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Mit einem digitalen Aufruf für mehr Menschlichkeit haben Johannes Webhofer, Julia Überreiter und Markus Fritzer in einer ganz besonderen Art und Weise auf den Weltflüchtlingstag (20. Juni 2015) aufmerksam gemacht: Gemeinsam sind sie in Wien ein „HELP“ gelaufen und haben das via GPS aufgezeichnet, damit der Schriftzug später am digitalen Stadtplan sichtbar wird. Mit dem GPS-Painting zum Weltflüchtlingstag möchten sie ein Bewusstsein schaffen, „dass wir alle eine Verantwortung gegenüber diejenigen haben, die unsere Hilfe benötigen“.

„HELP soll sensibilisieren und dazu beitragen, gute und menschenwürdige Lösungen zu finden. Dafür ist aus unserer Sicht ein respektvoller Dialog ein erster wichtiger Schritt. Wann immer wir über die Flüchtlingsfrage diskutieren, sollten wir darauf achten, dass wir über Menschen sprechen – und ja, speziell von Journalisten und Personen mit Vorbildfunktion müssen wir uns das erwarten können“, so Johannes Webhofer.

neuwal hat Johannes Webhofer 8 Fragen zur GPS-Painting-Aktion „HELP“ gestellt:

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1. Johannes, letzten Samstag (20.06.2015) war der Weltflüchtlingstag. An diesem Tag bist du mit einer kleinen Gruppe in Wien ein “HELP” gerannt und hast dieses mit GPS aufgezeichnet. Wie ist es zu dieser Idee gekommen?

Die Idee mittels GPS-Aufzeichnungen Bilder in Karten einzuzeichnen, ist keine neue. Auslöser für HELP war ein Bericht im Red Bulletin über die Läuferin Claire Wyckoff, die mit GPS-Aufzeichnungen Penisse in die Stadt malt. Das mag ja durchaus amüsant sein. Wir dachten aber, dass man diese Art von Mitteilungen doch auch für etwas Sinnvolleres verwenden könnte. Das Thema Asyl wird derzeit heftig diskutiert. Wir waren uns einig, dass die Art, wie über das Thema gesprochen wird, teilweise sehr respektlos, kalt und menschenverachtend ist. Viele Kommentare in diversen Online-Medien erwecken den Eindruck, dass es hier nicht um Menschen sondern um etwas Abstraktes geht.

2. Was steckt hinter “HELP” – was wolltet ihr damit ausdrücken?
Wenn jemand nach “HILFE” ruft, fragt man nicht nach seiner Religion, Herkunft, Geschlecht oder Alter. Hilfe ist aus unserer Sicht ein Aufzeigen, dass man auf andere angewiesen ist. HELP ist in erster Linie ein Ruf nach Menschlichkeit und Solidarität. Wir haben daher auch nicht den Anspruch in das komplexe Thema Asyl belehrend einzugreifen. HELP soll sensibilisieren und dazu beitragen, gute und menschenwürdige Lösungen zu finden. Dafür ist aus unserer Sicht ein respektvoller Dialog ein erster wichtiger Schritt.
3. Wer ist das Team hinter “HELP”?
Hinter HELP steht keine Organisation oder Verein. Wir sind drei Freunde, die bei einem Kaffeehausbesuch diese Idee hatten.

In gewisser Weise verbindet uns aber auch ein politischer Hintergrund. Julia ist Bildende Künstlerin. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen der Mensch und die Abgründe des Alltäglichen. Dabei bewegt sie sich zwischen den Medien Skulptur, Fotografie, Installation und Mixed Media. Kunst erlaubt es manchmal Probleme anders anzusprechen – anders darzustellen. Markus und ich sind Politikwissenschaftler und arbeiten für die Internet-Plattform www.meinparlament.at. Vor allem zum Thema Asyl sind wir immer wieder mit Fragen von BürgerInnen konfrontiert, welche menschenverachtende oder rassistische Formulierungen beinhalten. Für uns, und da kann ich auch für das Projekt meinparlament.at sprechen, ist es wichtig zu erklären und zu sensibilisieren warum solche Aussagen nicht angebracht sind.

4. Wie habt ihr die Aktion rund um “HELP” geplant, vorbereitet und realisiert?
Nachdem wir uns auf das Schlagwort HELP geeinigt hatten, haben wir versucht, die einzelnen Buchstaben möglichst gut erkennbar in einem Wiener Stadtplan zu platzieren. Für die Aufzeichnung mittels GPS haben wir die APP von Runtastic verwendet und jeden einzelnen fertigen Buchstaben dann auf FB und Twitter gestellt, bis das gesamte Wort zu lesen war. Mittels Handykamera haben wir unsere Wanderung dokumentiert und sind dabei auf verschiedenste Gebäude, Slogans und Kundgebungen gestoßen, die aus unserer Sicht das Thema Asyl berühren. Das Endergebnis, d.h. die Wien-Karte mit dem Wort HELP haben wir dann auf die Homepage http://worldrefugeeday.juliaueberreiter.com/ gestellt.
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Quelle: facebook.com/HELPainting

5. Wo seht ihr derzeit “HELP” in Österreich zum Thema Asyl?
Wir sind keine Experten im Bereich Asyl. Wir wollen uns daher auch nicht anmaßen, politische Pläne öffentlich zu bewerten und zu hinterfragen. Darum geht es uns bei HELP auch nicht. Es gibt sehr viele Positiv-Beispiele, die zeigen, dass ein respektvoller Umgang mit der Flüchtlingsfrage möglich ist. Irmgard Griss hat dazu auch dem Kurier ein sehr lesenswertes Interview gegeben.
6. Wenn ihr die Möglichkeit hättet, eine Sache in Bezug auf Asyl in Österreich zu ändern: Was wäre es?
Wir würden uns wünschen, dass das Thema menschenwürdiger behandelt und diskutiert wird. Ein respektvoller Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen führt aus unserer Sicht auch zu guten Lösungen und zu einer breiten Akzeptanz. Diese Akzeptanz kann aber nur dann wachsen, wenn wir darauf achten, den gehässigen Ton aus unserer Sprache zu entfernen. Wann immer wir über die Flüchtlingsfrage diskutieren, sollten wir darauf achten, dass wir über Menschen sprechen – und ja, speziell von Journalisten und Personen mit Vorbildfunktion müssen wir uns das erwarten können.
7. Gab es Reaktionen oder ein Feedback von Medien?
Bisher ist nur neuwal auf HELP aufmerksam geworden – deswegen gibt es die Hintergründe zu der Aktion hier auch exklusiv 🙂 Wir müssen aber auch betonen, dass alles sehr spontan war und wir keinen ausgeklügelten PR-Plan hatten. Wir haben es einfach getan, weil wir es für richtig und wichtig hielten und den Weltflüchtlingstag dafür sehr geeignet fanden. Aber natürlich freuen wir uns, wenn unsere Botschaft auch viele Menschen erreicht.
8. Nächstes Jahr wieder?
Die Aktion heuer kam sehr kurzfristig zustande. Daher blieb sie auch nur auf Wien beschränkt. Natürlich betrifft das Thema Asyl aber nicht nur Wien, nicht nur Österreich. Es beschäftigt ganz Europa – so wie unsere Botschaft auch eine universelle ist. Möglich, dass wir nächstes Jahr wieder etwas dazu machen. Wir könnten uns vorstellen, dass sich mehrere Menschen daran beteiligen, dass man solche oder ähnliche Zeichen auch in anderen Städten Europas setzt. Vielleicht ist es aber auch gar nicht mehr notwendig – das wäre uns am liebsten.
Wir haben jetzt mal eine Facebook-Seite eingerichtet. Mal sehen was sich ergibt und ob unsere Botschaft Zuspruch findet.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.