Mit Hochspannung wird die von 30.11. bis 11.12.2015 in Paris stattfindende UN-Klimakonferenz erwartet. Es steht viel auf dem Spiel, ein weiteres Scheitern kann man sich nicht mehr leisten.

Adam Pawloff von Neongreen Network verfolgt die COP21 in Paris vor Ort. Für den podwal Podcast „Klimagipfel in 60 Sekunden“ wird er uns das Konferenzgeschehen täglich näher bringen. Weiterführende Infos, Videos findet ihr zudem auf Facebook und auf Twitter unter #NEONGREENNET und #insideCOP21

Bevor es am Montag, den 7.12., in die heiße Phase geht, könnt ihr euch heute noch auf den aktuellen Stand bringen. Wir haben alle Beiträge der ersten Woche noch einmal zum Nachhören aufbereitet.

 

 

 

Treffen der Staats-und Regierungschefs

Adam Pawloff im Wortlaut (Tag 1/30.11.2015)

30. Nov. 2015 ‐ Heute waren die Staats- und Regierungschefs der Welt hier in Paris, um die Weltklimakonferenz zu eröffnen. Wahnsinnig viel substantiell Neues hat es dabei nicht gegeben, positive Signale waren jedenfalls von Angela Merkel zu hören. Sie hat das Stichwort Dekarbonisierung ins Spiel gebracht. Das bedeutet ein Ende von Öl, Kohle und Gas. Allerdings erst mit Ende des Jahrhunderts. Um den Klimawandel zu begrenzen, wäre ein solches Ende von fossiler Energie aber bereits Mitte des Jahrhunderts dringend erforderlich.

Obama und der Staatspräsident von China Xi waren in ihren Reden eher zurückhaltend, aber das ist leider oft so mit politischen Reden. Man muss das auch so sehen, dass heute erst der Start der Verhandlungen ist. Wenn man beispielsweise an einem Marktstand etwas verhandelt, dann startet man nicht mit dem höchsten, sondern mit dem niedrigsten Gebot. Und das war gewissermaßen auch von den Staats- und Regierungschefs zu hören. Morgen geht dann die inhaltliche Arbeit los und da erwarten wir uns doch erhebliche Fortschritte.

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Zurückhaltung beim Klimagipfel

Adam Pawloff im Wortlaut (Tag 2/1.12.2015)

1. Dez. 2015 ‐ Der zweite Tag der Klimaverhandlung ist geschlagen. Wahnsinnig viel zu berichten gibt es noch nicht. In dieser doch sehr frühen Phase der Klimakonferenz tauschen sich Länder und Länderblöcke zu ihren grundsätzlichen Positionen aus.
Viel Kritik an dem Prozess wurde jedenfalls aus der Zivilgesellschaft geübt. Die Verhandlungssitzungen und vor allem die sogenannten Spin-Off-Groups, wo konkret über Text verhandelt wird, sind für die Zivilgesellschaft, also die NGOs, nicht zugänglich.
Jedenfalls positiv zu beurteilen ist ein Vorschlag der sogenannten „Vulnerable Countries Form“, das sind 43 stark vom Klimawandel betroffene Länder, die sich für die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels einsetzen und die volle Dekarbonisierung unserer Wirtschaft bis zum Jahr 2050 fordert. Das heißt die Umstellung auf 100 % erneuerbare Energien bis 2050.
China, die USA und Indien agieren nach wie vor zurückhaltend. Es bleibt abzuwarten, wie es weitergeht.

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Kommt das 1,5-Grad-Ziel?

Adam Pawloff im Wortlaut (Tag 3/2.12.2015)

2. Dez. 2015 ‐ Der dritte Tag der UN-Klimakonferenz neigt sich langsam dem Ende zu. Ich komme gerade von einem Update vom COP-Präsidenten Laurent Fabius für die Zivilgesellschaft. Man muss sagen, dass es wirklich unglaublich ist, wie man in einer 40 Minuten-Rede inhaltlich nichts sagen kann und auch nichts beitragen kann. Auch bei der Frage der Transparenz, die angesprochen wurde, hatte der COP-Präsident nichts zu sagen.
Es gibt aber auch einige positive Nachrichten. Einerseits haben wir nach 3 Tagen noch nichts Relevantes aus dem Text verloren. Einige der Industriestaaten, darunter die EU und auch Japan, unterstützen die am meisten vom Klimawandel betroffenen Staaten mit ihrer Forderung, das 1,5 Gradziel im Text zu verankern. Das kommt an der Stelle des sogenannten „Long Term Goal“, das heißt das langfristige Ziel. Auch hier gibt es einen neuen, stark vereinfachten Text, was es für die Minister in der zweiten Woche einfacher machen wird. Ein wesentliches zu lösendes Thema in der zweiten Woche ist die Frage, ob die aktuell abgegebenen Verpflichtungen noch vor 2020 nochmals evaluiert werden. Hier sind die meisten Staaten dafür, problematisch sehen wir hier tendenziell China, Indien und Saudi-Arabien. Aber es bleibt zu hoffen, dass diese Schwierigkeit noch überwunden werden kann.

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Differenzierung

Adam Pawloff im Wortlaut (Tag 4/3.12.2015)

3. Dez. 2015 ‐ Tag 4 der Klimakonferenz. Leider gibt es heute nicht wahnsinnig viel Positives zu berichten. Die meisten Diskussionen sind nicht wirklich weitergegangen. Das größte Problem, das wir gerade haben, dreht sich rund um das Thema „Differentiation“, also die Differenzierung. In der ursprünglichen Klimarahmenkonvention, die 1992 in Rio beschlossen wurde, wurde ganz klar zwischen Industriestaaten und Entwicklungsstaaten unterschieden. Die EU und die USA würden diese Unterscheidung gerne aufheben und auf eine dynamische Differenzierung pochen. Das heißt, je mehr sich ein Land entwickelt, desto höher die Ambitionen beim Klimaschutz. Natürlich wehren sich hier einige Länder dagegen. Die pochen darauf, dass die historische Verantwortung der Emissionen ganz klar bei den Industriestaaten liegt und dass sie diese in erster Linie zu erfüllen haben. Das heißt der Großteil der Emissionsreduktionen liegt bei ihnen. Hier sind wir leider einigermaßen steckengeblieben. Wir hoffen, dass es noch heute am Abend eine Lösung gibt oder in die Richtung einer Lösung gehen wird. Das nächste Update dazu folgt dann morgen.

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1.5-Grad-Ziel

Adam Pawloff im Wortlaut (Tag 5/4.12.2015)

4. Dez. 2015 ‐ Der fünfte Tag der Klimakonferenz hat sehr positiv begonnen: Deutschland hat sich dem Vorschlag von Frankreich – dem 1.5-Grad-Ziel – angeschlossen. Das heißt, die globale Erwärmung auf maximal 1.5 Grad zu begrenzen und im Text zu verankern. Das ist auch eine zentrale Forderung von Greenpeace und anderen NGOs. Damit würden wir die Wahrscheinlichkeit vom gefährlichen Klimawandel deutlich reduzieren.

Eine andere positive Neuigkeit: Die Coaches, also die, die die Verhandlungen leiten, haben einen stark vereinfachten – von 55 auf 38 Seiten reduzierten – Text vorgelegt. Über diesen wird aktuell diskutiert. Und dieser wird dann am Montag in irgendeiner Form den Ministern zur weiteren Verhandlung vorgelegt.

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Fossil of the Day

Adam Pawloff im Wortlaut (Tag 6/5.12.2015)

5. Dez. 2015 ‐ Die erste Woche der Klimakonferenz ist geschlagen. Zeitgerecht hat das Vorbereitungsgremium, das sogenannte ADP – ein Gremium, dass in Durban bei der Klimakonferenz 2011 in Südafrika geschaffen wurde, um das Pariser Abkommen und die Pariser Konferenz vorzubereiten- heute den aktuellen Stand der Verhandlungen an die Vertragsstaatenkonferenz weitergegeben, die ab Montag in Person der Minister weiterverhandelt. Auch Bundesminister Rupprechter wird dabei sein.
Eine Notiz am Rande: Bei der Klimakonferenz wird auch jeden Tag von einem großen Bündnis an Umweltorganisationen ein Negativpreis verliehen, der „Fossil of the Day“ Gestern gingen alle drei Kategorien an Saudi-Arabien, die an unterschiedlichen Stellen die Verhandlungen blockieren. Einerseits wollen sie blockieren, dass die abgegebenen Klimaschutzverpflichtungen, die uns ja aktuell auf 2,7 Grad Erwärmung führen würden, bis 2020 nicht analysiert und nachgebessert werden können. Sie blockieren wichtige Formulierungen im Text im Hinblick auf Wälder und Menschenrechte und sie blockieren die Aufnahme des 1,5 Gradziels in den Verhandlungstext. Und heute -Überraschung- hat Saudi-Arabien wieder den Preis gewonnen. Heute gemeinsam mit Venezuela, weil sie die Aufnahme der Formulierung in den Text für Dekarbonisierung, also fossile Energie gegen 2050 auslaufen zu lassen, blockieren. Morgen haben alle frei, können sich ein wenig ausschlafen, ein wenig verschnaufen. Am Montag geht es dann mit den Ministern los, es sind noch viele offene, ungelöste Fragen dabei. Der Verhandlungstext ist zwar von 55 auf 38 Seiten geschrumpft, aber es muss noch viel geschehen. Mehr dazu am Montag.

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Adam Pawloff
Adam wurde in Großbritannien geboren und lebt seit 2004 in Wien. Er hat an der Universität Politikwissenschaft studiert und ist Experte für Klimapolitik. Seit 2008 ist Adam für NEONGREEN NETWORK aktiv, wo er seit 2009 gemeinsam mit Vereinsgründerin Angie Rattay für die Organisation der ERDgespräche verantwortlich ist. Seit 2010 arbeitet er in den Bereichen Lehre, Forschungskoordination und Green Campus am Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der BOKU in Wien und ist seit 2015 Klima- und Energiesprecher bei Greenpeace Österreich.

Bildquelle: © M.P. Hempt

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.