Zukunftssicherheit weiterzubringen. Und das wird jetzt mein letztes Statement in der politischen Öffentlichkeit fürs erste sein. Und ich bedanke mich bei Ihnen allen und wünsche Ihnen alles Gute. Und wir werden uns mit Sicherheit irgendwann im Leben noch einmal begegnen.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.