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Diese Woche wurde das Whistleblowing-Portal NEOSleaks von den NEOS vorgestellt. „Wir folgen damit der Aufforderung von Transparency International, die in ihrem jährlichen Überblicks-Report das fehlende Bewusstsein seitens der österreichischen Politik kritisiert“, so NEOS Demokratie-und Partizipationssprecher Feri Thierry in einer Presseaussendung. Ziel ist es, Missstände und Korruption aufzudecken. Dieter Zirnig von neuwal hat mit 8 Fragen bei Niko Alm nachgefragt.

» NEOSleaks

  1. Was ist NEOSleaks?
  2. Was ist das Ziel/sind die Ziele von NEOSleaks?
  3. Wie wollt ihr dieses Ziel erreichen?
  4. Was könnten mögliche „Leaks“ sein – welchen Scope habt ihr im Auge?
  5. Wie kann man sich bei NEOSleaks beteiligen?
  6. Gibt es Vorbilder in anderen Ländern?
  7. Ihr setzt auf ein komplexes Verschlüsselungssystem – ganz kurz: wie funktioniert das?
  8. Wie kann NEOSleaks “politics a better place” machen?

1. Was ist NEOSleaks?
NEOSleaks ist eine Whistleblowing-Plattform nach internationalem Vorbild. NEOS setzt damit auf das System SecureDrop, das von Aaron Swartz entwickelt wurde und im Zuge der NSA-Enthüllungen bei Guardian, New Yorker, Einzug erhalten hat. Zu einer adäquaten Whistleblowing-Plattform gehören ein sicherer Upload-Server, Infrastruktur, um eine anonyme Übertragung zu ermöglichen und ein Konzept für weiteres Verfahren mit Leaks ohne selbst dabei ausgespäht zu werden.

2. Was ist das Ziel/sind die Ziele von NEOSleaks?
Als Oppositionspartei liegt das Ziel im Aufdecken großer Missstände und Korruption im politischen Bereich mit Auswirkungen für die Bevölkerung. Ein Ziel war es, diese Plattform überhaupt anzubieten, damit das Thema dadurch wieder ins öffentliche Bewusstsein kommt, aber auch damit das von der EU-Kommission und Transparency International geforderte Zurverfügungstellen solcher Dienste gewährleistet ist.

Ein weiteres Ziel wäre, auch die Parlamentsdirektion damit in Versuchung zu bringen, ein Projekt wie unseres umzusetzen (wir wären dabei auch gerne behilflich).

3. Wie wollt ihr dieses Ziel erreichen?
Der Launch der Plattform hat medial gut funktioniert. Nebenbei wurde auch diskutiert, wieso eine Partei hier den Anschluss an Infrastruktur internationaler Mediengrößen gelingt und kein Verlagshaus ein wirklich vergleichbares Service anbietet. Wir hoffen, dass hier weiteres entstehen wird, um gesamthaft Transparenz als wesentliches Mittel gegen Korruption zu verbreiten.

4. Was könnten mögliche „Leaks“ sein – welchen Scope habt ihr im Auge?
So ein Scope wäre natürlich das Aufdecken von großen politischen Missständen. So etwas ist jedoch nicht planbar, auch wenn man Leaks hier bereits von uns „gewohnt“ ist (Kleiner-Gutachten, OeNB-Gutachten, Mail-Verlauf BayernLB-Hypo, Burgtheater-Protokolle…).

Wir zielen klar nicht auf Denunzierungen von Einzelpersonen o. ä. ab, sondern widmen uns als Oppositionspartei den Fällen mit politischem Gehalt.

5. Wie kann man sich bei NEOSleaks beteiligen?
Für Verbreitung der Information dazu sind wir dankbar. Auch über Kritik und inhaltliche Inputs, z. B. was bei den FAQ fehlt.
Wir bitten daher tatsächlich, möglichst viel über SecureDrop, Tor und NEOSleaks in Umlauf zu bringen. Wer sich mit Security-Fachexpertise einbringen will, ist natürlich auch herzlich willkommen!

6. Gibt es Vorbilder in anderen Ländern?
Definitiv! Wir sind damals noch durch Aaron Swartz auf das Projekt aufmerksam geworden. Mittlerweile kann aber bereits auf eine Reihe von Vorbildern verwiesen werden: freedom.press/securedrop/directory

7. Ihr setzt auf ein komplexes Verschlüsselungssystem – ganz kurz: wie funktioniert das?
Kurz zusammengefasst: Durch das Verwenden des Tor-Browsers, eine wichtige Sicherheitsmaßnahme die inklusive Installation 2 Minuten dauert, ist dafür gesorgt, dass keine user-bezogene Daten bei uns anfallen können und auch die Übertragung verschlüsselt verläuft. Auf dem Server (dessen Standort nicht verraten wird) wird ebenfalls verschlüsselt gespeichert, sodass nur mit dem dazugehörigen Gegenstück darauf zugegriffen werden kann. Dieses fehlende Gegenstück kommt erst auf einem Laptop dazu, der zu keiner Zeit mit dem Internet verbunden ist. Zusätzlich beugt ein Live-Linux-System, das via USB gestartet wird, herkömmlichen Ausspähversuchen vor.

8. Wie kann NEOSleaks “politics a better place” machen?​
Erstens durch eine gewisse Vorbildfunktion und die Debatte (über Whistleblowing und Sicherheit). Und zweitens – und viel wichtiger – dann, wenn es um wirkliche Leaks geht, die bisher unter Teppiche gekehrt wurden.

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Digitaler und Politischer Entrepreneur - Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.