Es scheint keinen relevanten Unterschied zwischen Cannabis, Tabak und Alkohol zu geben. Für eine Legalisierung sprechen dagegen gewichtige Argumente.

Ein Kommentar von Thomas Knapp

Die New York Times fordert in einem Leitartikel die Freigabe von Cannabis und vergleicht das Verbot mit der Prohibition. Tatsächlich erinnert vieles daran. Eine in Relation harmlose Substanz wird verboten, aber weiter konsumiert, was zahlreiche AnbieterInnen und KonsumentInnen in die Kriminalität drängt. Cannabis ist nicht so „harmlos“ wie Wasser, aber auf einer Ebene mit Zigaretten und Alkohol. Selbstverständlich ist „die Leute machen es trotz Verbot“ kein Argument, sonst könnte man über die Legalisierung aller Verbrechen diskutieren. Es ist aber ein Grund genauer hinzusehen.

Der Mythos der „Einstiegsdroge Cannabis“ hält sich wohl vor allem wegen dem Verbot, weil man alle gleich in die Illegalität drängt, egal ob es um Kokain, Heroin, Molly, Crystal Meth oder eben Cannabis geht. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis für die These, Cannabiskonsum führe zu anderen, härteren Drogen. Die einzige Logik dahinter ist, dass wer eine illegale Droge konsumiert, alle nehmen müsse. Egal was Fakten sagen. Allein die hohe Dunkelziffer an „KifferInnen“, die man aus dem persönlichen Umfeld kennt, die alle nicht weiteren Drogen verfallen, sollte einem zu denken geben. Es wird eine relativ harmlose Sache kriminalisiert und dann darauf verwiesen, dass hier so viel Kriminalität im Spiel sei, dass es nicht harmlos sein könne. Ein perfekter Zirkelschluss. In Wirklichkeit erweist sich die Legalisierung von Cannabis als Schlag gegen die organisierte Kriminalität.

Aber, so ein Einwand, es sei doch erwiesen, dass Cannabis nachhaltig das Gehirn schädige. Ja, insbesondere bei Jugendlichen. Wahrscheinlich wäre eine Legalisierung nicht ab 18 sondern sogar erst ab 21 die richtige Entscheidung. Aber, so der Einwand weiter, Cannabis kann auch Langzeitschäden bei Erwachsenen verursachen. Alkohol nicht? Zigaretten nicht? Fleisch zu essen nicht? Bei Jugendlichen Gehirnen in der Entwicklung scheint der Schaden durch Cannabis verhältnismäßig schnell und stark einzutreten, aber für Erwachsene gilt: die Dosis macht das Gift. Man kann sich mit sehr vielen legalen Substanzen langfristig nachhaltig Schaden zufügen. Wo bleibt das Gesetz gegen fettes Essen? Gegen Bewegungsmangel? Dagegen die feinstaubreiche Luft in Graz zu atmen? Wer mit dem langfristigen Schaden bei Erwachsenen argumentiert, sitzt einem Scheinargument auf, dessen Logik man bei anderen Substanzen selbst vehement ablehnen würde.

Dann wäre da noch die „Abhängigkeitsgefahr“. Auch hier wird das Verbot mit dem Verbot argumentiert. Das Abhängigkeitspotenzial wird wissenschaftlich meist geringer eingeschätzt, als jenes von Tabak und Alkohol. Bei denen traut man Erwachsenen zu, verantwortungsvoll damit umzugehen, oder die Abhängigkeit zu überwinden. Bei Cannabis wird man von illegalen Drogen abhängig, was das Argument so stark klingen lässt, aber nur, weil man Cannabis zuerst verboten hat.

Die einzige Alternative

Aus den genannten Gründen ist ein Verbot von Cannabis genauso wenig sinnvoll, wie eines von Tabak oder Alkohol. Wie es bei diesen beiden Substanzen auch der Fall wäre, verursacht die Verfolgung dieser „Kriminalität“ enormen Aufwand und damit verbundene Belastungen und Ausgaben für das Justizsystem und die Polizei. Eine Legalisierung 1 würde diese entlasten und gleichzeitig, wie die anderen Genussmittel, für zusätzliche Steuereinnahmen sorgen. Sogar ohne Steuererhöhung.

Das wichtigste Argument ist aber die Autonomie, die Eigenverantwortung Erwachsener Menschen. Dabei geht es nicht um eine Abschaffung von Gesetzen weil ja jeder Mensch verantwortungsvoll ist. Es geht darum, dass der Staat Erwachsenen zu Recht zugesteht, selbst zu entscheiden, wie sie mit Tabak und Alkohol umgehen. Weil es Genussmittel sind, die bei bedachtem Umgang, keinen bis wenig Schaden anrichten. Cannabis gehört in diese Liste, es gibt keinen relevanten Unterschied.

Und Österreich?

Der Verein „Legalize“ hat eine Bürgerinitiative zur „Herausnahme von Cannabis aus dem Österreichischen Suchtmittelgesetz“ gestartet, die kurz vor dem Überspringen der 20.000 UnterstützerInnen-Marke steht. Die Jungen Grünen starten ihre Kampagne „Ein Joint geht durchs Land“, um „Eltern, Großeltern und Bekannte zu überzeugen, dass eine Legalisierung von Cannabis einfach vernünftig ist“. Die Sozialistische Jugend gratuliert dem Verein „Legalize“ zur Initiative (in einer vieldiskutierten Aussendung in die Vergangenheit, an den Justizminister von 2000 bis 2004, Dieter Böhmdorfer). Die Mutterparteien wollen nichts davon wissen. Die SPÖ ist gegen eine Legalisierung, die Grünen sind zwar laut Parteiprogramm dafür, aber ihre Bundessprecherin ist dagegen (aber für eine Entkriminalisierung). Auch die liberalen NEOS sind nur für eine Freigabe zu medizinischen Zwecken. Die Rechtsparteien ÖVP und FPÖ sind sowieso dagegen.

Tl;dr: Es gibt keinen relevanten Unterschied zwischen Cannabis, Tabak und Alkohol, der eine Ungleichbehandlung der Substanzen rechtfertigt. Eine Legalisierung würde das Justizsystem entlasten und dem Staat Steuereinnahmen bescheren.

Foto: Alejandro Forero Cuervo/Flickr

Quellen und Fußnoten:

  1. Legaisierung heißt hier staatlich kontrollierter Handel im Sinn von Standards und Gewerbeberechtigungen, nicht dass alle damit handeln sollen dürfen