Selten zuvor wurde vor Beginn einer WM so wenig über Fußball gesprochen. Vielmehr standen und stehen die Proteste der Bevölkerung im Vordergrund, die sich gegen das politische Establishment und die FIFA richten.
Die teuerste WM aller Zeiten bringt nämlich neben den enormen Kosten Ausbeutung, Menschenrechtsverletzungen, fehlende Kinderrechte und vieles mehr ans Tageslicht. Viele BrasilianerInnen wollen dabei nicht mehr zusehen und verstehen vor allem nicht, warum das viele Geld nicht in Bildung und Gesundheit fließt. Kaum jemand schenkt der Präsidentin Glauben, wenn sie betont, dass sich die Investitionen langfristig rechnen werden, weil sie Geschäfte und Arbeitsplätze bringen. Ein Projekt, das sich mit diesen Hintergründen zur WM in Brasilien auseinandersetzt, ist Nosso Jogo.


innowal: Nosso Jogo
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Nosso Jogo
Mag. Martin Kainz
Interview mit Mag. Kainz
Fazit

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Der innoWal stellt Organisationen vor, die innovative und neue Konzepte in einem bestimmten Politikfeld realisieren. Nachdem neuwal.com selbst unter dem Motto „Making politics a better place“ agiert und so die politische Kultur in Österreich zum Besseren ändern will, liegt es uns nahe, solchen Projekten eine Plattform zu bieten. Vor allem jenen, die noch keine große mediale Aufmerksamkeit genießen.
Nach einer kurzen Vorstellung der Organisation steht dabei ein Interview mit dem jeweiligen Gründer der Organisation im Zentrum. Am Ende stellen wir uns dann die Frage, welche Veränderungen diese innovativen Ideen bewirken können.Wir laden die Leser von neuwal.com auch dazu ein, uns interessante Organisationen vorzuschlagen. Bei Interesse einfach einen Kommentar hinterlassen oder ein E-Mail an: wolfgang.marks [at] neuwal.com senden.


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„Nosso Jogo – Initiative für globales Fair Play“ ist ein Projekt, das von vielen Organisationen getragen wird und das die mediale Aufmerksamkeit der WM nutzen will, um ein differenziertes Bild von diesem Großereignis zu zeichnen. Man will einerseits die positiven Seiten des Sports hervorheben und gleichzeitig aber auch auf Missstände und Probleme im Zusammenhang mit der WM hinweisen. So soll in Österreich ein größeres Interesse am Austragungsland Brasilien entstehen und stereotype Auffassungen überdacht werden. In Workshops, Diskussionsveranstaltungen und vielen anderen Events wurde und wird auf fehlende Kinderrechte, auf kulturelle, arbeits-und frauenrechtliche sowie andere entwicklungspolitische Themenfelder eingegangen und versucht, ein möglichst breites Publikum anzusprechen.
Den aktuellen Veranstaltungskalender von Nosso Jogo finden Sie hier: http://nossojogo.at/events

Politikfeld Sport und Entwicklung
Vision „Nosso Jogo“ möchte die Entwicklungen, die sich in Brasilien in Zusammenhang mit der Fußball WM ergeben, in differenzierter Weise der österreichischen Öffentlichkeit zugänglich machen. Dabei soll ein größeres Interesse an Brasilien geweckt und stereotype Bilder über das Land hinterfragt werden.
Dialog nossojogo.at
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„Nosso Jogo“ möchte die Entwicklungen, die sich in Brasilien in Zusammenhang mit der Fußball WM ergeben, in differenzierter Weise der österreichischen Öffentlichkeit zugänglich machen. Dabei soll ein größeres Interesse an Brasilien geweckt und stereotype Bilder über das Land hinterfragt werden.

KainzMag. Martin Kainz
Studium der Soziologie und Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien und der Universidad de Chile.
Wissenschaftliche Auseinandersetzungen zu den Themen Fußballakademien in Westafrika im Kontext globaler Güterketten sowie Land- und Gewohnheitsrechte in Ghana.
Am VIDC bei FairPlay. Viele Farben. Ein Spiel im Bereich Sport und Entwicklung tätig.


Neuwal: Es freut mich ganz besonders, dass wir heute am Tag der Eröffnung der Fußball-WM zum innowal Herrn Martin Kainz begrüßen dürfen. Er ist Mitinitiator der Initiative Nosso Jogo. Wir starten gleich mit der ersten Frage: Was genau steckt denn hinter der Initiative und was sind denn die konkreten Ziele der Organisation?

Martin Kainz: Nosso Jogo ist im Prinzip ein großes Vernetzungsprojekt. Wir haben bereits im Jahr 2013, nämlich im Februar begonnen, Organisationen zu Vernetzungstreffen einzuladen. Wir haben versucht, ein möglichst breit aufgestelltes Projekt Richtung Brasilien und Fußball-WM auf die Beine zu stellen. Wo es darum geht, einen Blick hinter die Kulissen dieser Fußball-WM zu werfen und entwicklungspolitische Thematiken auch durch das Medium Fußball zu transportieren. Letztendlich ist das Projekt von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit gefördert worden und im Kern wird das Projekt getragen von Fair Play und VIDC, das ist die Koordination, von Südwind, dem Lateinamerika-Institut, Jugend Eine Welt, Globalista und der Frauensolidarität.

Im Prinzip geht es einfach darum, dass man die Öffentlichkeit dieses Events nutzt, um gewisse Dinge wie Menschenrechte, wie kulturelle Diversität und auch das Potenzial, das eigentlich im Sport und im Fußball schlummert, an die Leute zu bringen.

Und das Ziel von Nosso Jogo ist, im lokalen bzw. regionalen Bereich, es ist ein österreichisches Projekt, auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen und so versuchen, Schritt für Schritt auf einer geographisch breiteren Ebene etwas zu verändern. Wir haben beispielsweise eine Petition gemeinsam mit dem ÖGB, und da vor allem mit der Gewerkschaft Bau-Holz und der Vereinigung der Fußballer. Die haben vor 2 Monaten lanciert und die ist gerichtet an die FIFA, an den IOC, weil in Brasilien 2016 ja auch die Olympischen Spiele stattfinden werden, und natürlich an die lokalen Vertreter der beiden Vereine, nämlich den ÖFB und den ÖOC. Damit wollen wir auch bezwecken, dass sie merken, dass auch die Zivilgesellschaft in Österreich etwas gegen Prozesse der FIFA oder Vorgangsweisen der FIFA und IOC haben und vielleicht so auch ihre Stimme vertreten können.

Was ist da die genaue Forderung von dieser Petition?

Dass es bindende Menschenrechtsstandards gibt im Rahmen von Sportgroßereignissen. Das ist nicht gerichtet an Brasilien, weil Brasilien hätte sicher vieles besser machen können, vieles anders machen können, auch umsetzen müssen, aber andererseits hat auch die FIFA gewisse Vorlagen, denen sich Austragungsländer beugen müssen. Das hat man auch in Südafrika gesehen, wo einfach die lokale Bevölkerung, die lokale Wirtschaft, Klein- und KleinsthändlerInnen schlecht aussteigen, nicht partizipieren können. Das hat es zwar in Österreich während der EM 2008 auch gegeben, das Problem, dass bei Public-Viewing-Zonen oder um die Stadien normale Verkäufer nicht verkaufen dürfen. Aber die Leute in Österreich trifft es nicht so hart wie in Brasilien oder Südafrika, wo das tatsächlich ein wichtiger Einkommenszweig ist.

Es gibt ja jetzt massive Proteste im Vorfeld dieser Fußball-WM. Die richten sich einerseits gegen die politische Elite in Brasilien und aber auch gegen die FIFA. Neben den Milliardenausgaben für diese WM kritisieren die BrasilianerInnen ja auch Ausbeutung, fehlende Kinderrechte, Menschenrechtsverletzungen und Steuererleichterungen zugunsten der FIFA. Es gibt noch einiges mehr, aber das sind so die Kernthemen, Korruption ist immer wieder ein großes Thema. Verstehen Sie da die Wut der Bürger, verstehen Sie da die massiven Proteste, wie würden Sie das einschätzen?

Ja natürlich kann ich das verstehen.

Also, es war so, wie Brasilien 2009 die Austragung der WM zugesprochen bekommen hat, waren noch 75 % der Bevölkerung für diese WM, mittlerweile sind es 24 %. Die richten sich nicht in erster Linie gegen Brasilien oder die brasilianische Regierung, die PT, sondern in erster Linie gegen die FIFA.

Und die Proteste waren ja wirklich sehr divers. Da waren verschiedenste Gruppierungen, da war die untere Mittelschicht, da war die obere Mittelschicht, da waren Studierende, da waren Indigene. Und jeder ist auf die Straße gegangen, um irgendwie seine Belange darzustellen und dafür zu skandieren. Insofern waren auch die Themen sehr divers und manchmal mehr und manchmal weniger gerechtfertigt. Im Kern ist es halt schon um ein verfehltes Bildungssystem und ein schlechtes Gesundheitssystem gegangen, um Korruption, wie schon angesprochen worden ist und natürlich um Preiserhöhungen. Und manche Dinge stehen jetzt direkt in Verbindung mit der WM und den Olympischen Spielen 2016, wie die Preiserhöhungen, wie auch die Ausgaben in Infrastruktur bei weniger Ausgaben für Bildung und Gesundheit. Und manche Dinge stehen weniger in Relation zu diesen Ereignissen, wie zum Beispiel, dass die obere Mittelschicht auf die Straße geht und mehr oder weniger Angst hat. Oder wenn ÄrztInnen auf die Straße gehen und Angst haben, dass ihre Vormachtstellung dadurch gefährdet ist, dass die Mittelschicht in Brasilien über die letzten Jahre unter der PT-Regierung durchaus gewachsen ist. Was ja an sich sehr gut ist. Also grundsätzlich verstehe ich die Proteste absolut, aber man muss ein bisschen einen differenzierten Blick darauf haben und sehen, dass natürlich sehr viele Gruppierungen die Proteste nutzen, um da auch aufzusteigen und für ihre Belange einzutreten.

Darf ich noch kurz auf die indigene Bevölkerung eingehen. Ich glaube, das wird relativ wenig thematisiert. Inwiefern verstehen Sie da die Kritik, die sich auch zu einem großen Teil gegen die FIFA richtet. Ist die in diesem Bereich berechtigt oder wie würden Sie das einschätzen?

Das kann jetzt der Brasilianer oder die Brasilianerin, der oder die selber vor Ort ist, sicher besser beurteilen als ich. Ich würde mal sagen, die Proteste sind 2013 während dem Confederations Cup richtig aufgekommen. Da ging es auch darum, dass das indigene Museum um das Maracana-Stadion abgerissen hätte werde sollen. Da sind viele Indigene auf die Straße gegangen und das war vollkommen zurecht. Es hat aber schon davor Proteste gegeben, die medial in Österreich und Europa kaum vertreten waren, also in den Jahren vor 2013. Da ging es hauptsächlich um den Rio Negro und den Staudamm Belo Monte. Und sie sind schon auch einer derjenigen, die auf die Straße gehen und auf sich aufmerksam machen und auf die Benachteiligungen in der brasilianischen Gesellschaft. Ich würde meinen, dass das legitim ist, auch wenn es nicht direkt mit der WM zusammenhängt.

Wie schätzen Sie denn die Sache mit den Protesten ein? Glauben Sie, dass die Proteste auch wirklich nachhaltig politische Veränderungen bewirken können oder glauben Sie, dass wenn das mediale Interesse mit der WM verschwindet, dass da auch die Proteste relativ schnell wieder abflauen?

Ich glaube schon, dass es nachhaltig ist. Zumal auch Dilma Rousseff, die brasilianische Präsidentin, im Anschluss an die Proteste 2013 genau diese 4 Punkte, die ich vorher schon nannte, nämlich das Gesundheitssystem, das Bildungssystem, die Preiserhöhungen und die Korruption in das Regierungsprogramm, strategisch ganz klug, aufgenommen hat. Das ist öffentlich, das weiß auch die Bevölkerung und dementsprechend muss auch die Regierung handeln und zumindest Signale geben, dass hier etwas getan wird. Zumindest wenn Rousseff im November 2014 wiedergewählt werden will. Und zum Glück gibt es hinsichtlich der Protestbewegung, das klingt jetzt ein bisschen paradox, auch die Olympischen Spiele 2016. Weil jetzt ist es so, dass sich die Proteste auf das ganze Land verstreuen und nicht sehr gebündelt sind. Es finden viele statt und zum Teil sind einfach nicht so viele Leute dahinter.

In den Medien hier sieht man oft den Black Bloc und die eskalierende Protestbewegung. Das ist sicher keine realistische und repräsentative Darstellung davon, sondern nur die mediale brasilianische Darstellung davon.

Aber wenn mit Hinblick auf 2016 ein Event, nämlich die Olympischen Spiele, nur in einer Stadt, Rio de Janeiro, stattfinden, kann es durchaus auch nachhaltige Effekte haben. Das ist auch die Meinung von unseren brasilianischen Projektpartnern.

Jetzt weg von den Protesten, ich glaube die haben wir ausreichend thematisiert. Fußball wird ja oft auch als Brückenbauer zwischen verschiedenen Kulturen, Ethnien und Nationen dargestellt. Glauben Sie kann der Fußball diesem Anspruch gerecht werden oder ist es nicht eher so, dass Großereignisse wie die WM Nationalisierungsprozesse eher vorantreiben? Wie würden Sie das einschätzen?

Ich glaube schon, dass verbindendes Potenzial im Fußball schlummert. Obwohl es doch sehr paradox ist, weil es ein ziemlich martialischer Sport ist. Das kann man nicht leugnen. Es ist ein inszenierter Kampf am Spielfeld und gerade bei Fußballweltmeisterschaften ist es ja auch inszeniert zwischen Nationen. Andererseits muss man beim Fußball aber auch sagen, dass es Klubmannschaften gibt, wo Spieler von verschiedenen Nationalitäten, ethnischen Hintergründen und Hautfarben vereint sind und sich gut verstehen. Sonst würde ich z. B. nicht in dem Feld arbeiten, wenn ich das nicht für möglich halte. Gerade was Rassismus, Xenophobie und Nationalismus angeht, da ist bei gewissen Ländern schon einiges erreicht worden. Nicht zuletzt auch die UEFA mit ihrem FARE (Football Aganist Racism)-Programm, die da viel Geld reinsteckt. Es gibt im Fußball wirklich sehr viele Anti-Rassismus-Initiativen, wie es Fair Play in Österreich ist.
Viel größere Probleme sehe ich Richtung Homophobie. Das zurzeit bei Fußballvereinen, auch bei Fußballfans eigentlich noch gar nicht angesprochen werden kann und ein riesengroßes Tabuthema ist. Wo wir uns auch sehr schwer tun und wo man sich in den nächsten Jahren noch viel mehr bemühen muss. Aber ich glaube, was Antidiskriminierung Richtung Rassismus, Nationalismus und Xenophobie angeht, da wurde schon einiges erreicht und war vor einigen Jahren sicher schlimmer als es zurzeit ist.

Ein weiterer Punkt ist, Fußball wird in vielen Entwicklungs- bzw. Schwellenländern auch als Chance für den sozialen Aufstieg gesehen. Jugendliche kommen oft aus Afrika, Südamerika nach Europa, weil sie da die Chance sehen, als Fußballprofi viel Geld zu machen. Bei einigen trifft das auch zu, also wir kennen einige Beispiele aus europäischen Topclubs. Aber bei der Mehrheit sieht die Realität ja ganz anders aus. Wie könnte man denn da aus Ihrer Sicht auf die Situation reagieren, also wie könnte man die Situation dieser Jugendlichen verbessern oder ihnen auch ein realeres Bild zu geben, was sie in Europa erwartet?

Naja zuerst einmal und das ist der schwierigere Ansatz, in den Herkunftsländern. Also wenn man von Ländern wie auch Brasilien, aber hauptsächlich Westafrika ausgeht, dann gibt es natürlich sehr viele Menschen, Institutionen und Vereine, die das ausnützen. Nämlich, dass Fußball als das Medium für sozialen Aufstieg gesehen wird. Und das ist tatsächlich so, das kann ich auch von vor Ort sagen.

Da sagen viele Eltern ernüchternderweise, dass es für ihre Kinder besser ist, wenn sie auf den Fußballplatz gehen als in die Schule. Weil sie einfach die Hoffnung haben und auch die Beispiele aus den Medien, dass man es so nach Europa schafft und damit vielleicht auch Geld verdienen kann und so die Familie und das Dorf ernähren kann. Und da gibt es natürlich einige Vereine, europäische Vereine, aber auch afrikanische Vereine, auch Spielervermittler aus Europa und Afrika, die das sehr gut ausnützen können.

Das heißt, das ist nicht schwierig. Obwohl es die FIFA-Regelung gibt, die U18-Regel, dass erst volljährige Spieler ohne Familie ins europäische Ausland transferiert werden dürfen. Das kann aber sehr leicht umschifft werden. Es werden ständig Jugendliche unter 18 nach Europa gebracht mit der Hoffnung, dass sie irgendein Verein aufnimmt. Wenn das nicht der Fall ist, dann lässt sie der lokale Spielervermittler, der wiederum mit dem Spielervermittler im afrikanischen Land verbunden ist, sehr schnell fallen und mehr oder weniger auf der Straße stehen. Das gehört einfach unterbunden, diese Zielrichtung, dass man glaubt, wenn man einmal nach Europa transferiert wird oder wenn man in die Nähe kommt, dann kann es nur gut gehen und es sei großartig. Das heißt, viele Vereine und Spielervermittler spielen einfach mit dem Bild, dass man es durch den Fußball schaffen kann.

Gibt es da Möglichkeiten für die Politik oder die UEFA, dass die da irgendwelche Aktionen setzen? Wie könnte man die Lage da verbessern?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt das sogenannte Transfer Matching System. Dass einfach jeder Spieler oder Jugendlicher, der von einem in das andere Land wechselt, bei der FIFA und dem afrikanischen Verband CAF und der UEFA registriert werden muss. Das heißt man weiß zu jedem Zeitpunkt, wo sich die Spieler befinden und wie alt sie sind etc. Das ist alles schön und gut und hat vielleicht leichte Besserung gebracht. Es ist aber nach wie vor so, dass sehr viele Spieler nicht das wahre Alter haben. Das ist bei afrikanischen Spielern frappierend, aber auch bei südamerikanischen Spielern zum Teil der Fall. Und es ist nach wie vor sehr leicht, Spieler außer Landes nach Europa zu bringen. Jedenfalls, es gibt Dinge, die umgesetzt werden, aber sie wirken halt nicht wahnsinnig. Wo ich ansetzen kann oder wo ich mich mehr auskenne, ist einfach bei lokalen Initiativen. Und da gibt es wirklich viele Vereine, auch Fußballvereine, die sich Akademien nennen. Es gibt viele Akademien, die tatsächlich schlecht und ausbeuterisch sind, aber es gibt auch Akademien, die einen positiven und sozialen Ansatz haben. Es gibt einige in Westafrika, die fußballerische Ausbildung mit schulischer Bildung verbinden.

Ganz zum Abschluss vielleicht noch, was dürfen wir uns veranstaltungsmäßig in den nächsten Wochen noch von Nosso Jogo erwarten?

Bei Nosso Jogo ist es so, dass wir schon einiges im Vorfeld der WM gehabt haben: Dialogveranstaltung, Podiumsdiskussionen und so weiter. Am 26. Juni haben wir die nächste Veranstaltung, die direkt mit Fußball in Verbindung steht, die nennt sich: Steueroase FIFA. Da sind Steuerexperten aus Brasilien und der Schweiz eingeladen, die über die FIFA und ihr ausbeuterisches System referieren werden.

Dann danke ich für das Interview. Wir freuen uns auf schöne Spiele und natürlich werden wir auch den Blick hinter die Kulissen weiter verfolgen.


Fazit: Was kann Nosso Jogo im Politikfeld Sport und Entwicklung verändern?

Sportliche Großereignisse wie eine Fußball-WM bringen viele positive Elemente mit sich. Emotionen, Leidenschaft und auch das Potenzial des Fußballs, völkerverbindend zu wirken, all diese Dinge wurden auch im Rahmen dieses Interviews angesprochen. Doch leider haben solche Großereignisse oft auch ihre Schattenseiten. Dies hat die WM in Südafrika gezeigt und das zeigt sich auch im Rahmen dieser WM in Brasilien wieder. Viele Menschen verstehen nicht, warum man so viel Geld in eine Sportveranstaltung stecken kann, wenn dann auf der anderen Seite das Geld für Bildung und Gesundheit fehlt und am Ende der Weltfußballverband FIFA der große Profiteuer ist.

Nosso Jogo weist genau auf diese Widersprüche hin und versucht auch in Österreich, die Leute dafür zu sensibilisieren. Mit den zahlreichen Aktivitäten werden Problemfelder sichtbar gemacht und viele Teile der Bevölkerung beginnen, sich mit entwicklungspolitischen Fragen auseinanderzusetzen. Warum gehen die Menschen in Brasilien auf die Straße, mit welchen Problemen hat die Gesellschaft dort zu kämpfen? All das sind Fragen, die plötzlich im Fokus stehen. Nosso Jogo kann somit helfen, über den (österreichischen) Tellerrand hinauszublicken und auch aufzeigen, wie wichtig entwicklungspolitisches Engagement ist und dass es auch in unserer Verantwortung liegt, für globales Fairplay zu sorgen.

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Der gebürtige Oberösterreicher Wolfgang Marks lebt seit nunmehr gut 10 Jahren in Wien und hat hier Politikwissenschaften und Internationale Entwicklung studiert. Schon immer sah er in einer richtig verstandenen politischen Bildungsarbeit einen wesentlichen Schlüssel zum Funktionieren einer Demokratie. Nur durch aktive Teilhabe reflektierter, kritischer Menschen kann solch eine Form des Zusammenlebens überhaupt möglich sein. Bei neuwal will er daher aufzeigen, dass jedeR Politik positiv und konstruktiv mitgestalten kann. So holt er als Ressortleiter des innowal innovative Projekte vor den Vorhang, engagiert sich beim LANGEN TAG DER POLITIK und versucht in seinen Artikeln auf oft vergessene Politikfelder wie beispielsweise die Entwicklungspolitik einzugehen.