von
   

Transkript zum Kommentar von Anja Reschke (NDR) zu den Übergriffen in Köln in der ARD vom 08.01.2016.

Freitag, 08.01.2016 22:35
ORF
Transkriptstatus: Samstag, 09.01.2016 11:55
Quelle: tagesschau.de
Bildquelle: tagesschau.de (Screenshot)

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflektion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden können.

Idee, Feedback oder Fehler gefunden? Bitte an info [at] neuwal.com schicken oder via Kontakt! Danke.

Transkript: Kommentar von Anja Reschke zu den Übergriffen in Köln

Ändert die Silvesternacht von Köln alles?

Viele sind jetzt wütend. Auf die Regierung. Auf die Medien, die angeblich falsch berichten. Auf die Polizei.

Wir mussten in den letzten Tagen schmerzvoll lernen, dass die vielgerühmte Willkommenskultur von einigen ausgenutzt wird. Die Übergriffe von Köln waren furchtbar. Vor allem für die betroffenen Frauen. Aber, Sie waren auch ein Weckruf. Sie haben gezeigt, dass die Sache mit der Integration verdammt schwer wird. Für uns alle.

Vielleicht haben wir uns das zu schöngeredet. Aber knicken wir jetzt ein?

Was wir brauchen, ist die Wahrheit. Wenn Horden von Männern Frauen angehen, dann müssen wir dagegen vorgehen. Wenn die Polizeiführung von Köln versucht hat, die Herkunft der Täter zu vertuschen, dann ist das Grundfalsch. Wir können die Probleme nur dann angehen, wenn wir sie auch kennen.

Die Flüchtlingsdebatte war von Anfang an beherrscht von Stimmungen. Als die Bilder des toten Jungen am Strand um die Welt gingen, haben wir die Arme aufgemacht. Und jetzt sehen wir in allen muslimischen Männern potentielle Kriminelle. War es das? Ist der Jahreswechsel jetzt wirklich der Moment, der alles ändert?

Köln stellt uns auf eine harte Probe.

Aber, wir dürfen uns jetzt nicht unseren Ängsten hingeben. Wenn wir jetzt alle Flüchtlinge in Sippenhaft nehmen. Wenn wir Zäune um unsere Häuser und unser Land ziehen. Wenn wir den Rechtsruck mitmachen, den einige unserer Nachbarländer schon vollzogen haben, dann geben wir all das auf, was wir erreicht haben. In Polen ist man gerade dabei – getragen von Angst vor Fremden – Medien und Justiz einzuschränken. Man kann zusehen, wie schnell das geht.

Es ist so verlockend einfach, jetzt den Rufen der Rechtspopulisten zu folgen. Aber wenn wir das tun, dann verlieren wir unsere Freiheit.

Erst nach dem Transkribieren gesehen, dass der Kommentar vollständig als Text auf auf daserste.ndr.de abgebildet ist.

The following two tabs change content below.
Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.