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Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Heinz-Christian Strache, Norbert Hofer und Ursula Stenzel wurde am 28. Jan. 2016 die Bundespräsidentschaftskandidatur von Hofer als FPÖ-Kandidat bestätigt. Die zehnminütige Antrittsrede ist hier transkribiert und ist als Video auf orf.at abrufbar.

Bildquelle: Live-Stream der Pressekonferenz auf Facebook

 

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Antrittsrede von BP-Kandidat Norbert Hofer bei seiner Pressekonferenz (28.01.2016)

Meine Damen und Herren.

Wenn Ursula Stenzel, Heinz-Christian Strache und Herbert Kickl Sie versuchen, von etwas zu überzeugen, dann werden sie Erfolg haben. Das war gestern ein wirklich interessantes Gespräch, das wir hatten. Es war nicht einfach, diese Entscheidung zu treffen. Man darf ja nicht vergessen, dass wir diesmal wirklich die Chance haben, in die Stichwahl zu kommen.

Und von der Stichwahl aus ist alles möglich. Von der Stichwahl aus ist es möglich, tatsächlich diese Wahl zu gewinnen. Und das ist unser Ziel. Mit diesem Ziel in die Stichwahl zu kommen und zu gewinnen treten wir an.

Natürlich hatte ich Bedenken, ob ich zu jung bin für dieses Amt. Das Durchschnittsalter beim Antritt der bisherigen Präsidenten war 68.63 Jahre. Ich bin jetzt noch nicht 50 – noch lange nicht. Ich werde erst 45. Und diese Frage stellt sich natürlich. Aber es war gerade der Zuspruch vieler Senioren, der mich bestärkt hat, dieses Rennen zu starten. Und es war auch die Überlegung, dass letztendlich die Wähler entscheiden sollen, welcher Kandidat – unabhängig vom Alter – der richtige ist.

Ich darf ganz kurz auch von mir erzählen. Natürlich kennen Sie mich. Aber einige Dinge werden Sie vielleicht nicht wissen. Ich bin im Südburgenland aufgewachsen. Ich hatte eine sehr, sehr glückliche und wohlbehütete Kindheit. Ich war das jüngste von vier Kindern. Es ist leider eine Schwester von mir an Krebs verstorben. Das hat die Familie sehr, sehr geprägt. Mein Vater ist damals auf Grund dieses Todes des Kindes aus der Politik ausgestiegen. Er war Gemeinderat für die ÖVP in unserer Gemeinde. Aber Politik war immer ein Thema bei uns. Beim Mittagessen ist immer über Politik gesprochen worden. Nicht Parteipolitik. Politik war immer ein Thema. Und so bin ich in einem politischen Haus aufgewachsen.

Ich bin dann nach Eisenstadt gegangen und habe den Beruf des Flugtechnikers erlernt. Laufsport hat mich immer begleitet – das hast Du schon erzählt. Das war mir ganz, ganz wichtig als Ausgleich zur Schulausbildung und später auch im Beruf. In den Wald gehen zu können und eine Stunde – manchmal auch länger – einfach laufen zu können. Dann gab’s das Bundesheer. Ich war in der Seekaserne Oggau eingerückt. In der Gelsenkaserne – heißt die. Das macht den Exerzierdienst immer ganz besonders schwer – die vielen Gelsen im Gesicht.

Dann war ich bei der Lauda Air als Triebwerksspezialist beschäftigt. Eine irrsinnig spannende Tätigkeit, herausfordernd. Und dann kam der Weg in die Politik. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich einmal Politiker werde. Das hat sich einfach ergeben. Ich habe zuerst den Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender bei Wirtschaftskammerwahlen unterstützt. Kammerwahlen sind ungemein schwierig – man muss für jede Fachgruppe Kandidaten und Unterstützer finden. Und wir haben damals von 1.9 auf 19 Prozent zugelegt. Das war eine irrsinnige Motivation, hier sich noch stärker zu engagieren.

Dann war ich Gemeinderat in Eisenstadt. Und genau diese Wahl in den Gemeinderat hat mich politisch geprägt. Ich war als junger Politiker natürlich einer der die Gegner besonders hart angegriffen hat. Der Bürgermeister Alois Schwarz musste einem leidtun, weil ihm der junge Hofer immer wieder eingeschenkt und ihm weh getan hat. Und dann kam eben die Wahl in den Gemeinderat. Und Schwarz hat mich damals zu sich geholt und hat gesagt: „Du bist ein junger Gemeinderat und ich weiß, du bist streng und forsch.

Aber versuchen wir doch gemeinsam – bei allen Unterschieden – für diese Stadt etwas zu erreichen.“ Und so war es dann auch. Wir waren immer noch politisch anderer Meinung. Aber wir haben gemeinsam für die Stadt gearbeitet. Und wir haben uns nie unter der Gürtellinie angegriffen. Und so halte ich es auch jetzt.

Ich bin in der Sache sehr, sehr hart und sehr konsequent. Aber ich habe Respekt vor den politischen Mitbewerbern. Da steht immer eine Familie dahinter: Freunde, Eltern. Und auch diese Menschen leiden mit, wenn jemand böse und persönlich angegriffen wird. Deswegen mache ich das nicht. Aber täuschen Sie sich nicht: In der Sache bin ich sehr konsequent. Und es ist sehr, sehr schwer, mich davon zu überzeugen, dass Freiheitliche Inhalte, die ich vertrete – denn ich bin ein Freiheitlicher Kandidat… Ich erzähle Ihnen nicht, wie ein Mitbewerber einer anderen Partei, der ewig dort aktiv war – an vorderer Stelle -, dass es plötzlich überparteilich wäre…

Ich bin ein Freiheitlicher Kandidat und ich vertrete Freiheitliche Positionen. Davon gehe ich keinen Millimeter ab. Und da ist es ganz schwer, mich davon zu überzeugen, dass eine Position, die ich vertrete, für die FPÖ falsch wäre. Ich habe mir das immer sehr genau überlegt, warum ich diese Position vertrete. Nachdem ich aber Parteiprogramm hauptverantwortlich mit dabei war, ist es für mich ganz, ganz leicht, hinter diesen Positionen zu stehen.

Es kam dann der Weg in die Landespartei im Burgenland. Es kam der Weg in das Regierungsbüro. In die Landesregierung – da war ich Klubdirektor. Und dann – Sie wissen es – Nationalrat und jetzt dritter Nationalratspräsident.

Sehr geprägt hat mich mein Unfall. Ich war damals 33 Jahre alt und voller Energie und voller Kraft. Und es war mein dritter Flug an diesem Tag – am Kulm, Stubenberg. Und es war etwas windig aber ansonsten das Wetter in Ordnung. Ich bin rausgestartet und bin unheimlich gerne tief geflogen. Tief fliegen, weil das vielmehr Spaß macht als weit oben, irgendwo in der Nähe der Wolken. Ich bin gerne tiefgeflogen. Und in einer Höhe von etwa 15 Meter ist dieser Paragleiter eingeklappt. Und wer sich damit ein bisserl auskennt: In großer Höhe ist das überhaupt kein Problem: Da öffnet man einen Rettungsfallschirm und man kann sich sichern.

In 15 Meter Höhe kann man gar nichts machen. Da ist man Passagier. Der Schirm war unter mir und ich bin 15 Meter in freiem Fall nach unten gefallen und habe mich schwerst verletzt: 5 Wirbel gebrochen, Rippen und das Rückenmark war verletzt. Ich habe meine Beine nicht mehr gespürt. Es hat zuerst geheißen, dass ich es nicht überlebe. Dann hat es geheißen: komplette Querschnittslähmung – das war der erste Befund. Und wenn Sie da so liegen und ich vergleiche das mit einer Formatierung einer Festplatte „Format C:“. Da ist alles andere, was vorher war völlig weg. Völlig unwichtig. Die Pläne in der Politik, die Sorgen, die man hat.

Das ist alles völlig weg, wenn man wieder ganz von Null beginnt.

Und das ist für einen Politiker unheimlich heilsam. Und weil dann die Dinge auch später einen nicht mehr so bedrängen und man eine gewisse Gelassenheit bewahren kann. Und ich habe in diesen sechs Monaten in der Rehabilition so, so viele Menschen kennengelernt, die alle bei null gestanden sind, die sich Sorgen gemacht haben: Kann ich meinen Beruf jemals wieder ausüben? Kann ich mein Haus wieder betreten, weil es Stufen gibt? Wie reagiert meine Familie, wenn erst ein Pflegefall zu Hause ist?

Und da gibt es tolle Menschen, die so hart an sich arbeiten, um wieder ins Leben einzusteigen. Und ich trete jetzt nicht an, weil ich eine Behinderung habe. Aber ich trete an, obwohl ich mit den Folgen des Unfalls zu kämpfen habe. Ich glaube, dass das auch für jene, die ein ähnliches Schicksal erleidet haben, ein großer Ansporn ist, sich ja nicht aufzugeben. Es ist alles, alles möglich. Egal, was die Ärzte sagen und egal, wie schlimm es ist. Ich hätte mir im Jahr 2003 niemals gedacht – niemals gedacht -, dass ich einige Jahre später hier sitze und für dieses Amt kandidieren darf. Das ist eine riesige Freude und eine riesige Ehre für mich.

Was wäre mein Amtsverständnis? Ich werde das in einer späteren Pressekonferenz auch näher ausführen. Aber wichtig ist mir: Ich möchte einfach Türen öffnen. Sie wissen, ich komme aus dem Burgenland. Wir Mandatare aus dem Burgenland – egal von welcher Partei sie kommen – haben ein besonderes Verhältnis auch zueinander. Das Burgenland ist kleiner und man kennt sich gut – man versteht sich auch abseits von politischen Querregeln. Ich war nicht unmaßgeblich an der Bildung der Landesregierung unter neuen Farben im Burgenland beteiligt. Auch dort ist dieses persönliche Verhältnis zwischen den Obleuten der beiden Parteien so wichtig, damit so eine Koalition funktioniert.

Und ich glaube, das muss auch auf Bundesebene so sein. Eine Koalition muss aus Menschen bestehen, die sich auch gut verstehen und die sich vertrauen. Denn man muss ja auch etwas gemeinsam für Österreich weiterbringen. Wenn dort gestritten wird, dann leidet Österreich darunter. Und wir alle werden gewählt, um für Österreich zu arbeiten. Es ist dies ein Amt, in das man direkt gewählt wird. Daher muss ein – oder würde ich als – Präsident ganz besonders darauf achten, dass die Direkte Demokratie in Österreich ausgebaut wird. Denn neben den etablierten Politikern, den verantwortungsvollen Politikern, sollen auch die Bürger die Möglichkeit haben, mit ihren Entscheidungen aktiv in das politische Geschehen in Österreich eingreifen zu können.

Das ist mir ganz besonders wichtig.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place. Seit April 2018 bei der Rechercheplattform addendum.org.
  • Christian Cargnelli

    Kleine Korrektur: Hofer sagte nicht „prozessualen“ sondern „professalen“ – das Wort gibt’s natürlich nicht, er meinte „professoralen“.

    • Also doch! Dachte ich mir doch, dass es da Wort nicht gibt.