Transkript zum Interview von Armin Wolf mit Frank Stronach in der ZIB2 vom 6. Mai 2015.

ZIB2-Interview
Mittwoch, 6. Mai 2015 um 22:10
ORF2
Transkriptstatus: 7. Mai 2015, 00:56
Quelle: http://tvthek.orf.at/program/ZIB-2/
Bildquelle: orf.at


Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen ernstzunehmenden anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflektion bieten. Danke an die ModeratorInnen und die TV-Anstalten, dass Interviews transkribiert werden dürfen.

fs.20150506

Armin Wolf: Parteigründer Frank Stronach ist jetzt live bei mir im Studio. Guten Abend, Herr Stronach. Danke fürs Kommen.

Frank Stronach: Guten Abend. Ja, schön, hier zu sein.

Herr Stronach…

Wir haben uns schon sehr lange nicht mehr gesehen.

Das stimmt. Ich Sie schon, gelegentlich im Fernsehen. Aber, vor nicht einmal drei Monaten haben Sie – da habe ich Sie auch im Fernsehen gesehen – erklärt: Ihr neuer Vize-Chef, Dr. Auer, sei ein ganz, ganz toller Mann und soll jetzt erstmals steirischer Landeshauptmann und dann Bundeskanzler werden. Und heute haben Sie ihn nach nicht einmal drei Monaten wieder rausgeschmissen, weil Sie kein Vertrauen mehr zu ihm haben. Jetzt mal ganz ehrlich: Wer soll denn das noch ernst nehmen?

Ich muss Sie ein bisschen korrigieren. Sie sprechen immer vom „Chaos“. Chaos ist nur dort, wo man keine Entscheidungen trifft. Chaos ist in Österreich, hier geht die Arbeitslosigkeit sehr stark hinauf, die Schulden werden stärker und sehr stark hinauf. Wo Ordnung ist, werden Entscheidungen getroffen. Und, ich habe die Entscheidung getroffen.

Herr Stronach, Sie wollen wirklich allen Ernstes, vor vielen hunderttausend Zusehern behaupten, in Ihrer Partei herrscht Ordnung?

Bestimmt, nicht? Wir sind eine neue Partei und wir haben viele Leute und viele Teilhaber da mit dabei gehabt, die aus verschiedensten Gründen mit dabei waren. Und da muss man von Zeit zu Zeit das Haus reinigen und dementsprechende Maßnahmen setzen. Ich möchte nur sagen: Der Herr Auer ist eine recht eine nette Person, ich könnte nichts Schlechtes über ihn sagen. Aber, er hat mein Vertrauen verloren. Und er würde nicht die richtige Person sein, die Steiermark weiter vorwärts führt.

Jetzt haben Sie einen anderen steirischen Spitzenkandidaten, den Herrn Kaltenegger. Wie lange kennen Sie denn den schon?

Frank Stronach (im Hintergrund): Ja, ja, ja, mhm.

Ja, eigentlich, es ging auch ziemlich schnell. Manchmal muss man Entscheidungen treffen. Weil das Schlimme davon ist, es traut sich ja fast niemand. Jeder sagt: „Ja, die Prinzipien, alles gefällt uns. Aber ich kann nicht. Ich habe ein Geschäft, ich habe irgendetwas und ich habe Angst vor Steuer, ich habe Angst vor Repressalien.“ So ist es hier in Österreich, ja?

Aber wie lang kennen Sie den neuen Spitzenkandidaten jetzt?

Ja, ich kenne ihn für ein paar Wochen…

…jetzt wissen Sie, er ist der richtige Mann…

Ja, ich hoffe, nicht? Im Leben ist es manchmal, das gewisse Dinge passieren, die vielleicht nicht vereinbar sind. Aber lassen wir… Wir haben jetzt darüber gesprochen. Das ist Schnee von gestern. Ich glaube, wichtig ist, die Leute wollen hören: Wir haben so viele Arbeitslose, was machen wir?

Nein, Herr Stronach. Herr Stronach, nein, ich glaube… Nein.

Ich sage immer: Wenn die Wirtschaft nicht funktioniert, dann, dann… funktioniert nichts.

Herr Stronach, das haben wir ja ganz, ganz oft von Ihnen gehört im Wahlkampf. Ich glaube, die Leute wollen tatsächlich hören, was mit Ihrer Partei los ist. Und ich möchte da ganz kurz die Geschichte Ihrer Partei kurz durchgehen. Die ist ja kurz.
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Frank Stronach (im Hintergrund): Ja (lacht). Ja, die…

…aber da ist sehr, sehr viel passiert. Und ich sage nur ein paar Stichworte. Ich sage: Monika Lindner

Frank Stronach (parallel zu AW): Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja. Ja, ja, ja.

jafrank
Tagcloud: Transkribierter Gesprächsinhalt von Frank Stronach

Ich sage fünf Landtagsabgeordnete in Niederösterreich, die auf drei verschiedene Gruppen mittlerweile verteilt sind. Eine Landesrätin mit Schmiergeldgeständnis. Eine EU-Wahl, bei der Sie gar nicht angetreten sind

…die hat nichts zu tun mit dem Team Stronach bitte.

Das war Ihre Landesrätin.

Ja, die ist aber gleich vom Ding…

Die haben Sie aufgestellt.

Nein, die ist ja gleich ausgetreten.

Herr Stronach.

Die ist ja gleich ihre eigene Partei… Wir haben sie ausgeschlossen.

Aber Sie haben sie ja zuerst aufgestellt zuerst, Herr Stronach.

Na na, ja. Wie wir gesehen haben, das sie nicht in Ordnung war, haben wir Sie, haben wir Sie, also, weggegeben. Das ist, du musst Entscheidungen. Wenn Du merkst, Leute sind nicht in Ordnung, muss man die entscheiden. Noch einmal: Du hast nur Chaos, wo keine Entscheidung getroffen werden.

Dann lassen Sie mich kurz noch Ihre Geschichte weitererzählen.

Darf ich vielleicht, was die Leute gerne… Die Leute, pass auf, da gibt‘s, da gibt’s fast…

…Herr Stronach…

…eine halbe Million Arbeitslose…

…Herr St…

…die wollen hören…

Nein.

…was hat der Stronach für Ideen, wie man Arbeit schaffen kann, wie die Wirtschaft funktioniert…

Herr Stronach. Nein, Herr Stronach ich bin ehrlich nicht sicher, ob die Leute das hören wollen. Weil in allen Umfragen hat Ihre Partei ungefähr ein Prozent.
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Ja, aber ich glaube… Pass auf… Sie haben eine sichere Stellung hier. Sie sind damit zufrieden. Wir haben dort…

Herr Stronach…

Wenn Du keine Arbeit hast…

Herr St…

…dann machst Dir Sorgen darüber.

Herr Stronach…

Und ich glaube, ich habe sehr viel Erfahrung in der Wirtschaft. Wir könnten den Leuten sehr viel sagen, wie man die Wirtschaft ankurbeln kann.

Herr St…, Herr Stronach, wir wollen doch nicht unser erstes Gespräch wiederholen, das wir hier geführt haben.

Ja, aber… Ja, aber ich glaube, wir sollten…

Sondern vielleicht ein vernünftiges Interview machen und es wäre…

…vernünftig sein, aber nicht um den Kreis gehen…

…nett, wenn Sie meine Fragen beantworten.

Ja.

Gut.

Und es würde auch nett sein, wenn Sie mich ein bisschen aussprechen lassen.

Herr Stronach, ja, wenn Sie meine Fragen beantworten, gerne.

Ja, aber dann haben Sie keine Zeit mehr bis Sie…

Herr Stronach…

…die Fragen da…

Ja, weil tatsächlich so viel passiert ist in Ihrer Partei. Sie sind nicht bei der EU-Wahl angetreten, obwohl Sie eigentlich wegen des Euros in die Politik gegangen sind. Sie treten bei drei Landtagswahlen in diesem Jahr nicht an.

Ja, aber…

Jetzt, jetzt… Pass auf…

Herr Stronach, das…

…jetzt sind wir fair.

Herr Stronach, Sie sagen, das ist Ordnung.

Bei der SPÖ, ÖVP […] da werden Regierungsgelder verwendet für EU-Antritte fürs Ganze. Millionen, Millionen, Millionen. Ich komme hier her und sage: Das System passt nicht und ich nehme mein eigenes Geld. Und weil ich in Österreich geboren bin, in der Steiermark geboren. Und mein Gewissen sagt mir, ich solle irgendetwas machen. Wir haben ein Problem. Weil wir nicht wissen, weil irgendetwas nicht funktioniert, dann sollte man wissen, er hat ein Problem. Wenn man‘s wirklich nicht weiß, dass man ein Problem hat, dann hat man wirklich ein Problem.

Beschreiben Sie jetzt nicht gerade Ihr Problem, Herr Stronach?

Unser Problem: wir haben nur die Politiker. Die Regierung ist das Management eines Landes. Unglücklicherweise sind das nur Politiker. Das Mandat eines Politikers ist es, gewählt zu werden und wieder gewählt zu werden.

Herr Stronach, Sie machen…

Das ganze Land wird durch politische Überlegungen regiert. Das ist das Problem. Und bis wir das einmal lösen…

Gut, Herr Stronach, Sie machen es mir so schwer.

…wird Österreich den Bach runtergehen.

Herr Stronach, Sie machen es mir so schwer. Das haben Sie alles im Wahlkampf hundertfach gesagt. Ich würde gerne…

Na, aber es wurde nie gezeigt… wurde nie…

Sie waren sehr oft live im Fernsehen, es haben ja viele Leute gesehen.

Ich wurde immer unterbrochen. Ich wurde immer unterbrochen (lacht)…

Herr Stronach, ich möchte gerne mit Ihnen darüber sprechen, was in Ihrer Partei los ist. Jetzt beschuldigen Sie die Regierungsparteien, sie würden zu viel Steuergeld verwenden.

Ja sicher! Weil von wo haben Sie das Geld.

Herr Stronach, ich bin noch nicht fertig.

Ja, OK. Ja.

Ihre elf Abgeordneten im Parlament werden ja nicht von Ihnen bezahlt, sondern vom Steuerzahler. Und Sie bekommen Millionen an Parteienförderungen.

Ja, aber wie sind die, wie sind die reingekommen?

Herr Stronach, wofür?

Ich habe ungefähr 30 Millionen von meinem eigenen Geld hergegeben um zu zeigen… und, dass man es besser machen kann, wie es jetzt gemacht wird.

Und, ist es besser? Machen die es wirklich besser?

Aber es ist schwierig. Es traut sich niemand. Es traut sich niemand in die Politik rein. Weil die sagen: Ich habe Angst vor der Steuerprüfung, ich habe eine Angst vor dem und dem. Es ist schwierig.

Aber Sie haben ja elf Abgeordnete.

Ja, aber. Nicht, aber. Ja, wir haben elf Abgeordnete. Ja.

Die haben bis jetzt nichts geändert, oder?

Na, die haben… wenn Du elf Abgeordnete hast, ist es ja schwierig etwas zu ändern. Wir haben jetzt geglaubt… der Robert Lugar macht eine sehr gute Ding im Untersuchungsausschuss. Von den Hypo – wo sind die vielen Milliarden hingekommen? Die Leute haben ein Recht darauf zu wissen, wo sind die hingekommen? Wir haben da eine gute Person drinnen, die wirklich reinschaut und einmal sagt: „Pass auf, so korrupt ist es!“

Sie sind ja ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann.

Ja.

Und wenn Sie in ein Projekt Millionen investiert haben, das immer nur Verluste macht. Dann sagen Sie ja irgendwann: „Schluss damit, es wird nichts mehr. Das war einfach eine Fehlinvestition.“

Na, na.

Wäre jetzt nicht langsam der Punkt…

Ich sehe, ich sehe das anders.

…wo Sie sagen müssen: Diese Partei war eine Fehlinvestition?

Legen Sie mir nicht Wort in meinem Mund. Legen Sie, ich sehe das anders. Politik ist eine soziale Sache. Ich sage nur: Ich habe ein Gewissen. Ich bin hier geboren. Das Leben war unglaublich gut zu mir. Und ich sage: Wir haben da Grundfehler in unseren Strukturen. Und da müssen wir einmal drauf hin leuchten und sagen: Können wir es besser machen?

Das machen Sie nicht besser, Herr Stronach.

Ja, aber, nicht… Weil die Medien… Ihr seid ja alle beherrscht von den Parteien… Sie haben einmal schon eine Aussage gemacht: „Wir sind so beherrscht von den Parteien“. Das war Ihre Aussage, wo Sie den Preis gewonnen haben, nicht. Das war Ihre Aussagen: „Wir sind so beherrscht von den Parteien.“ Ihr seid beherrscht von den Parteien.

Herr…

Wenn ihr wirklich, dann würdets ihr nicht hier sitzen. Ihr würdets auch ausgewechselt werden. Da ist die Wahrheit.

Das möchte ich heftig zurückweisen. Mich beherrscht keine Partei.

Aber ich kann hier. Ich habe ein Zitat, wo Sie das genau gesagt haben…

Na, ganz genau nicht.

Vor, vor… fast genau… vor fünf Jahren…

Es ist schon deutlich länger her. Es waren neun Jahre und es war ein bisserl anders. Aber ich bedanke mich für den Besuch im Studio und Danke, dass Sie da waren.

(lacht) OK, sehr gut. Gut.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.