Am 27. September 2015 finden in Oberösterreich Landtagswahlen statt. 7 Parteien kandidieren um den Einzug in den Landtag. Neben ÖVP, SPÖ, FPÖ und GRÜNEN stehen auch NEOS, KPÖ und die CPÖ am Stimmzettel. neuwal hat mit allen SpitzenkandidatInnen der kandidierenden Parteien gesprochen, ihnen die walmanach Fragen gestellt und sie nach ihren politischen Ideen und Zielen gefragt.

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Wolfgang Marks und Jürgen Klatzer trafen den amtierenden Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) in Linz zum walmanach-Gespräch.

ÖVP FPÖ GRÜNE SPÖ NEOS KPÖ CPÖ
Josef Pühringer Manfred Haimbuchner Rudi Anschober Reinhold Entholzer Judith Raab Leo Furtlehner Daniel Dragomir


neuwal.com: Herr Landeshauptmann Pühringer, danke, dass Sie sich für das Interview mit neuwal.com Zeit genommen haben. Bevor wir zu den Fragen kommen, stellen Sie sich und Ihre Partei in wenigen Worten kurz vor.

Josef Pühringer (ÖVP): Mein Name ist Josef Pühringer, ich bin 65 Jahre alt, bin Landeshauptmann seit 1995, bin in der Landesregierung zuständig für die Gesamtkoordination der Politik und ganz speziell noch für den Gesundheitsbereich, für den Kulturbereich, für den Finanzbereich, für die Entwicklungshilfe, für die Sicherheit und für die Vertretung nach außen. Ich komme von der ÖVP. Die ÖVP ist eine Partei mit einem christlich-demokratischen Weltbild, mit einer ausgeprägten Wirtschaftskompetenz. Uns ist wichtig, dass die Menschen Arbeit haben. Vollbeschäftigung ist und bleibt unser wichtigstes politisches Ziel. Wir sind eine Partei, die Wirtschaftlichkeit, Vollbeschäftigung, starkes soziales Netz, aber auch für Kultur, für Bildung, für Wissenschaft und Forschung eintritt und dort ihre Schwerpunkte hat.

Was läuft gut in Oberösterreich?

Ich denke, wir haben eine hohe Beschäftigung, auch wenn sie schon einmal höher war. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind halt auch bei uns nicht spurlos vorübergegangen. Wir haben eine exportorientierte starke Wirtschaft, die die Arbeitsplätze sichert. Wir haben ein starkes soziales Netz für die Schwächeren der Gesellschaft, das ist wichtig. Und wir haben eine gute Landschaft im Bereich Kultur, Kunst, Wissenschaft, Forschung. Aber das ist zugleich auch eine große Herausforderung für die Zukunft.

Was läuft weniger gut in Oberösterreich?

Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Arbeitslosenzahlen gestiegen sind, durch die Wirtschaftskrise. Das wird unser Ziel sein, hier wieder herunterzukommen. Wir müssen noch mehr tun für die Kinderbetreuung. Bei den unter Dreijährigen haben wir in den letzten Jahren ganz starke Anstrengungen übernommen. Und wir müssen vor allem auch absichern, dass die älteren Menschen, die ja rasant älter werden- die Zahl der Hochbetagten ändert sich am deutlichsten- dass wir den Menschen eine Pflegegarantie geben können, dann, wenn sie sie brauchen.

Was sind Eure politischen Ideen?

Oberösterreich soll, wenn es geht, immer den Anderen eine Nasenlänge voraus sein. Das wichtigste Ziel bleibt die Vollbeschäftigung. Ganz wichtig für mich ist aber auch, dass wir die besten Schulen haben. Denn nur wer die besten Schulen hat, vom Kindergarten bis zur Universität, wird wirklich den Anderen voraus sein. Das ist die große Vision, dass wir zum Beispiel aus einer Medizinfakultät ein Medical Valley machen unter Einbeziehung der medizin-affinen Industrie und aller Forschungsstätten. Dass wir zum Beispiel das neue Institut für Technology an der Linzer Universität mit der Spitzenindustrie Oberösterreichs zu einem echten Highlight in der Forschungs- und Bildungslandschaft machen. Einfach jeden Tag ein Stück besser sein, den Anderen immer um eine Nasenlänge voraus.

Wie soll Oberösterreich mit dem Flüchtlingsthema umgehen?

Wir müssen auf der einen Seite unsere Pflicht tun. Jene, die kommen und wirklich Asyl brauchen, sollen hier anständig behandelt werden und in ordentlichen Unterkünfte wohnen. Da arbeiten wir Tag und Nacht. Wir tun unsere Pflicht. Wir müssen aber andererseits auch fordern, dass das Thema auf die europäischen Ebene gehoben wird. Nur mit einer ausgewogenen und fairen Verteilung auf ganz Europa wird das Problem lösbar sein.

Wie wollt Ihr Eure Ideen umsetzen?

Zum Ersten haben wir glaube ich in der Vergangenheit bewiesen, dass wir Ideen nicht nur haben, sondern auch umsetzen. Sonst stünde Oberösterreich nicht so da. Wir sind keine Insel der Seeligen, wir haben auch Fehler und Mängel, aber einen österreichischen Vergleich mit den anderen Bundesländern scheue ich nicht. Durchsetzen mit wem? Am Besten mit allen. Ich strebe immer die Zusammenarbeit nach allen Seiten an.

Vision: Wie soll Oberösterreich in 20 Jahren aussehen?

Ich trau mich das wirklich nicht so zu beantworten. Denn wir leben in Höchstgeschwindigkeiten. Wer hätte sich vor zehn Jahren gedacht, dass wir eine Medizinfakultät bekommen? Jedenfalls muss für 20 Jahre gelten: Es muss ein Land sein, in dem Menschen Arbeit haben, es muss ein Land sein, wo es ein starkes soziales Netz gibt, und es muss ein Land sein, wo der geistigen Weite Raum gegeben wird, wo Wissenschaft und Forschung einen hohen Stellenwert hat.

Was ist Euer Wahlziel?

Wir wollen eindeutig Erster werden und einen klaren Führungsauftrag von der Bevölkerung bekommen.

Das Motto bei neuwal.com lautet „Making Politics A Better Place“. Was können Sie dazu beitragen?

Indem wir erstens glaubwürdig sind, indem wir auch im Wahlkampf fair bleiben, indem wir auch im Wahlkampf das Geld nicht abschaffen, indem wir glaubwürdige Ansagen machen. Und zweitens indem wir nicht anders reden, als wir tun.
userfragen

User-Frage: Kommen wir noch ganz kurz zu User-Fragen. Eine Frage, die des Öfteren gestellt wurde: Warum wurde in Oberösterreich der Proporz nicht abgeschafft?

Weil es dafür keine Zweidrittelmehrheit gegeben hat. Ich habe mich mehrmals dafür ausgesprochen. SPÖ und FPÖ wollten nicht.

User-Frage: Nehmen wir an, Sie werden nach der Wahl wieder zum Landeshauptmann bestellt. Bleiben Sie sechs Jahre im Amt oder wird Sie ÖVP-Klubobmann Thomas Stelzer, wie kolportiert, nach drei Jahren ablösen?

Ich kandidiere für die kommende Periode.

walmanach Oberösterreich 2015
Interviews: Wolfgang Marks und Jürgen Klatzer
Redaktion: Wolfgang Marks, Jürgen Klatzer und Dieter Zirnig
Organisation: Wolfgang Marks und Jürgen Klatzer
Postproduction: Dieter Zirnig
Transkripte und Lektoring: Jürgen Klatzer
Fragen: neuwal walmanach
Aufnahme im September 2015
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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.