Die Abstimmung in Griechenland, ist eine Abstimmung über das Sparprogramm der Institutionen, formerly known as the Troika. Das Ergebnis des Referendums wird aber auch Auswirkungen auf die weiteren Entwicklungen in der Eurozone und der Europäischen Union haben. Wir empfehlen daher als Sonntagslektüre Thomas Pikettys Betrachtungen „Die Schlacht um den Euro“.

Mit Gewinnspiel.

15356872619_bef0291201_hThomas Piketty
Geboren 1971, hat in Paris Ökonomie studiert und ist Professor an der Pariser École d’economie. Mit der Veröffentlichung seines internationalen Bestsellers „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ ist der Franzose 2013 einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Piketty forscht zum Finanzsystem und setzt sich mit der Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen auseinander. 1
Bildquelle: Universitat Pompeu Fabra, Creative Commons

Thomas Piketty schreibt seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 für die linksgerichtete französische Zeitung Libération seine, in diesem Buch gesammelten, Interventionen. Die 40 Beiträge sind in drei Teilen, Tausend Milliarden Dollar (2008–2009), Europa gegen die Markte (2010–2011) und An die Urnen, Burger! (2012–2015) zusammengestellt. Diese Einteilung verdeutlicht die unterschiedlichen Phasen im öffentlichen Diskurs über die Finanzkrise. Bereits am Anfang der finanzkapitalistischen Tragödie stellte Piketty Fragen, die auch noch heute, sieben Jahre danach, aktueller sind denn je. “Soll man die Banker retten?“ oder „Wer wird von der Krise profitieren?“, fragt Piketty.

Der Grundirrtum lag darin, sich einzubilden, man könne eine Währung ohne Staat, eine Zentralbank ohne Regierung und eine gemeinsame Geldpolitik ohne gemeinsame Haushaltspolitik haben. 2

Piketty setzte sich bereits vor fünf Jahren mit immer wieder auftauchenden Behauptungen gegenüber Griechenland auseinander. Am 23. März 2010 schrieb der Wirtschaftsforscher in seinem Beitrag „Nein, die Griechen sind nicht faul“:

Die Griechen sind also Faulpelze. […] Metaphern dieser Art, die einer häuslichen oder familiären Moral entlehnt sind […] zählen fraglos zu den Klassikern einer reaktionären Rhetorik. In diesem Stil haben die Reichen die Armen immer schon stigmatisiert. 3

Piketty erläutert in seiner Zusammenstellung die nationalen Unterschiede, die relevant sind, um die ökonomischen Differenzen in Europa besser zu verstehen. Die Funktion eines Ökonomen – nicht bloß zu analysieren, sondern auch politische Lösungsansätze zu formulieren – nimmt Piketty auch in diesem Buch seine Rolle wahr. Neben der Einführung von Eurobonds nennt er eine ganze Reihe an Maßnahmen, die es seiner Meinung nach umzusetzen gilt:

In Europa wird man sich den Weg zu einem Haushaltsföderalismus bahnen müssen. Dieser Weg verläuft freilich nicht über den IWF, sondern über die Emission europäischer Anleihen. 4

Das Buch endet im Januar 2015 mit der Frage „Was muss noch passieren, damit sich Europa bewegt?“. Die Auseinandersetzungen im griechischen Schuldenstreit verdeutlichen für Piketty die Notwendigkeit umfassender institutioneller Reformen in der EU. Piketty spricht sich für eine neue Kammer auf europäische Ebene aus, eines „Europäischen Senats“ 5 der über haushaltspolitische Kompetenzen verfügen soll.

Fazit

Pikettys „Die Schacht um den Euro“ ist ein Plädoyer für den Euro und für Europa. Gegenüber den verantwortlichen Akteuren auf europäischer Ebene, den Staatsoberhäuptern der europäischen Mitgliedstaaten, kennt er kein Pardon. Der große Gewinn dieses Buches ist es, dass Piketty bisher wenig gehörte Argumente zu zur Kontroverse formuliert. Viel Platz für notwendige Erläuterungen ist jedoch in der knappen Sammlung nicht vorhanden. Erläuterungen, die der umtriebige Franzose hoffentlich bald in einem weiteren Buch zu den Entwicklungen in Griechenland nachliefert.

schlacht-um-den-euroThomas Piketty
Die Schlacht um den Euro. Interventionen.
Aus dem Französischen übersetzt von Stefan Lorenzer

Verlag: C.H. Beck
Seiten: 175
ISBN: 978-3-406-67527-0
Preis: 15,40 € (Taschenbuch), 11,99 € (eBook) (Partnerlinks)

 

Transparenz

Wir bedanken uns beim C.H.Beck Verlag für die Zusendung eines kostenlosen Rezensionsexemplars. Ein weiteres Exemplar ist uns für ein Gewinnspiel zur Verfügung gestellt worden.

 

Gewinnspiel

Wir verlosen ein Exemplar des Buches „Die Schlacht um den Euro. Interventionen“.

Um am Gewinnspiel teilzunehmen, muss man eine Mail an sandra.barthel[at]neuwal.com mit dem Betreff „Euro“ schicken – zwecks Adresse erkundigen wir uns erst nach der Ziehung beim Gewinner. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und der Preis kann natürlich nicht in bar abgelöst werden. Einsendeschluss: 26. Juli, 23:59 Uhr.

Quellen und Fußnoten:

  1. Die Autoreninfo wurde direkt aus dem Buch übernommen
  2. Thomas Piketty. Die Schlacht um den Euro. S. 17
  3. Thomas Piketty. Die Schlacht um den Euro. S. 66
  4. Thomas Piketty. Die Schlacht um den Euro. S. 67
  5. Thomas Piketty. Die Schlacht um den Euro. S. 105
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Sandra Barthel

Autorin, Politikwissenschafterin und Geographin. Sandra (*1984) lebt in Wien und arbeitet an der Schnittstelle zwischen Politik, Gesellschaft und Medien. Sandra hat in diesem Feld als Consultant, sowie bei internationalen Organisationen und politischen Institutionen gearbeitet. Momentan widmet sie sich dem Thema Journalismus und Neue Medien mit einem Masterstudium an der Fachhochschule Wien. Für neuwal.com rezensiert Sandra die neusten politischen Sachbücher und führt Interviews mit den Autoren.
  • Jörg Mayer

    „Die Griechen sind also Faulpelze. […] Metaphern dieser Art, die einer häuslichen oder familiären Moral entlehnt sind […] zählen fraglos zu den Klassikern einer reaktionären Rhetorik. In diesem Stil haben die Reichen die Armen immer schon stigmatisiert.“

    Angesichts des Umstands, dass es Nationen in (Ost-)Europa gibt, deren Lebensstandard geringer ist als der in Griechenland, und die dennoch für griechische Hilfpakete zahlen müssen, stellt sich die Frage, warum der egoistisch-nationalistische Kurs Griechenlands bei Herrn Piketty so viel Bewunderung findet, während die anderen, die solidarisch-gemeinschaftlich denken, als böse Reiche denunziert werden, die auf andere hintreten würden…