Im Zuge der Debatten rund um die Bundeshymne, Gabalier in der vergangenen Woche publizieren wir zwei unterschiedliche Gastkommentare von Brigitte Theißl und Philipp Depisch:

„Die Hymne, Gabalier und Werbegelder“ von Brigitte Theißl (Journalistin, denkwerkstatt und an.schlaege), der auf die mediale Berichterstattung fokussiert und ein Beitrag von Philipp Depisch (Präsident der Initiative Pro Mitteleuropa), der in „TöchterSöhne“ einen Selbstdarstellungstriebes eines heute nicht mehr aktiven Politikers sieht.

Ungleichbehandlung von Frauen und Männern ist und bleibt ein Problem in unserer Gesellschaft

Die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern ist und bleibt ein Problem in unserer Gesellschaft. Auch wenn in Europa zahlreiche derartige Hürden entweder beseitigt, oder entschärft worden sind, gibt es immer noch entscheidende Faktoren, aufgrund derer Frauen im beruflichen Umfeld und natürlich auch familiär wesentlich größere Herausforderungen meistern müssen als die Männer.

Aus meiner Sicht beraubt sich ein Gemeinwesen, das mehr als 51 Prozent der Bevölkerung die Chancengleichheit nur im ungenügenden Maße zugestehen will, selbst vieler seiner Ressourcen. Ein Umstand, der im 21. Jhd. nicht mehr hinzunehmen ist.

Jedoch wird der Sache der Gleichberechtigung sicherlich ein schlechter Dienst erwiesen, wenn dies auf derart populistische Weise geschieht, wie anhand der Österreichischen Bundeshymne. Vor allem wenn man bedenkt, dass die „TöchterSöhne“ nicht zuletzt auch aufgrund des Selbstdarstellungstriebes eines heute (zum Glück) nicht mehr aktiven Politikers Gesetz geworden sind. Dass hier die überwiegende Mehrheit der Österreicherinnen (!) und Österreicher diese Änderung nicht mitträgt, hat nicht nur Andreas Gabalier richtig erkannt. Ich teile seine gestern in der ZiB24 diesbezüglich geäußerten Ansichten und war zudem wenig erbaut über die Darbietung des zuvor genannten Ex-Politikers bzw. der Ex-Politikerin. Dass die Dame zudem allen Ernstes Herrn Gabalier vor laufender Kamera über gew. Körperfunktionen „belehrt“ hat, ist aus meiner Sicht völlig inakzeptabel und zudem parteischädigend. Hier wäre Herrn Gabalier gegenüber eine Entschuldigung angebracht.

Zudem – und das ist ja das eigentliche Kernanliegen – wird man auf so eine Weise sicherlich nicht die völlige und wünschenswerte Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft beschleunigen.

Meine Meinung: Weg vom Populismus und hin zu einer ehrlichen Kraftanstrengung aller Meinungsträger in unserem Land – nur so ist das Ende der Ungleichbehandlung aus meiner Sicht zu erreichen. Wir möchten als IPM hier einen Beitrag leisten.

Und als Anhänger der Direkten Demokratie bin ich der Meinung, dass alle Österreicherinnen und Österreicher das Recht haben, über die Art und Weise Ihrer Bundeshymne zu entscheiden.

philipdepischPhilipp Depisch
Dr. Philipp Depisch ist Präsident der Initiative Pro Mitteleuropa (IPM), eine international tätige Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Wien. Die IPM sieht sich als „Netzwerkplattform“ die den Zusammenhalt in Zentraleuropa stärken möchte. Quelle: wikipedia.org