Das neue Öffi-Ticket für Tirols Studierende bringt kaum Verbesserungen. Studierende werden weiterhin links liegen gelassen. Ein Kommentar von Stefan Hechl.

Paul wohnt in Hall. Er geht in Innsbruck ins Gymnasium, das ist eine Strecke von 10 Kilometern, die er täglich mit Öffis zurücklegt. In seiner Freizeit fährt er auch oft mit Freunden nach Innsbruck, manchmal auch in die andere Richtung, zum Beispiel zum Skifahren oder ins Schwimmbad. Der Tiroler Verkehrsverbund (VVT) hat vor ein paar Jahren das „Schulplus“-Ticket vorgestellt. Um € 96 können alle Tiroler Schülerinnen und Schüler (solang sie unter 24 sind) das ganze Jahre alle Verkehrsmittel in Tirol nutzen – auch die Nightliner, den Stadtverkehr in Innsbruck und Privatbahnen wie die Züge der Zillertalbahn. € 96 ist dafür ein guter Preis, denkt Paul, denn die meisten Schüler und Schülerinnen haben ja kein Einkommen. Außerdem werden so schon junge Menschen dazu animiert, mit den Öffis zu fahren und so die Umwelt zu schonen. So weit, so gut.

Laura hat heuer eine Lehre zur Friseurin begonnen. Ihre Lehrstelle kann sie bequem von zu Hause aus zu Fuß erreichen. Allerdings muss sie in regelmäßigen Abständen von ihrem Wohnort in Längenfeld nach Innsbruck in die Berufsschule. Das sind 74 Kilometer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln allerdings gut erschlossen. Laura freut sich, dass auch sie um € 96 ein Öffiticket für ganz Tirol bekommt. Den Preis findet sie nämlich sehr günstig, vor allem, weil sie ja selber ein regelmäßiges Einkommen hat. Mit dem Ticket kann Laura jetzt nicht nur vom Wohnort zur Berufsschule fahren, sondern auch mit allen anderen Öffis in Tirol, mit dem Innsbrucker Stadtverkehr und sogar mit den Nightlinern sowie Privatbahnen wie der Zillertalbahn. Laura fährt gern mit den Öffis, weil es oft fast gleich schnell wie eine Autofahrt ist und sie dadurch auch die Umwelt schont. So weit, so gut.

Stefan studiert an der Uni Innsbruck. Er wohnt in Innsbruck, weil das tägliche Pendeln ins hintere Zillertal zu zeitaufwändig wäre. Manchmal fährt er aber natürlich am Wochenende nach Hause und dann am Sonntagabend wieder nach Innsbruck. Er hat dann viel Gepäck mit dabei und fährt vom Bahnhof zu seiner WG mit einem Bus der Innsbrucker Verkehrsbetriebe. Während des Semesters muss er oft zu den verschiedensten Uni-Standorten, die quer durch die Stadt verstreut sind. Auch dafür nimmt er den Bus. Als für den Herbst 2014 von den Tiroler Grünen ein günstiges Öffi-Ticket für Studierende versprochen wurde, freute sich Stefan sehr, denn neben den hohen Lebenskosten in Innsbruck und der teueren Miete waren die Öffi-Fahrscheine schon eine erhebliche Belastung für die Geldtasche. Dann wurde das Ticket präsentiert und Stefan rechnete nach:

€ 180 pro Semester
€ 360 pro Jahr für Fahrten nur zwischen „eingetragenem Wohnort“ und Innsbruck

€ 127,50 pro Semester
€ 255 pro Jahr für Fahrten in der Kernzone Innsbruck

Das ergibt vorerst € 615. Dazu kommen noch Fahrten in den Ferien, wo zumindest das Ticket für die Kernzone Innsbruck nicht gilt, und Fahrten, die nicht zwischen „eingetragenem Wohnort“ und Innsbruck liegen. Es kommen also sicher noch – vorsichtig gerechnet – € 100 dazu. Das heißt, Stefan wird pro Jahr für die Benutzung der Tiroler Öffis mindestens € 700 zahlen, vorausgesetzt, das Ticket gilt auch für Linien wie die Zillertalbahn. Wenn nicht, wird es noch viel teurer.
Außerdem muss sich Stefan mit dem Studium beeilen, denn das Studi-Ticket gilt nur für Studierende unter 27. Stefan fragt sich, wie sich seine älteren Mitstudenten und Mitstudentinnen das leisten sollen.

Warum müssen Studierende, die bekanntlich nicht in Geld schwimmen, 7x so viel für die Öffis zahlen wie SchülerInnen, die vermutlich in etwa das gleiche Budget besitzen? Und warum – so sehr man es ihnen auch vergönnt – können Lehrlinge mit ihrem (vielleicht niedrigen, aber regelmäßigen Einkommen) dasselbe Ticket um € 96 erwerben? Warum werden Studierende in Tirol zumindest in dieser Hinsicht links liegen gelassen? Natürlich gibt es manche Studierende, denen das neue Ticket viel bringt. Viele werden es wohl nicht sein. Daher kann man sich nur wundern: Warum werden Studierende nicht einfach in das Schüler- & Lehrlingsticket inkludiert? Das sind Fragen, die Stefan plagen, während er im Zug nach Innsbruck sitzt. Um € 700 pro Jahr.

Die Hauptkritikpunkte zusammengefasst:

  • Warum gilt das Ticket nur für Studierende unter 27? Viele prüfungsaktive Studierende sind über 27. Sie erhalten keine Familienbeihilfe mehr und sind somit finanziell noch schlechter dran.
  • Warum ist das Studi-Ticket, das weit weniger Leistungen inkludiert als das Schüler- oder Lehrlingsticket, trotzdem mehr als 3x so teuer?
  • Warum ist der Innsbrucker Stadtverkehr nicht inkludiert?

[divider] [/divider]Anmerkung: In Version 2 dieses Artikels wurde eine Zusammenfassung der Hauptkritikpunkte hinzugefügt und in der Einleitung das irrtümlich verwendete „keine“ in „kaum“ geändert.