In Ungarn saßen sie fest, Viktor Orban lies sie nicht weiterreisen, EU-Gesetze müssen eingehalten werden. Doch dann die Wende. Busse transportierten Tausende Flüchtlinge an die Grenze zu Österreich und die heimische Politik machte das einzig Richtige: Sie gab den flüchtenden Menschen wieder Hoffnung. 

Ein Kommentar von Jürgen Klatzer

Solidarität

Diesmal ging es schnell. Keine Bürokratie, keine Rücksicht auf Populisten, kein Gedanke an verlorene Wählerstimmen. In der Nach auf Samstag, als Ungarn ankündigte, Busse mit Flüchtlingen an die Grenze zu schicken, zeigte Österreichs Regierung eine Haltung, die sie auch in den vergangenen Tagen zeigen hätte müssen: Solidarität mit Flüchtlingen.

© Daniel Weber | neuwal.com

Tausende Menschen, die in ihrer Heimat keine Perspektive mehr sehen, verfolgt werden und den kriegerischen Zuständen nur knapp entkommen sind, mussten warten, sehr lange warten. Viktor Orban, der ungarische Regierungschef, hat immer betont, dass sich sein Land an Dublin III halten werde, auch wenn er dafür Zäune hochziehen muss.

Bilderstrecke: Hunderte Flüchtlinge erreichen #Westbahnhof

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Zäune? Mauern? Züge, die Hunderte Menschen in Lagern transportieren, anstatt sie nach Österreich und Deutschland weiterreisen zu lassen? Erinnerung flackern auf, die Geschichte holt uns ein. Die ungarische Regierung und viele andere machen es vor. Wäre da nicht dieser Moment.

Händereichen

Der Ruck, der derzeit durch das kleine Österreich geht, zeigt, dass es auch ohne Hass- und Angstrhetorik funktioniert, ohne “Flüchtlingsflut” und “Flüchtlingswelle”, ohne Hetze, Gewalt und dumpfen Populismus. Sondern mit Händereichen und einem kurzen “Hallo” am Bahnsteig.

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Zahlreiche Helfer und Helferinnen stehen an den Bahnhöfen Österreichs, verteilen Lebensmittel, spenden Zugtickets, übersetzen Hinweisschilder und bringen die Besucher zum nächsten Bahnsteig oder erklären, wie sie in Österreich um Asyl ansuchen können.

Es liegt noch vieles im Argen, die Regierung ist weiterhin strategielos – trotz Koordinator -, Europa ist ein zerstrittener Haufen und populistische Parteien am Vormarsch. Aber die Stimmung hat sich gedreht. Freiwillig aus allen Bevölkerungsschichten zeigen, wie es geht. Sie sind da, wenn flüchtende Menschen eine helfende Hand am dringendsten brauchen.

In diesem Moment können wir stolz sein. Denn die Bevölkerung macht Österreich aus. Danke.

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Jürgen Klatzer

Redakteur bei KURIER
Seit Oktober 2014 für neuwal.com als Redakteur tätig. Beschäftigt sich vor allem mit Tagespolitik, Politischer Bildung und politischer Philosophie. Sein Interesse gilt dem Nahen und Mittleren Osten. Arbeitet als Redakteur im Medienhaus KURIER. Hat Kommunikation, Kultur und Medien an der Alpen Adria Universität Klagenfurt und Politische Bildung an der Johannes Kepler Universität Linz studiert.