Mit einer Wortkonstruktion führt Heinz-Christian Strache viele Menschen an der Nase herum. Erschreckend, wie einfach er es hat.

Ein Kommentar von Jürgen Klatzer.

In den vergangenen Tagen entdeckte ich einige Male einen bestimmten Facebook-Eintrag von Heinz-Christian Strache. Der FPÖ-Chef wettert abermals gegen seine „Asylanten“. Warum seine? Ganz einfach: Strache hat es geschafft, den Begriff Asylant en vogue zu machen. Jung und Alt bedienen sich dieser modernen Wortkreation, über deren negative Konnotation wir gar nicht erst diskutieren müssen. Es ist abwertend.

Ok, der blaue Politiker wettert und schimpft. Das ist nicht neu. Was mir jedoch Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache, dass mit der inflationären Verwendung des Begriffes Asylant eine semantische Verwässerung einhergeht. Was heißt das nun? Heinz-Christian Strache und seine treuen Gefolgsleute sprechen nicht von Asylwerbern oder Asylberechtigen. Sie werfen die zwei Begrifflichkeiten in ihren blauen Suppentopf und brauen sich einen bösen Asylanten, der uns noch den letzten Blutstropfen aus den Adern saugen wird.

Wie Äpfel und Birnen

So auch im Fall des erwähnten Facebook-Eintrags. Eine „Asylantenfamilie“ soll fürs Nichtstun mehr Geld erhalten als eine „arbeitende österreichische Familie“. Drei Gedanken schießen mir in den Kopf: Erstens, die FPÖ betreibt Hetze gegen Ausländer – richtig. Zweitens, die FPÖ führt die Bevölkerung mit diesem Asylanten-Begriff in die Irre – richtig. Und drittens, die Bevölkerung lässt sich gerne in die Irre führen – über 11.000 Shares, rund 9.000 Likes und unzählige aufbrausend zustimmende Kommentare bestätigen meine Vermutung.

Stellen wir eines klar: Ein Asylwerber bekommt nicht dieselbe finanzielle Unterstützung wie ein arbeitssuchender oder arbeitender Asylberechtigter. Die Berechnung, die Strache auch gleich mitliefert, mag nicht unrichtig sein, aber der Blaue vergleicht Äpfel mit Birnen, arbeitslos mit arbeitend. Aber folgendes: Ein arbeitssuchender Asylberechtigter, den meint die FPÖ, hat nämlich dasselbe Recht auf Mindestsicherung wie ein arbeitssuchender Österreicher. Punkt.

Man könnte fast behaupten, alle FPÖ-Wege führen in die Irre. SOS-Mitmensch übersah das Kleingedruckte „mit positivem Asylbescheid“ und publizierte die Leistungen, auf die ein Asylwerber Anspruch hat (auch wichtig zu erwähnen). Damit waren sie selbstverständlich nicht die Einzigen. Auch etliche Journalisten benutzen die Begrifflichkeiten immer wieder auf unterschiedlichste Weise. Ein anerkannter Flüchtling ist kein Asylwerber und ein Asylwerber schon gar kein anerkannter Flüchtling. Die Freiheitlichen haben es geschafft, sie verwässern die Grenze zwischen zwei essenziellen Begrifflichkeiten.

Screenshot | ORF-Sendung Eco
ORF-Sendung Eco (Hinweis eines Lesers; im Beitrag selbst kommt der Begriff einmal vor)

Die FPÖ-Rechenregel

Sehen wir nun den Tatsachen ins Auge: Die FPÖ führt uns in die Irre. Warum? Sind wir zu blöd oder einfach zu faul? Oder gar beides? Ich sprach kürzlich mit einer Bekannten über die finanzielle Hilfe, auf die ein Mensch, der wegen Krieg oder Verfolgung aus seiner Heimat flüchten muss, Anspruch hat. Sie bezog sich auf Straches Facebook-Eintrag. Ich klärte sie auf, dass man hier ganz genau differenzieren muss und dass die blaue Garde gekonnt den Asylanten-Begriff für ihre hetzerischen Zwecke instrumentalisiert. Sie nickte. Ein überzeugender Erfolg? Nein. Ich bin mir sicher, die FPÖ-Rechenregel, ein „arbeitsloser Asylant verdient mehr als ein arbeitender Österreicher“, bleibt ihr länger im Kopf als meine Worte.

BTW: der FPÖ-Chef propagierte bereits des Öfteren Falschinformationen zur gesetzlichen Absicherung von Asylwerbern und Asylberechtigten. Man könnte auch aus der Geschichte lernen, oder?

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Jürgen Klatzer

Redakteur bei KURIER
Seit Oktober 2014 für neuwal.com als Redakteur tätig. Beschäftigt sich vor allem mit Tagespolitik, Politischer Bildung und politischer Philosophie. Sein Interesse gilt dem Nahen und Mittleren Osten. Arbeitet als Redakteur im Medienhaus KURIER. Hat Kommunikation, Kultur und Medien an der Alpen Adria Universität Klagenfurt und Politische Bildung an der Johannes Kepler Universität Linz studiert.