Transkript zum Gespräch mit Frank Stronach (Team Stronach) bei Susanne Schnabl in den ORF-Sommergesprächen 2016 vom 25. Juli 2016.

Montag, 25. Juli 2016
ORF
Transkriptstatus: Dienstag, 26. Juli 2016, 00:50
Quelle: ORF TVthek
Bildquelle: tvthek.orf.at (Screenshot)

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflexion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

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neuwal Transkripte der ORF Sommergespräche 2016

Einen schönen Guten Abend und herzlich Willkommen bei den heurigen Sommergesprächen. Unser erster Gast ist heute der Parteigründer und Obmann des Team Stronach, Frank Stronach. Danke fürs Kommen und Guten Abend.

Frank Stronach: Guten Abend. Schön, hier zu sein. Und ich hoffe, es wird sehr interessant für die Zuseher.

Das hoffen wir alle, Herr Stronach. Bevor wir aber zu jenen Fragen kommen, die uns derzeit alle sehr bewegen: Terror, der Amoklauf in München, Attentate zuletzt in Deutschland. Herr Stronach, eine ganz grundsätzliche Frage an Sie. Denn Sie haben kürzlich Ihren endgültigen Rückzug aus der Politik bekannt gegeben. Und ich frage mich: Ist das somit hier Ihr letztes Fernseh-Interview als Politiker?

Als Politiker: kann sein, nicht. Also, bis zu den nächsten Wahlen wird es noch vielleicht Monate oder vielleicht Jahre noch gehen. Und ich hoffe, dass ich dann noch von Zeit zu Zeit hier sein kann. Aber ich habe bekannt gegeben, dass ich bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten werde. Und der Name „Stronach“ auch nicht mehr verwendet werden kann für politische Zwecke.

Jetzt ist das ja eine Frage dessen, wann wir wählen. Also, planmäßig wäre das 2018 der Fall. Aber, Herr Stronach, was dürfen wir uns bis dahin von Ihnen als Parteichef dann noch erwarten, wenn Sie mit Ihrer Partei oder zu Ihrer Partei jetzt so auf Distanz gehen.

Wir sind gewählt worden, nicht. Das Team Stronach. Und wir sind verpflichtet, dass wir das Beste geben bis zur nächsten Wahl.

Ja aber, was darf man sich von einem Parteichef erwarten, der dann ab und zu einmal aus Kanada nach Österreich kommt?

Ja, ich mache mir große Sorgen um Österreich. Österreich liegt mir sehr am Herzen. Und ich sehe Österreich vielleicht ein bisschen anders – von weiter Ferne. Und ich mache mir große Sorgen über Österreich. Und deshalb habe ich einen Sanierungsplan entwickelt, der vielleicht für Österreich sehr wichtig sein wird.

Einen Sanierungsplan, den Sie quasi in einer neu gegründeten Bewegung einbringen. Die heißt jetzt „Vision Österreich“.

Mhm. Genau.

Damit wir es aber richtig verstehen: Ihre Partei lassen Sie quasi fallen? Es gibt kein Geld mehr? Sie wollen auch nicht mehr, dass Ihr Name künftig verwendet wird…

Nein, nein, das stimmt nicht ganz so. Das stimmt nicht ganz so. Ich möchte hindeuten… Ich habe hier also… Unsere, die Abgeordneten, die haben eigentlich die meisten Stunden in Fragen und Antworten und so weiter. Also, die machen gute Arbeit. Die sind auf der Liste am höchsten oben von allen Parteien.

Das Team Stronach? Da muss ich Sie jetzt korrigieren. Nämlich, der Arbeitsbericht des Parlaments für das letzte Jahr: Da war das Team Stronach mit nur drei Anträgen eher das Schlusslicht.

Nein, das sind hier… Das sind lauter… Da wo das Team Stronach am weitesten vorne ist.

Aber, das heißt: Sie sind zufrieden mit Ihren Abgeordneten?

Ähm, ich glaube… Unter den Umständen machen die noch – was über ist – das Beste daraus. Und natürlich: Man ist manchmal anderer Ansicht wie Abgeordnete. Und das kann man nicht ändern. Denn, wenn jemand gewählt wird, dann haben die eine Stellung für fünf Jahre. So lange das Parlament sitzt.

Aber wie funktioniert das? Sind Sie in Kontakt. Also, rufen die Abgeordneten oder Ihr Klubobmann Robert Lugar in Kanada an und spricht mit Ihnen ab?

Ich… Von Zeit zu Zeit werde ich angerufen. Aber ich bin zwar ein bisschen enttäuscht über die ganze Zeit, nicht… Aber im Nachhinein hätte ich das sicherlich etwas anders machen sollen.

Wie denn, Herr Stronach?

Also, mein… Wie ich zurück nach Österreich gekommen bin sind viele Dinge vorgekommen, die für mich unverständlich waren. Ich habe eigentlich nur am Käfig etwas rütteln wollen. Die Leute aufwecken und sagen: „Pass auf, so kann es nicht weitergehen.“ Und habe mich eigentlich politische eigentlich gar nicht so einsetzen wollen, was ich gemacht habe.

„Am Käfig rütteln.“ Da zitiere ich Sie. Das ist das Stichwort. Denn lassen Sie uns einmal ein bisschen zurückblicken. Nämlich vor vier Jahren haben Sie das Team Stronach gegründet, um am politischen System Österreich zu rütteln, es umzukrempeln, wie Sie sagen. Aber beschäftigt war die Partei vorwiegend mit sich selbst. Und von den ursprünglich elf Abgeordneten sitzen jetzt nur noch sechs im Parlament, im Klub des Team Stronach. Und auch sonst muss man ganz ehrlich sagen, ist nicht vieles nach Plan verlaufen. Das wollen wir uns jetzt kurz ansehen.

[Einspielung]

Herr Stronach, eine Frage der Zeit: Zu welchem Zeitpunkt war Ihnen denn klar? Das wird nix mehr mit der Partei…

Noch einmal ganz kurz zu diesem Video.

Bitte.

Wir kriegen sehr viele Anrufe und Internet, wo viele vom ORF interviewt werden. Und sobald sie sich positiv äußern, kommt das nie hier rein.

Doch. Da habe ich eine Überraschung für Sie heute, Herr Stronach.

Wir, wir, wir könnten… Naja, aber, aber.

Herr Stronach. Herr Stronach?

Aber natürlich versucht er hin und wieder einmal ein kleines bisschen was reinzugeben. Im Großen und Ganzen ist es, sind es nur negative Berichte. Darf ich ganz kurz einmal sagen…

Darf ich nur ganz kurz etwas sagen nämlich. Weil Sie sagen „positiv“…

Darf ich aussprechen, wer ich bin?

Ja, Herr Stronach.

Weil die Leute wollen ja wissen, wer ich bin. Ich werde immer so her dargestellt… Faktum ist: Ich bin in Österreich geboren, nicht. Mit 21 ausgewandert. 200 Dollar in meiner Tasche gehabt. In einer kleinen Garage angefangen. Und ich habe einen Weltkonzern mit 135.000 Beschäftigten aufgebaut. 35 Milliarden Umsatz, keine Schulden. Und ich war in vielen Aufsichtsräten von Banken, Spitälern, Universitäten und so weiter… Sozialorganisation. Ich werde immer hier hergestellt…

Herr Stronach…

…als ob ich irgendwie nicht ganz bin.

Herr Stronach, Sie haben Weltkarriere gemacht.

Nein, aber Ihr stellt…

Das bestreitet ja niemand.

Pass auf. Ihr macht mich immer so schlecht. Also, wenn ich manchmal Leute treffe… und persönlich. Also: Sie sind so nett und wir haben uns das ganz anders vorgestellt. Was wir im Fernsehen sehen, das sind ganz negative Bemerkungen. Was habe ich gemacht?

Herr Stronach?

Ich habe nur investiert. Ungefähr 200 Millionen an Sozialspenden gegeben. Und alles, was ich sage, ist: So kann es nicht weitergehen.

Gut. Herr Stronach.

Wenn wir so weitermachen in Österreich.

Ja, darüber wollen wir ja sprechen. Aber, jetzt würde ich gerne sagen, dass Sie eine Weltkarriere mit Magna gemacht haben, das ist ja unbestritten. Nur in der Politik ist es offenbar nicht so gelaufen. Und, wissen Sie, was mich interessiert?

Ja?

Zu welchem Zeitpunkt, war Ihnen klar: Dass mit der Partei, das wird nix mehr? Deswegen sagen Sie ja: Ich trete bei der nächsten Wahl nicht mehr an.

Nein, da gibt es mehrere Punkte, nicht. Erstens habe ich ein gewisses Alter, obwohl ich mich sehr wohl fühle und sehr gesund bin. Aber es kommt eine Zeit, nicht, wo ich sage: Ich habe das gemacht, was ich machen sollte. Ich habe einen Samen gesät. Ich möchte den Leuten heute sagen, wie es um Österreich steht. Sehr sachlich, hat jetzt nicht mit Politik zu tun. Aber es ist… So kann es nicht weitergehen. Und deshalb möchte ich sachlich eine Bewegung in Bewegung bringen. Wo vielleicht viele von den verschiedensten Parteien zusammenkommen und sagen: So können wir… Die Politik kann die Probleme nicht lösen. Die Politik hat sich selbst gefangen im Laufe der Jahrzehnte. Und sie sind gelähmt.

Herr Stronach.

Die Politiker streiten nur.

Eine Bewegung statt einer Partei. Ist diese Bewegung quasi dann Ihr politisches Vermächtnis?

Nein, nein. Ich brauche kein Vermächtnis. Leute, die mich kennen, wissen, wer ich bin. Und, nein, ich mache mir trotzdem Sorgen über Österreich. Ich bin da geboren und da aufgewachsen. Und mein Gewissen sagt mir: Frank, tu was, nicht. Wenn wir darüber nachdenken, nicht…

Herr Stronach.

Darf ich ganz kurz?

Ja, wir… Also, ich verspreche Ihnen etwas.

Sie haben sehr viele Fragen hier. Ganz gute Fragen. Aber das wichtigste… Die wichtigste Frage ist nicht enthalten von Ihnen.

Die kommt ja erst.

Nein, das ist gar nicht erst einmal drinnen, die wichtigste Frage.

Sie wissen ja gar nicht, was meine Fragen sind.

Ja, aber das ist das Problem. Die wichtigste Frage ist die Wirtschaft.

Genau. Herr Stronach.

Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, dann funktioniert nichts.

Das dachte ich mir, dass das Ihr Lieblingsthema ist. Deswegen verspreche ich Ihnen jetzt folgendes. Wir sprechen heute über die Wirtschaft. Ausführlich. Aber jetzt sprechen wir kurz über die Partei. Und dann, was rund um uns in Österreich derzeit so passiert. Ich habe noch eine Frage. Klubobmann Lugar, der hat gesagt: Bis zum Sommer, bis zum heurigen Sommer, will er Ihr Team wieder in die wählbare Zone bringen. Jetzt wissen wir aus allen Umfragen: Das Team Stronach ist unter der Wahrnehmungsgrenze. Und er hat gesagt: Ansonsten stellt er die Vertrauensfrage. Jetzt frage ich Sie: Gibt es irgendwelche Konsequenzen für Ihren Klub auf Grund Ihres angekündigten Rückzugs oder lassen Sie die sechs Abgeordneten jetzt währen bis zur nächsten Wahl?

Ich habe schon vorher erwähnt: Wir sind gewählt worden. Und wir sind gewählt worden bis zur nächsten Wahl. Und es geht so weiter. Und wenn irgendwer noch abspringen will… So ist es im Leben, nicht? Es ist ja schwierig. Die Leute haben ja Angst in der Politik zu sein. Wenn Sie einer Partei beitreten, die nicht… Wenn Du in Wien keine rote Parteikarte hast, in Niederösterreich keine schwarze… Alle Leute haben Angst, nicht? Aber glücklicherweise: Ich bin auf niemanden angewiesen. Ich kann es so sagen, wie es ist. Und, dass wollen die Leute hören. Die wollen die Wahrheit hören.

Herr Stronach.

Und wenn Ihr alle meine Fernsehauftritte analysieren, werden Sie immer sehen, dass ich die Wahrheit gesagt habe. Und das fehlt, nicht?

Das haben wir – Sie haben schon angesprochen – in vielen Auftritten im Wahlkampf gehört. Aber jetzt. Wenn Sie so zurückblicken. Politiker tragen Verantwortung. Sie demnach natürlich für Ihre Partei und sind Ihren Wählern gegenüber verpflichtet. Was war denn glauben Sie Ihr Anteil, dass der politische Ausflug nicht so geglückt ist, wie Sie sich es vorgestellt haben?

Mein Anteil ist vielleicht… Oder der Fehler war, dass ich… Ich habe ja viele Aktivitäten auch in Amerika. Meine Familie ist noch dort. Meine Enkelkinder sind dort. Und, dass ich natürlich nicht so oft hier sein konnte.

Also, Parteichef aus der Ferne funktioniert nicht so, das Modell.

Nein, das glaube ich… Und dann war ich auch nicht so lange hier, dass ich die Leute besser kennengelernt hätte, nicht. Wenn ich hier gewohnt hätte, dann sieht man sie öfter. Dann kann man das besser aussuchen. Natürlich war ich ein bisschen enttäuscht, dass Leute hier mit dabei waren, die hauptsächlich nur wegen dem Geld mit dabei waren.

Fühlen Sie sich ausgenützt?

Nein, ausgenützt… Ich habe das gemacht, was mein Gewissen mir sagt, was ich machen soll.

Aber, wenn langjährige Vertraute auf die andere Seite wechseln, wie Kathrin Nachbaur.

Nein, ich bin nie pessimistisch. Ich bin immer sehr optimistisch und bin immer gerade. Ich habe auch viele, viele die schon vierzig Jahre bei mir mitarbeiten. Und dreißig und so weiter. Aber natürlich kann es manchmal Enttäuschungen geben. So ist das Leben. Aber ich bin nicht verbittert. Enttäuscht ja, aber nicht verbittert. Das Leben geht weiter. Und ich mache halt das, was ich glaube… Weil mir Österreich doch noch am Herzen liegt… Was Österreich brauchen würde. Die Politik kann das nicht machen.

Das haben Sie schon jetzt ein paar Mal gesagt, Herr Stronach.

Das kann man… Das muss man laufend sagen. Weil die Politik hat sich selbst lahmgelegt. Die streiten nur.

Gut. Aber wir wollen uns ja nicht dauernd wiederholen. Deswegen, Herr Stronach. Schauen wir uns alleine die letzte Woche an: Terror in Nizza. Der Amoklauf in München am Freitag. Attentate in Bayern. Und gestern in Ansbach, in Bayern, dieser islamistische Selbstmordanschlag. Das ist alles nicht sehr unweit von uns. Und das macht vielen Angst – auch hier in Österreich.

Ja, aber ich habe schon oft erwähnt, nicht. Also für mich ist es unverständlich. In Europa sitzt man vor den Fernsehern und schaut. Man sieht doch, was da vor sich geht. Im Nahen Osten. Wo diese ISIS tausende von Kindern und Frauen abmetzeln. Und man tut nichts, nicht. Also für mich unverständlich. Unverständlich! Und ich glaube… Und ich habe schon vor langer Zeit und immer wieder gesagt: Wir müssen die NATO mobilisieren, die UNO. Wir müssen dort Schutzzonen errichten, wo die Probleme sind. Auf die Leute schauen, dass sie Zuflucht haben. Dass wir die ernähren können. Dass sie Wasser haben. Aber letztendlich müssen die Leute selbst ihr Land wiederaufbauen. Es geht nicht, dass hier Millionen… Das nächste wird… Die nächste Welle wird sein: Ganz Afrika wird reinkommen.

Herr Stronach, über Asyl wollen wir gleich sprechen. Aber wir wollen jetzt auch nicht Themen vermischen anfangen. Aber jetzt zu diesen Terroranschlägen bzw. zu den Attentaten. Ist es da in Ihrem Sinne, wenn Ihr Team angesichts dieses Gefühls der Unsicherheit in der Bevölkerung fordert, Österreich aufzurüsten. Da hat es einen Vorschlag gegeben. Nämlich: Jeder unbescholtene Österreicher soll einen Rechtsanspruch auf eine Waffe haben dürfen. Glauben Sie, ist das die richtige Antwort in so unsicheren Zeiten?

Erstens: Wir sollen keinen Hass schüren. Es tut einem leid, dass solche Dinge überhaupt passieren, nicht. Man soll darüber sachlich darüber nachdenken, warum.

Also gefällt Ihnen der Vorschlag, oder…

Wir müssen schauen, was die Urgründe sind. Warum ist das. Wir sind hier, in Europa. Wir sind die Leute, die maßgebend sind und die Dinge hätten ändern können. Wir haben da zugeschaut. Wir hätten das schon längt runter… und dort Schutzzonen errichten. Und das ist das Problem.

Ja, aber die gibt es noch nicht. Aber, Herr Stronach: Konkret zu den Vor…

Aber warum gibt es das nicht? Hat die Politik versagt? Die Politik hat versagt.

Das ist Ihr Urteil.

Weil diese Schutzzone sollte es schon längst geben. Die Politik hat auf Bezug Humanitäres und Menschenrechte usw. versagt. Und sie hat in der Wirtschaft versagt.

Herr Stronach, genau. Wir wollen über die Fluchtbewegung sprechen. Aber noch einmal konkret zu dem Vorschlag. Das Team Stronach sagt, jeder…

Das Team… Noch einmal…

Soll jeder eine Waffe tragen dürfen, der unbescholten ist in Österreich?

Noch einmal. Das Thema… es gibt natürlich… Ich kann natürlich keinen Maulkorb umhängen.

Aber ich will ja wissen, was Sie davon halten.

Was ich davon halte? Also, wenn man, wenn man einen Antrag stellen würde. Und man würde einen gewissen Lebenslauf haben, dann sollte es möglich sein, dass man eine Waffe tragen könnte.

Einen Rechtsanspruch darauf?

Ja, ich glaube… ja. Das würde sein… Solange, nicht… Man muss ärztliche Dinge haben, dass alles in Ordnung ist und dass man eine verantwortungsvolle Person ist, nicht.

Ein psychologisches Gutachten. Das finden Sie schon, dass es braucht? Weil da hat es auch Zweifel in Ihrer Partei gegeben.

Mmmh, nein, ich glaube schon. Aber, das sind so… In einer Partei hast du ja verschiedene Leute, die verschiedene Meinungen haben. Das sind nicht unbedingt meine Meinungen.

Aber, die machen ja Politik in Ihrem Namen, Herr Stronach.

Ja, und deshalb, deshalb soll es eine Bewegung sein. Und ich selbst werde nicht mehr dabei sein. Aber ich habe eine Vision ausgearbeitet, wie man Österreich wieder auf ein gutes Fundament bringen könnte. Und die ganzen Probleme, die es gab… Es gibt ja keine Werte mehr…

Herr Stronach…

Es gibt ja keine Dinge mehr, wo man in der Schule…

OK…

…aufschauen kann auf irgendetwas.

Genau, Werte ist auch so ein Stichwort. Das heißt, zu den Werten des Team Stronach gehört es aber, dass man sagt: OK, mehr Waffen im Umlauf, das wäre OK?

Nein, ich, ich. Wir müssen unterscheiden. Es sind meine Werte. Und das ganze System… Es soll ja vielleicht sein… Wenn wirklich ein Parteiführer ist. Und das Team Stronach wurde hauptsächlich durch mich gewählt – nicht durch die anderen. Es sollte schon sein, wenn Parteiabgeordneter vollkommen anderer Meinung sind…

Würden Sie den ausschließen?

Ja, aber die kann man ja nicht ausschließen. Die werden ja weiterbezahlt.

Aus dem Klub nicht. Das zahlt der Steuerzahler aus Ihrer Partei.

Die werden weiterbezahlt.

OK. Herr Stronach. Das interessante ist: Mit diesem Vorschlag, der auch in Österreich umstritten ist, liegt Ihr Team auf Liga mit Donald Trump. Der sagt auch, die Antwort auf den Terror ist: Opfer sollen sich selbst mit einer Waffe verteidigen.

Nein… Ja… Aber nicht dafür im Fernsehen sehen, was da welche Reportagen über den Donald Trump… Das ist ja ganz anders.

Ich, ich… Mich interessiert: Herr Stronach, mich interessiert: Was halten Sie von Donald Trump?

Ich kenne beide. Ich kenne Hillary Clinton sehr gut. Ich kenne den Bill Clinton sehr gut. Ich kenne den Donald Trump sehr gut.

Und wer ist für Sie wählbar als Präsident?

Was wir da haben… Das gleiche… Das sind nur Politiker. Politiker. Und die haben so das Land in solche Schulden gestürzt. Und Arbeitslosigkeit. Die haben das… Nicht, die haben ja… Was wir verstehen müssen… Wir sind in den westlichen Ländern weg von der Realwirtschaft in die Finanzwirtschaft. Wir haben die Arbeiter verkauft.

Das sagt auch Donald Trump. Und jetzt daher die Frage, Herr Stronach.

Aber das stimmt doch.

Herr Stronach: Für Donald Trump oder für Hillary Clinton? Das interessiert mich.

Ah. Ich, ich. Ich stehe für gewisse Dinge. Für gewisse Dinge, die ich anders sagen würde wie Donald Trump. Ich würde es auch anders sagen wie die Hillary Clinton. Aber das Faktum ist: Wir sind von der Bürokratie und der Politik so eingeschnürt. Und die Schulden gehen rauf in die Milliarden… in die Trillionen.

Gut.

Jetzt ist es ja so. Was hat man gemacht. Die Finanzwelt hat die Firmen immer gepusht: Ihr müsst mehr Profit machen. Also, die Firmen sind dann alle nach China, nach Asien… Mehr Profit.

Herr Stronach, ich habe ein Déjà-vu…

Und hier haben sie die Fabriken zugesperrt. Darüber spricht niemand.

Herr Stronach.

Man hat die Arbeiter verraten.

Herr Stronach, ich habe ein Déjà-vu. Denn all das haben wir von Ihnen schon im Wahlkampf gehört.

Aber Ihr sprecht nicht davon. Ich versprecht nicht davon, dass die Finanz, die eigentlich Firmen nach Asien getrieben hat. Und dort wird die Technologie… wird dort transferiert.

Herr Stronach…

Und hier werden nur Warenlager aufgebaut…

Genau.

…wo man die Produkte gibt rein. Und hier gibt das Arbeitslose.

Herr Stronach, über die Globalisierung, über Freihandel wollen wir gleich sprechen. Aber noch einmal zu Donald Trump. Der polarisiert sehr mit Aussagen über Zuwanderer, über Flüchtlinge, über Muslime. Menschen, die aus einem anderen Kulturkreis kommen.

Ja, sprechen Sie mit dem Donald Trump.

Herr Stronach. Nein. Ich würde gerne zur nächsten Frage kommen…

Also, dann sagen Sie… Fragen Sie mich ganz genau…

Herr Stronach. Wir reden über Ihre Partei. Denn nämlich sechs…

Ja aber, nein, Sie müssen über mich sprechen. Ich bin mit… ich bin anderer Meinung wie manche von meinen anderen Parteigenossen.

Das würde ich jetzt gerne wissen. Nämlich, solche umstrittenen Aussagen gibt es auch von Ihrem Klubobmann Robert Lugar, was Flüchtlinge betrifft. Und die wollen wir uns bitte kurz anhören.

[Einspielung]

Für das Wort „Ausrotten“ hat sich Herr Lugar entschuldigt. Herr Stronach, aber ist es Ihre Haltung?“

Nein. Also. Wer mich kennt, also. Meine Zeit. Alles was ich… für Menschenrechte, für wie kann man Demokratien besser gestalten und für Arbeiterrechte und so weiter… Also, ich bin da nicht ganz übereinstimmend.

Aber wie sehr, Herr Stronach, stört es Sie denn, wenn der Herr Lugar, der sagt, dass er als Klubobmann des Team Stronach… Da wird ja Politik in ihrem Namen gemacht.

Ja, aber ich… Das ist ja das Problem, nicht. So bald Du einmal gewählt wirst, dann hast Du eine sichere Anstellung für fünf Jahre. Oder vielleicht ist auch hier etwas… Vielleicht müsste man hier auch schauen, ob man das ändern kann.

Wie meinen Sie das, also?

So kann es nicht funktionieren. Die ganze Politik funktioniert nicht. Weil wir durch… Weil es nicht funktioniert, machen wir ja Milliarden von… Unsere Schulden sind jetzt schon 295 Milliarden.

Gut. Dann. Herr Stronach.

Wir zahlen ja… So kann es nicht weitergehen.

Aber was in Ihrer Macht schon steht. Wenn Sie das nicht gutheißen. Sie könnten ja jemanden aus der Partei ausschließen. Sie könnten sagen: Herr Lugar, das will ich nicht. Oder, ich will auch nicht mehr, dass Sie der Klubobmann sind. Sie sind ja immerhin noch der Parteichef.

No, ich kann nicht den Klubobmann. Den Klubobmann können die Abgeordneten festlegen.

Ja, das stimmt. Aber Sie haben ja eigentlich damit keinen Einfluss mehr auf Ihren Klub?

Nein, da hat man keinen Einfluss. Das ist ja… Da stimmt irgend auch etwas im System nicht. Das ganze politische System gehört analysiert, wie man das besser machen kann.

Wissen Sie, an was mich das erinnert?

Ja?

An einen Kaiser ohne Reich. Also, Sie sind jetzt der Parteichef. Der wollen Sie bis zur nächsten Wahl bleiben. Aber Sie sagen, Sie haben null Einflussmöglichkeiten auf Ihre Abgeordneten.

Nein, nein. Wir haben eine Verpflichtung. Wir sind ja gewählt worden. Und ich nehme das sehr ernst. Und ich habe daraus auch gelernt. Aber, das ganze System passt nicht. Und warum hier die Medien – auch der ORF – so aufgeregt ist, dass sich das System ändern könnte, nicht?

Sind wir aufgeregt?

Bitte?

Sind wir aufgeregt?

Ja, ihr seid schon. Ihr verbreitet ja auch Unwahrheiten, nicht?

Nein, Herr Stronach, das machen wir nicht.

Ihr verbreitet Unwahrheiten. Ihr habt so gesucht: Können wir beim Frank Stronach irgendwas finden, was nicht in Ordnung ist. Da kommen‘S drauf, ja, dass Schloss Feistritz wurde zu billig gekauft.

Herr Stronach.

Dann wurde vor Gericht dann, Ding, Sachverständiger eingestellt. Und die haben… Wir haben zu viel bezahlt. Aber so ist das. Ich habe nur… ich sehe nur schlechte Dinge im… Und deshalb freut es mich, dass ich hier einmal…, dass mich die Leute besser kennenlernen. Wie gesagt, also. Wenn du solche verantwortungsvollen Stellen, wie ich gehabt habe… Wenn man in Spitäler im Aufsichtsrat ist, Universitäten, New Yorker Stock Exchange. Also, ich habe nur Gute gemacht.

Dann reden wir über Ihr Lieblingsthema, die Wirtschaft.

Ja, die Wi… Die ist sehr wichtig, wenn wir über die Wirtschaft sprechen.

In Ihrem Programm steht, Herr Stronach, Sie wollen nicht nur Jobs erhalten, sondern die Rahmenbedingungen für neue schaffen. Da sagt jetzt die Industrie: Das Freihandelsabkommen mit Kanada – kurz CETA – könnte sogar die Exporte nach Kanada verdoppeln. Sollen Ihre Abgeordneten im Parlament für dieses – in Österreich sehr umstrittene – Freihandelsabkommen stimmen?

Also solche Handelsabkommen sind dicke Bände. Also mit vielen Paragraphen.

Ja.

Und ich glaube kaum, dass die noch komplett fertig ausgearbeitet wurden.

Jenes für Kanada ist fertig ausverhandelt.

Nein. Ich glaube, die sind noch nicht fertig. Und ich kann nur ein Kommentar… Erstens würde ich nicht die Zeit haben, dass ich so dicke Bände durchlesen würde. Und deshalb ist es wichtig, dass Abgeordnete… Deshalb haben die Personal, dass man das alles gut durchstudiert. Und Handel an und für sich – so lange es von guten Vorteilen – sind für alle Handelspartner… Das ist OK. Man muss es analysieren. Wenn es nicht gut ist für einen Partner, dann muss man es lassen.

Das überrascht mich jetzt, Herr Stronach. Sie sind ja der Gründer von Magna.

Ja?

Es gibt eine Studie des IFO-Institutes in München.

Ja?

Von diesem Freihandelsabkommen mit Kanada, aber später auch mit den USA, würde vor allem die Autozulieferindustrie in Österreich enorm profitieren. Und vor allem Magna. Ihr Lebenswerk. Das heißt: Freihandel muss, auch wenn es Magna zugutekommt, nicht unbedingt sein.

Nein, nein, nein. Man muss jedes… Alles muss analysiert werden, nicht? Es kommen dann Produkte zum Vorschein. Wenn es gut ist für beide Länder oder mehrere Länder, dann wird es gemacht. Und wenn es nicht gut ist, dann wird es nicht gemacht. So, so, so entsteht alles.

Also, diese Entscheidung überlassen Sie Ihren Abgeordneten. Die sind nämlich bis dato sehr skeptisch.

Na, na, na. Es sind ja alle Abgeordnete… das ganze Parlament.

Aber jene Ihrer Partei…

Nein, nein. Die Frage ist: Wir haben doch fast dreihundert Parlamentarier, nicht?

In Österreich sind es 183.

Ja, aber, aber, die… Wir hoffen, wir haben sehr viele Mitarbeiter, die technisch sehr gut sein sollten, dass das genauestens analysiert wird. Und manchmal kann man das erst dann später feststellen, ob das die richtige Entscheidung war: Ja oder Nein.

Also Sie wollen sich da jetzt nicht festlegen.

Ich kenne die Verträge nicht. Wenn ich die Verträge nicht kenne, kann ich mich ja nicht festlegen.

Aber müssen Sie…

Schauen Sie… Alles ist zu kompliziert. Wir machen es… Also… Ich schaue manchmal rein in die Tax-Bücher… Da sind Bände mit Paragraphen, wo sich keiner auskennt. Wir machen alles zu kompliziert. Ich versuche, alles zu vereinfachen.

Aber die Welt ist manchmal nicht so einfach, Herr Stronach.

Aber deshalb müssen wir ja… Wenn wir die Welt so lassen mit all den Politikern – so wie in Amerika -, dann geht die Welt… Dann wird die Welt nicht existieren, nicht. Wenn wir so runterschauen. Jetzt schauen wir einmal runter, fünfhundert Jahre. Also, wenn wir die Umwelt so weiter und den Rohbau für die ganzen Rohstoffe und so weiter… Wir wird denn die Welt in fünfhundert oder tausend Jahren ausschauen? So kann es nicht weitergehen.

Es ist eine Grundsatzentscheidung. Nämlich der Freihandel, Herr Stronach. Auch wenn wir jetzt in die USA zu Donald Trump schauen. Da geht es darum… Nein, Herr Stronach, die Globalisierung. Sie haben Sie ja angesprochen.

Na, aber von Handel und Freihandel oder Wirtschaft verstehe ich. Und wenn Sie da vielleicht näher beschreiben, kann ich Ihnen erklären, wie das funktioniert.

Ja, aber Sie haben gerade gesagt, Sie sind skeptisch, ob das Freihandelsabkommen…

Na, na. Nein, nein, nein, nein. Ich habe nicht gesagt, ich bin skeptisch. Ich weiß genau, was ich sage. Das Freihandelsabkommen wurde genehmigt von das Nordamerikanische. Von Amerika und Kanada.

NAFTA, ja genau.

Die haben sehr lange daran gearbeitet.

Und ist das gut oder schlecht?

Ich glaube, es war für beide Länder gut, ja. War für beide Länder gut.

Und die Frage war jene: Würde eines zwischen der EU und Kanada?

Man muss das analysieren.

OK.

Das kann man nicht. Das sind sehr komplexe Themen. Wir machen es zu komplex. Die Politiker verstehen das nicht.

Gut. Da wollen Sie sagen: Wir müssen das erst analysieren. Jetzt…

Und wir müssen es einfacher machen, dass die Leute es besser verstehen. Alle diese Dinge verstehen die Leute nicht.

Gut. Ihre Abgeordneten, Herr Stronach, sagen ja: Das würde den Großkonzernen – wie eben auch Magna – mehr nützen, als der Bevölkerung. Verstehen Sie diese Skepsis bzw. das Misstrauen der Bevölkerung auch gegenüber der Globalisierung. Manche würden da gerne einen Rückwärtsgang einlegen.

Ja, aber… Handel ist OK. Man muss das nur analysieren: Ist es gut für alle Parteien, die da mit involviert sind. So soll es auch sein.

Gut. Herr Stronach, ich sehe, da kommen wir nicht wirklich weiter.

Ich glaube, wir beide sind nicht Spezialisten für Handels…

Ja, ich wollte ja wissen, was sagt ein Wirtschaftstreibender…

Ich habe schon gesagt: Es ist kompliziert. Ich kann nur einen Kommentar abgeben, wenn ich das analysiere.

Aber grundsätzlich sind Sie für den Freihandel? Ich frage Sie ja deshalb. Sie haben – und Magna – von der Globalisierung ja profitiert.

Na von der Globalisierung… Wir haben eigentlich nur… Wir haben hier Fabriken aufgebaut, nicht, in Österreich. Weil ich eben Österreicher bin. Meine Aktionäre haben immer gesagt: „Frank, wieso baust denn so viele Fabriken in Österreich? Du machst ja kaum einen Profit in Österreich?“ Ich habe gesagt: Weil ich Österreicher bin. Deshalb. Und wenn es euch nicht passt mit den Aktien, wenn ihr glaubt, ihr macht mehr Geld mit anderen, dann verkaufts die Magna-Aktien und kauft andere Aktien. Ich habe hier sehr viel gemacht in Österreich. 12.000 Arbeitsplätze. Ungefähr vier, fünf Milliarden investiert.

Gut.

Ich habe sehr viel gemacht für Österreich. Österreich liegt mir am Herzen, weil ich auch Österreicher bin.

Das haben wir heute schon mehrmals gehört.

Ja, aber ich will alles einfacher machen. Naja, aber das kann man…

Herr Stronach

Aber ihr erwähnts es nicht. Ihr sagts immer…

Wir haben gerade zehn Minuten darüber gesprochen. Herr Stronach, in Ihrer Abwesenheit ist etwas passiert. Nämlich, es wurde die Stichwahl der Bundespräsidentschaftswahl aufgehoben. Und wir wählen am 2. Oktober im dritten Anlauf einen neuen Bundespräsidenten. Wen werden Sie wählen?

Ich werde keinen von den beiden wählen. Weil das ganze System passt nicht, nicht? Wir… Interessanterweise der Paragraph 1 in der österreichischen Gesetzgebung sagt: „Österreich ist eine Republik und die Macht geht vom Volke aus.“ Das Volk hat überhaupt keine Macht. Wir… Der Bundespräsident soll ja eigentlich direkt vom Volk gewählt werden.

Das wird er auch.

Und, ja…. Aber da kann ja… Er soll direkt vom Volk gewählt werden…

Das wird er, Herr Stronach.

Und, äh, äh… Es sollte ein Bundespräsident… Er sollte sagen, ich möchte gerne Bundespräsident oder Bundespräsidentin sein, wenn ich ein Mandat von den Wählern kriege. Wenn die Wähler unzufrieden… ich möchte der Anwalt der Wähler sein. Ich möchte der Vertreter der Bürger sein. Wenn die Wähler unzufrieden sind, dann kann man das ausdrücken. Wenn man sagt, man hat 20.000 Unterschriften. Und dann muss das behandelt werden. Aber jetzt, wenn die Wähler unzufrieden sind, gibt es keinen Mechanismus. Wir haben keine Demokratie.

In Österreich finden Sie…

Wenig, wenig, wenig.

Naja, man kann ja…

Aber schau mal…

Herr Stronach, wir kö…

Wie kommt, wie kommt die, wie kommt das Parlament zusammen? Das setzt sich die Raiffeisenbank mit der ÖVP zusammen. Das sind unsere Leute. Und bei der SPÖ…

Herr Stronach…

Bei der SPÖ hast die Gewerkschaft. Das sind unsere Leute…

Herr Stronach…

Und das ist die Regierung.

Herr Stronach, man kann bei Wa…

Dass wollen die Leute hören…

Nein, nein.

So ist es.

Man kann bei Wahlen ja auch eine Partei abwählen. Aber Sie treten ja ohnehin das nächste Mal nicht mehr an. Jetzt wollen aber Norbert Hofer von der FPÖ und Alexander Van der Bellen (unabhängiger Kandidat aber vormaliger Grünen-Chef) Bundespräsident werden. Sie sagen: Ihre Partei gibt keine Wahlempfehlung ab.

Nein, do, nein,… Individuelle Personen können eine… Ich persönlich sage, weil… Ich kann nicht für irgendetwas zustimmen, wenn das System nicht passt. Das System passt nicht. Aber wir müssen aufpassen, dass man noch Zeit haben für die Wirtschaft. Weil wirtschaften ist das Wichtigste.

Über die haben wir auch schon…

Naja, aber jetzt haben wir gar nicht viel geredet. Wir haben jetzt nur über…

Über den Freihandel haben wir versucht zu sprechen.

Ja, Freihandel. Ja aber da habe ich einfache Antworten gegeben.

Ja, Sie haben gesagt, Sie müssen sich das anschauen.

Na, ich habe gesagt: Wir haben einen Freihandel in der Automobil in Amerika gehabt. Und Kanada. Und Amerika hat da zugestimmt. Und für beide war es gut.

OK. Aber Sie wollten…

Ganz kurz zu der Wirtschaft noch.

Herr Stronach.

Die Wirtschaft ist ja wichtig. Wenn das nicht funktioniert, funktioniert gar nichts. Und wer ist am meisten betroffen? Die Arbeiter und die Pensionisten. Ich glaube, die haben ein Recht zu hören, was vielleicht der erfolgreichste Wirtschaftsmann in Österreich für Vorschläge macht. Ich glaube, das ist ein faires Kommentar. Ist es nicht?

Genau.

Ja, genau. Ja, ja.

Und ich habe aber jetzt auch noch einen Kommentar für Sie, Herr Stronach.

Ja?

Nämlich: Wollen Sie wissen. Also 270.000 Menschen haben Sie vor drei Jahren ja gewählt – Ihre Liste. Wir haben mit vielen gesprochen. Und ich habe jetzt drei Wähler, die Sie gewählt haben, für Sie, die uns erklären, auch, warum Sie das getan haben.

Schauen wir uns das zum Schluss an. Gehen wir die Wirtschaft an. Ja, aber dann kommt die Zeit und das Wichtigste kommt ja gar nicht…

Schauen Sie mal rein…

Ja, ja.

[Einspielung]

Herr Stronach, das sind drei Ihrer Wähler. Aber nur eine Person würde Sie noch einmal wählen. Warum glauben Sie – und wer ist das von den dreien?

Aber das ist ein Rätselraten.

Das ist kein Rätselraten. Das sind Ihre Wähler.

Na, das ist ein Rätselraten. Und jede Person hat das Recht, seine Meinung so aufzubauen und auszudrücken, was immer… Ich sehe da keinen. Ich finde alle drei nett. Und ob Sie mich wählen oder nicht, sind sie trotzdem nett.

Die haben Sie gewählt!

Ja, aber… Was immer. Ich finde Sie nicht. Und wenn Sie auch nicht wählen. Schade, dass mich viele nicht näher kennen. Weil ich werde im Fernsehen immer so dargestellt, dass ich… Das war immer schon so. Und deshalb freut es mich, wenn die Leute mich näher kennen, was ich für Österreich gemacht habe. Und, was ich erreicht habe im Leben, nicht. Das kannst Du nur erreichen, wenn Du ausgeglichen bist, wenn Du eine gute Meinung hast. Und wenn Du kein Fanatiker bist.

Mhm.

Sonst kannst Du ja sowas ja nie erreichen.

Dann hören wir uns an, was die drei zu sagen haben, wie zufrieden Sie mir Ihrer Politik bis dato waren. Bitte.

[Einspielung]

Frau Stockinger würde Sie wiederwählen. Die anderen nicht.

Ja, schade, nicht. Ich habe vorher gesagt: Ich habe Fehler gemacht. Also, nicht. Ich war zu wenig hier und hab die Leute zu wenig gekannt. Aber ich bin, wer ich bin. Und ich bereue es nicht. Ich hoffe, ich hoffe, ich habe das Denken der Österreicher ein bisschen angeregt. Ich hoffe, ich habe einen Samen gesät. Aber gehen wir jetzt vielleicht wirklich rein in die Wirtschaft. Weil ich glaube, die Wirtschaft ist so wichtig für Österreich.

Darf ich Sie vorher nur etwas kurz fragen, Herr Stronach?

Ja.

Das interessante nämlich an Ihrer Geschichte ist jenes: Wie Politik funktionieren kann oder eben auch nicht. Nämlich Erfolg in der Politik. Da sind Sie nämlich ein ganz, eine andere Persönlichkeit wie zum Beispiel Irmgard Griss. Kennen Sie Irmgard Griss?

Ja, ich kenne Sie.

Wollten Sie Irmgard Griss als Präsidentschaftskandidatin für sich gewinnen?

Nur, wenn Sie gewisse Prinzipien hat.

Aber Sie haben mit ihr offenbar Gespräche geführt, ob sie für Sie bei der Hofburgwahl antritt.

Ja, ist eine sehr nette Frau. Ja, sehr nette Frau. Ich habe mir Ihr einmal Mittagessen gehabt. Ja, war sehr nett.

Gut, Sie ist bekanntlich dann nicht für Sie angetreten, sondern als Irmgard Griss mit ihrer Liste zur Bundespräsidentschaftswahl. Und das interessante ist: Man sieht im Gegensatz zu Ihnen hat Sie wirklich nur einen Bruchteil Geld gebraucht, um aus dem Stand 19 Prozent zu machen. Was glauben Sie, warum die Frau Griss erfolgreicher war, als Sie?

Naja, sie war ja immer in Österreich. Und Sie hat eine sehr verantwortungsvolle Position gehabt, nicht? Und Sie wurde auch von den Medien gut dargestellt. Ich wurde nie gut dar… Immer irgendwo also… Ich wurde immer irgendwie… Bei jeder Sendung, wenn ich zum ORF gekommen bin, gibt es immer wieder diese Darstellungen. Und ja. Aber die Frau Griss ist eine sehr nette Frau.

Aber glauben Sie, weil Sie sich über die Darstellungen jetzt aufregen. Hatten Sie keinen Anteil daran?

Ich rege mich nicht auf. Mich kann niemand aufregen, nicht. Da stehe ich im Weg. Aber es ist nur schade, weil ich hätte so viel Gutes machen können für Österreich. Es ist sehr schade.

Ja, aber haben Sie keinen Anteil oder hatten Sie keinen Anteil daran, Herr Stronach, dass das eben nicht so gelaufen ist, wie Sie sich das vorgestellt haben?

Ja, ich kann doch nicht in jede Seele reinschauen. Und wenn man nicht längere Zeit mit Leuten beisammen ist, sind sie schwieriger abzuwägen. Und auch, wenn man manchmal sehr lange mit jemandem beisammen ist, kann es auch danebengehen. Manche Leute sind für dreißig Jahre verheiratet und lassen sich plötzlich scheiden. Ja, OK? Aber so ist es im Leben. Aber das Leben geht weiter und ich mache halt das, was ich glaube, was ich machen soll. Und es schaut nicht so gut aus. Und wenn ich jetzt hier sitze: Ich sitze eigentlich nicht als Politiker, sondern als Wirtschaftsmann, der sich Sorgen macht über Österreich. Vielleicht können wir darüber kurz sprechen.

Glauben Sie, Herr… weil Sie sagen, Sie sind ja ein Wirtschaftsmann. Unbestritten, Herr Stronach. Hat Ihnen dieser Ausflug in die Politik eigentlich Ihr Image ruiniert?

Nein. Leute, die mich kennen… Wieso? Mich haben nur immer Bekannte… Frank, wieso gehst Du in die Politik rein, da wirst Du nur beschimpft.

Ja, aber warum eigentlich, Herr Stronach?

Schlecht dargestellt. Ich habe ein Gewissen. Ein Land, wo die Leute das Gewissen verlieren. So ein Land kann nie existieren. Das geht den Bach runter. Wir müssen mehr. Wir müssen mehr wieder… In den Schulen. Schon in der Früh. Morgens, wenn die Schule anfängt, müsste der Lehrer sagen: Stehen wir auf. Denken wir darüber nach: Was könnten wir für Österreich tun? Also wir haben da… Es fehlt der Spirit. Es fehlt… So viel Korruption und so viel… Es fehlt irgendwo, wo man aufschauen kann. Wo man wirklich sagen kann: Ja, das sind anständige Leute, so soll es gemacht sein. Es fehlt rundherum.

Irmgard Griss hat ja von dieser Protesthaltung der Unzufriedenheit der Wähler und Wählerinnen auch profitiert. Aber ist nicht ihr Beispiel eigentlich eine Lehre auch für Sie, dass es nicht Geld braucht um erfolgreich zu sein in der Politik und offensichtlich ist es auch keine Frage der Lautstärke.

Was heißt Lautstärke. Es hängt… Die Umstände spielen eine große Rolle. Wenn Du alle Medien gegen Dich hast. Weil sie ja alle vom System… Alle saugen ja vom System, nicht. Ja… Die Zeitungen, nicht. Wenn Sie nicht… Gegen die Inserate… Wenn sie nicht schreiben das und das, kriegen sie keine Inserate. Das ganze System ist… Das ganze System passt nicht.

Wissen Sie…

Das muss man sachlich ändern.

Herr Stronach. „Das ganze System“. Das hört man derzeit ganz oft. Und jetzt komme ich wieder zu Donald Trump.

Ja.

Er sagt ja auch: Das System passt nicht. Ich will das ändern. Sehen Sie da eigentlich Parallelen zwischen sich und Donald Trump.

Nein, nein. Noch einmal. Ich bin anders wie der Thomas Trump. Ich würde manche Aussagen nicht so machen, wie es er macht.

Welche denn?

Ja, aber jetzt… Wir können da… Gemma mal rein in die Wirtschaft. Wenn wir nachher noch Zeit haben, dann reden wir über verschiedene Aussagen, nicht. Ich bin der Frank Stronach. Der Donald Trump der ist ein Dump. Aber eines macht er. Die Politik kann auf lange Zeit keine Länder führen. Das geht den Bach runter. Diese, nicht. Wir müssen uns vorstellen: Die ganzen Großfirmen haben alle Niederlassungen, die Technology transferiert. Die Technik nach Ding. Und in Amerika gibt es nur mehr Warenlager. So wie in Österreich. Wenn Sie heutzutage in ein großes Kaufhaus reingehen in Europa… Sie sehen ja kaum noch Waren, die in Europa gemacht werden.

Ja, Herr Stronach. Aber…

Haben Sie keine Kinder, wo Sie darüber denken: Was wird denn mit meinen Kindern einmal passieren? Das… ich weiß… Es denkt niemand nach darüber… Es wird ja nichts mehr produziert.

Doch, Herr Stronach. Herr Stronach, darüber denke ich oft nach. Aber die Frage ist…

Ja?

…Donald Trump sagt ja, auch was den Freihandel anbelangt: Er will Abschottung. So wie Sie es jetzt gerade gesagt haben. Die Werkbänke stehen in China und die stehen nicht in den USA. Ist das die Antwort?

Die… Jedes Land muss auf das eigene… Eine Verantwortung gegenüber den Arbeitern. Wenn dort die Fabriken stillgelegt werden oder hier in Österreich. Und man transferiert die Technik und Maschinen oder was in andere Länder. Und hier macht man nur Warenhauslager: Das ist ja ein Verrat an die Arbeiter. Jedes Land muss schauen… Zuerst schaut man auf das eigene Haus. Und dann hoffen: Wenn das eigene Haus funktioniert, dann kann man auch auf die Nachbarn schauen. Und dann kann man auf alles andere schauen.

Also, die Globalisierung hat nicht nur Gutes gebracht. Darüber haben wir heute schon gesprochen. Aber ich verstehe den Zugang nicht. Weil, Sie haben doch davon profitiert und Magna.

Was heißt profitiert? Wir hätten so und so profitiert. Ob… wir hätten Fabriken aufmachen können wo immer in der Welt.

Na aber Ihre Autos die werden in andere Länder exportiert. Das heißt, davon profitiert man…

Na aber trotzdem. Wir machen… Wir haben Fabriken… Wir haben über vierhundert Fabriken in dreißig verschiedenen Ländern. Und dort sind wir auch angewiesen, was immer die Gesetze und Rechte dort sind. Wir sind global. So oder so.

Herr Stronach, dann lassen Sie uns zum Abschluss kommen.

Es sagt ja niemand, dass wir nicht global sein sollen. Es sagt ja niemand, dass wir nicht mit China Handel haben sollen. Aber wir müssen schauen, was für Konsequenzen es für unser eigenes Land und für unsere eigenen Arbeiter hat, wenn die Technik transferiert wird, die Produkte wo anders gemacht werden und wir nur ein Warenlager haben. Und das ist unser Problem.

Herr Stronach. Deswegen haben Sie jetzt diese Bewegung gegründet. Jetzt müssen wir zum Ende kommen. Und ich habe noch eine Abschlussfrage an Sie.

Ja, aber. Aber jetzt… Jetzt aber die Wirtschaft.

Wir sind schon am Ende der Sendezeit.

Na aber die…

Kurze Abschlussfrage, Herr Stronach.

Naja, aber, das geht schon wieder… Das Wichtigste haben wir vergessen. Das ist das Problem.

Wir haben achtundvierzig Minuten miteinander gesprochen.

Aber Sie haben immer die Wirtschaft vermieden. Immer.

Wir haben über die Wirtschaft gesprochen.

Jetzt kommt das noch und das noch… Dann Rätselraten, wer wird Sie wählen.

Herr Stronach.

Die Wirtschaft. Das ist wichtig. Die Pensionisten, die Arbeiter, die brauchen das.

Genau. Herr Stronach. Abschlussfrage.

Ja?

Wenn jetzt 2012 wäre: Würden Sie noch einmal in die Politik gehen und eine Partei gründen?

Ich, ah, ich. Im Nachhinein macht man immer irgendetwas ein bisschen anders. Ich… Damals habe ich eben die Entscheidung getroffen.

Also, Ja oder Nein?

Und die meisten Entscheidung… Na, ich bereue es nicht. Ich bin wer ich bin. Ich… Wie gesagt, ich habe das Käfig ein bisschen wollen rütteln. Aber ich bereue es nicht. Ich hoffe – auch heute wieder -, dass ich das Denken ein bisschen angeregt habe von der… Die Politik kann…

Dann nehmen wir das, Herr Stronach…

Ich möchte nur sagen: Die Politik kann die Probleme der Österreicher nicht lösen. Und deshalb brauchen wir… Wir brauchen eine Bewegung aus allen Parteien…

Gut, Herr Sch…

Pass auf.

Herr Stronach, wir sind jetzt über der Zeit. Die Bewegung, die Sie gegründet haben. Das haben wir gehört. Wir nehmen mit: Sie bereuen Ihren Politausflug nicht. Und wir schalten jetzt noch ins ZIB2-Studio zu Lou Lorenz-Dittlbacher.
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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit drei Jahren selbständig. Digital Mindshift, Media Strategy, Neue Formate, Journalism, Systemic Coaching, Ideas, Traveling. Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.