„Vor zwei Wochen hat die Identitäre Bewegung in Traiskirchen Zettel an Flüchtlinge verteilt“, schreibt Hanna Herbst auf youarewelcome.at. Auf diesen Zetteln waren weniger einladende Worte zu lesen und Flüchtlinge in Österreich nicht wirklich willkommen geheißen: „If you are a real refugee, the Austrian people will help you. You should get a proper shelter. You could also get an education here that will help you to REBUILD YOUR COUNTRY after the crisis is over and when YOU ARE GOING HOME“.

Hanna Herbst, Lukas, Liz und Lucas starteten daraufhin eine Gegenaktion und laden auf youarewelcome.at alle Menschen ein, positive und ermutigende Briefe für Flüchtlinge in Traiskirchen zu schreiben. Dieter Zirnig von neuwal hat sich heute bei Hanna Herbst telefonisch über das Projekt mit 8 Fragen erkundigt.

youarewelcome

 

1. Was ist youarewelcome.at?
Wir sammeln Briefe für Flüchtlinge in Traiskirchen, in denen wir sie in Österreich willkommen heißen. Sie sollen einfach wissen: Es gibt Leute da draußen, die froh sind, dass es sie gibt.
Ich habe vor ein paar Tagen nachgefragt: Wer bei dieser Aktion mithelfen möchte, soll mir eine E-Mail schreiben. Und dann kamen zwei E-Mails. Seitdem haben sich Lukas (@Vilinthril), Liz (@denocte) und ich (@HHumorlos) zusammengetan, um youarewelcome.at umzusetzen. Seit heute ist auch Lucas (@roang_zero1) mit dabei, der uns bei der Website weiterhilft.

2. Was hat Dich dazu bewegt, diese Initiative zu starten?
Es gab einen Brief der Identitäre, den sie auf Twitter geshared haben. Sie sind sehr, sehr Social-Media-affin und haben selbst dieses Foto verteilt. Sonst hätte ich es vermutlich nicht mitbekommen.Für mich ist die Vorstellung sehr schlimm, dass Leute, die auf schlimmsten Wege und möglicherweise unter lebensgefährlichen Bedingungen hierhergekommen sind, die vermutlich gelitten oder einen Teil ihrer Familie verloren haben, dann so begrüßt werden. Das war für mich ganz schlimm. Ich möchte diese Menschen einfach nur wissen lassen, dass es viele Leute gibt, die sie willkommen heißen und sich freuen, dass sie hier und in Sicherheit sind. Deswegen finden wir drei eben den Gedanken schön, dass man Menschen eine positive Nachrichte geben kann. Im Sinne von: „Schön, dass ihr da seid. Willkommen in Österreich!“

3. Was ist der Plan?
Der Plan ist: Wir sammeln Briefe und Postkarten. Die kann man per E-Mail oder persönlich ans Postfach (Hanna Herbst, Postfach 32, 1043 Wien, Österreich) schicken. Seit heute hilft uns auch aufstehen.at weiter. Dort werden auch Postkarten gedruckt. Dann fahren wir mit dem Auto nach Traiskirchen und werden die Briefe dort verteilen.

4. Wie kann man mitmachen und wie kann man sich beteiligen?
Beteiligen kann man sich auf diesen drei Wegen: Über Brief, E-Mail und über aufstehen.at. Am schönsten wäre eine handgeschriebene Nachricht. Eine Lehrerin hat heute zum Beispiel gesagt, dass sie mit ihrer Klasse Briefe schreibt und sie uns diese dann schickt. Sie werden auch etwas zeichnen – und das finde ich super und sehr schön.Im Idealfall bräuchten wir Briefe auf Englisch. Aber wenn es nicht auf Englisch geht, dann auf Deutsch – das soll auch kein Hindernis sein. Ich fände es schön, dass es nicht Nachrichten sind, die sagen: „Es gibt hier Rassisten, die wollen euch nicht. Aber wir finden euch toll.“ Sondern: Wir freuen uns über liebe und aufmunternde Nachrichten, die jemanden positiv stimmen. Weil in Traiskirchen sind die Umstände ja derzeit nicht so gut zurzeit.

Die Menschen fühlen sich halt derzeit nicht willkommen dort derzeit. Sie wissen zum Teil nicht wirklich, was mit ihnen passiert. Sie sollen einfach wissen: Es gibt Leute da draußen, die froh sind, dass es sie gibt.

5. Wann/wie werdet ihr die Briefe verteilen?
Wir werden das persönlich verteilen. Über aufstehen sollen 3.000 Postkarten gesammelt werden. Das ist viel. Ich habe eben einen Anruf bekommen – aber das ist noch nicht ganz sicher -, dass jemand 5.000 Briefe organisieren wird. Ich glaube aber, dass es mehr Briefe werden, als es derzeit Menschen in Traiskirchen gibt. Und dann fahren wir vielleicht einfach noch wo anders hin. In ein Zeltlager in Salzburg und verteilen sie dort noch.
6. Ist es auf Traiskirchen beschränkt oder geht es noch weiter?
Erster Schritt ist Traiskirchen. Ich freue mich aber über alle Briefe, die „mehr“ kommen und wo wir dann weitergehen können. Es muss ja nicht nur auf Traiskirchen beschränkt bleiben.
7. Man kann sich beteiligen, in dem man etwas schreibt. Ich habe gehört, dass ich auch etwas Unterstützung von anderen Menschen und aus anderen Bundesländern bekommt. Wie kann man auf dieser organisatorischen Seite mithelfen und sich engagieren? Was hilft euch, was braucht ihr?
Die Sache ist: Wir müssen jeden Brief durchchecken, bevor wir ihn nach Traiskirchen bringen. Weil vielleicht auch etwas dabei sein wird, dass man nicht nach Traiskirchen bringen will, wenn sich jemand einen Spaß erlaubt und irgendeinen Nonsens reinschreibt. Wir werden halt eher viele Briefe lesen müssen. Das wird viel Aufwand sein – genauso wie das Verteilen viel Aufwand sein wird. Wenn jemand sagt: „Ich möchte mit euch mit nach Traiskirchen fahren und verteile mit euch die Briefe“, dann freuen wir uns darüber. Und wenn jemand sagt: „Ich setze mich mit euch zusammen und wir lesen einen Nachmittag – ich weiß nicht, wie viele es dann sind – die Briefe durch und segnen sie ab“, dann sind wir damit auch glücklich. Das wäre alles eine riesen Hilfe.
8. Was ist Dein Ziel? Was willst du damit erreichen?
Gerade der letzte Monat war so extrem, dass viele denken, Österreicher sind ausländerfeindlich, haben Angst vor Ausländern oder Angst vor Zuwanderung. Ich glaube einfach, dass das nicht stimmt. Ich glaube, dass es ganz viele Leute da draußen gibt, die helfen und sagen wollen: „Ich freue mich über die Menschen, die hierherkommen und wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, ein neues Leben zu starten.“ Wenn wir sagen: „Hej, bleib bei uns!“ Und wir ihnen damit das Leben retten.Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die das unterstützen. Aber das man oft nicht weiß, was man tun kann. Sachspenden sind superwichtig. Irgendwie möchte ich ihnen gerne sagen, dass sie hier willkommen sind.

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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit drei Jahren selbständig. Digital Mindshift, Media Strategy, Neue Formate, Journalism, Systemic Coaching, Ideas, Traveling. Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.