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Transkript vom Gespräch zwischen Heinz-Christian Strache (FPÖ Parteiobmann) und Lou Lorenz-Dittlbacher in der ZIB2/ORF vom 24. Oktober 2016.

Mittwoch, 26. Oktober 2016
ORF
Transkriptstatus: Mittwoch, 26. Oktober 2016
Quelle: tvthek.orf.at
Bildquelle: facebook.com/Bundeskanzleramt.at (Screenshot)

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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Liebe Rekrutinnen, liebe Rekruten,
geschätzte Angehörige,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
sehr geehrte Präsidentin des Nationalrats,
geschätzte Kollegen der österreichischen Bundesregierung und der öffentlichen Körperschaften,
sehr geehrter Herr Bundespräsident außer Dienst Heinz Fischer.

Der heutige Tag und dieser Platz ist ein besonderer Tag. Und es ist ein besonderer Tag in der Geschichte unseres Landes. Wie kein anderer – würde ich mal sagen – ist damit unsere Geschichte verbunden. Er ist heute – der Heldenplatz – ein Platz der Demokratie, der Freiheit, der Menschenwürde und er ist Platz friedlicher und demokratischer Versammlungen. Wir wissen, dass das nicht immer so war. Auf diesem Platz ist einst bewusst und dezidiert zu Krieg und zu Vernichtung aufgerufen worden. Aber heute gedenken wir hier der Befreiung Österreichs mit einem Fest der Freude. Der Nationalfeiertag erinnert uns an die Wiedererlangung der vollen staatlichen Souveränität nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist der Tag, an dem die große Erfolgsgeschichte des neuen Österreichs so richtig begann.

Und der Nationalfeiertag ist auch immer ein Tag, der uns daran erinnert, was uns ausmacht, was uns stark macht, wer wir sind. Wir, Österreich, ist kein Land, in dem der stärkere Ellenbogen zählt. Österreichs Erfolgsgeschichte wurde und wird in der Gemeinschaft geschrieben. Nicht von einem oder von ein paar wenig auserwählten. Sie ist das Ergebnis der Leistung von vielen.

Zwei Millionen Menschen sind in Österreich als Freiwillige in Vereinen und Organisationen tätig. Fragt man nach dem Grund, den die Freiwilligen für ihr unentgeltliches Engagement angeben, dann hört man oft: Ich möchte anderen helfen.

Gemeinsam mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und all jenen, die sich in den über 2.000 Gemeinden in unserem Land engagieren – für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen – tragen sie unsere Gemeinschaft. Dieses Engagement ist der schönste Beweis für ein Österreich-Bewusstsein, das uns weiterbringt.

Der frühere deutsche Bundespräsident Johannes Rau hat einmal über den Unterschied zwischen Patrioten und Nationalisten gesagt: ‚Die Nationalisten verachten andere Länder. Patrioten lieben ihr Land.‘ Patriotismus ist nicht Chauvinismus. Er definiert sich nicht durch das Gegeneinander, sondern er lebt vom Miteinander. Die Liebe zu unserem Land zeigen wir in Österreich durch Engagement. Wir wissen, weiterbringen werden wir Österreich nur, wenn wir zusammenhalten, wenn wir miteinander anpacken. In Österreich sind Patrioten die, die ihr Land gemeinsam vorwärtsbringen.

Die Polarisierung wirft uns zurück und die Spaltung gefährdet den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Und deshalb müssen wir sie gemeinsam überwinden. Wenn wir das nicht schaffen, aus der Mitte unserer Gesellschaft, dann haben Demagogen ein leichtes Spiel. Die Verrohung der Sprache ist ein Zeichen, dass wir mit Sorge sehen müssen. Denn der Weg von einer Gewalt der Worte zu einer Gewalt der Taten ist denkbar kurz.

Der Nationalfeiertag gibt uns die Gelegenheit kurz inne zu halten und zu erkennen, worum es wirklich geht. Wir müssen alle gemeinsam an einem rot-weiß-roten Strang ziehen. Durch ein kluges Miteinander mehr erreichen: Das ist der Grundgedanke, an dem Österreich auch im Rahmen der europäischen Integration sich engagiert.

Für uns ist es eine entscheidende Herausforderung seitens der Politik unseren Kindern die Chance zu geben, dass sie ihre Talente und Fähigkeiten voll entfalten können. Mit der Sicherheit eines starken sozialen Netzes, das da ist, wenn sie es brauchen um mit der Gewissheit, dass sich harte Arbeit auszahlt und dass sich Leistung auch tatsächlich lohnt. Dass muss auch die Botschaft des österreichischen Weges sein und dass ist auch ein guter Grundsatz für unsere Zukunft in Europa.

Liebe Rekrutinnen, liebe Rekruten.

Das Bundesheer dieser Zweiten Republik, unseres erfolgreichen, demokratischen Staates, wurde auf der Grundlage des vor 61 Jahren beschlossenen Neutralitätsgesetzes eingerichtet. Sie verteidigen und sie schützen unser Land. Das Bundesheer ist vor allem ein Modell für Solidarität innerhalb und außerhalb Österreichs. Es ist ein Kristallisationspunkt unserer Gemeinschaft. Wer mit dem Abzeichen des österreichischen Bundesheers auf der Uniform seinen Dienst tut, der bringt sein Land weiter. Beim Katastrophenschutz, bei der Sicherung unserer Grenzen, beim Einsatz im Ausland oder im Rahmen eines Mandates der Vereinten Nationen. Diese Leistung verdient jeden Respekt und sie ist ein Grund für Stolz: Ihren eigenen Stolz und den Stolz ihrer Angehörigen. Sie können sagen: Ja, ich wirke als Teil einer Friedensorganisation mit, die nicht nur Österreich sicher macht, sondern die auch ihren Beitrag zur Sicherheit in der ganzen Welt leistet. Für die Bundesregierung und die Republik Österreich bekenne ich mich zu einem starken Bundesheer, dass Sicherheit gibt, in einer Welt, die unruhiger geworden ist. Deshalb statten wir unser Heer auch mit den Mitteln aus, die es braucht, um seine Aufgaben zu erfüllen.

Sie, liebe Rekrutinnen und Rekruten, sind ein wichtiger Teil dieses österreichischen Heeres. Österreich sagt Ihnen Danke für Ihren Einsatz. Ihrer Generation gehört die Zukunft. Nehmen Sie aus Ihrem Wehrdienst den Grundgedanken der Gemeinschaft mit. Denn nach diesem Gedanken hat sich unser Land nach langen und schmerhaften Irrwegen zum Modellfall einer erfolgreichen demokratischen Nation entwickelt. Dieses Prinzip müssen wir gemeinsam hochhalten.

Danke.

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