Offiziell war es ein Privatbesuch, der den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag, auf Einladung der UETD (Union Europäisch Türkischer Demokraten), nach Wien führte. Tausende seiner AnhängerInnen jubelten ihm in und vor der Albert Schultz Halle in Kagran zu.

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Der Besuch erntete aber auch Kritik. Der österreichische Außenminister Kurz kritisierte, Erdogan würde den türkischen Wahlkampf nach Österreich bringen und dadurch Spannungen innerhalb der türkischstämmigen Bevölkerung erzeugen. Respekt vor einem Gastland sehe anders aus, so Kurz weiter. Ein türkischer Wahlkampf auch in anderen Ländern, außer der Türkei, liegt allerdings nahe, denn im Ausland lebende Türken sind bei der bevorstehenden Wahl erstmals wahlberechtigt.

Gegendemonstration: „Erdogan get out of Vienna“

GegnerInnen Erdogans und seiner AKP versammelten sich zur selben Zeit beim Praterstern. Von dort zogen die 6-10 tausend Teilnehmerinnen geradewegs über die Lassallestraße  und die Reichsbrücke bis kurz vor die U-Bahn Station Kagran. Hier wurden Erdogan- AnhängerInnen und GegendemonstrantInnen von der Polizei getrennt.

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Der Demonstrationszug blieb nicht von Zwischenfällen verschont. Im Bereich des Mexikoplatzes kam es zu einem Flaschenwurf vor einem Lokal und einer kurzen Auseinandersetzung. Beamtinnen der WEGA mussten einschreiten. Auch auf der Reichsbrücke gab es mehreren Provokationen gegen die Demo von der Gegenfahrbahn aus. Zumindest ein Demonstrant wurde laut AugenzeugInnen durch eine Pfefferspray Attacke verletzt.

Auch nachdem die Kundgebung um 18 Uhr für beendet erklärt wurde kam es am Rückweg in Richtung Innenstadt immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen den zeitgleich abziehenden Gruppen. Auch hier gab es Leichtverletzte, die Polizei schritt ein und nahm zumindest eine Person vorübergehend fest. Gegen 19 Uhr stieg ein großer Teil der noch verbliebenen GegendemonstrantInnen in, von den OrganisatorInnen bereitgestellte, Busse.

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Daniel Weber, geboren 1980 im weststeirischen Voitsberg, lebt seit 2001 in Wien. Der Behindertenbetreuer studiert Bildungswissenschaften und ist bei neuwal verantwortlich für das Ressort Protest-Aktion-Demonstration.