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„Es ist alles höchstranging publiziert. Die besten wissenschaftlichen Journale publizieren das auf und ab. Nur in Österreich scheint man das nicht wahrnehmen zu wollen. Die Fakten sind am Tisch. Und es sind auch die Fakten am Tisch, was passiert, wenn wir aufhören: Wir können schlagartig Herz- und Gefäßerkrankungen reduzieren (in Schottland bewiesen), Asthmahäufigkeit bei Kindern kann reduziert werden, plötzlicher Kindstod kann zurückgehen, etc. In Österreich scheinen wir taub zu sein ob dieser Fakten“, so Univ.-Prof. Dr. Hellmuth Samonigg bei der Pressekonferenz zur Initiative dontsmoke.at im Cafe Landtmann (29. Sep. 2014) zu der er gemeinsam mit Kurt Kuch eingeladen hat.

Audio: Pressekonferenz „Don’t smoke“ (Cafe Landtmann, 29.09.2014, 10:00)

Presse-Slides (abfotografiert)

Gemeinsam mit anderen Initiativen gründete Dr. Samonigg und die OeGHO (Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie) dontsmoke.at, die sich für einen besseren (Nicht)Raucherschutz in Österreich einsetzt. „Wir wollen nicht ‚gegen‘ auftreten, sondern verstehen und durchsetzen.“ Dazu bekommt Dr. Samonigg, Univ.-Prof. und Krebsspezialist am Klinikum Graz Unterstützung von der Politik: „Die neue Bundesministerium unterstützt uns und ist dabei.“ 2005 habe Österreich bereits ein Rahmenübereinkommen der WHO zur Tabakkontrolle ratifiziert. Umgesetzt wurde in Österreich dazu noch nichts. Es wird gefordert, dass wir hier nachziehen und uns nicht blamieren. „Für wirtschaftlich Leittragende gilt es in der Gastronomie Betriebe zu unterstützen, Verständnis für die Trafikanten aufzubringen und Alternativmodelle zu finden. „Wir können nicht mehr zurück, dass wir in Österreich eine Änderung finden“

» dontsmoke.at: Petition, Website und weitere Informationen

Prominenter Fürsprecher der von mehreren getragenen Organisationen ist auch Kurt Kuch, der allerdings dieser Pressekonferenz nicht beiwohnen konnte.

  • In Österreich gibt es jährlich 453 Verkehrstote. In den letzten Jahren gab es große Aufwände, um diese Zahl zu reduzieren.
  • Auf der anderen Seite gibt es in Österreich 14.000 Tote auf Grund Folgen vom Rauchen. Eine Zahl, die vom Gesundheitsministerium kommuniziert wird (2008).
  • Die Raucherquote in Österreich liegt bei 33 % (EU: 28 %). Erstes Ziel ist es, zumindestens auf EU-Schnitt zu kommen.
  • Österreich ist an letzter Stelle in Bezug auf Tabakkontrolle (Platz 34 von 34, Leader: Großbritannien, Irland, Island. Deutschland: 33). Das ist seit Jahren bekannt – Österreich ist in den letzten Jahren dabei noch weiter zurückgefallen. (Quelle: Tobacco Control Score 2013)
  • In Österreich rauchen die Raucher durchschnittlich 18.3 Zigaretten (14.2 im EU-Durchschnitt). Ein Durchschnitt, der sich in den letzten Jahren noch verschlechtert hat (vorher: 17.7)
  • 35.000 Zigaretten werden pro Minuten in Österreich geraucht.
  • Pro Stunde sind das 175 km in Österreich. Das ist eine Strecke von Wien nach Wels.
  • Im Jahr: 1.5 Millionen Kilometer an Zigarettenlängen, die in Österreich jährlich verraucht werden. Das ist eine Strecke zweimal zum Mond und zurück.
  • Jede Stunde stirbt ein Mensch in Österreich an den Folgen des Rauchens.
  • Das sind 24 Menschen/Tag. Das Gesundheitsministerium geht von höheren Zahlen aus.
  • Alle sechs Wochen haben wir 1.000 Begräbnisse, die durchs Rauchen bedingt sind.
  • Alle acht Stunden stirbt in Österreich ein Mensch an den Folgen vom Passivrauchen, das sind 1.100/Jahr.
  • „Wir wissen, dass in jeder dieser Zigarette 40 und 70 Substanzen enthalten sind, die Krebs auslösen können. Mehr als 3.000 Chemikalien, bei denen wir Auswirkungen auf den Herz-Kreislauf zeigen können“, so Samonigg.
  • 53 % unserer Kinder bzw. Jugendlichen zwischen 15 und 19 rauchen in Österreich.
  • 21 % der 15jährigen Mädchen rauchen, 18 % der Buben, wenn sie 17 sind.
  • 70 % der Jugendlichen rauchen, weil ihre Freunde rauchen, 25 % weil es ihre Eltern tun.
  • Frauen, die 10 Zigaretten/Tag rauchen, verkürzen ihr Leben um 7.3 Jahre, Männer um 10 Jahre.
  • Mit jeder Zigarette, die man raucht, verkürzt sich um 10 Minuten. „Es sind genau die 10 Minuten, die man raucht, mit der man sich gleichzeitig das Leben um die gleiche Zeit verkürzt“, so Samonigg.

The Tobacco Control Scale 2013 in Europe

Austria: „A very low profile on all tobacco control policies. Austria had the lowest score in 2007 and 2010 so little sign of improvement unfortunately.“
Quelle: europeancancerleagues.org/

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„Mir ist klar, dass es eine große Geschäftsfrage ist. Und deswegen ist das vermutlich der Hauptgrund, warum wir hier so schwer damit durchkommen. Offensichtlich gibt es hier auf Grund des enormen Umsatzes Kräfte, die natürlich stark versuchen dagegen zusteuern. Unsere Aufgabe ist es, bewusst zu machen und die Kräfte zu bündeln, dass sich etwas ändert.“

Die Initiative fordert ein Rauchverbot in allen Innenräumen: „Österreich setzt die Maßnahmen nicht gegen diese Entwicklung. Die Zeit ist reif dafür. Es gibt viele, die das machen wollen. In New York heben sie den Jugendschutz auf über 20 an. Wir sind bei 16. Der Einstieg und Zugang muss erschwert werden. Während der Zugang in Österreich bei Zigaretten in der Trafik oder beim Supermarkt einfach ist, gibt es bspw. in Kanada nicht mal mehr Automaten oder Tabak-Trafiken. Zigaretten sind lt. Samonigg im Geschäft nicht ersichtlich. Erst auf Nachfragen bei der Kassa, gab es Zigaretten, die sich – nicht sichtbar – in einer Schublade unter der Kassa befanden. Es geht um die Awareness, dass man sorgfältig mit dieser Droge umgeht. Der Preis der Zigaretten muss erhöht werden. Wir sind für eine Tabaksteuer; aber mit Beratung und Raucherprävention. Das Finanzminsterium würde nicht schlechter aussteigen, wenn der Tabakkonsum wegbricht“, erklärt Samonigg.

Die Initiative dontsmoke.at fordert daher:

  • Umfassender Nichtraucherschutz – durch ein Rauchverbot in allen Innenräumen, die auch von NichtraucherInnen genutzt werden.
  • Besserer Jugendschutz – durch Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre für Kauf und Konsum von Zigaretten und Tabakwaren und durch Beschränkung der Abgabe auf konzessionierte Verkaufsstellen sowie durch Präventationsprogramme.
  • Besserer RaucherInnenschutz – durch Erhöhung der Tabaksteuer mit Finanzierung von Information und Beratung.
  • Unterstützung der Betriebe die von den umfassenden Nichtraucher- und Raucherschutzmaßnahmen betroffen sind.
  • Umsetzung des bereits 2005 unterzeichneten WHO-Rahmenübereinkommens zur Tabakkontrolle damit Österreich seinen Rückstand auf internationale Standards aufholt.

„Wir möchten hier keine faulen Kompromisse. Das ist nicht der Sinn der Initiative“, so Samonigg. Dazu wurde auch eine Petition auf dontsmoke.at ins Leben gerufen, die das Anliegen mittragen soll: Jede Stimme zählt.

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Der Weg zur politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 8 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen - seit einigen Jahren selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Media Strategy, Digitales Marketing, Innovation und Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.