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Transkript vom ZIB2-Interview mit Norbert Hofer (BP-Kandidat, FPÖ) und Armin Wolf vom 16. November 2016.

Mittwoch, 16. November 2016
ORF
Transkriptstatus: Donnerstag, 17. November 2016
Quelle: tvthek.orf.at
Bildquelle: tvthek.orf.at (Screenshot)

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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ARMIN WOLF
Und Norbert Hofer ist jetzt – ohne seine Ehefrau – bei mir im Studio. Guten Abend, vielen Dank fürs Kommen.

NORBERT HOFER
Guten Abend.

ARMIN WOLF
Herr Hofer, als wir angekündigt haben, dass Sie heute kommen – und morgen Alexander Van der Bellen – [Mhm], haben uns etliche Zuseher geschrieben: Was will man da noch reden, ist doch eh schon alles gesagt in diesem [Mhm] ewigen Wahlkampf. Jetzt haben Sie aber letzte Woche in Tirol, am Martinstag, eine große programmatische Rede gehalten. Und da haben Sie einige interessante Sachen gesagt. Und ich habe mir gedacht, wir reden einfach über…

NORBERT HOFER
Gerne.

ARMIN WOLF
…diese Rede.

NORBERT HOFER
Ja.

ARMIN WOLF
Sie haben ja im Frühling immer wieder davon gesprochen, dass Sie die Regierung entlassen würden als [Mhm] Präsident, wenn nichts weitergeht. Im Herbst klang das wieder ganz anders. Aber letzte Woche in Tirol haben Sie folgendes gesagt.

EINSPIELUNG
Seit dieser großmundigen Ankündigung, dass sich jetzt alles ändern wird in Österreich, ist gar nichts passiert. Und deswegen sage ich der Bundesregierung: Entweder ihr kommt jetzt in die Gänge oder geht.

NORBERT HOFER
(lacht)

ARMIN WOLF
Ich nehme an, dass würden Sie als neu angelobter Bundespräsident der Regierung im Jänner auch so sagen? Aber wann sagen Sie ihr dann, ‚ihr seid nicht in die Gänge gekommen. Geht, ich entlasse euch.‘

NORBERT HOFER
Also, zunächst. Martinstag, das ist so etwas wie der politische Aschermittwoch. Wo man also schon nach… bisserl akzentuierter auftritt. Aber, es ist richtig. Ich habe sehr, sehr gehofft, dass dieser New Deal auch tatsächlich umgesetzt wird. Und bisher kamen nur ganz, ganz wenige Dinge, wie die Gewerbeordnung, die zum Teil reformiert worden ist. Und ich meine nicht, dass ich die Regierung erst entlasse, wenn ich Bundespräsident werde. Aber, das Gespräch, wo ich sage ‚bitte, macht jetzt oder macht den Weg frei für Neuwahlen‘, das werde ich schon führen.

ARMIN WOLF
Aber wann sagen Sie: ‚Ihr seid nicht in die Gänge gekommen, geht‘?

NORBERT HOFER
Wenn sich in den nächsten Monaten nichts mehr bewegt. Wenn weiter gestritten wird rund um die Mindestsicherung, rund um Reformmaßnahmen. Dann sage ich, bitte macht den Weg frei für Neuwahlen. Ich sage jetzt nicht, ich entlasse sie deswegen. Weil die Frage der Entlassung war eine – die hat das vorher auch betroffen mit diesem unkontrollierten Strömen von Menschen, die durch Österreich gezogen sind… Das würde ich nicht zulassen. Aber die Regierung muss jetzt wirklich arbeiten. Weil wir verlieren sehr viel Zeit.

ARMIN WOLF
Aber Sie könnten sich vorstellen, dass Sie noch vor dem Sommer die Regierung entlassen, wenn weiter gestritten wird?

NORBERT HOFER
Nein, das mache ich nicht. Nein, das mache ich nicht. Weil ich glaube, dass dieses inhaltliche Versagen nicht ausreicht, um eine Regierung zu entlassen. Ein Entlassungsgrund ist dann, wenn eine Regierung Maßnahmen setzt, die dem Land wirklich nachhaltig schaden. Die Regierung tut im Moment weder das eine noch das andere. Ich glaube immer noch sehr daran, dass es besser werden kann. Ich glaube auch, dass eine Wahl von mir, die Regierung vielleicht ein bisschen aufwecken könnte. Und ich hoffe sehr, dass endlich, ja, die Beschlüsse gefasst werden, die Österreich weiterbringen.

ARMIN WOLF
Über Beschlüsse haben Sie auch was gesagt letzte Woche. Nämlich über die Einsparungsvorschläge, die der Rechnungshof immer wieder macht. Hören wir uns das kurz an.

EINSPIELUNG
Der Rechnungshof berichtet im Parlament. Die Politiker nicken. Und es wird nicht umgesetzt. Das werde ich als Bundespräsident nicht zulassen. Vorschläge sind umzusetzen.

ARMIN WOLF
Jetzt ist das so gar nicht die Kompetenz des Bundespräsidenten. Sondern ausschließlich des Parlaments [Mhm]. ‚Ich werde das nicht zulassen‘, das klingt ein bisserl so nach ‚Sie werden sich noch wundern, was alles gehen wird‘.

NORBERT HOFER
Ich habe einen konkreten Vorschlag, wie man es machen kann. Und den werde ich mit großem Nachdruck auch verfolgen. Nämlich, dass es zwischen dem Rechnungshof einerseits und der Regierung auf der anderen Seite eine echte Schnittstelle gibt. Weil im Moment ist es wirklich so – die Vorschläge kommen… Ich habe schon viele Gespräche geführt mit Dr. Moser… Jetzt auch mit der neuen Präsidentin, die sehr engagiert ihre Arbeit aufgenommen hat. Diese Schnittstelle brauchen wir. Eine Stelle, wo wirklich kompetente Menschen sitze, die etwas von Projektplanung, Projektmanagement verstehen.

ARMIN WOLF
Aber…

NORBERT HOFER
Und wenn es ein neues Regierungsprogramm gibt, dann werde ich darauf drängen, dass genau das vorgesehen ist.

ARMIN WOLF
Aber, Sie sagen, Sie werden das vorschlagen. Da haben Sie gesagt, ’sie werden nicht zulassen, dass die Vorschläge nicht umgesetzt werden‘.

NORBERT HOFER
Ja, das werde ich auch nicht auf Dauer zulassen können. Und auch die Österreicher wollen das nicht zulassen. Immer nur zuzusehen, dass der Rechnungshof arbeitet und arbeitet und arbeitet und es passiert nichts. Also, ich werde da – wenn das nicht passiert – ich werde jetzt… Werden wieder fragen: ‚Werden Sie die Regierung entlassen?’…

ARMIN WOLF
Ja, ich muss das. Das ist die einzige Möglichkeit, die Sie haben.

NORBERT HOFER
Ich kann nicht bei jeder Gelegenheit die Regierung entlassen.

ARMIN WOLF
Aber das ist…

NORBERT HOFER
Das ist eine Ultima Ratio.

ARMIN WOLF
Aber das ist die einzige Möglichkeit, die der Bundespräsident hat in diesen Dingen.

NORBERT HOFER
Nein, er hat… er hat… Der Bundespräsident hat schon hohes Gewicht in Österreich. Und wenn der Bundespräsident etwas sagt, dann wird die Regierung nicht sagen: Das ist uns vollkommen egal, das schieben wir auf die Seite.

ARMIN WOLF
Das ist klar. Aber zwischen ‚danach drängen‘ oder ‚fordern‘ oder ‚verlangen‘ und ’nicht zulassen‘ ist ja ein Unterschied.

NORBERT HOFER
Ja, aber… Ich werde nicht bei jeder Gelegenheit die Regierung entlassen. Seien Sie versichert.

ARMIN WOLF
Würden Sie ja viele Regierungen brauchen. Kommen wir zu Ihrem Gegenkandidaten. Den haben Sie da in Tirol recht spöttisch kritisiert in Ihrer Rede. Unter anderem, weil er den Wahlkampf von Donald Trump kritisiert hat und – wie die aller meisten Politiker in der Wahl – von seiner Wahl sich schockiert gezeigt hat. Und da haben Sie über Van der Bellen folgendes gesagt:

EINSPIELUNG
Das ist ein Elefant im Porzellanladen. Er ist in Amerika nicht willkommen und in Russland auch nicht. Es bleibt nur mehr Birdland oder Minimundus. Wissts ihr, das ist das Problem.

ARMIN WOLF
Jetzt, ÖVP-Chef Mitterlehner sieht das offenbar ganz anders. [Ja] Der sagt jetzt nämlich auch öffentlich, dass er Van der Bellen wählt. Mit dem Argument, das Van der Bellen mehr internationale Reputation mitbringt [Mhm]. Sie und Ihre Parteifreunde sind eigentlich die einzigen, die das anders sehen.

NORBERT HOFER
Nein, ich sehe das nicht so. Bitte vergessen Sie auch nicht… Sie haben jetzt gebracht von mir einige sehr launige Aussagen. Dass Van der Bellen, bevor Trump gewählt worden ist, sehr, sehr harte Worte gefunden hat. Also ‚Hetzer‘ und so weiter und so fort. Und das Wahlergebnis als ‚Schock‘ bezeichnet hat. Und das ist natürlich, wenn 50.000 Arbeitsplätze von den Beziehungen mit den USA abhängen wirklich nicht förderlich. Auch seine Kontakte nach Russland sind nicht gut. China haben wir eine ähnliche Situation. Ich kann nur sagen, bei den Reisen, die ich unternehme, und bei den Politikern, die ich getroffen habe, in der Tschechischen Republik, in Serbien, in Slowenien und Kroatien, da sind diese Kontakte, die ich pflege, wirklich hervorragend.

ARMIN WOLF
Sie haben über Trump gesagt: ‚Sie würden ihm als Politiker die Schulnote 5 geben.‘ Und vor drei Wochen hat Ihr Parteichef Strache, der Bundeskanzler werden möchte – außenpolitisch auch ziemlich wichtig -, die deutsche Kanzlerin Merkel die gefährlichste Frau Europas genannt, die ‚davon gejagt gehört‘. Da hat man von Ihnen keinerlei Protest gehört.

NORBERT HOFER
Also, was Trump anbelangt… Diese Benotung kam von mir als Benotung des Wahlkampfes. Und der Wahlkampf war wirklich fürchterlich. Also ich bin froh, dass es so etwas in diesem Stil in Österreich nicht gibt.

ARMIN WOLF
Auch das hat Van der Bellen auch gesagt.

NORBERT HOFER
Auch der Umgang von Journalisten mit den Kandidaten. Ich weiß, dass auch Journalisten auch von Politikern kritisiert werden. aber das hat hier in Österreich ein ganz, ganz anderes Niveau, als wir das in den USA erlebt haben. Wo es sehr in den persönlichen Bereich hineingegangen ist. Aber, wahlberechtigt sind in Amerika die US-Bürger. Und daher muss ein Staatsmann auch vor einer Wahl ja wissen, dass man nie weiß, welcher Kandidat gewinnt. Und wenn man jetzt einen Kandidaten massiv angreift, dann kann es durchaus sein, dass man damit dem eigenen Land schadet. Und das war dieser Begriff ‚Elefant im Porzellanladen‘, den ich verwendet habe. Und der ist gar nicht so scharf, wie dass es Van der Bellen gestern gesagt hat. Ich glaube ‚Mordor‘, aus Herr der Ringe…

ARMIN WOLF
Gut, Herr Van der Bellen ist ja…

NORBERT HOFER
Das war wesentlich schärfer.

ARMIN WOLF
Van der Bellen ist ja morgen da. Ist Angela Merkel die gefährlichste Frau Europas und gehört davongejagt?

NORBERT HOFER
Angela Merkel hat in vielen Bereichen sehr gute Arbeit geleistet. Im Sektor der Flüchtlingspolitik hat Sie Europa wirklich schweren Schaden zugefügt und auch Österreich schweren Schaden zugefügt.

ARMIN WOLF
Aber Sie wissen, worauf ich mich beziehe. Auf diese Formulierung Ihres Parteichefs Strache, dessen Stellvertreter Sie ja sind, und den Sie zum Bundeskanzler angeloben wollen. Ist das eine vernünftige Formulierung. Oder ist das auch Elefant im Porzellanladen?

NORBERT HOFER
Ich kandidiere ja für die Wahl zum Bundespräsidenten. Und ich bin angehalten und es wird wichtig sein, dass ich auch den Kontakt nach Deutschland pflege. Ich weiß… Vielleicht ist Frau Merkel dann wiedergewählt. Ich sage, Sie hat schweren Schaden zugefügt. Wie gefährlich sie ist und ob sie wiedergewählt wird, das müssen die Menschen in Deutschland entscheiden.

ARMIN WOLF
Glauben Sie eigentlich auch, wie Herr Strache – Sie sind ja noch immer sein Stellvertreter in der Partei -, dass ein Bürgerkrieg in Österreich nicht unwahrscheinlich ist? Da haben Sie sich noch gar nicht geäußert zu dieser viel kritisierten Aussage.

NORBERT HOFER
Ich habe mir nach dieser Aussage ein bisschen angesehen, was in Deutschland darüber gesagt wird. Und da gab es auch Übungen der Bundeswehr, die sich genau mit dieser Frage beschäftigen. Wir wissen, dass es in Paris Vororte gibt, wo die Polizei nicht mehr hinfährt. Sie wissen auch, was in Paris alles passiert ist. Ich glaube nicht, dass es in den nächsten Jahren in Österreich zu einem Bürgerkrieg kommen kann. Ich glaube auch, dass die Politik klug genug ist, um Maßnahmen zu setzen, damit es auch in ferner Zukunft nicht mehr passieren kann. Aber, auch solche Entwicklungen sind nicht ausgeschlossen, wenn man nicht die richtigen Maßnahmen setzt.

ARMIN WOLF
Zurück zu Ihrer Rede in Tirol. Da haben Sie auch über Ihre Gegenkandidatin aus dem ersten Wahlgang, Frau Griss, gesprochen, die dann später Van der Bellen [Mhm] unterstützt hat. Und haben über Sie folgendes gesagt:

EINSPIELUNG
Die war völlig abgehoben. Eine völlig abgehobene Person. Und hat dann auch eine Wahlempfehlung für Van der Bellen abgegeben. Eine eigentlich Liberale für einen Kommunisten. Also eigentlich unglaublich.

ARMIN WOLF
Sie nennen Van der Bellen immer wieder einen Kommunisten. Warum machen Sie das?

NORBERT HOFER
Naja, bei Van der Bellen, die Geschichte kennen Sie. Seine Eltern sind von den Kommunisten geflohen ins Deutsche Reich. Er hat dann kommunistisch gewählt. Hat er auch selbst gesagt. Dann war er bei der SPÖ, hat sich dort geweigert den Mitgliedsbeitrag zu bezahlen – ist dort rausgeflogen -, war dann Grün und behauptet jetzt farblos zu sein. Ja. Und, dass Griss in diesem Wahlkampf wirklich jeglichen Kontakt zur Basis verloren hat und zum Wähler, dazu stehe ich. Ich habe selten jemanden erlebt, der in der Diskussion so weit weg ist von der Realität.

ARMIN WOLF
Bleiben wir noch kurz beim angeblichen Kommunisten Van der Bellen [Mhm]. Diese Wahl, von der er schon erzählt hat, die war, als er Anfang zwanzig war, bei einer Gemeinderatswahl in Innsbruck. [Mhm] Jetzt, in diesem Alter – mit Anfang zwanzig -, war Ihr Büroleiter, den Sie mit in die Hofburg, in die Präsidentschaftskanzlei nehmen möchten, rund um die Wehrsportgruppe des Neonazis Küssel aktiv. Nach Ihren Kriterien, wie Sie Van der Bellen beurteilen, wäre Ihr Büroleiter ein Neonazi.

NORBERT HOFER
Nein, denn Sie verwechseln jetzt Ihn mit seinem Bruder…

ARMIN WOLF
Nein, verwechsle ich nicht.

NORBERT HOFER
…der ja auch verurteilt worden ist. Und der seine Strafe abgesessen hat.

ARMIN WOLF
Genau, und er war auch in dieser Gruppe aktiv. Es gibt Fotos davon.
NORBERT HOFER

Es gibt, es gibt ja ein Foto… Es gibt keine Sippenhaftung in Österreich. Und meines…

ARMIN WOLF
Aber er war aktiv dort.

NORBERT HOFER
Ja aber trotzdem. Es gibt keine Sippenhaftung in Österreich.

ARMIN WOLF
Ich mache keine Sippenhaftung.

NORBERT HOFER
Und es gibt auch ein interessantes Buch vom ehemaligen Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, wo er genau diese Verbindungen Kommunismus, Peter Pilz, Van der Bellen auch aufzeigt. Und das kann man nicht wegwischen.

ARMIN WOLF
Herr Hofer, Sie weichen aus. Ich habe Sie nach Ihrem Büroleiter gefragt [Mhm]. Der war vor zwanzig Jahren, nicht vor fünfzig Jahren wie Van der Bellen bei einer Innsbrucker Gemeinderatswahl… vor zwanzig Jahren rund um eine Neonazi-Gruppe aktiv. Aber den würden Sie schon in die Präsidentschaftskanzlei mitnehmen?

NORBERT HOFER
Mein Büroleiter ist seit vielen Jahren als Mitarbeiter aktiv. Wird auch von den anderen Büros geschätzt. Hat es in seinem Leben überhaupt noch nie etwas zu Schulden kommen lassen.

ARMIN WOLF
Aber Van der Bellen auch nicht.

NORBERT HOFER
Wurde nie angeklagt, nie verurteilt. Vielleicht ein Strafzettel wegen Schnellfahrens… Und deswegen lasse ich auch nicht zu, dass er hier in ein Eck gestellt wird, wo er nicht hingehört.

ARMIN WOLF
Ist Van der Bellen heute noch Kommunist?

NORBERT HOFER
Aber Van der Bellen kandidiert für das Amt des Bundespräsidenten. Ja, ich weiß… Er sagt ja auch, er weiß nicht, ob er Freimaurer ist. Er sagt auch, er weiß nicht, ob er für oder gegen Zwentendorf gestimmt hat. Also, wenn er es nicht weiß, weiß ich es auch nicht.

ARMIN WOLF
OK. Jetzt sagen Sie ja immer wieder, auch in dieser Martini-Rede – Martins-Rede, tschuldigung – [Mhm], dass Sie der Präsident der normalen Leute sein wollen. Van der Bellen dagegen der sei der Kandidat der Schickeria und des Establishments. Jetzt, andererseits…

NORBERT HOFER
Spielen Sie nichts mehr ein jetzt?

ARMIN WOLF
Ah, na da kommt noch was… Aber jetzt nicht dazu… Andererseits sind Sie Berufspolitiker, seit sie 25 sind. Sie sind Nationalratspräsident – mit Chauffeur und Dienstwagen, wie es Ihnen auch zusteht – [Mhm]. Und, Sie sind sogenannter Ehrenritter im St. Georgs Orden [Mhm], einem sogenannten Ritter-Orden des Hauses Habsburg, auf dessen Homepage ganz prominent wörtlich steht, ich zitiere: ‚Der Orden ist elitär.‘ ‚Und als Mitgliedliste voller Grafen, Ex-Minister, sonstige Aristokraten, Exzellenzen und sonstiges. Mehr Establishment geht ja gar nicht mehr.

NORBERT HOFER
Hm. Naja, das muss Sie doch freuen. Weil es wurde immer wieder gesagt: NORBERT HOFER wird von diesen Kreisen nicht unterstützt. Ist offenbar doch der Fall. Aber ganz im Ernst: Warum ich das damals gesagt habe… Da ging es um die Hautevolee. Mein Mitbewerber hat das sehr stark unterstrichen. Nämlich, dass er unterstützt wird von den wichtigen Persönlichkeiten in Österreich und das bei mir nicht der Fall wäre. Ich habe mich da schon geärgert, habe diesen Ausdruck auch gebraucht… Hautvolle. Letztendlich und das wird das wesentliche sein… Haben wir auch in den USA gesehen, ist es bei Politikern so, dass dann, wenn sich diese Eliten von den Menschen entfernen, werden Eliten abgewählt. Und ich meine, diese Eliten, die sich von den Menschen entfernen… Also, die in einer Blase leben, eine völlig andere Sicht der Dinge haben, auch diese Probleme nicht verstehen. Das sind für mich diese abgehobenen Eliten, von denen ich spreche.

ARMIN WOLF
Ich möchte noch ein Thema aus Ihrer Rede von letzter Woche ansprechen. [Mhm] Sie haben da kritisiert, dass es oft heißt, wir würden in Österreich Zuwanderer für die Arbeit im Pflegebereich brauchen, aber…

EINSPIELUNG
Kennt Ihr einen Moslem, der im Pflegebereich arbeitet? Der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windel zu wechseln? Ich kenne das nicht.

ARMIN WOLF
Jetzt sagt die Caritas, alleine in Wien hätte sie 130 Muslime in der Pflege beschäftigt. Das Hilfswerk, die Volkshilfe, alle sagen: Wir haben muslimische Mitarbeiter in der Pflege. Und das sehe man doch bei jedem Krankenhausbesuch. Warum sagen Sie sowas?

NORBERT HOFER
Nein, das sieht man nicht bei jedem Krankenhausbesuch. Dem widerspreche ich. Ich habe ein Jahr meines Lebens in Kliniken verbracht. Und ich hatte kein einziges Mal Kontakt mit einer Pflegekraft aus diesem Bereich. Aber, ich habe das auch gelesen heute, diese Reaktion. Wir haben in Österreich 59.000… In den Krankenanstalten 59.000 Personen im gehobenen Dienst. Dazu kommen etwa 14.000 Pflegehilfskräfte. Ich freue mich, wenn auch einige, wenige Personen aus dem muslimischen Bereich in der Pflege tätig sind. Aber ich sage auch, ich möchte ehrlich sein, ich möchte nur eins sagen: Das sind mit Sicherheit liberale Muslime. Und ich bin dankbar, dass Sie diese Aufgabe machen. Im strenggläubigen Bereich darf… dürfen Sie dieser Frau nicht einmal die Hand geben. Sie dürfen nicht einmal arbeiten gehen. Und da ist es unmöglich, im Pflegebereich zu arbeiten. Also auch das muss man sehen.

ARMIN WOLF
Aber die Frage ist: Warum sagen Sie so etwas? Warum suggerieren Sie, es gibt in Österreich keine Muslime…

NORBERT HOFER
Weil es die Wahrheit ist. Ich habe hier gesagt, ich… ich kenne… ich…

ARMIN WOLF
…, die in der Pflege arbeiten, obwohl es viele hundert gibt laut Auskunft der Hilfsorganisationen.

NORBERT HOFER
Es gibt 75.000 Menschen, die nur in den Krankenanstalten arbeiten. In diesen Bereichen, da gibt es, ich weiß nicht, ein paar hundert… Gott sei Dank… Ich bin froh und ich bin jeder Frau dankbar, die das macht. Ich weiß, es sind vor allem Frauen aus Bosnien, die einen viel liberaleren Zugang haben. Aber ich habe noch keine Pflegekraft in einer Burka gesehen in einem Krankenhaus. Das wird es auch nicht geben.

ARMIN WOLF
Und es gibt überhaupt nicht so viele Menschen mit Burka in Österreich.

NORBERT HOFER
Es gibt genug Menschen… Wenn Sie durch Ottakring fahren, werden Sie viele Menschen in Burkas sehen und auch in anderen Bezirken in Wien.

ARMIN WOLF
Eine letzte Frage habe ich noch. Hoffen Sie auch, wie Frau Le Pen, auf Rückenwind durch Donald Trump?

NORBERT HOFER
Ich glaube eigentlich, dass die persönliche Wahlentscheidung nicht von einem Wahlausgang in einem anderen Land abhängt. Das ist mein Gefühl. Und mein Gefühl täuscht mich selten. Menschen werden ihre eigene Entscheidung treffen. Es wird auch nicht davon abhängen, ob jetzt da ein Herr Haselsteiner oder eine Frau Ederer oder sonst irgendjemand… Oder Herr Karas in einem Komitee tätig ist. Es wird jeder Österreicher und jede Österreicherin die Entscheidung treffen. Und am 4. Dezember werden wir sehen, wer dann der neue Präsident Österreichs ist.

ARMIN WOLF
Aber Sie sind ganz sicher, dass Sie gewinnen: ‚Ich werde das gewinnen‘ haben Sie in Tirol gesagt letzte Woche.

NORBERT HOFER
Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl. Ich glaube, ich werde das gewinnen und bin sehr optimistisch.

ARMIN WOLF
Herr Hofer, vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.

NORBERT HOFER
Danke, Dr. Wolf. Danke.

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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.