Am 27. September 2015 finden in Oberösterreich Landtagswahlen statt. 7 Parteien kandidieren um den Einzug in den Landtag. Neben ÖVP, SPÖ, FPÖ und GRÜNEN stehen auch NEOS, KPÖ und die CPÖ am Stimmzettel. neuwal hat mit allen SpitzenkandidatInnen der kandidierenden Parteien gesprochen, ihnen die walmanach Fragen gestellt und sie nach ihren politischen Ideen und Zielen gefragt.

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Wolfgang Marks und Jürgen Klatzer trafen Daniel Dragomir von der CPÖ in Linz zum walmanach-Gespräch. Mit User-Fragen in Kooperation mit KURIER!

ÖVP FPÖ GRÜNE SPÖ NEOS KPÖ CPÖ
Josef Pühringer Manfred Haimbuchner Rudi Anschober Reinhold Entholzer Judith Raab Leo Furtlehner Daniel Dragomir

neuwal.com: Herr Dragomir, schön dass Sie sich Zeit für das walmanach-Interview genommen haben. Bitte stellen Sie sich und ihre Partei in wenigen Worten vor.

Daniel Dragomir (CPÖ): Mein Name ist Daniel Dragomir, ich komme ursprünglich aus Rumänien und bin aus der Ceausescu-Ära 1989 geflüchtet. Ich bin mit gerade 18 Jahren nach Österreich gekommen. Ich wollte eigentlich weiter nach Amerika auswandern. Aber die Amerikaner haben mich abgelehnt, obwohl ich dort Brüder und einen Onkel habe. So habe ich dann meinen positiven Asylbescheid für Österreich bekommen, ich durfte mich in Österreich sesshaft machen. Dann habe ich nach der Revolution meine Frau kennengelernt. Sie ist nach Österreich gekommen und wir haben eine Familie gegründet. Ich habe 6 Kinder und alle sind in Österreich geboren. Ich arbeite hier, ich glaube ich bin integriert. Zumindest ist das meine Meinung.

Was die Christliche Partei betrifft, muss ich als Christ, als Bürger dieses Landes mein Bestes geben, um etwas im christlichen Sinn auf der politischen Bühne zu bewegen. Weil unsere Gruppe ist von den herrschenden Parteien, von den Großparteien, nicht mehr vertreten. Das betrifft den Lebensschutz, das betrifft christliche Werte wie den Schutz der Familie oder die Bildung unserer Kinder. Ich glaube, die Christliche Partei ist eine ehrliche, kleine Gruppierung. Wir versuchen auf dieser Ebene etwas zu ändern.

Was läuft gut in Oberösterreich?

Oberösterreich hat tatsächlich im Vergleich mit anderen Bundesländern einen Vorteil. Dieser Vorteil kommt auch wieder auf christlicher Basis. Oberösterreich hat eine ziemlich gute Wirtschaft. Ich glaube pro Kopf, ich weiß nicht ob Niederösterreich vielleicht noch besser ist, aber wir sind ziemlich gut. Wir haben eine bessere Wirtschaft und das hat bestimmt auch mit unseren christlichen Werten, mit unserer langen Nachkriegspolitik zu tun. Das ist die positive Seite.

Was läuft weniger gut in Oberösterreich?

Auf der negativen Seite hat die ÖVP, die schon lange an der Macht ist, den christlichen Weg auf politischer Ebene eindeutig verlassen. Die haben sich ganz links eingerichtet. Wir haben auf anderen Ebenen, wie zum Beispiel der EU-Politik oder auch im Bund gesehen, die gehen ganz links, extrem links. Das können wir mit unserem Gewissen nicht mehr mitmachen.

Was sind Eure politischen Ideen?

Erstens, es gibt in Oberösterreich tatsächlich einen Verbesserungsbedarf, einen Durst nach Reformen. Als größte Baustelle sehe ich die Familienpolitik. Oberösterreich muss unbedingt den Familienpolitikkurs verbessern. Das wollen wir, das ist eindeutig eine Schwerpunktpolitik von uns. Ich glaube, die Familie gehört in Oberösterreich mehr geschützt und finanziell mehr gefördert.

Wie wollt Ihr Eure Ideen umsetzen?

Das ist das Problem. Erstens ist es eine Frage des Geldes. Ich glaube, die beste Investition ist die Familie. Deswegen ist unser Slogan auch „Starke Familie, starkes Land.“. Das heißt, werden die Familien finanziell unterstützt, dann geht es automatisch den Familien gut, dann ist das automatisch auch Bildung. Weil durch die finanzielle Komponente rutscht die Moral in einer Familie. Wenn beide Elternteile arbeiten gehen müssen und keine Zeit mehr für die Kinder haben, dann ist es selbstverständlich, dass die Kinder unter diesen Umständen keine gute Bildung oder kein gutes Klima zum Aufwachsen bekommen. Deswegen müssen wir die Familien finanziell unbedingt mehr unterstützen. Aber das ist machbar. Weil es gibt manch unnötige Programme in der Politik, die eindeutig gestrichen werden müssen und womit man die Familien unterstützen könnte.

Vision: Wie soll Oberösterreich in 20 Jahren aussehen?

Ehrlich gesagt hängt das von unserer Haltung ab. Wir bestimmen. Es gibt ein Zitat im Sinne von „Gott gibt, aber er steckt dir nichts in die Tasche“. Es kommt darauf an, wie wir Bürger uns einordnen. Das ist das richtige Wort, einordnen. Es kommt darauf an, wie groß unser Interesse an Reformen ist. Weil wie wir sehen, nicht nur in Oberösterreich, auch auf nationaler und europäischer Ebene, haben wir gerade jetzt ziemlich neue Probleme. Und wenn wir nicht schnell agieren, dann könnten sich mit jeder Verspätung die Probleme vergrößern oder verschlimmern. Genau wie bei einer Krankheit, wenn rechtzeitig eingegriffen und behandelt wird, umso besser oder umso schneller die Genesung.

Was ist Euer Wahlziel?

Erstens haben wir im Vergleich zu vergangenen Wahlen tatsächlich große Chancen. Weil viele kleine Parteien, die vor 6 Jahren dabei waren, existieren heute nicht mehr. Die Chancen sind da. Selbst so große Parteien wie Stronach, die so viel Geld investiert haben, sind in Oberösterreich nicht angetreten. Deswegen sind unsere Chancen vergrößert. Weil die Wähler, christliche Wähler im Speziellen, sehen uns noch als einzige Alternative. Die Chancen sind also da, die Hürde zu erreichen. Aber ich sage es Ihnen ehrlich, weil in die Politik gehört Ehrlichkeit, wenn wir die Hürde erreichen, dann ist das ein Wunder. Und ich glaube an Wunder.

Making Politics A Better Place – Was könnt Ihre dazu beitragen?

Ich bin kein Alleskönner. Ich habe meine stärkeren und meine schwächeren Seiten, so wie jeder andere Mensch. Aber ich habe einen ziemlich großen Willen. Ich habe ein Riesenfeuer im Herz und ich will die Identität in Oberösterreich wieder gewinnen. Vielleicht findet ihr das lächerlich, aber ich kann euch tatsächlich eure verlorene Identität wiedergeben. Weil ich habe den Traum, dass Österreich wieder respektiert wird in Europa. Vor hundert Jahren war Österreich eine Weltmacht, um dies als Beispiel zu nehmen. Wir sind mit Russland, mit Frankreich an einem Tisch gesessen. Heute können wir das nicht mehr.

userfragen

User-Frage: Was halten Sie vom Proporz in Oberösterreich?

Das ist schlecht. Ich halte es für schlecht, weil unsere oder zumindest meine Politik war immer, auch innerhalb der Partei, alle mit allen, nicht alle gegen alle. Natürlich gibt es manche Programme, wo jede Partei im Interesse unserer Bürger in eine Richtung ziehen muss. Nicht immer unbedingt dagegen zu sein, weil ein Roter oder ein Grüner etwas vorgeschlagen hat. Deswegen müssen wir immer das gesamte Interesse sehen, ob der Bürger tatsächlich profitiert oder verliert durch Projekte oder Vorschläge. Deswegen, von dem her ist es gut, wenn alle in eine Richtung ziehen. Aber auf der anderen Seite und das ist die große Gefahr, sind alle für alles und keiner unternimmt etwas dagegen, wenn die Regierung in eine schlechte Richtung rutscht. In Oberösterreich ist tatsächlich der Bedarf an einer Opposition, an einer starken Opposition da. Weil je länger eine Partei an der Macht ist, desto schwieriger sind die Reformen.

User-Frage: Die zweite Leserfrage bezieht sich auf ein von Ihnen gegebenes Interview im Jahr 2009. Sie haben sich laut diesem Medium gegen Homosexualität ausgesprochen und auch erwähnt, dass Sie diese sexuelle Orientierung bekämpfen werden. Wie stehen Sie heute dazu?

Ich stehe zu dieser Aussage, nur ist es falsch interpretiert worden. Ich gebe zu, dass ich gesagt habe, ich werde diese mit all meiner Kraft bekämpfen. Aber damit sind nicht Gewalt, Schwert oder Steine oder Sonstiges gemeint, sondern durch Protest. Weil aus christlicher Sicht sind wir als Christliche Partei wahrscheinlich die Einzigen, absolut die Einzigen in Österreich, die nach einem Gewissen handeln. Wir glauben an Gott, wir glauben an einen Tag der Gerechtigkeit. Wir sind überzeugt, dass wir für unsere Werte belohnt werden oder wir dafür büßen werden. Deswegen ist unser Gewissen konform mit der Bibel oder bibelkonform. Und wenn etwas gegen die Bibel ist, was Gott angesprochen hat, das können wir nicht segnen.

Das heißt, Homosexualität steht nicht in der Bibel und deswegen…

Homosexualität ist von Gott Gräuel genannt worden. Auf der anderen Seite ist Gott mit uns allen tolerant. Deswegen bin ich als Spitzenkandidat der Christlichen Partei nicht verantwortlich für jeden einzelnen Bürger und was er im Schlafzimmer macht. Aber wenn dies in einer Institution öffentlich wird, dann trifft mich das als Bürger schon, als Repräsentant einer christlichen Gruppierung. Weil diese Menschen im Land haben mich autorisiert, haben mich beauftragt, sie zu vertreten. Dann muss ich Stellung beziehen. Ich muss nicht nur mein Gewissen verteidigen, sondern ich muss diese Gruppierung, diese Leute repräsentieren und konform unseres Gewissens, unseres Glaubens agieren.

walmanach Oberösterreich 2015
Interviews: Wolfgang Marks und Jürgen Klatzer
Redaktion: Wolfgang Marks, Jürgen Klatzer und Dieter Zirnig
Organisation: Wolfgang Marks und Jürgen Klatzer
Postproduction: Dieter Zirnig
Transkripte und Lektoring: Jürgen Klatzer
Fragen: neuwal walmanach
Aufnahme im September 2015