Endlich kommt Bewegung ins österreichische Bildungssystem. Nicht weil die Politik ernsthaft Reformen vorantreibt, sondern weil zivilgesellschaftliche Organisationen wie talentify nicht mehr länger zusehen, wie vielen Kindern und Jugendlichen eine Perspektive im Leben verwehrt wird. Wie talentify Kinder und Jugendliche unterstützen will, damit diese ihre Potenziale und Talente wieder besser entfalten können, werden wir euch im heutigen innowal darlegen.

» Jetzt neu: Interview direkt im neuwal Interview Bereich lesen


Inhalt innowal: talentify
innowal
talentify
Bernhard Hofer
Interview mit Bernhard Hofer
Fazit

innowalinnowal
Der innowal stellt Organisationen vor, die innovative und neue Konzepte in einem bestimmten Politikfeld realisieren. Nachdem neuwal.com selbst unter dem Motto “Making politics a better place” agiert und so die politische Kultur in Österreich zum Besseren ändern will, liegt es uns nahe, solchen Projekten eine Plattform zu bieten. Vor allem jenen, die noch keine große mediale Aufmerksamkeit genießen.
Nach einer kurzen Vorstellung der Organisation steht dabei ein Interview mit dem jeweiligen Gründer der Organisation im Zentrum. Am Ende stellen wir uns dann die Frage, welche Veränderungen diese innovativen Ideen bewirken können.Wir laden die Leser von neuwal.com auch dazu ein, uns interessante Organisationen vorzuschlagen. Bei Interesse einfach einen Kommentar hinterlassen oder ein E-Mail an: wolfgang.marks [at] neuwal.com senden.

talentify ist noch eine sehr junge Organisation. Erst im heurigen Frühjahr ist diese ins Leben gerufen worden und befindet sich noch im Aufbau. In diesen Tagen soll die im Zentrum stehende Online-Plattform mit einer erweiterten Testphase starten. Hier soll es SchülerInnen ermöglicht werden, spannende außerschulische Angebote in Anspruch zu nehmen sowie Lernhilfe anzubieten als auch einfach und schnell zu finden. Die Grundidee von talentify ist es demnach, dass ältere SchülerInnen jüngere KollegInnen, meist aus sozial schwächeren Familien, mittels Nachhilfe unterstützen. Davon sollen schließlich beide Seiten profitieren, indem Potentiale, soziale Kompetenz und das Verantwortungsbewusstsein gestärkt werden.

Bildquelle: facebook.com/talentify.at

Politikfeld Bildungspolitik
Gründungsjahr 2014
Vision Wir wollen die Lernhilfe von SchülerInnen für SchülerInnen unterstützen und dabei die individuellen Talente von jungen Menschen fördern.
Dialog www.talentify.co
Facebook

Bernhard Hofer
Nach der Matura an der HTL Innsbruck (Wirtschaftsingenieurwesen) folgte ein Wirtschaftsinformatik Studium am Management Center Innsbruck (MCI) inkl. einjährigen Auslandsaufenthalt an der University of Nebraska at Omaha. Nach dem Studium Übersiedelung nach Wien und Berufseinstieg. Von Marketing Communications bei einem Telekommunikationsunternehmen über Projektmanagement in einer großen Online Agentur (kraftwerk) bis hin zur Geschäftsstellenleitungen eines Softwareentwicklungsunternehmens. Seit Juli 2014 Vollzeit an talentify mit Gründung aus dem UGP (AMS) Mitte Oktober 2014.

Wolfgang Marks (neuwal): Ich freue mich, im heutigen innowal Herrn Bernhard Hofer, Gründer der im Oktober startenden Plattform talentify, begrüßen zu dürfen. Was genau darf man sich unter talentify vorstellen und was sind die konkreten Ziele der Organisation?

Bernhard Hofer (talentify): Danke zunächst für die Einladung zum Gespräch. Bei talentify geht es um die Förderung der individuellen Talente von jungen Menschen, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Hintergrund. Wir setzen dabei sehr stark auf „Peer-to-Peer-Prozesse“.

Wir gehen also nicht selbst an die Schulen und helfen jungen Menschen, sondern betreuen und unterstützen ältere SchülerInnen. Wir wollen Ihnen die nötigen Fähigkeiten mitgeben, damit diese jüngeren SchülerInnen aus bildungsferneren und sozial schwächeren Haushalten weiterhelfen können.
Die Grundidee ist also, dass SchülerInnen anderen SchülerInnen Nachhilfe geben. Was genau ist da Eure Rolle in diesem Prozess, seid Ihr die Vermittler oder wie darf man sich das vorstellen?

Der Erfolg soll nicht von uns abhängen. Wir wollen eine Plattform bieten, um die Prozesse allgemein zu ermöglichen. Denn die Idee, SchülerInnen helfen SchülerInnen ist nichts Neues. Das gibt es schon lange und einige Schulen machen das auch, manche besser, manche schlechter. Der Großteil macht es nicht. Wir von talentify haben uns dann angesehen, wie wir eine Initialzündung geben können und Anreize schaffen können, dass sich SchülerInnen hier engagieren. Wir sind gleich zu Beginn des Projekts an die Schulen gegangen und haben mit den Kindern und Jugendlichen gesprochen. Wir haben versucht herauszuhören, wie wir sie motivieren können, so etwas zu tun. Wir haben dann von ihrer Seite eigentlich immer die gleiche Antwort bekommen. Nämlich, dass das was sie in der Schule lernen nicht die Fähigkeiten sind, die sie später brauchen. Daher haben wir die konkrete Frage gestellt, welche Kompetenzen es denn aus ihrer Sicht braucht und haben sehr spannende Antworten bekommen. An oberster Stelle waren soziale Kompetenz, Social Skills, Kommunikationsfähigkeit, auch politische Bildung sowie Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Zeitmanagement wurden oft genannt. Ganz spannend war aber auch der Punkt Lebensvorbereitung.

Die Schule bereite aus der Sicht der SchülerInnen nicht auf das Leben vor und viele wünschen sich aber Antworten darauf, was nach der Schule, nach der Matura kommt.
Bild: talentify.co
Bild: talentify.co
Da sind tatsächlich viele Elemente dabei, die sich nicht im Lehrplan wiederfinden.

Manche werden sogar aktiv unterbunden, wie das beispielsweise bei Kreativität oder Teamfähigkeit der Fall ist. Wenn man in der Schule ein Problem gemeinsam löst, dann geht es ums Schummeln.

Oft gibt es leider auch noch den Frontalunterricht und da stellt sich natürlich auch die Frage nach der Förderung der Kreativität.

Absolut. Durch diese Erkenntnisse war es für uns auch klar, was wir tun müssen. Wir bieten den älteren SchülerInnen vorwiegend außerschulische Dinge an, genau zu jenen Themen, die sie uns genannt haben.

Wir verlangen im Gegenzug aber kein Geld dafür, sondern tauschen Zeit. Wir investieren diese in die Workshops für ältere SchülerInnen und motivieren diese dann, sich Zeit für jüngere SchülerInnen, vorwiegend aus bildungsferneren Schichten, zu nehmen.

So bauen wir einen Tauschhandel aus Zeit auf, wo wir von talentify als Motor in diesem Kreislauf agieren wollen.

Ganz kurz zu Ihrer persönlichen Motivation. In einem Interview haben Sie gesagt, Sie wollen das Bildungssystem von innen heraus verändern. Neben talentify haben sie mit anderen vor kurzem auch das stEFFIE-Festival begangen, wo Sie kreative Bildungsangebote sichtbar gemacht haben. Was ist die große Vision hinter ihrer Tätigkeit, was wollen Sie erreichen und rührt dieser Tatendrang auch daher, dass Sie den Glauben daran verloren haben, dass die Politik das Problem ernsthaft angeht?
In einem Staat wie Österreich, wo sehr viel Geld für Bildung ausgegeben wird, dürfen einfach nicht so viele Kinder wegen ihres sozioökonomischen Hintergrundes auf der Strecke bleiben.

20 % der PflichtschulabgängerInnen in Österreich können nicht sinnerfassend lesen und viele machen keine weiterführende Ausbildung, nicht einmal eine Lehre. Wir ziehen hier eine komplette Generation junger Menschen heran, die keine Perspektive im Leben hat. Für diese Menschen wird es auch immer weniger beziehungsweise gar keine Jobs mehr geben. Das ist realpolitisch ein großes Spannungsfeld. Zudem ist es erschreckend, wie wenig sich in den letzten zwanzig Jahren im Bildungssystem getan hat. Deshalb bin ich zum Entschluss gekommen, dass hier etwas von Seiten der Zivilgesellschaft passieren muss. Interessanterweise haben wir dann rasch erkannt, dass es schon sehr viele Einzelpersonen, Initiativen und Projekte auf diesem Gebiet gibt. Die sind aber einerseits relativ schlecht miteinander vernetzt und zum anderen machen sie etwas typisch Österreichisches. Sie sehen nur sich selbst und kaum auch ihr Umfeld. Alleine werden sich Bildungsprojekte wie talentify und viele andere aber schwer tun, etwas zu verändern. Gemeinsam können wir es allerdings schaffen.

Entlassen wir da die Politik und auch die Schulen nicht aus Ihrer Verantwortung? Wenn man sagt, das machen ohnehin die privaten Organisationen. Teach for Austria beispielsweise schickt die Lehrer, talentify organisiert uns die Nachhilfe und das vielleicht auch noch gratis. Stoppt man da nicht auch den Reformprozess?

Das ist eine gute und auch wichtige Frage. Ich glaube, es braucht sicher beides. Aber wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo zu viele Menschen auf der Strecke bleiben und zu viele Potenziale und Talente nicht gefördert werden. Selbst wenn jetzt alle politischen EntscheidungsträgerInnen alles zum Besseren ändern würden, dann dauert es mindestens zwanzig Jahre, bis die ersten Kinder und Jugendlichen komplett von diesem neuen System profitieren. Aber was passiert in diesen zwanzig Jahren? Das jetzige System verursacht an gewissen Stellen schon so viele Probleme, da brauchen Sie nur mit einigen Lehrern an Wiens Problemschulen sprechen. Es treten da auch schon Probleme mit Rechtsradikalen auf.

Wenn junge Menschen ein gewisses Bildungsniveau nicht mehr erreichen, nicht sinnerfassend lesen können und gewisse Zusammenhänge nicht verstehen, dann werden sie natürlich empfänglich für einfache Botschaften. Dann landen wir wieder bei jenen Problemen, die wir schon vor achtzig Jahren hatten.

Es gibt also schon zu viele Baustellen und Probleme, deshalb braucht es auch beide Seiten. Das ist zum einen die Grassroot-Bewegung von unten, die die bereits vorhandenen Probleme bei den Kindern angeht und versucht zu lösen, und zum anderen ist natürlich auch die Politik gefordert.

Setzt ihre Idee von talentify aber nicht bei einem Symptom der Bildungsmisere an und nicht bei der Ursache? Die Nachhilfe sollte es ja eigentlich gar nicht geben, wenn das System funktioniert. Sollte man da nicht bei der Wurzel des Problems ansetzen?

Wir sehen das genauso. In unseren Augen darf es außerschulische Nachhilfe in dem Sinne auch nicht geben, schon gar nicht auf diesem Nachhilfemarkt, wo über 100 Millionen Euro pro Jahr ausgegeben werden. Laut einer neuen Umfrage der Arbeiterkammer sehen über 50 % jener Eltern, die ihre Kindern zur Nachhilfe schicken, dies auch als starke finanzielle Belastung an. Andere können es sich gar nicht leisten, ihren Kindern Nachhilfe zu ermöglichen. Das darf es einfach nicht geben. Wir probieren daher kurz- bzw. mittelfristig eine Alternative zu bieten. Durch diese Lernhilfe entstehen dann sehr viele positive Nebeneffekte. Die älteren Schüler, die Nachhilfe geben, stärken zum einen ihre Sozialkompetenz, weil sie Wissen weiter vermitteln und sich so auf den anderen einstellen müssen. Zum anderen stärkt es aber auch den sozialen Zusammenhalt, weil diese SchülerInnen meist aus Haushalten mit höherem Einkommen stammen und wir sie mit Kindern aus sozial schwächeren Familien zusammenbringen. So entsteht auch ein Wir-Gefühl und das ist etwas sehr Wichtiges. Der Nutzen liegt aber auch bei den Familien, die sich Nachhilfe nicht leisten können. Für sie bieten wir eine kostengünstige Alternative. Es handelt sich also um eine klassische Win-Win-Situation, die im Endeffekt die individuellen Talente von Kindern fördert.

Eine Frage habe ich noch zur Finanzierung des Projekts. Wie viele Leute arbeiten an dem Projekt mit, von wem wird es derzeit getragen und wie soll es in Zukunft finanziert werden? Sollen hier Unternehmen als Unterstützer fungieren, zielen Sie auf Förderungen ab oder wie stellen Sie sich das vor?

Momentan finanzieren wir uns aus Eigenmitteln. Wir haben uns auch um eine Anschubfinanzierung vom AplusB-Zentrum (accent) in Niederösterreich und andere öffentlichen Fördergebern beworben. Als finanzielle Mittel für den Start ist das völlig in Ordnung und so eine Anschubfinanzierung hilft uns beim Start extrem. Mittel- und langfristig wollen wir es aber als Social Business aufziehen. Wir wollen nicht von Spenden, Fördergebern oder öffentlichen Zuwendungen abhängig sein. Uns geht es darum, rund um die Idee ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen. Dabei sind nicht große Gewinne das Ziel, sondern dass sich das Projekt selbst trägt.

Wir haben schon viel über Bildungspolitik gesprochen. In Österreich wird allgemein sehr viel über dieses Thema diskutiert, passiert ist aber bislang wenig. Es wird mehr über Überschriften diskutiert als über wirkliche Veränderungen. Jetzt wäre meine Frage an Sie, wie denn Schule im 21. Jahrhundert aus Ihrer Sicht aussehen soll und was drei konkrete Punkte wären, die Sie als Politiker sofort angehen würden?

Ich möchte vorwegschicken, dass wir trotz aller Probleme vor allem bei berufsbildenden höheren Schulen und dem Lehrlingswesen Weltklasse sind. Es kommen sehr viele ausländische Delegationen nach Österreich, um sich anzusehen, wie wir das angehen.

Das Problem liegt eher in der Frage, wer denn Zugang zu diesen Schulen hat. Zu teilweise über achtzig Prozent sind das im Falle von berufsbildenden höheren Schulen nämlich Kinder aus Haushalten mit akademischem Hintergrund.

Bei politischen Aussagen bin ich immer sehr vorsichtig. Es gibt sehr viele Dinge, wo ohnehin schon jeder weiß, wie es funktioniert. Warum gibt es beispielsweise noch abgegrenzte Unterrichtseinheiten von fünfzig Minuten? Warum werden Peer-to-Peer-Effekte, wie wir sie bei talentify einsetzen, nicht stärker genutzt? Es gibt nämlich auch in Österreich ganz hervorragende Pilotschulen, wo zum Beispiel klassenübergreifendes Lernen stattfindet.

Man bräuchte das Rad also nicht neu erfinden, sondern nur das nutzen, was ohnehin schon da ist.

H: Genau das meine ich damit. Es gibt schon so viele Erkenntnisse, egal ob aus der Gehirnforschung, aus anderen Ländern oder eben aus Schulversuchen in Österreich. Es gibt sehr viele Pilotprojekte, die sehr gut funktionieren. Man müsste sie nur aufgreifen. Mein Tipp an die Politik ist daher immer: Parteipolitik raus aus der Bildung. Denn diese politischen Grabenkämpfe blockieren einfach sehr viel. Hier könnte man sich ein Beispiel an den skandinavischen Ländern nehmen, wo ein Konsens herrscht, Parteipolitik möglichst aus der Bildung herauszuhalten. Hier hat sich in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auch sehr viel entwickelt.

Man sollte also wegkommen von den ewigen Diskussionen um Schlagwörter wie Ganztagsschule und wirklich konstruktiv an Veränderungen arbeiten?

Genau. Man braucht ja nur schauen, wie sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat. Das Einzige, was die Politik machen müsste, wäre ein neutrales Auge auf den Ist-Zustand zu werfen und dann Angebote zu schaffen. Es ist heute einfach der Normalfall, dass beide Elternteile arbeiten gehen, um für das Einkommen zu sorgen. Darüber brauche ich nicht streiten. Die Frage ist, was passiert dann mit den Kindern?

Oder dass wir in Österreich über eine gemeinsame Schule der 10 bis 14-jährigen sprechen, ist überhaupt der größte Blödsinn. Man müsste eigentlich über die gemeinsame Schule der 6 bis 14-jährigen sprechen.

Aus der Forschung wissen wir nämlich, dass Kinder im Alter von 6 bis 8, dann wieder von 12 bis 14 und schließlich mit 16 Jahren die größten Sprünge machen. Mit dem derzeitigen System findet der Wechsel zwischen Volks-, Mittel- und höheren Schulen also genau zwischen diesen Entwicklungszyklen statt. Auch aus sozialer Sicht macht die gemeinsame Schule der 6 bis 14-jährigen viel mehr Sinn. So kann ich nämlich viel eher verhindern, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien rausfallen.

Viele fordern auch mehr Autonomie für die Schulen. Lehrer sollen selber entscheiden können, was in der Klasse passiert. Ist das tatsächlich der Schlüssel oder braucht es nicht zunächst Reformen und auch bessere Ausbildung, um die Lehrer zu bemächtigen?

Ich maße mir jetzt nicht an, ein Bildungsexperte zu sein. Da gibt es ohnehin schon viel zu viele. Ich möchte jetzt auch nicht irgendwelche Sager loslassen. Ich glaube aber schon, dass man zuerst bei den Lehrern ansetzen muss. Schließlich sind sie es, die im Klassenzimmer stehen und direkten Kontakt zu den SchülerInnen haben. Es ist schon einmal ein Wahnsinn, dass es zwei verschiedene Modelle von LehrerInnen-Ausbildung gibt. Eigentlich muss ich schauen, dass ich das alles zusammenführe und es eine einheitliche, gute Ausbildung für alle LehrerInnen gibt.

Wenn 20-jährige, die überspitzt formuliert selbst noch Kinder sind, ohne Betreuung und ohne Supervision in eine Klasse mit 25 bis 30 Kindern geschmissen werden, dann ist das ein Wahnsinn.

Ich brauche mir nur Projekte wie Teach for Austria(Link) anschauen. Die haben ein unglaublich strenges und striktes Auswahlverfahren und schicken die Lehrer dann nicht alleine in die Klasse, sondern betreuen sie über 2 Jahre hinweg. Trotzdem ist es für diese sogenannten Fellows oft noch eine große psychologische Belastung. Da fragt man sich dann schon, wie das die ganzen 20jährigen JunglehrerInnen schultern sollen.

Zum Abschluss habe ich noch eine Frage, die in die Zukunft gerichtet ist. Wo sehen Sie denn talentify in fünf Jahren und wo liegen die größten Herauforderungen auf diesem Weg?

In fünf Jahren sehe ich talentify als unabhängige und offene Plattform, auf der SchülerInnen miteinander interagieren und sich gegenseitig unterstützen. Es soll ein Ort sein, wo ein Zusammenhalt besteht, ein „Wir“ und nicht ein „Ich“ gelebt wird. Ich würde mir auch wünschen, dass die Jungen talentify mehr gestalten als wir selbst. Schließlich sind sie es, die sich ihre Zukunft bauen und leben müssen.
Herausforderungen gibt es natürlich unzählige. Die Spielwiese des Bildungsbereichs an und für sich ist schon nicht die einfachste. Es gibt viele unterschiedliche Spieler mit unterschiedlichen Intentionen und Hintergründen. Eine Herausforderung sind aber auch die jungen Menschen an sich. Es ist schon schwierig, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen und noch viel schwieriger ist es, diese auch über längere Zeit zu halten. Wir haben aber in unserem Konzept auch spielerische Ansätze, wo wir SchülerInnen Vorteile bieten und immer mehr anbieten, umso mehr sie sich engagieren.

Danke für das Gespräch.

Vielen Dank für die Fragen.


Fazit: Was kann talentify in der Bildungspolitik verändern?

Mit Bernhard Hofer steht bei talentify ein Mensch an der Spitze, der für die Bildungspolitik brennt und dem man es abnimmt, dass er eine Veränderung bewirken möchte. Sehr positiv ist auch, dass talentify diesen Weg gemeinsam mit anderen Organisationen gehen will. Gemeinsam mit anderen Bildungsinitiativen wie Teach for Austria können solche Initiativen wirkliche Veränderungen in Gang setzen. Zudem können sie auch wirklich Druck auf politische Institutionen ausüben, damit hier wirkliche Reformen angegangen werden. Zudem kann man talentify zu dem Versuch, neue Medien vermehrt für schulische Zwecke zu nutzen, nur gratulieren. Die Online-Plattform ermöglicht so nicht nur einen klassenübergreifenden, sondern auch einen schulübergreifenden Austausch und das ist nur zu begrüßen. Denn davon können wirklich alle profitieren.

The following two tabs change content below.
Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.