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Am 21. September 2014 wird in Vorarlberg der Landtag neu gewählt: Neben ÖVP, FPÖ, GRÜNEN und SPÖ haben sich heuer auch fünf weitere Parteien mit den notwendigen Unterstützungserklärungen durchgesetzt. Mit NEOS, Männerpartei, CPÖ, WIR und der Piratenpartei gibt es neue Mitbewerber um Landtagssitze. neuwal hat mit allen SpitzenkandidatInnen der kandidierenden Parteien gesprochen und sie nach ihren politischen Ideen und Zielen gefragt.

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neuwal hat via Google Hangout mit den Spitzenkandidaten gesprochen, die es diesmal wieder oder zum ersten Mal versuchen möchten und am Stimmzettel stehen wollen. Im heutigen Teil vom neuwal walmanach zu den Unterstützungserklärungen für die Landtagswahl Vorarlberg 2014 treffe ich Hannes Hausbichler, Spitzenkandidat der Männeprartei in Vorarlberg – via Telefon.

ÖVP FPÖ GRÜNE SPÖ NEOS PIRAT M WIR CPÖ
Markus Wallner Dieter Egger Johannes Rauch Michael Ritsch Sabine Scheffknecht Fritz Gsellmann Hannes Hausbichler Christoph Alton Erwin Dünser

Männerpartei Vorarlberg

Die Partei mit dem “kantigen Namen” MÄNNERPARTEI wurde 2008 gegründet und muss sich oftmals Kritik gefallen lassen, dass man mit dieser Politik die Diskriminierung der Frauen nicht bekämpfe und die Gleichberechtigung ad absurdum geführt werde. Im Gegensatz dazu bekennen sich der Parteivorsitzende Hannes Hausbichler und seine Partei für gleiche Rechte für Frauen und Männer. Er sieht nämlich heutzutage bereits eine Diskriminierung der Männer, z.B. bei der Frage nach dem Sorgerecht, dem Besuchsrecht und vielem mehr.

Wer jetzt jedoch glaubt, dass das Programm der Männerpartei “nur” auf diese Thematik beschränkt, der irrt: das aktuelle Parteiprogramm umfasst 17 Seiten zu allen möglichen Bereichen.

Die Männerpartei tritt in Vorarlberg zum ersten Mal bei einer Landtagswahl an. „Unser Ziel ist nicht um jeden Preis politische Karriere und uns dabei verbiegen – koste es, was es wolle. Sondern, unser Ziel ist es, thematisch etwas zu erreichen“, meint Parteivorsitzender Hannes Hausbichler.

» maennerpartei.at

neuwal (Dieter Zirnig): Herzlich Willkommen Herr Hannes Hausbichler von der Männerpartei im neuwal walmanach Gespräch zur Landtagswahl in Vorarlberg im September 2014. Was ist denn die Männerpartei genau?

Hannes Hausbichler: Die Männerpartei ist eine politische Bewegung von überzeugten Leuten.

Gegründet aus betroffenen Vätern im Familienrecht und mit Männern, denen der Genderwahn reicht.

Verstärkt und mittlerweile auch massiv unterstützt von vielen faire Frauen, denen es reicht. Das ist die Männerpartei personell. Die Männerpartei sind Idealisten. Die Männerpartei sind „themen- statt karrierebezogen“. Thematisch ist die Männerpartei im Bereich der Kernwerte Eigenverantwortung und Solidarität.

Herr Hausbichler. Der Sitz der Männerpartei hat sich ja im vergangenen Jahr von Wien nach Vorarlberg verlegt. Was hat sich denn da noch alles mitverändert und weiterentwickelt?

Ja, das war eine reine personelle Umstrukturierung. Der Sitz der Partei liegt nach der Adresse des Obmanns in unserer Partei. Und weil der Vorsitzende und Gründer der Partei, Oliver Hoffmann, zurückgetreten ist – er ist jetzt Ehrenmitglied, bleibt der Partei sicherlich ideell verbunden, aber nicht mehr politisch aktiv -, ist es so, dass ich jetzt als neuer Vorsitzender den Sitz der Partei zu mir nach Bregenz verlegt habe.

Was hat sich denn da an den Themen weiterentwickelt? Was hat sich in den letzten Monaten getan?

Die Themen sind aus unserer Sicht von den Missständen der augenblicklichen Politik vorgegeben. Je schlimmer sich die Politik benimmt, desto stärker entwickeln sich auch unsere Themen weiter. Und da ist die Politik auch durchaus fleißig. Sie baut die Missstände, die Schlechterstellung von Vätern sogar noch aus. Unter einem Deckmantel einer scheinheiligen gemeinsamen Obsorge. Betrügt dabei nicht nur die Väter, sondern auch die Kinder, die Großeltern und auch sämtliche Frauen, denen das auch zunehmend zu blöd ist. Also im Bereich der gleichwertigen Elternschaft gibt es eine Negativ-Entwicklung. So schärft sich auch das Profil der Männerpartei. Thematisch haben wir uns vertieft und erweitert. Unsere Linie ist jedoch völlig unverändert.

OK. Bei der Nationalratswahl 2013 hat es in Vorarlberg 490 Stimmen (0.28 %) für die Männerpartei gegeben. Was haben Sie in Vorarlberg vor zu tun, damit das Ergebnis höher wir und damit Sie den Einzug in den Landtag schaffen?

Das entscheidende ist, dass wir bei unseren Themen bleiben. Dass wir mit unseren Themen Bewusstsein schaffen und das wir damit thematisch möglichst viel bewegen.

Unser Ziel ist nicht ‚um jeden Preis politische Karriere und uns dabei verbiegen, koste es, was es wolle‘. Sondern, unser Ziel ist es, thematisch etwas zu erreichen.

Da können Sie mit mir nicht darüber sprechen, wie viel Prozent ich damit holen möchte, damit ich mich in alle Richtungen verbiege und drehe. Denn, so funktioniert leider die Politik in unserem Land. Mit mir können Sie nur damit reden: Wie viel erreichen wir thematisch? Und thematisch erreichen wir natürlich etwas, in dem wir einen hohen Wähleranteil haben. Aber thematisch erreichen wir gar nichts, wenn wir einen noch höheren Wähleranteil haben und uns dabei verbiegen. Daher ist unser Ziel, wieder möglichst viel zu erreichen und dabei wieder die Wähler zu überzeugen. Jedoch, rein das Antreten in der Wahl bringt uns schon wieder in die Diskussion ein. Und dadurch haben wir unser Thema bewegt. Wir werden weiter mit voller Überzeugung, mit einer klaren Linie auftreten.

Sie konfrontieren dabei Ihre Wählerschaft mit dem Thema der Gleichberechtigung was Männer betrifft?

Ja, mehr noch mit den Themen Fairness und Miteinander. Es ist die klar erkennbaren Schlechterstellungen, die Männer in ihrem Lebenslauf betreffen – das ist eine Sache. Doch, das Ziel darüber ist: Wir wollen einer Entsolidarisierung der Gesellschaft entgegentreten, deren Auswirkung, deren Symptom, unter anderem die Schlechterstellung der Männer sind.

Wir wollen jedoch nicht das Symptom bekämpfen, sondern die Ursache. Und die Ursache ist eine egoistische Klientelpolitik, die unsere gewählten Parteien knallhart betreiben um jeden etwas zu versprechen. Unter anderem machen das die Parteien auch bei den Frauen. Und meinen damit Frauen überzeugen zu können, in dem sie sagen: Wir bieten auch Bevorzugung gegenüber Männern. In der Sicherheit, dass den Männern ihre eigene Benachteilung erst entweder wurscht ist oder sie nicht bemerkt werden. Das nicht-bemerkt werden ist das Hauptziel der Politik. In dem sie darüber hinwegtäuscht oder und gleichzeitig noch eine andere Realität vorheuchelt.

Was möchten Sie mit Ihrer Partei oder Organisation konkret verändern und weiterzuentwickeln?

Abschaffung sämtlicher einseitiger Polarisierungen. Das heißt:

Ersatz des Frauenministeriums durch ein Solidaritätsministerium.

Statt gegeneinander – Frauen gegen Männer – muss es heißen: Miteinander. Frauen, Männer, Alte, Junge, Migranten. Solidaritätspolitik statt irgendeiner Genderpolitik. Das ist das allererste und oberste Schlagwort. Echte Fairness, statt bewusst geschaffene Ungerechtigkeiten im Familiengerecht oder von der Wiege bis zur Bahre, was Männer betrifft.

Worin unterscheiden sich nun ihre ausgesprochenen Ideen von jenen der Mitbewerber?

Die meisten politischen Mitbewerber wollen Entsolidarisierung, wollen ein Gegeneinander, um das für ihre Stimmen zu nutzen. Das zeigt sich unter anderem in der Frauenpolitik. Und das zeigt sich unter anderem in der Art, wie die Parteien einmal der Wirtschaft ihre Vorteile und dann den kleinen Leuten ihre Vorteile versprechen. Und das alles natürlich nicht halten können. Die Parteien setzen auf Entsolidarisierung um Stimmen zu gewinnen. Wir setzen auf Solidarität, um in unserem Thema zu gewinnen.

Sie haben kurz angesprochen: „Es reicht“ in Bezug auf Genderwahn. Was sind denn da genau die Details. Wo reicht es Ihnen und Ihrer Wählerschaft?

In der einseitigen Bevorzugungspolitik, die Frauen zugesichert wird, die damit Unterstützerinnen der Frauenpolitik sein soll. Den meisten Frauen ist das wohlgemerkt zu blöd, was diese Entsolidarisierung betrifft. Die Frauenpolitik geht her und schafft ersten ein Zerrbild der Realität, in dem sie bewusst Vorurteile schafft. Vorurteile der Männer als bösartige Unterdrücker. Vorurteile der Frauen als stetige Opfer, die noch dazu erstens an allem unschuldig und zweitens immer als gut bevorurteilt werden müssen. Beide Bilder, die negativen Männerbilder und die überhöhten Frauenbilder sind nicht realistisch.

Die Frauenpolitik sagt: Frauen sind gut, Männer sind böse. Das macht sie durchaus oft subtil, doch sehr konsequent und seit Jahren. Ich nenne ein Beispiel: Gewalt. Die Behauptung, Männer seien gewalttätiger als Frauen, ist bewusst so konstruiert und bewusst mit konstruierten Studien untermauert, die nur spezifische Gewalt aufnehmen in die Gewaltstudien, welche auf Männer lokalisierbar sind. Dann ist es auch so, dass – das sind Fakten -, weibliche Gewalt bagatellisiert und oft nicht gemeldet wird. Die Männerpartei fordert, dass diesen Umständen endlich Rechnung getragen wird. Wenn Sie Zahlen haben wollen, nehmen wir Massenmorde. Dann ist in Österreich aus meiner Sicht rekonstruierbar:

Die größten Anzahlen der Massenmorde waren weiblich, aber Sie sind auf weibliche Art geschehen. Die Lainzer-Mordschwestern haben mehr umgebracht als der Jack Unterweger. Und die Elfriede Blauensteiner ist wohl eine der größten Massenmörderinnen Österreichs.
Der Frauenanteil im Vorarlberger Landtag bewegt sich bei ca. 30 Prozent. Wie können Sie sich das erklären?

Ganz einfach: Der Großteil der aktiven an der Basis sind Männer. Und da gibt es sogar ein Missverhältnis. Es sind mehr Männer aktiv an der Basis als im Landtag. Das beweist nur umgekehrt, dass Frauen jetzt schon – auch wenn es 30 Prozent sind – bevorzugt in den Landtag genommen werden.

Sie haben den Genderwahn vorhin angesprochen. Es gibt ja momentan die Diskussion um die Bundeshymne. Gabalier hat sich dabei sehr eindeutig positioniert. Wie würde bei der Männerpartei der Text aussehen?

Ich sage nur: Erstens reicht es mit der Diskussion. Die meisten Österreicher – ob Männer oder Frauen – schütteln über so einen Blödsinn nur mehr den Kopf. Und ich werde einen Teufel daran tun, mich auf so eine idiotische Diskussion einzulassen. Eines merke ich dazu jedoch an: Das Thema Bundeshymne wird von hochbezahlten Politikerinnen seit Jahrzehnten hochgehalten. Ich fordere vom Staat eine Kostenaufstellung, wieviel Geld bei dieser idiotisch anmutenden Diskussion, die dazu noch aggressiv geführt wird, verwendet wurde. Und ich bin der Meinung: Dieses Geld, was Politikerinnen für diese Diskussion verwendet haben sollen die Parteien der Republik zurückzahlen. Da reden wir von Millionen.

Wir haben jetzt schon einiges über die Ideologie und Philosophie der Männerpartei gehört. Um auf die Wahl sprechen zu kommen: Was sind denn nun Ihre politischen Ideen für Vorarlberg?

Die Vorarlberger Landespolitik schiebt alle Probleme nach Wien ab. Und versucht Wien und dem Bund die Schuld zu geben. Die Vorarlberger Landespolitik geht über das Familienrechtsthema völlig hinweg und betreibt – abgesehen davon – auch aktiv wieder ihre Genderpolitik. Diese Genderpolitik kostet nur, richtet nur Schaden an und bringt die Leute gegeneinander auf. Wir fordern: Vorarlberg soll das reparieren, was im Familienrecht kaputt gemacht wird, statt es zu fördern. Das heißt: Gleichwertige Elternschaft kann Vorarlberg als Vorbildregion einführen. Vorarlberg redet sich auf die Bundesgesetze aus. Doch die Bundesgesetze sind derart schlecht formuliert und unklar, dass das Land Vorarlberg mit seinem gesetzlichen Auftrag, das Kindeswohl zu schützen, alleine voll Handlungsfähig ist und gleichwertige Elternschaft einführen kann. Gleichwertige Elternschaft heißt, dass beide Elternteile die Verantwortung für ihr Kind übernehmen. Verantwortung heißt nicht einfach nur Zahlen und sein Kind nicht zu sehen.

Worin unterscheiden sich jetzt Ihre Vorhaben, die Sie jetzt eben genannt haben, von denen den anderen politischen Parteien? Ich weiß, dass die FPÖ und die CPÖ ähnliche Themen haben… Wo gibt es Annäherungen und/oder Differenzen?

Ich kann nicht erkennen, wo Sie da irgendein ähnliches Thema sehen. Die anderen wollen über Familienpolitik vielleicht manchmal reden. Aber in Wirklichkeit reden sie dabei immer nur über weitere Frauenrechte. Für sämtliche anderen Parteien ist Familienpolitik nichts anderes, als ein Werkzeug der Frauenpolitik. Ob Frauen das wollen oder nicht. Keine einzige Partei will daran etwas ändern.

Wenn eine Partei von Familienpolitik redet, redet sie immer von einer Art der Frauenpolitik, die den Frauen nutzen soll. Nicht den Kindern wohlgemerkt.

Die Parteien reden davon, dass alles dem Kindeswohl dient. Damit ist schon alles klar und alles gesagt. Wer den Unterschied nicht erkennt, der kennt die Realität oder das Familienrecht nicht.

Zu Ihrer Partei. Auf einer Skala von 0-10, wo 0 Rechts und 10 Links darstellt: Wo würden Sie sich auf dieser politischen Skala mit Ihrer Bewegung einreihen?

Diese Skala zwischen Links und Rechts ist aus meiner Sicht im Keller der Politik. Wir wollen bitte im ersten Stock stehen. Das Links- und Rechtsgedenke ist nichts anderes, als die Entsolidarisierung, die wir kritisieren. Für uns gibt es diese Denkweise nicht. Wir wollen ein Miteinander.

Angenommen, Sie machen bei der EU-Wahl mit und machen dort ein Mandat. Zu welcher politischen Fraktion würden Sie sich hingezogen fühlen? ALDE, ECR, S&D um ein Gespür zu bekommen, in welche Richtung es sie zieht.

Die Fraktionen würden mich als erstes nicht interessieren. Ich glaube, es wäre der falsche Weg, sich da einfach einer Fraktion anzuschließen. Es ist sicher für die Politiker interessant, die ihre eigenen Ziele verfolgen und die mit anderen Mitschwimmen wollen. Ich glaube, eine echte und offene Demokratie braucht solche Fraktionen nicht unbedingt. Für uns ist es genau das Thema: Da müssten wir uns an jemanden dranschmeißen, der in einem Links-Rechts-Klientel-Geplänkel ist. Ehrlich gesagt, die Fraktionen würden mich überhaupt nicht interessieren.

Wien – Vorarlberg ist für mich eine große Distanz. Vorarlberg ist sehr weit weg von Wien. 500 km Luftlinie, wenn nicht sogar mehr. Und für mich ein Art unentdecktes Land, das ich bisher nur aus den Medien kenne. Ich bitte Sie, mir zu erklären: Wie sieht denn Vorarlberg politisch gesehen aus?
Vorarlberg ist ein großartiges Bundesland mit Menschen, die ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Demokratieverständnis und Offenheit haben.

Die politische Situation in Vorarlberg ist die, dass es die Politik nicht besser als in anderen Ländern ist. Ich glaube, mit dieser Bevölkerung lässt sich sehr gut ein Bündnis für eine neue Zukunft schließen. Und darauf setzen wir.

Was läuft in Vorarlberg gut?

Der offene politische Meinungsprozess läuft gut. Die Leute sind sehr aufmerksam gegenüber neuen Ideen. Soweit ist Vorarlberg ein guter Boden für neue Konzepte. Die Bevölkerung arbeitet verhältnismäßig gut mit der Wirtschaft zusammen und dabei gibt es ein vernünftiges Einvernehmen. Was in Vorarlberg nicht so gut läuft, ist die Familienpolitik, die von außen getrieben durch Streit-sähen mittlerweile eine Realität schafft, in der die Leute eine sehr weniger lebenswerte Zukunft haben.

Wie sehen Sie Vorarlberg in zehn Jahren?

Ich sehe Vorarlberg in zehn Jahren als Vorbildregion für eine neue Familienpolitik, die von einem Miteinander geprägt ist.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.