Rechte Parolen gegen AsylwerberInnen sind pure Stimmungsmache, die in vielen Fällen nicht der Realität entsprechen. Das ist durch Fakten eindeutig belegbar. Mit abstrakten Zahlen alleine erreicht man die Leute bei einem derart emotional besetzten Thema aber nicht. Dafür braucht es PolitikerInnen, die aufklären und ihrer Verantwortung gerecht werden. Ein Kommentar von Wolfgang Marks

„Ich glaube, dass eine 2.000 Einwohner-Gemeinde 20 Asylwerber wirklich unterbringen kann. Diese Verantwortung kann ein Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin mit ruhigem Gewissen übernehmen. Ich bin überzeugt, wenn man die Asylwerber ordentlich unterbringt, dass es auch die Bevölkerung mittragen wird und der Bürgermeister auch bestätigt wird.“

Bürgermeister von Puchenstuben Christian Kogler im ZIB2-Interview vom 24.6.2015

Während Berlakowitsch-Jenewein mit schreienden und Strache laut Rede von 2008 mit sich anurinierenden AsylwerberInnen im Militärflugzeug kein Problem hätte, zeigt ein Bürgermeister also andere Wege im Umgang mit Schutzsuchenden auf. Er holt sie in die Mitte der Gesellschaft und nimmt der Bevölkerung die Angst vor dem Fremden. 53 der 370 EinwohnerInnen im Ort Puchenstuben sind heute AsylwerberInnen. Die ersten Flüchtlinge nahm man schon 2004 freiwillig auf. Dennoch erlangte Koglers SPÖ-Liste bei der Gemeinderatswahl 2015 63 % der Stimmen, die FPÖ gerade einmal 2 %. Kogler genießt eben Vertrauen, weil er Verantwortung übernimmt, aufklärt und darauf hinweist, dass sich vor AsylwerberInnen niemand fürchten muss.

Von wegen „Das Boot ist voll“

Glaubt man einigen Medien dieses Landes und auch einigen bereits zitierten PolitikerInnen, bekommt man aber viel mehr den Eindruck, dass wir von AsylwerberInnen nahezu überschwemmt werden. Man müsse aufpassen, Herr im eigenen Haus zu bleiben, plakatierten die Freiheitlichen einst. Nina Horaczek hat sich in ihrem Buch „Gegen Vorurteile“ angesehen, ob diese Befürchtung der Realität entspricht. Dabei hat sie festgestellt, dass 80 % der Flüchtlinge in Entwicklungsländern unterkommen. Während 2013 im Libanon auf 1.000 Einwohner 178 Flüchtlinge kamen, sind es in Österreich gerade einmal 2. Von einem vollen Boot zu sprechen, ist also purer Zynismus. (Übrigens: Ein #booklewal zu diesem Buch erscheint in den kommenden Tagen.)

Sozialschmarotzer?

Oft wird auch darauf hingewiesen, dass die AsylwerberInnen bewusst in den Sozialstaat einwandern, um es sich hier in der viel zitierten sozialen Hängematte gemütlich zu machen. Wie dieses Leben im Schlaraffenland in der Realität aussieht?

Jene, die in Quartieren untergebracht werden, bekommen 40 Euro Taschengeld im Monat. Einfach so zum Verprassen…

Organisieren sich AsylwerberInnen Unterkunft und Verpflegung selbst, bekommt beispielsweise eine siebenköpfigen Familie mit einem Erwachsenen und sechs Kindern gerade einmal gut 1.200 Euro. Arbeiten dürfen die AsylwerberInnen auch nicht, dies ist nur in Ausnahmefällen wie beispielsweise als Erntehelfer erlaubt. So sieht das Leben auf großem Fuß also in der Realität aus. Diese und noch mehr Informationen zu diesem Thema findet ihr übrigens im lesenswerten ORF-Artikel „Facebook-Mythen und Asylrealität“.

Nur Mut, die Mehrheit steht hinter euch!

Es gebe noch eine Vielzahl an Fakten, die in Zusammenhang mit den AsylwerberInnen falsch dargestellt werden. Aber wie schon eingangs erwähnt, werden die nackten Zahlen die Menschen kaum beeindrucken. Es geht darum, die AsylwerberInnen endlich in die Mitte der Gesellschaft zu holen, sie nicht mehr in Massenquartieren von der Bevölkerung fernzuhalten und so Vorurteilen und rechter Hetze mit der Realität entgegenzutreten.

Dabei kann man auch auf den Zuspruch der schweigenden Mehrheit bauen. In einer repräsentativen Umfrage der Volkshilfe unter 1.000 Befragten sind zwei Drittel der ÖsterreicherInnen dafür, schutzbedürftigen Menschen Asyl zu gewähren. Also nutzen wir die Chance und stellen uns der rechten Hetze entgegen. Best-Practice-Beispiele wie Puchenstuben zeigen, dass Solidarität und Menschlichkeit von den WäherInnen honoriert werden.

Bildquelle: (C) Daniel Weber, 2015

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.
  • Paul

    Auch die FPÖ-Politiker sind dafür, schutzbedürftigen Menschen Asyl zu gewähren, was diese auch immer wieder klar und deutlich betonen.
    Jedoch kann man kein Verständnis dafür haben, wenn lt. offiziellen Zahlen etwa 2/3 davon eben NICHT schutzbedürftig sind, diese aber dann meist trotzdem in unserem Land bleiben.

    Außerdem darf man nicht außer Acht lassen, dass der Anteil ausländischer Bürger in Österreich stetig zunimmt, diese meist viel mehr Kinder haben (man denke an den Multiplikationsfaktor in nächsten Generationen), und dass die Kriminalität unter Ausländern nachweislich viel höher ist (vor allem bei Drogenhandel und Einbruch).

    Das sind nun mal die Fakten.

    Aber wer kümmert sich schon um die Sorgen der einheimischen Bevölkerung?
    Die ist doch völlig unwichtig, und muss ersetzt werden.