Über die Fahrlässigkeit mit der politisch Verantwortliche unsere Zukunft verspielen. Ein Kommentar von Susanne Zöhrer

Ein kollektives Hände-über-dem-Kopf-Zusammenschlagen ging diese Woche durch die Republik. Der Bericht der Griss-Kommission zum Hypo-Alpe-Adria Debakel war veröffentlicht worden und legte offen, was Viele ohnehin vermutet hatten: Massives, grob fahrlässiges (vorsätzliches?) Versagen sämtlicher daran beteiligter Personen. Ein Desaster, das unseren Staat über die nächsten Jahre und Jahrzehnte Milliarden kosten wird.

Wer, ich?

Was dann folgte war ein weiterer Schlag ins Gesicht aller Österreicher und Österreicherinnen: Jene Politiker, die sich überhaupt vors journalistische Mikro trauten, zeichneten sich allesamt durch eine Mischung aus Selbstgerechtigkeit, Ahnungslosigkeit und nicht vorhandenem Unrechtsbewusstsein aus. Ja, fast hatte man den Eindruck, als wären die Beteiligten überrascht, hier überhaupt Stellung beziehen zu müssen. ÖNB Chef Nowotny etwa meinte im Ö1 Mittagsjournal, die Nationalbank hätte ihre Verantwortung gut wahrgenommen. Zur Beruhigung hätte ich beinahe einen Molotowcocktail gebraucht.

Aber jetzt mal ganz im Ernst. Es ist mir trotz jahrelanger Beobachtung immer wieder völlig unverständlich wie der Menschenschlag, der sich in der hiesigen Politik offenbar breitgemacht hat, so völlig konsequenzenlos Staatsvermögen verprassen kann, ohne auch nur einen Funken von Anstand an den Tag zu legen.

Im Gegenteil, scheinbar hat sich eine Sorte von Personen in politischen Ämtern ausgebreitet, die Staatsvermögen offenbar als persönliches Spielgeld betrachtet. Zur Verfügung gestellt, um sich ein gemütliches Leben zu machen, seinen Freunderln das eine oder andere lukrative Geschäft, den einen oder anderen fett dotierten Posten zuzuschanzen, und sich ganz nebenbei auch noch von der – übrigens aus dem Staatssäckel geschmierten Boulevardpresse – in den Himmel loben zu lassen. Tut mir leid, aber ich will und kann das nicht verstehen.

What goes around comes around

Immerhin. Eines ist sicher. Die Herren und Damen, die dieses Fiasko zu verantworten haben, werden sich früher oder später – wenn nicht vor einer richterlichen Instanz – so zumindest vor einer bürgerlichen verantworten müssen. Oder eben ihre Nachkommen. Schließlich wird dieser Kurs – auf Kosten der Allgemeinheit einer kleinen Schicht, die sich gerne als „Elite“ bezeichnet, Privilegien zuzuteilen – nicht auf immer und ewig gut gehen. Früher oder später wird’s, wenn sich die Damen und Herren nicht endlich am Riemen reißen, auch mal wieder krachen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Mittelklasse die Kosten für die Eskapaden der Politik, die sich von Konzernen und wenigen Wohlhabenden aushalten und dirigieren lässt, zu tragen hat. Und diejenigen, die bald nichts mehr in der Tasche haben, werden mehr. Die Folge aus dieser Entwicklung muss man nicht projizieren. Man muss nur in die Vergangenheit sehen, um zu wissen was als notwendige Konsequenz folgt. Die Frage, ob sich der künftige Aufstand am linken oder rechten Rand bewegen wird, würde ich in Österreich zumindest auch als eindeutig beantwortet sehen.

Ihr Kinderlein kommet

Zum kommenden Weihnachtsfest also, wenn sich all die bigotten Herrschaften wieder in den diversen Mitternachtsmessen einfinden, mit gefalteten Händen und mildem Blick gen Jesu am Kreuze blinzeln, würde ich dem einen oder der anderen sehr eindringlich empfehlen, einmal ernsthaft darüber nachzudenken, was in ihrem politischen Nachlass verbleibt. Vielleicht besitzt die eine oder der andere von ihnen ja doch noch so etwas wie ein Gewissen.

Frohe Weihnachten!

Foto: TaxRebate.org.uk/flickr (CC-BY-SA 2.0)

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Susanne Zöhrer

Susanne Zöhrer ist promovierte Soziologin und ist bei knallgrau für Text und digitale Strategie tätig. Derzeit ist sie in Bildungskarenz und treibt ihr Jusstudium weiter. Bei neuwal meldet Sie sich mit politischen Kommentaren zurück. Twitter Blog

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