TTIP – oder warum ich mich lieber europäischen Petitionen widme.

Ein Kommentar von Susanne Zöhrer.

Ach, manchmal möchte ich dieses Land und seine Bewohner gern an den Schultern packen und einfach fest rütteln. Ich möchte sagen „Österreich! Wach doch endlich auf und komm in der Gegenwart an! Ja, trau dich doch auch ein bisschen in die Zukunft! Es würde dir sehr sehr gut tun! Ja, es könnte dir dort sogar gefallen!“

Aber, ach, wenn man hierzulande könnte, wie man wollte, es wäre doch meist aussichtslos, also ist mein heutiger Beitrag zu den Debatten rund um gendergerechte Sprache, den Text der Bundeshymne, schmierige Kolumnisten und windige Schlagersänger naturgemäß ein Zitat von Thomas Bernhard:

„Und an der Tatsache, dass wir in so vielen, angeblich wichtigen Orten die Neue Zürcher Zeitung nicht bekommen haben, selbst in Salzburg nicht, entzündete sich unser aller Zorn gegen dieses rückständige, bornierte, hinterwäldlerische, gleichzeitig geradezu abstoßend größenwahnsinnige Land“ (Thomas Bernhard, Wittgensteins Neffe).

Ergo widme ich mich heute wieder mal einem europäischen Thema, bei dem ich Hopfen und Malz noch nicht verloren glaube. Den Verhandlungen rund um das sogenannte TTIP.

Es gibt eine Petition!

Seit einiger Zeit ist nun das Thema TTIP – zum Glück – in aller Munde. Besonders dem Wahlkampf zum Europaparlament haben wir es zu verdanken, dass sich eine derart spröde Materie überhaupt unter der Bevölkerung verbreitet. Es geht um ein Abkommen zwischen der EU und den USA, das momentan in Geheimverhandlungen in Brüssel sprichwörtlich ausgeschnapst wird. Gerade die Geheimhaltung lässt darauf schließen, dass nicht viel Gutes auf uns zukommen wird und wir müssen aktiven Europaparlamentariern danken, dass sie diese hochbrisante Thematik aus den Verhandlungsräumen und Lobbyistenzimmern herausgezerrt haben.

Wir können und müssen uns einmischen

Wer noch nicht weiß was sich hinter TTIP verbirgt, der findet im Clip von Attac Deutschland eine gute Beschreibung, auch Der Standard und die Kleine Zeitung haben das Thema erst vor ein paar Tagen ganz gut aufgearbeitet.

Informiert euch!

Niemand von den Akteuren wird an eure Haustür klopfen und euch fragen, ob ihr denn einverstanden seid, einen Teil eures Rechtsstaates einfach mal so an undurchsichtige Schiedsgerichte auszulagern. Oder, ob ihr damit einverstanden seid, die meist strengeren EU Standards in Bezug auf chemische Zusätze ein bisschen aufzulockern. Niemand wird euch fragen, ob ihr ein Problem damit habt, wenn sich eure Vertreter in Brüssel einfach mal hinter verschlossene Türen setzen und Dinge beschließen, die euch ganz konkret in eurem Lebensalltag angehen.

Also informiert euch. Und wenn ihr zu einer informierten Meinung gekommen seid, dann werdet aktiv.

Einfach mal Nein sagen

Wer informiert ist, hat in jeder Hinsicht einen Vorsprung. Und wer nach Abwägung aller Fakten zum Schluss kommt, dass ein Abkommen wie TTIP voll OK ist, kann auch mit gutem Recht ok dazu sagen. Solltet ihr aber nicht einverstanden sein, dann ist genau jetzt die richtige Zeit ein Zeichen zu setzen. Und sei es nur mit einer Unterschrift.

Ab sofort kann man gegen die Verhandlungen auch als EU Bürgerin aktiv werden und z. B. folgende Petition von Greenpeace gegen das TTIP unterschreiben.

So gesehen, haben Unterschriftenlisten ja auch wieder was Positives.

Bildquelle: TAFTA von Datasta, Wikipedia (CC BY 3.0)

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Susanne Zöhrer

Susanne Zöhrer ist promovierte Soziologin und ist bei knallgrau für Text und digitale Strategie tätig. Derzeit ist sie in Bildungskarenz und treibt ihr Jusstudium weiter. Bei neuwal meldet Sie sich mit politischen Kommentaren zurück. Twitter Blog

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