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Gernot Pointner wurde im letzten Jahr dadurch bekannt, als er jeden Tag Kreditfälle der HYPO-Bank auf seiner Website publizierte. Mittlerweile gibt es diese Webseite nicht mehr und Gernot Pointner widmet sich einem anderen Projekt: Er möchte Bundespräsident werden. Die Hintergründe der HYPO-Aktion sind auch seine größte Motivation, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren: „Dieser Filz ist so derartig tief und versumpft. Man muss etwas machen.“ Mehr dazu erzählt Gernot Pointner im neuwal Gespräch mit Dieter Zirnig.

Bildquelle: Maurice Pointner (gernotpointner.at)

 

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Gernot Pointner

gernotpointner.at

 

Anzeige nach Veröffentlichung brisanter Kreditakten
Jeden Tag stellt ein Aktivist Kreditfälle auf seine Website. Am Freitag ließ er eine von Hypo-Nachfolgerin Heta gesetzte Frist verstreichen. Die hat jetzt die Justiz eingeschaltet.

Licht ins Hypo-Dunkel will ein genervter Steuerzahler bringen und hat dazu aufsehenerregende Schritte gesetzt, die ihm nun Schwierigkeiten bereiten. Gernot Pointner veröffentlicht seit Tagen auf einer Internetseite Hypo-Interna. Genauer gesagt: Kreditnehmer. Auf mauricepointner.at werden Tag für Tag neue Darlehen samt Sicherheiten und Kreditvorsorgen der Hypo publiziert – sehr zum Ärger der Republik. Die Hypo-Nachfolgerin Heta Asset Resolution hat Pointner vergangene Woche eine Abmahnung geschickt, die es in sich hat.

Quelle: derstandard.at (01.12.2014)

Hypo-Kreditfälle im Netz: Rebell bleibt straffrei
Ende des Vorjahres sorgte ein steirischer Webdesigner für Aufregung in der Hypo: Gernot Pointner veröffentlichte auf der Website seines Sohnes Maurice große Kreditfälle der Bank. „Mir geht es um die Steuerzahler. Ich will die Schweinereien publik machen“, sagte er zum KURIER.

Die Hypo-Bad Bank Heta hatte dafür kein Verständnis und erstattete Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Bankwesengesetz. Pointner wurde die „unrechtmäßige Veröffentlichung von Daten der Kreditnehmer“ und Verletzung von Datenschutz vorgeworfen Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Leoben das Verfahren eingestellt.

Quelle: kurier.at (01.06.2015)

Waren Sie schon jemals politisch tätig?

Überhaupt nicht. Gott sei Dank.

Wenn Sie sich einem politischen Spektrum zuordnen würden, rechts bis links. Stellen Sie sich vor, das ist so eine Skala von 1 bis 10. 1 ist rechts und links ist 10. Bei welchem Schritt würden Sie sich da genau sehen?

Aber ganz genau in der Mitte. Aber ganz genau. Ich bin so ein kleiner Gerechtigkeitsfanatiker.

Was reizt Sie denn jetzt an der Bundespräsidentschaft?

Was mich persönlich an der Bundespräsidentschaft reizt?

Jo.

Für den Fall, dass ich die Wahl gewinnen würde – was ja eh ausgeschlossen ist. Der Österreicher ist sehr leidensfähig. Man hält nur einige Jahre durch. Meine erste Amtshandlung – ich glaube, das haben Sie auf meiner Webseite gesehen – ist die Entlassung der gesamten Bundesregierung. Das reizt mich daran. Und eben Neuwahlen.

Wieso wollen Sie die entlassen?

Das ist genau das, was mir ganz am Anfang eingangs besprochen haben. Es ist so versumpft und korrupt, dass da etwas gemacht werden muss. Und im Prinzip ist es nur eine Mauschelei. Gehen wir erst einmal zurück an die Regierung Faymann.

Welche Veränderung würden Sie sich wünschen?

Welche Änderung?

Ja, wenn Sie sagen: Ihre erste Amtshandlung wäre die Entlassung der derzeitigen Bundesregierung, Neuwahlen. Was wäre denn so Ihr Wunschszenario? Was würde sich denn dadurch verändern?

Dass man jetzt also tatsächlich nach dieser Zeit Faymann I und Faymann II, wo eigentlich nichts passiert ist, außer dass man sich selbst bekriegt hat und nichts weitergegangen ist… Dass das Volk tatsächlich einmal sagt: OK, eine Neuwahl und schauen wir, was rauskommt. Also, ich habe auch kein Problem – falls das die nächste Frage ist – den Strache anzugeloben. Wenn das der Wille des Volkes ist, dann soll er es machen. Dann sollte der Herr Strache zeigen, ob er gewillt ist, seine Versprechungen einzuhalten und ob seine „Arbeiterpartei“ auch in der Lage ist, politisch tätig zu werden. Und die Altparteien können sich wieder was überlegen, wie sie das Vertrauen des Wählers gewinnen.

Wäre keine Frage. Weil die nächste Frage ist: Welche der Kompetenzen des Bundespräsidenten würde Ihnen beim Erreichen Ihrer Ziele am meisten weiterhelfen?

Welche… Mein erstes Ziel, was ich gesagt habe. Die Kompetenz, die ich habe, dass ich die Bundesregierung entlassen kann. Nach Artikel 70 des Bundesverfassungsgesetzes. Das ist einmal eine wichtige Kompetenz.

Das heißt, das würde Ihnen jetzt sofort am meisten weiterhelfen.

Weil das ja für mich einmal der wichtigste Punkt ist. Keine Frage.

Und wenn jetzt einmal die Bundesregierung einmal entlassen ist? Welche Aufgabe kommt Ihnen dann am meisten entgegen?

Die Bundesregierung, was ich dann als nächstes angelobe, meine Punkte zu erfüllen habe. Die, was ich glaube, ganz gut finde. Was eh auf meiner Liste oben steht: Direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild. Werde Ihnen nicht die Direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild erklären müssen. Ich glaube, das werden Sie wissen. Bekenntnis zur immerwährenden Neutralität, keine Frage. Auch eine Landesregierung, Landtag, Bundesrat – braucht im Prinzip keiner. Kann man sehr viel Geld sparen. Weil es ist im Prinzip so, dass im Parlament Entscheidungen getroffen werden. Und man muss keinen Kniefall machen vor den Landeshauptleuten, so wie es bei uns in Österreich leider ist. Wenn einer schreit, wird nichts gemacht. Es ist halt so, dass sie sich überall querlegen. Und das ist nicht der Sinn.

Das heißt, wir haben jetzt kurz Ihre Ideen durchgeschaut. Glauben Sie, dass Sie das alles als Bundespräsident verändern und weiterentwickeln können?

Das ist eine Elferfrage würde ich sagen. Ob man es schnell durchsetzen, durchführen kann, weiß ich nicht. Aber es wäre mein Bestreben, es zu versuchen.

Was ist denn Ihrer Meinung nach die größte Stärke von einem Bundespräsidenten oder einer Bundespräsidentin?

Die größte Stärke ist tatsächlich das, dass er einzelne Minister oder die Bundesregierung entlassen kann. Das finde ich sehr wohl als größte Stärke. Und das hätte schon öfter stattfinden müssen. Und da kann man über den Herrn Klestil gut oder schlecht reden. Dass er damals den Herrn Kabas nicht angelobt hat, finde ich richtig. Bis dato hat sich noch kein Bundespräsident getraut. Weil im Prinzip keiner parteifrei ist. Auch Hr. Fischer hat noch immer die SPÖ im Hintergrund.

Wem würden Sie sofort ein Ehrenzeichen als Bundespräsident verleihen?

Wem ich ein Ehrenzeichen als Bundespräsidenten verleihen würde?

Ja.

Ich würde schon. Aber wer von mir ein Ehrenzeichen bekommen würde und auch mit Geld unterstützt werden würde, wäre die UNHCR. Aber nicht irgendeiner, der was am Opernball wie ein eitler Gockel herumtanzt. Selbst ich würde keines brauchen.

Sie brauchen für die Kandidatur 6.000 Unterstützungerklärungen.

Ganz genau.

Haben Sie eine Idee, wie Sie das schaffen wollen?

Das ist auch eine gute Frage. Ich hoffe, dass doch einige Leute mir diese Unterstützungserklärungen im Prinzip zukommen lassen. Dass Sie mir das Vertrauen schenken. Weil viele kennen mich ja von der Veröffentlichung der HYPO-Akte. Und wie gesagt, ich habe jetzt einige Auftritte in Berufsschulen, auch bei Studentenvereinigungen in Wien. Also, die nächsten Tage und Wochen… Ich nehme es einmal an, dass ich es zusammenbringe. Wenn Sie mich jetzt fragen, wie ich das Geld für die Wahl zusammenbekomme: Das weiß ich noch nicht. Das weiß ich tatsächlich nicht. Vielleicht findet sich einer, der sagt: OK, es wäre gar nicht schlecht, den zu unterstützen. Ansonsten habe ich noch den Plan B. Weil ich habe immer einen Plan B: Dann spreche ich mit dem Investor, der damals die HYPO nicht bekommen hat. Ich glaube, er hat mit unserer Bundesregierung noch einiges offen hat.

Wäre auch keine Frage. Sondern die Frage wäre: Über welche Unterstützung bei Ihrer Kandidatur würden Sie sich am meisten freuen?

Über welche Unterstützung? Meinen Sie jetzt einen größeren Geldbetrag? So wie die Frau Griss von der Frau Leitner bekommen hat? Oder wie meinen Sie das jetzt?

Ich lasse das offen: Ob das eine Person ist, eine Partei ist oder ein Medium, eine Fähigkeit, eine Gabe.

Vom Österreicher, der was mit der Politik unzufrieden ist. Wenn ich von dem eine Unterstützung bekommen würde, wäre es sehr nett. Ich wünsche es zwar nicht, dass ich das brauchen würde, sondern, dass ich es tatsächlich auch so auf die Reihe bringen würde. Weil ich habe auch damals – im Zuge der HYPO-Veröffentlichungen – auch keine Spenden angenommen. Das ist nicht meins.

Haben Sie einen Wahlslogan?

Nein. Haben die anderen Kandidaten einen lustigen Wahlslogan? Ich glaube, das ist nicht mehr so aktuell, dass man einen Slogan haben muss.

Welcher derzeitige aktive Politiker oder welche derzeitige aktive Politikerin schätzen Sie am meisten und wieso?

Ok, kann man die Frage auslassen? Es gibt keinen.

Wieso würden Sie sie auslassen?

Weil mir keiner einfällt, der in der Regierung sitzt und wo ich sagen könnte: OK, er hat etwas Besonderes geleistet.

Eine letzte Frage habe ich noch. Auf einer Skala von 1 bis 10. 1 ist „ich stimme nicht zu“ und 10 ist „ich stimme zu“: Wie ernst nehmen Sie Ihre Kandidatur?

Das heißt… Ich habe so einen schlechten Empfang. Bei uns ist die Breitbandmilliarde noch nicht durchgekommen, wissen Sie.

1 ist keine Zustimmung und 10 ist vollste Zustimmung. Das heißt: Wie ernst nehmen Sie Ihre Kandidatur?

Also, wie ernst ich das nehme? Ernst. Sehr ernst. Das ist tatsächlich kein Spaß. Ich bin nicht irgendwie so ein Spaßvogel. Das ist nicht meines.

Das heißt 8, 9, 7.

Mit einem Zwischending gebe ich mich nicht ab. Da bin ich auf 10.

10. Gut. Dann sage ich vielen herzlichen Dank. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.