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Am 7. Oktober 2015 gab es auf Ö1 ein Journal Panorama zum Thema „Mittwochsrunde: Vor der Wien-Wahl“ mit Michael Jungwirth (Kleine Zeitung), Daniela Kittner (Kurier), Eva Linsinger (profil) und mir von neuwal.com. Geleitet wurde die 30-minütige Diskussionsrunde von Astrid Plank. Danke für die Einladung!

» Die Sendung ist hier bis 14.10.2015 abrufbar

Nun möchte ich hier eine kurze Zusammenfassung meiner angesprochenen vier Themenbereiche geben. Das sind zunächst aktuelle Wahlumfragen und ein schneller Blick in die Social-Media-Welt der Wiener PolitikerInnen, was meiner Meinung nach bei dieser Wahl ein entscheidender Punkt war. Weiters finden sich zwei vorläufige grobe Auswertungen und Analysen von unserem LANGEN TAG DER POLITIK in Bezug auf Wahlverhalten und Forderungen von JungpolitikerInnen.

Vorbereitungszettel
Vorbereitungszettel neuwal Ö1 (01.10.2015)

1. Aktuelle Wahlumfragen

Die Diskussion startete mit einem generellen Überblick der aktuell vorliegenden Wahlumfragen. Ich nehme dazu die Wahlumfragen heran, die im Monat vor dem Wahltag publiziert worden sind. Das sind in diesem Fall jeweils drei Wahlumfragen von Gallup (in ÖSTERREICH), drei von Unique Research (einmal in der Kronen Zeitung und zweimal in Heute) sowie jeweils eine Umfrage von Market (derstandard.at) und OGM (Kurier). Die zuletzt veröffentlichte Umfrage kommt von OGM (Kurier, 4.10.2015) und wurde eine Woche vor der Wahl veröffentlicht. Durchschnittlich wurden 590 Personen/Wahlumfrage befragt. Die Umfragewerte dieser acht Wahlumfragen liegen nun innerhalb einer max. Schwankungsbreite von +/- 4 % bei folgenden Werten:

SPÖ FPÖ ÖVP GRÜNE NEOS Sonstige
34-38 32-35 8-11 11-14 5-8 1-4
29.4-40.2 27.4-39.7 6.1-12.9 7.9-17.04 2.9-10.4 0.1-5.9

Generell lässt sich auf Grund der Umfragen eine Zuspitzung auf die beiden Parteien SPÖ und FPÖ in den letzten Wochen vor der Wahl erkennen. Ein Abstand von 3-4 Prozentpunkten, bei dem die SPÖ vor der FPÖ liegt, ist das derzeitige Stimmungsbild.

Wahlumfragen Wien


» Weitere Wien-Wahlumfragen

 

2. Flüchtlingsthematik und Social Media

Die momentane Flüchtlingsthematik war Thema Nr. 1 im Wahlkampf. Dabei waren sich alle DiskussionsteilnehmerInnen einig. Ein zweiter Punkt war meiner Beobachtung nach der Online-Wahlkampf. Dabei war meiner Meinung nach Facebook der entscheidende Kanal, um die Polarisierung beim Flüchtlingsthema zu generieren. Vor allem die FPÖ setzte in diesem Wahlkampf Facebook strategisch für ihre Themen am besten ein und konnte damit ihre Themen über das gesamte Netzwerk bei FPÖ-SympatisantInnen sowie FPÖ-Nicht-SympatisantInnen streuen. Dabei war Thema Nr. 1 das „Bundespräsidenten-Video“ von Strache, welches über 1 Million Views generierte.

Während Heinz-Christian Strache auf Facebook mehr als 270.000 Likes hat, ist Michael Häupl (SPÖ) als Person weder auf Facebook noch auf Twitter vertreten – wird allerdings von der Wiener SPÖ auf ihren Parteiprofilen vertreten. Ebeneso nur auf Facebook vertreten sind Maria Vassilakou (GRÜNE) und Manfred Juraczka (ÖVP) – auf Twitter werden sie allerdings von den Partei-Accounts vertreten. Beate Meinl-Reisinger (NEOS) ist sowohl auf Facebook als auch auf Twitter aktiv und wird auf beiden Kanälen auch auf den Parteiaccounts gehosted.

Eine kurze Übersicht über die aktuellen Likes (Facebook) bzw. Follower-Zahlen (Twitter) mit Stand 8.10.2015:

Partei/KandidatIn Facebook Twitter
Michael Häupl (SPÖ) -* -*
SPÖ Wien ca. 22.700 ca. 3.400
Heinz-Christian Strache (FPÖ) ca. 270.000 8.000
Manfred Juraczka (ÖVP) ca. 13.000 -*
ÖVP Wien ca. 3.400 ca. 2.800
Maria Vassilakou (GRÜNE) 10.500 -*
GRÜNE Wien ca. 11.400 7.000
Beate Meinl-Reisinger (NEOS) 12.500* 3.400*
NEOS (Ö/W) ca. 5.800 (NEOS Wien) ca. 11.600

*) KandidatInnen werden von den Parteiprofilen mitgehosted.

 

3. Wahlverhalten der ErstwählerInnen

Beim LANGEN TAG DER POLITIK gab es neben Workshops, Rollenspielen und Politische-Bildungs-Basics auch die Module „Forderungen“ und „Vorher-Nachher-Wahl“. Bei der Vorher-Nachher-Wahl haben wir alle TeilnehmerInnen vor und nach den Workshops zu einer Testwahl gebeten. Einerseits um das Ausfüllen vom Wahlzettel – dabei insbesondere der Vorzugsstimmen – zu erlernen sowie einen Trend bei der Zielgruppe ErstwählerInnen unter 1.600 SchülerInnen, ErstwählerInnen und Lehrlingen zu erkennen.

Das vorl. ausgewertete Stimmungsbild ist den aktuellen Wahlumfragen sehr ähnlich: SPÖ liegt vor der FPÖ, NEOS und GRÜNEN. An fünfte Stelle liegt bei den ErstwählerInnen die ÖVP. Nicht in die Mandatsränge würden es nach dieser vorl. Auswertung ANDAS, WWW und GFW schaffen. Genaue Zahlen möchten wir nicht veröffentlichen, da es sich um ein empirische Analyse handelt und es ein ungefähres Stimmungsbild darstellt. Was sich jedoch erkennen lässt ist, dass SPÖ und FPÖ auch bei dieser Wahl in diesem WählerInnensegment voran liegen.

 

4. Forderungen der Jugendlichen

Im Gegensatz zum Wahlkampfthema „Flüchtlinge“ gibt es im Bereich der von uns untersuchten jugendlichen ErstwählerInnen ein differenziertes Bild. Beim LANGEN TAG DER POLITIK haben wir die TeilnehmerInnen nach Ihren aktuellen Forderungen an die Politik in Wien gefragt und was denn ihre politischen Themen und Anliegen sind. Gleich vorweg: Flüchtlingsthematik und Integration sind nicht im vorderen Bereich zu finden. Die erste Auswertung hat gezeigt, dass für Jugendliche und ErstwählerInnen andere Themen wichtig sind, die von beiden Seiten ErstwählerInnen und JunpolitikerInnen gleich angesprochen werden. Eine genaue Auswertung und Analyse davon gibt es Ende Oktober.

Demokratie und Partizipation
Ganz vorne bei den Jugendlichen steht Demokratie und Partizipation mit folgenden kurz erwähnten genannten Forderungen dazu:

  • Wunsch nach Beteiligung
  • im speziellen: mehr Mitsprache bei schulischen Entscheidungen
  • Politische Bildung als eigenes Fach
  • BürgerInnen bei Entscheidungen mit einbinden
  • Wahlversprechen einhalten

Leistbares Wohnen, Lebensmittel und Jobs
Das Thema Wohnen wurde sehr oft von SchülerInnen genannt.
Leistbare Lebensmittel und mehr Jobs wurden von Lehrlingen genannt. Mit der Begründung: Wir bekommen wenig bezahlt und die Lebenskosten steigen jedes Jahr.

Bildung
Als drittes Thema steht „Bildung“ bei den Jugendlichen ganz vorne.

  • mehr Gratis-Nachhilfe
  • mehr Geld für Bildung
  • bessere Bildungschancen für MigrantInnen
  • allgemeine Unzufriedenheit mit der Zentralmatura („Zentralmatura abschaffen“)
  • Ebenso habe ich mich bei den JungpolitikerInnen von SPÖ, FPÖ, ÖVP, GRÜNEN, NEOS und ANDAS erkundigt, was denn ihre speziellen Themen und Forderungen für die Jugendlichen in der Politik sind. Das Ergebnis ist gleich auf mit den Forderungen der jungen ErstwählerInnen:

    Bildung
    Bildung wurde von allen JungpolitikerInnen genannt.

    • Umstrukturierung, mehr Geld
    • mehr Lehrkräfte
    • freier Bildungszugang

    Demokratie und Partizipation
    Dieser Punkt wurde von 5 von 6 JungpolitikerInnen in die Top-5-Forderungen aufgenommen.

    • Recht in Anspruch nehmen, dass sich Jugendliche für die Politik interessieren
    • Junge sollen demokratischer werden
    • Jugendliche sollen sich in der Politik selbst vertreten
    • Mehr Miteinbeziehung Jugendlicher in den politischen Prozess
    • mehr Jugendparlamente, stärkere Jugendvertretung

    Wohnen
    Vier von sechs JungpolitikerInnen sehen im Themenbereich Wohnen einen starken Fokus.

    • finanzierbare Wohnungen
    • 365 Euro Wohnungen
    • Leerstandsabgabe
    • Gemeindebau forcieren

    Ebenso interessant, dass Themen wir Verkehr, Integration, Umwelt, Familie, Zukunft oder Sicherheit genannt wurden, allerdings nicht in die TOP-5 Themen gereiht wurden.

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    Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.