Erwin Pröll wäre mit 69 Jahren ein jüngerer ÖVP-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gewesen. Doch nach der überraschenden und offenbar gut kalkulierten Absage des niederösterreichischen Landeshauptmanns steigt mit dem Seniorenbundchef Andreas Khol nun ein um fünf Jahre älterer Grande der Volkspartei in den Ring.

Am Sonntagabend präsentierte ÖVP-Parteichef Reinhold Mitterlehner seinen Auserkorenen, nachdem sich auch der Bundesparteivorstand für Khol ausgesprochen hat. Der 74-Jährige sei einer, der „Erfahrung mit Weitblick verbindet“ und der „wegen seiner Zeit als Präsident des Nationalrates nur zu gut weiß, wo dem Bürger der Schuh drückt“. Deshalb, so Mitterlehner, sei er der richtige Kandidat für das ehrwürdige Amt des Bundespräsidenten.

Die Kontrahenten Khols stehen dem Verfassungsjuristen in Sachen Lebenserfahrung aber um nichts nach. Da wäre Alexander Van der Bellen, der 1944 geboren wurde, oder auch die ehemalige Präsidentin des Obersten Gerichtshofes Irmgard Griss, die nur zwei Jahre später das Licht der Welt erblickte. Martin Wabl, der bereits sein viertes Mal Unterstützungserklärungen für ein Antreten sammelt, ist 71 Jahre alt. Nur Adrien Jean-Pierre Luxemburg-Wellenstein sticht mit seinen „jugendlichen“ 56 Jahren aus der Honoratioren-Riege hervor.

Rudolf Hundstorfer wäre – sofern die SPÖ die von vielen Medien erwartete Kandidatur des Sozialministers bekannt gibt – mit 64 Jahren zwar nicht mehr der jüngste Interessent, aber noch immer ein Jungspund unter allen Hofburg-Anwärtern.

Statt einem Wahlkampf um das höchste Amt im Staat scheint sich nun ein Seniorenkränzchen anzubahnen. Denn der Altersdurchschnitt von Van der Bellen, Griss, Khol und Hundstorfer beträgt 69,8 Jahre (mit Wabl und Luxemburg-Wellenstein 67,7). Der Durchschnitts-Österreicher ist rund 44 Jahre alt.

Theodor Körner war mit 78 Jahren der bislang älteste Bundespräsident bei seinem Antritt.
Theodor Körner war mit 78 Jahren der bislang älteste Bundespräsident bei seinem Antritt. (Credit: Marleen Zachte)

Junge US-Präsidenten

In Österreich sind „erfahrene“ Staatschefs aber keine Seltenheit. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass bis auf Rudolf Kirchschläger (59) und Thomas Klestil (59) alle Bundespräsidenten der Zweiten Republik bei Amtsantritt über 60 Jahre alt waren. Der Älteste unter ihnen war Theodor Körner. 1951 trat er mit stolzen 78 Jahren die Nachfolge des verstorbenen Karl Renner an.  Noch-Präsident Heinz Fischer war bei seiner Amtseinführung 2004 65 Jahre alt, also doch noch wesentlich jünger als seine möglichen Nachfolger.

Als Kontrast zur österreichischen Präsidentenlandschaft eignen sich die USA. Die jüngsten US-amerikanischen Präsidenten waren Theodore Roosevelt mit 42 Jahren und 322 Tagen und John F. Kennedy mit 43 Jahren und 236 Tagen. Barack Obama, der noch in diesem Jahr Platz für seinen Nachfolger machen muss, rangiert auf Platz 5 der jüngsten US-Staatschefs. Bei seiner Inauguration am 20. Jänner 2009 war er 47 Jahre alt. Ronald Reagan war bei seiner Amtseinführung am ältesten: 69 Jahre.

Bernie Sanders
Bernie Sanders kandidiert für das Amt des US-Präsidenten. (Credit: Phil Roeder)

Doch diesen inoffiziellen Titel könnte ihm der Demokrat Bernie Sanders streitig machen. Zwei Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA wird der „demokratische Sozialist“, wie er sich selbst bezeichnet, 75. Hillary Clinton wäre 69 Jahre alt und Donald Trump hätte bereits 70 Jahre am Rücken. Aber es lassen sich auch zwei Politiker finden, die das halbe Jahrhundert noch nicht überschritten haben: der texanische Senator Ted Cruz ist 44 Jahre und Marco Rubio, Senator von Florida, 43 – beide gehören den Republikanern an.

Junge europäische Präsidenten

Man muss jedoch nicht den weiten Weg in die USA auf sich nehmen, um junge Staatschefs zu finden. Borut Pahor, slowenischer Präsident, war bei seiner Amtseinführung 49 Jahre alt; Albaniens Präsident Bujahr Nishani war sogar nur 45, als er vereidigt wurde. In Kroatien schwingt Kolinda Grabar-Kitarovic, die nur um ein Jahr älter ist als ihr albanischer Kollege, das Zepter. Zu den Jüngsten gehört aber auch Weißrusslands Langzeitdiktator Alexander Lukaschenko, der mit 40 Jahren seine erste von bislang fünf Amtszeiten antrat.

Zum alten Eisen hingegen gehören unter anderem der Deutsche Joachim Gauck (72 Jahre) und Giorgio Napolitano, der sein Amt als italienisches Staatsoberhaupt mit fast 81 Jahren antrat und als 89-Jähriger 2015 aus Altersgründen vorzeitig beendete. Papst Franziskus war übrigens 76 Jahre, als er bei der Konklave 2013 von 115 Kardinälen zum Souverän des Vatikanstaats gewählt wurde – nicht von Gottes Gnaden.

Österreichs Altersstruktur

Van der Bellen, Griss und Khol spiegeln auch die Veralterung der Gesellschaft wider. Während der Anteil der Jugendlichen (0 bis 19 Jahre) und der Österreicher im erwerbspflichtigen Alter (20 bis 64 Jahre) immer weiter schrumpft (derzeit 62 Prozent), wächst die Zahl jener Personen, die das 65. Lebensjahr bereits überschritten haben. Laut Statistik Austria gehörten zum Stichtag 1.1.2015 beinahe 1,6 Millionen Personen der Altersgruppe 65 bis 100 an. Das sind rund 18,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bis 2030 soll diese Zahl um weitere fünf Prozent steigen. Albanien hingegen gehört mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren (Österreich: 43,6) zu den jüngsten europäischen Staaten.

Demografie in Österreich
Demografie in Österreich. (Credit: Screenshot Statistik Austria)

Es bleibt noch abzuwarten, wen die FPÖ ins Rennen um die Hofburg schicken wird. Wenn es wie medial kolportiert der Präsident des Rechnungshofes Josef Moser (60 Jahre) sein soll, dann würde der Altersdurchschnitt der Kandidaten (Hundstorfer, Moser, Griss, Van der Bellen und Khol) um satte zwei Jahre auf 67,8 sinken (mit Wabl und Luxemburg-Wellenstein 66,6). Dieser Hofburg-Anwärter wäre trotzdem schon seit 7,7 Jahren im Ruhestand. Warum? Laut Pensionsmonitoring des Sozialministeriums treten Österreicher ihre Pension im Durchschnitt mit 60,1 Jahren an.

 

 


Stellt sich nur die Frage: Gibt es keine „jüngeren“ Politiker in der Alpenrepublik? Doch. Aber entweder will man „Jungpolitiker“ nicht verheizen oder sie nehmen sich selbst aus dem Spiel – wie eben der dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (44 Jahre): „Ich fühle mich für diese Aufgabe etwas zu jung.“


Headerbild: ÖVP Salzburg auf flickr.com

 

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Jürgen Klatzer

Redakteur bei KURIER
Seit Oktober 2014 für neuwal.com als Redakteur tätig. Beschäftigt sich vor allem mit Tagespolitik, Politischer Bildung und politischer Philosophie. Sein Interesse gilt dem Nahen und Mittleren Osten. Arbeitet als Redakteur im Medienhaus KURIER. Hat Kommunikation, Kultur und Medien an der Alpen Adria Universität Klagenfurt und Politische Bildung an der Johannes Kepler Universität Linz studiert.