Was von den Neuen im Parlament noch zu erwarten ist. Ein Kommentar von Susanne Zöhrer.

Die vergangene Woche hatte es in sich für die NEOS. Der Tenor über diverse Äußerungen verschiedenster Parteimitglieder bewegte sich von „Irre“ über „verhuscht“ bis hin zu offener Verhöhnung, welche ihren Höhepunkt in einem, zugegeben sehr lustigen, Maschek-Clip fand.

Ticken die noch richtig?

Seit dem Einzug in den Nationalrat waren die NEOS mit diversen öffentlichen Äußerungen unangenehm aufgefallen. Strolz selbst schien aber, ob seiner blumig bis naiven Rhetorik, bloß milde belächelt zu werden. Vergangene Woche jedoch hat wohl eine ganz besondere Sternenkonstellation im Baumkreis der NEOS für einen Totalausfall gesorgt.

Den Anfang machte der Parteichef selbst, der offenbar in einem Anflug aus einem fastenbedingten Endorphinrausch eine Email, samt Gedicht, an die Krone schickte. Das alles hat er in einem ZIB 2 Interview zur Legalisierung von Cannabis nochmal getoppt.

Die Parteikollegen wollten da offenbar nicht nachstehen. Zunächst durch die Forderung nach mehr Flexibilität in der Arbeitnehmergesetzgebung. Zwölf-Stunden-Tage sollten möglich sein. Vorgebracht vom Sozialsprecher Gerald Loacker, mit dem ungemein zynischen Hinweis, dass es für ArbeitnehmerInnen, die Kinderbetreuungspflichten hätten, schon egal wäre, ob das Kind nun 10 oder 12 Stunden betreut würde.

Angesichts derlei Kaltschnäuzigkeit möchte man sich nur noch übergeben.

Dem nicht genug, legte ein gewisser Douglas Hoyos, seines Zeichens Vertreter der Junos (die junge Fraktion der NEOS) gleich noch eines drauf, als er in einem relativ sinnfreien Interview z.B. die jederzeitige Kündbarkeit von Mietverträgen von Seiten des Vermieters forderte und daraus eine Belebung des Wohnungsmarktes sowie eine Tendenz zur Verbilligung von Mieten ableitete.

Angesichts derlei Dummheit möchte man nur noch weinen.

Schade um das Potential

Ich weiß nicht, was die NEOS zu solch wahnwitzigen Auftritten treibt. Übertriebenes Geltungsbedürfnis der noch unerfahrenen Politiker? Völlige Unbedarftheit im Umgang mit der Presse? Egal wo die Ursachen liegen, zwei Problemkreise tun sich akut auf: Zum Einen dürfte Matthias Strolz seine Parteivorsitzrolle nicht mit der nötigen Verantwortung ausüben. So scheint es keinerlei Absprachen über Interviewthemen oder allgemeine Positionen der Partei mit den Gremien zu geben. Strolz stellt sich offenbar spontan und gern auf die öffentliche Bühne und redet los. Meist über sich. Damit kommen nur ganz wenige durch. Matthias Strolz gehört nicht dazu.

Andererseits scheint mir jegliche Themenkoordinierung innerhalb der Partei zu fehlen. So stellt sich dieser Sprecher vor die Presse und sagt „A“, während jener via Facebook „B“ sagt, bis man beim x-beliebigen Parteimitglied anlangt, dass schließlich auch noch unbedingt seinen Senf dazugeben will.

Das endet dann, wie man vergangene Woche deutlich gesehen hat, in einer unverständlich-absurden Kakophonie.

Erst denken, dann sprechen

Wenn die NEOS die nächsten Wahlen überleben wollen, und vor allem, wenn man nach einer PR-Katastrophe wie jener der vergangenen Woche überhaupt noch als ernstzunehmende Partei wahrgenommen werden will, dann sollten sich die Verantwortlichen schleunigst ein wirkungsvolles Konzept im Umgang mit der Öffentlichkeit zulegen.

Schließlich nimmt man mittlerweile sogar das Team Stronach, das diese Woche einen erfolgreichen Antrag auf Austausch des Wortes „Schweinwerfer“ im Parlament eingebracht hat, ernster als die NEOS, die zunehmend im Chaos ihrer etwas zu schillernden Parteivertreter unterzugehen drohen.