In der letzten Ausgabe des innowal wurde Christian Felbers Projekt „Bank für Gemeinwohl“ vorgestellt. Darauf aufbauend wollen wir heute sein neues Buch „Geld- Die neuen Spielregeln“ vorstellen, in dem er für eine neue demokratische Geldordnung wirbt, wo Geld ein öffentliches Gut sein soll und damit wieder dem Gemeinwohl dient.

AK-Forum GlobalisierungMag. Christian Felber
Univ.-Lektor Mag. Christian Felber, Jg. 1972, studierte Spanisch, Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft. Er ist international gefragter Referent, zeitgenössischer Tänzer, Lektor an der Wirtschaftsuniversität Wien und Autor mehrerer Wirtschaftsbestseller („50 Vorschläge für eine gerechtere Welt“, „Neue Werte für die Wirtschaft“, „Gemeinwohl-Ökonomie“, „Retten wir den Euro!“, „Geld. Die neuen Spielregeln“). Er initiierte den Aufbau der „Gemeinwohl-Ökonomie“ und des Projekts „Bank für Gemeinwohl“.

Website des Autors: www.christian-felber.at

Am Anfang des Buches hat es Christian Felber leicht, er darf das außer Rand und Band geratene Finanzsystem auseinandernehmen. In gewohnt präziser und klarer Sprache legt er dar, dass es nur einigen wenigen nutzt und nicht der Allgemeinheit dient. Unverständlich, intransparent und obendrein undemokratisch sei es. Dass einer der bekannten Institutionen (wie Währungsfonds oder WTO) dieses Finanzsystem reformieren könnten, glaubt der Autor nicht. Viel eher seien sie Teil des Problems und Erhalter dieses Systems. Deshalb könne nach Felber, wie soll es bei einem großen Verfechter der direkten Demokratie anders sein, nur das Volk selbst eine neue Geldordnung festlegen. Es müssen

„alle freien und eigenverantwortlichen BürgerInnen das (demokratische) Zepter selbst in die Hand nehmen und in dezentralen Versammlungen über die Grundprinzipien und –elemente einer alternativen Geldordnung entscheiden.“

Vorschläge, wie so eine neue Geldordnung aus seiner Sicht aussehen könnte, liefert uns Felber im Rest des Buches.
Eine zentrale Voraussetzung ist für Felber, dass Geld zu einem öffentlichen Gut wird.

„Das bedeutet, dass die Versorgung der Wirtschaft und Bevölkerung mit Geld und Krediten eine öffentliche Aufgabe wird und der Staat Verantwortung dafür übernimmt, dass diese Leistungen zum Wohle der Allgemeinheit erbracht werden.“

Zudem schlägt der Autor eine Vollgeld-Reform vor, wo nur mehr eine gestärkte demokratische Zentralbank Geld schöpfen kann, privaten Geschäftsbanken wäre dies dann endgültig nicht mehr möglich. Die Zentralbanken sollten auch die Möglichkeit haben, Staaten direkt und zinsenfrei Geld zur Verfügung zu stellen (ein Vorschlag, der unter anderem auch schon von Dirk Müller geäußert wurde). So könnte man aus Sicht von Felber auch die Staatsschuldenlast in den Griff bekommen.

„Dann wären die Staaten von den Märkten unabhängig, zudem könnte die Zentralbank, die das Geld aus dem Nichts schöpft, viel günstigere Konditionen bieten.“

Diese Idee ist in Finanzkreisen aber noch ein Tabu, zu groß ist die Angst vor einer Inflation. Man darf gespannt sein, was sich in Zukunft in dieser Frage tut.
In der neuen Geldordnung soll es aber auch neue Regeln für die Vergabe von Krediten geben. Neben den gängigen finanziellen, sollen auch ethische Kriterien überprüft werden. Diese Überprüfung würde vonseiten der Gemeinwohlbanken durchgeführt. Wie das genau aussehen soll, hat Felber im innowal ausgeführt.
Gleichzeitig plädiert der Autor dafür, systemrelevante Banken zu zerteilen, das Finanzcasino und Steueroasen endlich zu schließen und erklärt, warum die staatliche der privaten Pensionsvorsorge überlegen ist. Um das Finanzsystem zu reformieren, greift Felber auch einen vergessenen Vorschlag von Keynes auf. Dieser hatte zusätzlich zu den nationalen Währungen eine transnationale ‚Komplementärwährung’ für den Handel vorgeschlagen.

„Keynes nannte diese internationale Verrechnungseinheit ‚Bancor’, der sich aus einem Korb von Mitgliedswährungen zusammensetzen sollte. Die Wechselkurse der nationalen Währungen zum Bancor sollten politisch festgelegt und periodisch an die realwirtschaftliche Entwicklung angepasst werden. So hätte Keynes’ Modell etwas erreicht, was der Euro nicht zu leisten vermag: die beiden Kernziele Stabilität und Flexibilität unter einen Hut zu bringen.“

Am Ende wagt sich Felber noch an ein heikles Thema, nämlich Obergrenzen für den Besitz von Kapital. Natürlich ist dieser Vorschlag gewagt und beschwört Vorwürfe kommunistischer Enteignung herauf. Aber diesen Vorwürfen ist er nicht das erste Mal ausgesetzt und bislang hat er sich davon nicht beirren lassen. In seiner Argumentation ist diese Maßnahme nur konsequent und logisch. Ob sie wirklich mehrheitsfähig ist, weiß man nicht. Aber in einer Demokratie diskutiert werden darf sie schon, gerade in Zeiten der immer weiter auseinandergehenden Schere von Reich und Arm.
Geht es nach Felber, soll am Ende des Tages in der neuen Wirtschaftsordnung jedenfalls anstelle der Maxime der Gewinnmaximierung die sogenannte ‘Triple Skyline’ treten:

„Diese ‚Triple Skyline’- Sinn, Nutzwerte, Ethik- sind wie Silber, Gold und Diamanten. Sie verkörpern die Ziele und Werte des Wirtschaftens, nicht die Mittel!“

Dieses Buch leistet nicht nur eine verständliche Analyse der größten Probleme des aktuellen Geld- und Finanzsystems, sondern Felber bietet im Gegensatz zu vielen anderen Kritikern auch greifbare Alternativen an. Diese sollen, wenn es nach Felber geht, vom Volk festgelegt werden. Dabei regt er seine LeserInnen auf jeden Fall zum Nachdenken an, auch wenn diese vielleicht nicht immer zu denselben Ansichten gelangen. Meiner Meinung nach geht es auch nicht darum, Felbers Ideen eins zu eins umzusetzen, es geht darum, Probleme wahrzunehmen und anzugehen. Felbers Vorschläge stellen nur eine mögliche Sichtweise dar. Hoffen wir, dass noch viele andere folgen. Es wäre an der Zeit.

Christian Felber

Geld. Die neuen Spielregeln

Seiten: 304
ISBN 978-3-552-06213-9

Preis: 19,50 Euro (Hardcover) und 14,99 (eBook)

 

 

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.
  • Hallo,

    Wenn WIR UNS mal als ein VOLK besinnen, das GEMEINSAME über das TRENNENDE stellen, denn es ist an der Zeit, indem wir die Fehler erkennen, und gemeinsam und zusammen Lösungen erarbeiten, …..

    Ein Vorschlag:
    Die graue Maus wehrt sich, …., da ist gemeint, WIR, das VOLK, das groh des VOLKES, denn schlussendlich geht es um UNSERE GEMEINSAME ZUKUNFT, ….
    Gemeinsames Generationen übergreifendes Denken, Planen, Handeln, Tun, mit Weitsicht und Nachhaltigkeit, mit Vernunft, Verstand, Herz und Hirn.

    und meine Damen und Herren, Bürger, Leute, Menschen, Freunde
    in einer Welt ohne Helden, sind es die einfachen Menschen, die etwas bewegen können.

    LG
    harald matschiner
    Informatiker, Lehrer, Mensch
    Sprecher der/des GP
    http://wirkandidieren.wordpress.com