Am Samstag, 11. Juni 2016 hat eine Demonstration der Identitären-Bewegung in Wien stattgefunden. Ein neuwal-Fotoredakteur war dabei und hat auf unserem Facebook-Profil live mit mehreren unterschiedlichen Video-Streams davon berichtet. Die Berichterstattung von kleineren oder größeren Demonstrationen zu den unterschiedlichsten Themen wird seit einigen Jahren auf neuwal.com mit dem Format „Fotostrecke“ begleitet. Diesmal war es das erste Mal, dass wir auf Facebook die Live-Video-Funktion bei einer Veranstaltung ausprobiert haben. Eigentlich nichts Außergewöhnliches.

Veränderung im User-Kommentar-Verhalten

Bis vor kurzer Zeit konnte ich noch ganz gut einschätzen, ob und welche Reaktionen auf Berichte, Analysen oder Fotos aufkommen bzw. ob und wie dazu kommentiert wird. Bisher hielten sich Kommentare und Aussagen in Bezug auf Beschimpfungen auf unseren Seiten sehr zurück. Diese Einschätzung trifft seit ein paar Monaten nicht mehr zu. Die Art und Weise, wie derzeit auf (politische) Ereignisse (digital) kommentiert wird, hat sich in eine eigenartige Richtung entwickelt. Es wird nicht mehr diskutiert, sondern es scheint, dass viel mehr gegen einzelne unterschiedliche Gruppen, Personen, Meinungen oder Richtungen geschimpft wird.

Beschimpfende und gewalttätige Kommentare

Diesmal war es auch bei den Kommentaren zu unseren Videos von der Identitären-Demonstration so der Fall. Mit vielen Likes, Shares und mehr als 2.000 Kommentaren gab es diesmal andere Reaktionen auf unsere Berichterstattung. Reaktionen, die ich zum größten Teil als beschimpfend, beleidigend und in einigen Fällen gewalttätig gegenüber unterschiedlichen Gruppierungen oder Meinungen empfinde. Die Kommentare waren größtenteils negativ sowie in fast alle Richtungen ausartend. Ausgeartet ist es durch extremes Sharing der Videos auf Facebook. Vor allem auch in Richtung Deutschland, woher gut die Hälfte der extremsten Hasspostings gekommen sind.

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Abb. 1: Anonymisierte Übersicht der extremen gefilterten Reaktionen und Kommentare auf unserer Facebook-Seite.

Meldung der extremen Kommentare

So gut wie es geht, habe ich alle Kommentare durchgeschaut, viele gelöscht, viele an Facebook gemeldet bzw. für mein Empfinden besonders extreme Kommentare notiert. Spaß hat das wirklich nicht gemacht – die Kommentare und die Reaktionen stimmten mich doch recht traurig und nachdenklich. Einige dieser Kommentare wurden an Facebook gemeldet – keine davon hat allerdings gegen die Richtlinien entsprochen.

Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, einen Teil der extremen Kommentare polizeilich zu melden und Anzeige zu erstatten. Die Anzeige wurde am Dienstag, 14. Juni aufgegeben.

Making politics a better place

Es sei auch an dieser Stelle erwähnt, dass ich auf Demonstrationen wie diese – Gewalt auf der einen Seite und extreme Botschaften auf der anderen Seite – sehr, sehr gerne verzichten kann. neuwal sieht sich weder links noch rechts und ist keiner Gruppierung – welcher auch immer – zugeordnet. Allerdings: Unabhängig von unserem Motto „Making politics a better place“ finden wir, dass Beleidigungen und Hetze in unserer Weltvorstellung keinen Platz findet.

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