Die Grünen wurden 1986 in Wien gegründet. Der Einzug in den Landtag gelang beim zweiten Antritt 199, wo man mit 9,1 % der Stimmen 7 Sitze erreichte. Bei der Wahl im Jahr 2010 erreichten sie 12,6 % der Stimmen und gingen eine Koalition mit den Sozialdemokraten ein.

Die Grünen setzen sich neben der Umweltthematik auch für die Rechte der Minderheiten und für eine ökosoziale Steuerreform ein. Ihre Grundwerte gemäß dem Grundsatzprogramm von 2001 lauten: „basisdemokratisch, gewaltfrei, ökologisch, solidarisch, feministisch, selbstbestimmt“. Die Partei ist Mitglied der Europäischen Grünen Partei. Innerhalb der EU setzt man sich vor allem für ein atom- sowie gentechnikfreies Europa ein.

Bei der Wien-Wahl 2015 tritt die Partei auf Bezirks- und Gemeindratsebene an. Als Spitzenkandidatin wird Maria Vassilakou ins Rennen gehen.

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GRÜNEN Wahlprogramm Wien 2015 (Auszug)
Wir haben die Wahlprogramme zunächste in den Kategorien Arbeit, Bildung, Jugend und Integration analysiert. In einigen Fällen sind diese Themenbereich auch in anderen Kategorien inkludiert. Daher wurden der Vollständigkeit auch weitere Kategorien aufgenommen, aus denen Inhalte entnommen werden können. Vollständige Wahlprogramme finden Sie auf den entsprechenden Partei-Webseiten.

Soziales
Mit der höchsten Kindermindestsicherung, einer Bio-Schuljause und einem Fördertopf für Projekte wollen sich die Grünen für mehr Chancengleichheit bei Kindern einsetzen und Kinderarmut bekämpfen.
In Sachen Mindestsicherung will man sich dafür stark machen, dass das Verfahren vereinfacht wird, auch um schneller helfen zu können.
Zudem wollen die Grünen mit der Sozialanwaltschaft eine Analufstelle schaffen, die themenübergreifende Unterstützung anbietet, um allen zu ihrem Recht zu verhelfen.

Der Fonds Soziales Wien solle im Sinne der Transparenz und der demokratischen Kontrolle wieder in die Stadt Wien eingegliedert werden.
Delogierungen will man mit Prävention entgegenwirken und für Obdachlosen soll es genügend Schlafplätze und Anlaufstellen geben.

Weiters finden sich im Wahlprogramm die Forderung nach mehr Begegegnungszonen, einem Berufsgesetz für Sozialarbeit, die Zusage der Unterstützung im Falle von Energiearmut und das Versprechen das Bettelverbot abzuschaffen. Auch der Kampf gegen das kleine Glücksspiel soll fortgesetzt werden und die Suchtprävention soll fixer Bestandteil des Bildungssystems werden. Außerdem soll Cannabis, solange der Konsum nicht legalisiert ist, für medizinische Zwecke eingesetzt werden dürfen. In Sachen Sexarbeit steht die “Selbstbestimmtheit, Selbstständigkeit und die Sicherheit von Sexarbeiter_innen im Zentrum. Das beinhaltet die Schulung von Vertrauenspolizist_innen, die auch anonym konsultiert werden können, um Verbrechen wie Frauenhandel, Ausbeutung und Gewalt in der Prostitution bekämpfen zu können.”

Menschen mit Behinderung wiederum sollen am gesamten gesellschaftlichen Leben teilhaben können. “Die zügige Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention garantiert ein selbstbestimmtes, inklusives Leben für alle.”

Arbeit
Die Grünen fordern hier eine Verdoppelung der Mittel für den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff), um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.
“Neben der Aufstockung der Mittel sind neue Schwerpunkte in Zukunftsberufen im Bereich Green Jobs zu setzen. Das Angebot für Frauen, Jugendliche, Arbeitnehmer_innen 50+ und Migrant_innen wird ausgebaut, eine Wiener Equal-Pay-Agentur eingerichtet und verstärkt Unterstützung für Neue Selbstständige und „Working Poor“ angeboten.”
Geht es nach den Grünen, sollen Praktika fair entlohnt werden und sozial abgesichert sein.
Die Grünen machen sich auch für eine Interessensvertretung erwerbsloser Personen stark. Die “Arbeitslosenanwaltschaft soll auf Bundesebene beim Informationstransfer unterstützen und als öffentliche Interessenvertretung agieren. In Wien setzen wir uns für eine bessere Unterstützung und für eine aktive Einbindung von Erwerbsarbeitsloseninitiativen in arbeitsmarktpolitische Belange ein.”

Als Arbeitgeber soll die Stadt Wien ein Vorzeigemodell sein. So soll es keine prekären und atypischen Beschäftigungen geben, gleiche Bezahlung für Männer und Frauen, man strebt auch mehr Frauen in Führungspositionen an und will mit einer Reform des Besoldungsschemas im Magistrat für mehr Transparenz und Gerechtigkeit sorgen.

Umwelt
Die Grünen haben hier ein klares Ziel: Bis 2030 strebt man ein Minus von 35 % bei den CO2-Emissionen pro Kopfan , bis 2050 sollen es minus 80 % pro Kopf im Vergleich zu 1990 sein. Die “energieeffiziente Nutzung bei gleichzeitigem Ausbau des erneuerbaren Energieanteils ist maßgebliches Ziel” bei der Wärmeversorgung, wobei man vermehrt auf Solarenergie setzen möchte.

Auch beim Bau neuer Gebäude soll auf Energieeffizienz geachtet werden und nach Möglichkeit vor Ort produziert werden, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen.
Gleichzeitig soll Wien als “Stadt der besten Köpfe und Ideen zum Energieinnovationsnetzwerk” werden.

Bildung
Die Grünen sehen große Versäumnisse in diesem Bereich und fordern eine Bildungsrevolution. In Wien fordert man unter anderem eine Kindergartenplatzgarantie ab dem 2. Lebensjahr. Man fordert eine gemeinsame Schule der 6-14Jährigen und Ganztagsschulen für jene, die das wollen. Brennpunktschulen mit sozial benachteiligten Kindern sollen nach Meinung der Grünen mehr Geld bekommen. Die Parteipolitik gehöre aus der Schule raus und die Schulen sollen selber entscheiden, welche Lernziele und Methoden sie für richtig hält. Dabei sollen die Schulen auch mit mehr Personal ausgestattet werden.

So fordern die Grünen 1000 neue LehrerInnen für Wiens Pflichtschulen. Zudem will man Wien zu einer Hochschul-Metropole machen. “Die Bedeutung der Hochschulen in Wien gehört – trotz formaler Bundeskompetenz – aufgewertet. Das beginnt bei der Bündelung der Zuständigkeiten in einem (statt drei) Ressorts und geht bis hin zur Erhöhung der Forschungsförderung bei gleichzeitig erhöhter Transparenz.”

Jugend
“Die Interessen und Selbstbestimmtheit von Kindern und Jugendlichen werden durch die Aufwertung der Kinder- und Jugendanwaltschaft, Jugendparlamente, durch die Mitbestimmung bei Bauprojekten (Spielplätzen, Parkanlagen usw.) gestärkt.” Vor allem die Sportförderung von jungen Frauen ist den Grünen ein Anliegen.

Die Grünen wollen außerdem Möglichkeiten schaffen, Jugendlichen Verhütungsmittel gratis zur Verfügung zu stellen.

Neue soziale Kompetenzzentren sollen Jugendlichen qualitative Betreuung mit längeren Öffnungszeiten ermöglichen, die auch der Lebenswelt der Jugendlichen entsprechen. “Mehr Angebote für kritische Mediennutzung, Finanzbildung und fairen Konsum soll es nicht nur in Schulen, sondern auch in der Jugendarbeit geben” und mit einer mobilen Jugendarbeit könne man zusätzliche Räume für Jugendliche schaffen für Tanz, Sport etc. Neue Siedlungen sollen zudem jugendgerecht entworfen werden und deshalb sollen Jugendliche auch bei der Planung miteinbezogen werden.

SeniorInnen
Die Grünen setzen sich für die Einbindung, Mitbestimmung und Teilhabe älterer Menschen ein. So fordern sie “leistbare Wohnmodelle für Generationenwohnen („Wohnen wie wir wollen“), leistbare Bildungsangebote (Bildung fördert Partizipation und Weiterentwicklung), die Förderung von generationengerechter Mobilität (Fußgänger_innenfreundlichkeit hilft Jung und Alt quer durch die Stadt) sowie Angebote für zivilgesellschaftliches Engagement.”
Zudem will man sich vor allem für ein verstärktes Weiterbildungsangebot für Frauen der Generation 50+ einsetzen.

Wirtschaft
Für kleine UnternehmerInnen will man den Selbstbehalt von 20 % bei Arztbesuchen und Labordienstleistungen streichen. Auch Anspruch auf Mindestsicherung soll ohne Rückgabe des Gewerbescheins möglich sein.
Die Grünen wollen sich auch für die Entwicklung alternativer ökonomischer Modelle wie die Solidarische Ökonomie einsetzen, um die Gemeinwohlorientierung in der Wirtschaft zu stärken.
Vor allem mit dem Beleben der Erdgeschoßzonen und dem Erhalten und Errichten von (Wochen)märkten will man die Nahversorgung stärken und den Anreiz für Einkaufszentren am Stadtrand gering halten.
Zudem wollen die Grünen mehr Transparenz in die kommunalen Auftragsvergaben und ins Budget der Stadt Wien bringen.

Integration
Die Grünen fordern einen respektvollen Umgang mit allen Menschen, unabhängig ihrer Herkunft und wollen eine Willkommenskultur etablieren. Flüchtlingen bekommen “eine respektvolle, menschenwürdige Unterstützung, durch ausreichende psychosoziale Angebote, bildungs- und ausbildungsbegleitende Maßnahmen für Kinder und Jugendliche, Zugang zu Deutschkursen, spezifische Unterstützungsangebote für Frauen, Stärkung von Flüchtlingen in ihrer Selbstorganisation. In diesem Bereich tätige NGOs können bei der Finanzierung auf mehr Planungssicherheit vertrauen.” Zudem sollen schulpflichtige Kinder einen Schulplatz bekommen und die Flüchtlinge einen Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten.

Wien soll laut den Grünen bei Grund-, Freiheits- und Menschenrechten eine Vorreiterrolle einnehmen. “Ein Masterplan ‘Menschenrechte’, Menschenrechtsbildung an Wiener Schulen, die Einrichtung einer Ombudsstelle und Informationskampagnen gegen Diskriminierung und für Zivilcourage unterstreichen Wiens Anspruch als Stadt der Menschenrechte.“

Auch beim Wahlrecht fordern die Grünen Änderungen. So sollen MigrantInnen ab 16 sowohl die Bezirksvertretung, den Landtag als auch den Gemeinderat wählen dürfen. Das passive Wahlrecht, also die Möglichkeit selbst gewählt zu werden, soll den Regeln für EU-BürgerInnen angeglichen werden.

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Wolfgang Marks (neuwal.com): Es freut uns, dass Frau Vizebürgermeisterin Vassilakou Zeit gefunden hat für das walmanach-Interview. Zunächst möchte ich Sie bitten sich und Ihre Partei kurz vorzustellen.

Vassilakou (Wiener Grüne): Ich heiße Maria Vassilakou und bin Vizebürgermeisterin in Wien und durch solche zuständig für Verkehrspolitik, für die Stadtentwicklung, für den Klimaschutz, für die Energieplanung und für die Bürgerbeteiligung.

Die Grünen sind meine Partei. Wir sind jene Partei, die seit ihrer Gründung ohne Wenn und Aber für ökologische Erneuerung, für soziale Sicherheit, soziale Fairness steht und dafür, dass wir alle in einer weltoffenen Welt leben können. Eine Welt, in der jeder und jede sein Leben leben kann, wie er oder sie will, frei von Zwängen und selbstbestimmt. Aber auch eine Welt, in der wir alle gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen und tragen.

Wenn Sie die politische Situation in Wien betrachten, zunächst was fällt Ihnen da auf, was läuft gut?

Zentral ist für mich, dass Wien eine Stadt ist, in der sich immer noch sehr viele Menschen das gute Leben leisten können. Anders als in anderen europäischen Städten, die immer mehr zu einem exklusiven Klub für die Reichen und Schönen werden.

Gut ist, dass in Wien derzeit 65 % der Wiener Bevölkerung in geförderten Wohnungen wohnen. Das heißt, zumindest im geförderten Bereich ist das Wohnen weiterhin gut leistbar.

Gut ist, dass wir in Wien etwa mit der 365 Euro- Jahreskarte um 1 Euro pro Tag überall hinkommen, und im Übrigen die günstigste Jahreskarte europaweit haben. Das bedeutet übrigens auch, dass wir hier in Wien mit über 70 % aller Wege, die täglich auf ökologische Weise zurückgelegt werden, die Nase vorn haben unter europäischen Städten in Sachen saubere Mobilität. Gut ist in Wien, dass wir schöne Grünräume haben, nicht nur im Inneren der Stadt, sondern auch rund um uns herum. Die wollen wir auch weiterhin schützen.

Und gut ist, dass Wien eben aus all diesen Gründen in Sachen Lebensqualität wirklich eine sehr, sehr lebenswerte Stadt ist, die sich auch jeder leisten kann.

Was läuft weniger gut?

Vassilakou (Wiener Grüne): Nun, schaut man genauer hin, dann stellt man fest, dass bei allen Anstrengungen, etwa bei den 15Jährigen jede/jeder fünfte nicht sinnerfassend lesen kann. Und übrigens in einer Stadt wie Wien, wo 60 % der Tafelklassler eine andere Muttersprache haben als Deutsch, wird viel zu wenig in den Wiener Schulen investiert. Das Schulsystem ist veraltet.
Ein zweites Beispiel: Ja, man kann sich noch das Wohnen leisten. Aber in den letzten Jahren, im letzten Jahrzehnt haben die Mieten am freien Markt um 70 % zugelegt und Befristungen sind die Regel und nicht die Ausnahme.

Ein drittes Beispiel: Wien ist in hohem Maß in seiner Energieversorgung vom Gas abhängig und die Umstellung auf eine neue, saubere Energiepolitik, auf eine zukunftsweisende Energiepolitik, geht mir viel zu langsam voran. Und das alles bedeutet auch, sehr, sehr viele Chancen auf wertvolle Arbeitsplätze, die derzeit nicht genutzt werden. Wir haben die höchste Beschäftigungsquote als je zuvor, wir haben aber auch die höchste Arbeitslosenrate als je zuvor. Also, wir müssen uns anstrengen.

neuwal Barometer

Was sind nun ausgehend von diesen Überlegungen Ihre Visionen und Ideen für Wien?

Nun, ich möchte eine Schulreform in Wien. Das bedeutet, dass wir nicht nur viel mehr Mittel in die Schulen investieren, sondern dass wir auch dafür sorgen, dass sie direkt in den Klassenzimmern ankommen.

Ich will 1000 zusätzliche Lehrer und Lehrerinnen für Wiens Schulen. Ich will, dass die Schulen frei entscheiden können über die Unterrichtsmethoden, die vor Ort eingesetzt werden. Ich glaube, eine Schule weiß immer besser, was vor Ort benötigt wird als es die Stadtschulratbürokratie vorsieht.
Und damit bin ich beim dritten Punkt: Ich will die besten Köpfe für unsere Kinder in den Schulen haben und nicht diejenigen mit den besten Parteibeziehungen.

Ich will eine Mietrechtsreform erreichen, die von Wien aus durchaus erzwungen werden kann. Denn die erlahmte Bundesregierung hat uns ja schon in den vergangenen Jahren vielfach versprochen, dass es hier zu einer Reparatur des Mietrechts kommt. Aber bis jetzt ist nichts geschehen.

Ich will 1000 zusätzliche, neue Gemeindewohnungen pro Jahr, die Wien errichtet. Um sicherzustellen, dass vor allem jüngere Menschen leistbaren Wohnraum vorfinden.
Und ich will ein Antispekulationspaket schnüren, das sicherstellt, dass gierigen Spekulanten, die derzeit teilweise auch mit illegalen Methoden arbeiten, das Handwerk gelegt wird.
Ich will, dass wir stärker und wesentlich mutiger in erneuerbare Energien investieren und dass wir es innerhalb der nächsten 2 Jahrzehnte schaffen, diese hohe Abhängigkeit vom Gas, die wir derzeit in unserer Energieversorgung haben, hinter uns zu lassen.

Und ich will, dass Wien weiterhin eine schöne, stolze und weltoffene Stadt bleibt, die nicht nur selbstverständlich Flüchtlingen Schutz bietet, sondern die uns allen, egal woher wir gekommen sind, ein neues Zuhause sein kann und das natürlich mit konkreten Integrationsmaßnahmen fördert.

Ich glaube, eine der perfidesten Begriffe der letzten Jahre ist der Begriff Wirtschaftsflüchtling. Ich muss auch ehrlich sagen, ich mache keinen Unterschied, ich sehe auch keinen Unterschied, ob jemand um sein Leben flieht, sei es dass er um sein Leben flieht vor Krieg, sei es um sein Leben flieht vor einer Naturkatastrophe, sei es dass er um sein Leben flieht vor Hunger oder sei es dass er um sein Leben flieht, weil er aus politischen Gründen verfolgt wird. Ich hielte es für angebracht, ich glaube es würde uns allen gut stehen, wenn wir aufhören, diese Unterscheidungen zu treffen. Und wir sollten dafür sorgen, dass Menschen, die Unglaubliches auf sich nehmen, um überhaupt Europa zu erreichen – viele schaffen das ja gar nicht, sondern ertrinken in den Fluten des Mittelmeeres – hat man es aber einmal geschafft und klopft an unserer Tür, bin ich sehr dafür, dass wir Menschen aufnehmen und ihnen ein neues Zuhause geben.

Darf ich beim letzten Punkt noch nachfragen, wie das denn geregelt werden soll. Wie sollte diese Flüchtlingspolitik in Wien gestaltet werden?

Für mich besteht Flüchtlingspolitik im Wesentlichen aus dem Satz: „So viel Menschen wie möglich, die Schutz suchen, auch aufzunehmen, aber auch menschenwürdig zu behandeln und zu betreuen.“ Ganz besonders gibt es ein Beispiel, das offenlegt, worum es hier geht. Ich finde es großartig, dass wir in Wien alle Kinder, die jetzt ohne Eltern nach Österreich geflüchtet sind, aus Traiskirchen geholt haben. Das ist für mich eine Selbstverständlichkeit.

Doch was ich erreichen möchte ist, dass diese Kinder auch entsprechend den Standards der Jugendwohlfahrt versorgt werden. Das heißt, dass sie nicht nur gut untergebracht werden und mit Wärme und auch mit Liebe großgezogen werden, sondern auch die Möglichkeit haben eine Schule zu besuchen, eine gute Ausbildung zu absolvieren und dass wir auch begreifen, dass das auch Wienerinnen und Wiener sind.

Sie werden morgen auch dazu beitragen, dass diese Stadt ein noch besserer Ort zum Leben sein wird. Also keine Unterscheidung zwischen Wiener Kindern, die in Not geraten und Flüchtlingskindern, die wir in Wien aufnehmen.

Ideen sind gut, entscheidend ist aber immer die Frage der Machbarkeit und der Umsetzung. Also wie wollen Sie diese Ideen letztlich umsetzen und realisieren?

Für mich gilt es, unbeirrt an die Sache heranzugehen. Zu begreifen, dass es sehr oft auch Gegenwind gibt, manchmal gibt es auch sehr starken Gegenwind, aber man darf nicht beim ersten Gegenwind aufgeben, mutig, konsequent handeln und eins nach dem anderen anpacken und umsetzen.

Genau so habe ich es in den vergangenen 5 Jahren gehalten und deswegen gibt es nach 5 Jahren der Grünen in der Regierung hier in Wien die billigste Jahreskarte in ganz Europa. Das war nicht leicht, das durchzusetzen.
Deswegen kam es zur Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung und ja, es war unbequem. Viele wollten es am Anfang nicht oder sahen nicht ein, wozu es gut sein soll, aber es wirkt.

Deswegen gibt es die neue Mariahilferstraße, um ein drittes Beispiel zu geben.

Und deswegen gibt es 19 Bürgersolarkraftwerke, die nicht nur Investitionen in Höhe von 20 Millionen in Gang gesetzt haben, sondern dafür sorgen, dass Wien viel stärker den Sonnenstrom nutzt.

Also genau so wollen wir eins nach dem anderen. Tausend neue LehrerInnen, neue Gemeindewohnungen bauen, Flüchtlinge wie gesagt bestmöglich unterbringen und versorgen und dafür sorgen, dass alles, was wir jetzt in Aussicht stellen für die nächsten 5 Jahre, auch erledigt wird.

Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Wien in 20 Jahren?

Für mich ist es völlig klar. Ich will, dass wir schlicht und ergreifend die Nummer 1 sind, nicht nur in Europa, sondern in vielen Belangen auch weltweit. Ich glaube, dass wir auch die Chance haben, das zu erreichen.

Was meine ich damit? Ich will Schulen, in denen unsere Kinder nicht bloß Lesen und Schreiben lernen. Das ist das Minimum. Sondern wo sie die Chance haben, ihre Talente zu entdecken, wo sie Lust am Lernen bekommen, Schulen aus denen die besten Köpfe für die Zukunft herauskommen und mit viel Kraft, auch Innovationskraft, dafür sorgen, dass Wien in sehr, sehr vielen Bereichen die Nase vorn hat. Denn wenn ich etwa daran denke, wie viel Beschäftigungspotenzial alleine jetzt schon in Zukunftsbranchen liegt- alleine jetzt arbeiten sozusagen ein Viertel aller Wienerinnen und Wiener in Zukunftsbranchen- dann meine ich, dass Investitionen in gute Bildung heißt, dass wir in diesen Bereichen auch sehr, sehr viel mehr schaffen können in den nächsten Jahren.

Ich will, dass wir die grüne Hauptstadt Europas sind. In 20 Jahren ab jetzt. Ich will, dass wir unsere Energieversorgung in 20 Jahren weitestgehend aus sauberen, erneuerbaren Quellen gestalten können.

Und ein letztes noch, und das liegt mir sehr am Herzen.Ich will, dass wir in 20 Jahren weiterhin eine Stadt sind, in der sich junge Familien das Leben mitten in der Stadt weiterhin leisten können und nicht wie in anderen europäischen Städten in die Peripherie ziehen müssen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, weil sie sich keine Mieten in der Stadt mehr leisten können. Ja und das alles können wir angehen und schaffen.

Unser Motto bei neuwal lautet „Making Politics a better place“- was können Sie dazu beitragen?

Ich denke zweierlei. Das erste ist… nein ich muss das korrigieren, ich hätte gesagt sogar dreierlei.
Das erste ist, wir können beweisen und vielen Menschen in Erinnerung rufen, dass Politik wieder das sein kann, was es sein soll. Nämlich nicht Dinge vor der Wahl versprechen und hinterher in Lethargie verfallen oder gegenseitig alles zu verunmöglichen. Sondern vielmehr ja genau das zu tun, was man vor der Wahl gesagt hat, dass man tun wird. Das denke ich, haben wir in den letzten 5 Jahren bewiesen und gibt vielen Menschen auch Hoffnung für die nächsten 5 Jahre.

Das zweite ist, dass es möglich sein muss in Wien, eine Politik voller Mut und Zuversicht zu machen. Eine Politik, die nicht mit Ängsten arbeitet. Ich glaube in Wien hat man es satt, dass die FPÖ ununterbrochen mit der Angst vor allem und jedem arbeitet. Also vor Ausländern, vor Arbeitslosigkeit, vor Europa und vieles andere mehr. Und die SPÖ wiederum arbeitet mit der Angst gegen die FPÖ. Ich bin der Meinung, was wir beweisen können als Grüne ist, dass wir die Angstbrüder zur Seite lassen, gemeinsam Richtung Zukunft gehen und konkrete Projekte, wie gesagt voller Mut und voller Zuversicht, auch anpacken und umsetzen.

Und ein drittes: Die Grünen sind 100 % sauber. Die Grünen sind die einzige Kraft im österreichischen politischen System, die niemals irgendetwas zu tun hatte mit den Spekulations- und Korruptionsskandalen der letzten Jahre. Sondern, wenn sie etwas damit zu tun hatte, dann, dass sie es aufgedeckt hat mit harter Arbeit.

Also, das sind 3 gute Gründe, Grün zu wählen.

walmanach Wien 2015
Interviews: Wolfgang Marks und Dieter Zirnig
Video, E-Book und Postproduction: Dieter Zirnig
Ausarbeitung Wahlprogramm und Intro: Wolfgang Marks

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.
  • Michael

    Ja, die Idee ist halt, dass „Wirtschaftsflüchtlinge“ eben nicht um ihr Leben fliehen, deswegen gibts ja die Unterscheidung. Und deswegen gibts auch die Vorstellung, dass man aufgrund begrenzter Resourcen versucht zunächst denen zu helfen, die tatsächlich um ihr Leben fliehen und nicht denen, die nach besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten suchen. Ich versteh wirklich nicht, was daran so schwer zu verstehen ist?

  • Gustl

    Ich seh mich eigentlich den Grünen am nähesten von allen Parteien momentan in Wien. Das mit der Bildung – da kann ich nur zustimmen. Bei der Bildung sollte man sicher nicht sparen, wenn man dort spart schlägt sich das später negativ auf Kriminalität, Fundamentalismus, Verschmutzung und Arbeitslosigkeit nieder.

    Aber: ein Wirtschaftsflüchlting ist keiner der (sic.) „um sein Leben flieht, sei es dass er um sein Leben flieht vor Krieg, sei es um sein Leben flieht vor einer Naturkatastrophe, sei es dass er um sein Leben flieht vor Hunger oder sei es dass er um sein Leben flieht, weil er aus politischen Gründen verfolgt wird“.

    Man muss das objektiv sehen können, ansonsten ist man genauso populistisch und unseriös unterwegs wie der durchschnittliche dampfplaudernde dauerraunzende steuerhinterziehende gecoachte FPÖ-Politiker:
    Es gibt zB. in Deutschland Asylwerber, die ihre Zuweisungen nach Ostdeutschland zerreißen und sich nochmal anstellen so als wären sie gerade angekommen, in der Hoffnung sie kämen jetzt doch noch mit Bescheid irgendwo nach Westdeutschland. Das sind keine Schutzsuchenden, sondern Migranten. Frau Vassilakou spricht aber von Flüchtlingen. Offensichtlich weiß sie selber nicht was sie meint – Wirtschaftsmigranten oder Kriegsflüchtlinge, was denn nun? Ein Flüchtling jedenfalls wird für jede Hilfe dankbar sein und nicht arrogant die helfende Hand bespucken – jeder der das letztere tut gehört abgewiesen, denn genau so verhalten sich jene Leute dann auch wenn sie den positiven Bescheid erhalten und hier leben. Jeder der aber wirklich nur Hilfe will und das Land und das Gesetz und die Sprache etc hier respektieren soll alle Hilfe bekommen die wir geben können und die Kinder sollen entsprechend ausgebildet werden, damit sie später uU. hier auch arbeiten können, denn der Syrienkrieg wird – vor allem dank den arabischen Ländern, der Türkei, Russland und dem Iran – sicher noch Jahrzehnte toben.

    Das ganze wird uns aber Milliarden kosten, Milliarden die der Steuerzahler zahlen wird müssen. Investieren wir die aber bitte nicht in jene unter den Flüchtlingen die entweder Fundamentalisten oder sonstige Irre sind – bitte das ist doch auch gegen die Grundprinzipien der Grünen. Würden die Grünen denn zB. auch radikalislamische Kriegsflüchtlinge aufnehmen wollen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Helfen wir mit unserem Geld bitte also nur jenen die es auch Wert schätzen und verdienen und nicht jenen die dann später Probleme erzeugen statt unser Land schöner zu machen. Bitte, auch die Grünen müssen einsehen, dass nicht jeder der zu uns kommt nur gutes im Sinne hat. Auch auf Österreicher trifft das zu: Nicht jeder Mensch ist lieb und selbstlos. Wer anders denkt lebt in einer Fantasiewelt und wird in seinem Leben ausgenützt werden und irgendwann hart auf den Boden der Realität auftreffen.

  • Gustl

    Der Punkt ist aus meinem Posting noch nicht ganz herausgekommen: Es gibt sie defintiiv, die Leute die herkommen und erwarten alles geschenkt zu bekommen, sie sind wenige aber es gibt sie. Es gibt auch wenige, die meinen die Sharia stände über unserem Staatgesetz, auch bei jenen sollte man vorsichtig sein sie hereinzulassen. Alles in allem, wird eine fehlgeleitete Politik hier am Ende nur einer Partei nützen, also sollte es auch im Sinn der Grünen sein hier keinen Fehler zu machen. Flüchtlingshilfe – Ja. Political correctness entgegen sämtlichen gesunden Menschenverstandens – NEIN. Wenn jemand ohne driftigen Grund Asyl ansucht gehört er umgehend abgewiesen. Syrer haben grundsätzlich mal einen driftigen Grund.