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Auf Seite 2 im KURIER vom 14.02.2016 gibt es einen Artikel zu einer Wahlumfrage zur Bundespräsidentenwahl. Die Headline lautet „VP-Kandidat und SP-Kandidat gleichauf. Umfrage: Van der Bellen voran, Khol holt auf.“ Publiziert wurden Auszüge einer nicht näher definierten GfK-Umfrage.

Wahlumfrage ohne Details

Ein Versuch, den Text zu visualisieren und in Form von Zahlen darzustellen, zeigt, dass er in Bezug auf Daten und Details unvollständigt ist:

umfrage

Dabei wurden die Umfragewerte der KandidatInnen Griss, Hofer, Hundstorfer und Khol angegeben. Umfragewerte von Alexander Van der Bellen wurden genauso wie Details der Umfrage nicht angegeben (Umfragegröße, Zeitraum und Publizierung der Umfrage, Methode, etc.). Damit wird die Publizierung unvollständig. Somit ist nicht genau nachvollziehbar, wie sich die Werte zusammensetzen und auf welchen Fakten die Begründungen und Argumentationen im Text beruhen.

Für mich ist nicht genau nachvollziehbar, von welchem Wert bspw. „Khol aufholt“ und welche Werte die Jännner-Umfrage hat, auf die Bezug genommen wird. Das heißt, es wird nicht ersichtlich gemacht, von welchen Werten gesprochen wird.

Raum für Spekulation: „Van der Bellen voran“ lautet die Headline
Wenn ich die einzelnen Umfragewert von GRI (18-19), HOF (16-17), HUN (19-20) und KHO (19-20) addiere, komme ich auf eine Umfragewertbreite von 72-76 %. Der Rest auf vollständige 100 % ergibt eine Umfragenbreite von 24-28 %. Dieser Wert steht nun VDB und allen sonstigen KandidatInnen zur Verfügung. Angenommen, „Sonstige“ KandidatInnen kämen auf 4 %, dann liegt die Umfragebreite für VDB bei 20-24 %. Damit ist ein Vorsprung gegenüber HUN, KHO statistisch gesehen auf bei einer n=1000 Umfrage nicht mehr gegeben.

01
Beispiel 1: Berechnung vom Vorsprung auf Basis der Mittelwerte 19.5 (HUN/KHO) und VDB (22) bei einer angenommenen Umfragegröße von n=1.000. Dabei ist der Vorsprung nicht gegeben.
02
Beispiel 2: Berechnung vom Vorsprung auf Basis des niedrigeren Werts von 19 (HUN/KHO) und des höheren Wertes von VDB (24) bei einer angenommenen Umfragegröße von n=500. Erst ab einer höheren Umfragegröße ist der Vorsprung gegeben.

Quelle der Berechnungsfunktion: neuwirth.priv.at

Eine unvollständig publizierte Wahlumfrage lässt halt immer Fragezeichen und Raum für Spekulationen auf, die sehr leicht vermieden werden könnnen.Ein klein wenig Zeit für Details und tiefere Recherchen muss einfach sein, um aus dem Wien-Wahl-Publizierungs-Fiasko zu lernen und Umfragen gut ud unmissverständlich zu interpretieren.

Vergleich zu einer Umfragen-Publizierung vom Dezember 2015

Die heutige Publizierung erinnert an die Umfrage vom 20. Dezember 2015 im KURIER „Hofburg-Wahl: Erwin Pröll liegt in Umfragen voran„. Dabei wurde ein möglicher ÖVP-Kandidat Erwin Pröll in den Umfragen „voran“ gesehen. Die Umfrage war allerdings lediglich eine Momentaufnahme der „Erfolgschancen“ einiger möglicher KandidatInnen von Parteien, die mehr oder weniger erfolgsträchtig empfunden wurden. Was auch bei dieser Umfrage aufgefallen ist: In der Publikation dieser Umfrage waren die Details zur Erhebung (Befragungsgröße, Methode, Zeitraum, etc.) auch nicht ersichtlich.

» Wer in welchen Umfragen voran liegt (Teil 1) (neuwal.com, 20.12.2015)

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.