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Vor einigen Tagen hat die Zeit im Bild auf Facebook darüber berichtet, dass es für Nicht-Gemeinderatsparteien bei einer Kandidatur für die Landtagswahl in Wien und in Oberösterreich zu unterschiedlichen Kosten kommt. Für Wien werden für eine Kandidatur 1.800 Unterstützungserklärungen und 1.308,06 EUR Kostenbeitrag benötigt – in Oberösterreich 400 Unterschriften und 140 EUR. Interessant ist dieser Vergleich deswegen, da es in Oberösterreich und in Wien fast gleich viele Wahlberechtigte gibt: 1.099.182 in Oberösterreich (NRW 2013) und 1.156.888 in Wien (NRW 2013). Allerdings gibt es Unterschiede bei den Wahlkreisen in Wien und Oberösterreich: Während es in Wien jeweils 100 Unterstützungserklärungen in 18 Wahlkreise zu sammeln gilt, gibt es in Oberösterreich fünf Wahlkreise zu je 80 notwendigen Unterstützungserklärungen.

Unterstützungserklärungen: Status 2015
Bei einer Wahl sind Parteien, die bereits bei der vorangegangenen Wahl in die Mandatsränge gewählt worden sind im Prinzip für eine Kandidatur bei der nächsten Wahl nominiert und könnten fix am Stimmzettel stehen. Für Parteien, die es nicht in die Mandatsränge geschafft haben, gibt es die Möglichkeit, sich mit Unterstützungserklärungen (oder tw. mit Unterschriften von Abgeordneten) für eine Kandidatur nachträglich zu qualifizieren. Derzeit werden in Wien und in Oberösterreich für die Landtagswahlen Unterstützungserklärungen in den einzelnen Wahlkreisen gesammelt.

neuwal sammelt tagesaktuell die aktuellen Zwischenstände der einzelnen Parteien beim Sammeln von Unterstützungserkärungen:
» Unterstützungserkärungen Status zur Landtagswahl Wien 2015
» Unterstützungserkärungen Status zur Landtagswahl Oberösterreich 2015

Der Vergleich, den die ZIB gestartet hat, macht Lust auf mehr. Denn, es gibt nicht nur Unterschiede bei den Kosten für eine Kandidatur in den einzelnen Bundesländern, sondern auch Unterschiede bei der notwendigen Anzahl von Unterstützungerklärungen für einen Wahlkreis in ganz Österreich. Das heißt: Abhängig von den Wahlberechtigten und zu erreichenden Mandaten in einem Wahlkreis, werden österreichweit unterschiedliche Unterstützungserklärungen benötigt.

Für einen österreichweiten Vergleich habe ich in der folgenden Übersicht alle Wahlkreise bei einer Landtagswahl und Nationalratswahl gesammelt und verglichen (Angaben ohne Gewähr – bitte um Info, wenn Daten nicht aktuell/korrekt sind). Dabei habe ich die Anzahl der notwendigen Unterstützungerklärungen der Anzahl der Wahlberechtigten (sowie Mandaten) im jeweiligen Wahlkreis gegenübergestellt. Mit dieser einfachen Methode wollte ich sehen, ob es Wahlkreise gibt, in denen es statistisch gesehen „einfacher“ ist, eine Kandidatur zu erreichen oder nicht.

» Download UE-Übersicht Österreich (PDF)

Angaben und Analysen trotz mehrmaligen Checks und Kontrollen ohne Gewähr. Bitte um Feedback!

Ein Beispiel: Während in Wien bei knapp 1,1 Mio. Wahlberechtigten 1.800 Unterstützungserklärungen (18 mal 100) benötigt werden, werden in Oberösterreich für die gleiche Anzahl von Wahlberechtigten lediglich 400 (5 mal 80) benötigt. Das heißt, in Wien werden 4,5 mal so viele Unterstützungerklärungen benötigt wir in Oberösterreich. Auch bei Vergleich mit den im Land vergebenen Mandaten gibt es Unterschiede: Während in Oberösterreich 56 Mandate vergeben werden, gibt es in Wien 100, also etwas weniger als doppelt so viele.

Generell – so zeigt die Aufstellung – ist Oberösterreich ein gutes Pflaster, um kandidieren zu können: Das Verhältnis zwischen Wahlberechtigten und notwendigen Unterstützungerklärungen ist hier so gering wie in keinem anderen Wahlkreisen in Österreich (zw. 0.03 % und 0.04 %). Dem gegenüber stehen die Wahlkreise in Vorarlberg, die viele Unterstützungserkärungen bei geringer Anzahl an Wahlberechtigten verlangen: Zum Beispiel werden in Bludenz 100 UE bei 30.000 Wahlberechtigten benötigt (zw. 0.17 % – 0.33 %). Generell zeigt die Übersicht, dass eine Kandidatur mit Unterstützungserklärungen im Westen Österreichs statistisch gesehen schwerer ist als in anderen Regionen Österreichs: Tirol (0.06 % – 0.27 %), Vorarlberg (0.1717 % – 0.3315 %), Salzburg (0.09 % – 0.62 %).

In Wien ist der Wahlkreis 17 (Donaustadt) mit 100 UE auf 113.806 Wahlberechtigten ganz vorne (0.0879 %), während im Wahlkreis Währing 100 Unterstützungerkärungen auf 32.500 Wahlberechtigte kommen (0.3077 %).

TOP 5 Wahlkreise, in denen man österreichweit bei Landtagswahlen statistisch gesehen am leichtesten kandidieren kann

Wahlkreis Land WK UE Wahlberechtige UE/WB
1. Hausruckviertel WK 3 80 266.567 0.03 %
2. Linz/Linz Umgebung WK 1 80 244.355 0.0327 %
3. Mühlviertel WK 5 80 214.308 0.0373 %
4. St. Pölten WK 15 50 123.928 0.0403 %
5. Traunviertel WK 4 80 196.637 0.0407 %

TOP 5 Wahlkreise, in denen man österreichweit bei Landtagswahlen statistisch gesehen am schwersten kandidieren kann

Wahlkreis Land WK UE Wahlberechtige UE/WB
1. Tamsweg S WK 5 100 16.259 0.62 %
2. Bludenz V WK 1 100 30.168 0.3315 %
3. Währing W WK 12 100 35.500 0.3077 %
4. Hernals W WK 12 100 33.312 0.3002 %
5. Dornbirn V WK 3 100 35.765 0.2796 %
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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place. Seit April 2018 bei der Rechercheplattform addendum.org.