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GfK und AG Wahlen haben eine Sonntagsfrage für eine kommende Nationalratswahl in Österreich erstellt. 2.000 Personen wurden auf CATI-Methode befragt. Auf die Frage „Angenommen, am nächsten Sonntag wären Nationalratswahlen, welcher Partei würden Sie Ihre Stimme geben?“ gaben knapp 30 % die SPÖ an, die mittlerweile zum ersten Mal seit 25. April 2015 in einer öffentlich publizierten Wahlumfrage wieder an vorderster Stelle und somit vor der FPÖ liegt. Eine Trendwende?

Bei dieser Wahlumfrage handelt es sich um eine Umfrage, die im Auftrag einer Partei – in diesem Fall ist es die ÖVP – durchgeführt wurde. Bei der ÖVP ist es für gewöhnlich das Institut GfK, das die Feldanalyse durchführt und AG Wahlen mit Dr. Franz Sommer, der auf dieser GfK-Datenbasis eine Hochschätzung generiert.

Nicht immer schafft es eine parteiinterne Wahlumfrage in die breite Öffentlichkeit. In diesem Fall wurde sie in der Tiroler Tageszeitung am 7. April – mit wenigen zusätzlichen Details – publiziert. Ich habe bei GfK und bei Dr. Franz Sommer nachgefragt, wie diese Wahlumfrage einerseits qualitativ zu sehen ist und wie es eine parteiinterne Wahlumfrage denn schafft, in die breite Öffentlichkeit zu gelangen.

„Eigentlich sind es zwei Wahlumfragen, die im Erhebungszeitraum durchgeführt worden sind. Die Umfragen erstrecken sich über einen Zeitraum von knapp vier Wochen. Nämlich von Anfang März bis Anfang April. Am 4. oder 5. April wurde das letzte Interview und Anfang März das erste Interview gemacht“, so Dr. Sommer von AG Wahlen. Befragt wurden 2.000 Österreicher ab 16 Jahren, die wählen dürfen, 74-76 % davon – das sind 1.500 Personen – gaben Auskunft über ihr Wahlverhalten Bei dieser Wahlumfrage handelt es sich um eine Telefonumfrage mit entsprechender Quotierung aller Bundesländer, Alters- und Berufsgruppen. GfK greift hier mit dem sogenannten CATI-System auf Telefonnummern zu. „Es ist keine Online-Umfrage. Und vom soziodemografischen und regionalen Profil her ist sie repräsentativ im klassischen Sinn“, meint Dr. Sommer.

„Für uns sind diese großen Fallzahlen – wie die 2.000 Befragte in diesem Fall – nichts Ungewöhnliches“, so Sommer, der bei der Hochschätzung mit der ‚rollierenden Kumulierung‘ arbeitet. So bezeichnet er seine Methodik bei der Datenanalyse und Auswertung. Dabei werden ‚Zufälligkeiten‘ bei der Befragung herausgenommen und Trends glätten sich dadurch. „Eine Darstellung auf Basis von 500 Interviews macht wirklich wenig Sinn, weil da die statistischen Zufälligkeiten oft schon eine extrem große Rolle spielen“.

Bei der Hochschätzung schaut Dr. Sommer nicht so genau auf die Deklarationsquote: „Ich schaue auf die Übergangsmuster und all die Indikatoren, die wir für die Hochschätzung heranziehen. Wenn Sie nur auf die Deklarierten schauen, dann sehen sie nicht sehr viel. Da brauchen sie eben Erfahrungswerte um das entsprechend hochschätzen zu können. Dann gibt es natürlich noch ein paar Befragte, die sagen: ‚Ich weiß es nicht, ich bin unentschlossen. Und dann kommt die Nachfrage: ‚Auch, wenn Sie zurzeit unentschlossen sind, welche Partei käme am ehesten in Frage?‘ Und da deklarieren sich noch ein paar Prozentpunkte. Durch diese Filterfrage geht der Anteil der Deklarierten nochmals hinauf.“

Dr. Franz Sommer achtet darauf, dass bei der regionalen Verteilung eine Repräsentativität vorhanden ist: „Das ist eine systematische Zufallsstichprobe, ein klassischer Fall einer Repräsentativ-Umfrage. Das machen wir immer so. Es sind alle Alters- und Berufsgruppen entsprechend abgebildet. Und wenn es irgendwo zu Unschärfen kommt, wird es nachgewichtet, damit jede Gruppe mit dem tatsächlichen Gewicht in der Stichprobe vertreten ist. Es ist nicht so, dass von Vorarlberg mehr Interviews dabei sind wie von Wien. Es muss regional ganz exakt geschichtet werden. Die einzelnen Gemeindeklassen werden berücksichtigt. Es ist ein mehrstufiges Auswahlverfahren. Ich habe keinen Zweifel, dass das eine saubere Stichprobe ist.“

„Sie müssen schauen, was sich bei den sogenannten ‚Party-Shifters‘ tut. Also, den Befragten, die jetzt eine andere Partei wählen würden als bei der letzten Nationalratswahl 2013“, gibt Dr. Sommer Einblicke in seine Analysearbeit. „Durch diese Fragen haben wir die Möglichkeit zu schauen, wer wohin wandert und welche Tendenzen es gibt. Insbesondere auch im Zeitverlauf. Wo sich jetzt zum Beispiel, seit Hr. Faymann weg ist, eine deutliche Tendenz in Richtung SPÖ zeigt, die sich schön langsam etabliert.“

Diese Wahlumfrage ist deswegen von großem Interesse, da sie ein anderes Stimmungsbild als die in der Vorwoche veröffentlichten Wahlumfragen zeigt, in welcher die FPÖ nach wie vor vor der SPÖ liegt. „Das ist auch in unseren Daten so, nicht nur in den veröffentlichten Umfragedaten. Das ist das erste Mal – ich glaube seit zwei Jahren -, dass die SPÖ voran liegt. Es kann auch Zufall sein. Wobei ich nicht davon überzeugt bin, dass es jetzt eine Trendwende ist. Es kann sein, dass bei der nächsten Kumulierung in vier oder acht Wochen die SPÖ nicht auf Platz 1 liegt. Also, dass sich das wieder anders darstellt. Ich wäre auch vorsichtig jetzt – weil es sich das erste Mal zeigt. Von einer Trendwende kann man erst sprechen, wenn sich dieses Bild ein zweites oder drittes Mal bestätigt. Es kann sein, dass es irgendwelche Zufälligkeiten oder Sondereinflüsse bei dieser Umfrage gegeben hat, die wir nicht konstruieren können worauf eben dieses Ergebnis entstanden ist. Wenn man plötzlich die Abwanderer von der FPÖ sieht, dann frage ich mich: Warum soll das zum gegenwärtigen Zeitpunkt passieren? Also, da muss man auch den Hintergrund analysieren“, erläutert Sommer von AG Wahlen.

Ob Wahlumfragen, die im Auftrag einer Partei durchgeführt werden, einen Drall in eine Richtung haben? „Das ist in meinem Fall nicht so. Es ist noch nie verlangt worden, dass ich Umfragedaten fälsche oder so hinbiege, wie das jemand haben möchte. Ja, das würde das ganze ad absurdum führen“, so Sommer. „Es hat niemand gesagt, dass eine Partei schlechter oder besser abschneiden soll. Das ist für jeden nachvollziehbar.“

Wie es eine parteiinterne Wahlumfrage in die Öffentlichkeit schafft? Hintergrund und Motivation sind unklar. Ebenso wenig ist klar, was mit dieser Publikation genau bezweckt werden sollte. Eine Abstimmung über eine Publikation gibt es zwischen Auftraggeber und Partei nicht und liegt auch nicht im Verantwortungsbereich vom Institut.“

Weiter zur Wahlumfrage von GfK/AG Wahlen im Auftrag der ÖVP vom 07.04.2017

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